Weinberg: Eine Vorschau

Die meisten der aktuellen, großen, ausgezeichneten Prestige-Serien Amerikas wie z.B. Game of Thrones oder The Walking Dead stammen von Kabel-Netzwerken, die nur für eine Gebühr monatlich zugänglich sind. Die Sender erwarten sich durch diese meist sehr teuren Projekte nicht nur hohe Zuseherzahlen, sondern hoffen vor allem, mit Hilfe dieser breiter und lauter in den Medien erwähnt zu werden. Im deutschsprachigen Raum gibt es diesen Markt in einem nur sehr kleinen Raum; Kabel-Sender wie Fox Deutschland, TNT Serie oder Sky bestechen vielmehr durch raschere Importe der amerikanischen Programme als eigenproduzierte Qualitätsserien.

Seit Kurzem regt sich da allerdings etwas auf diesem Markt. TNT Serie schickte mit Add a Friend 2012 als erster deutscher Kabelsender eine Eigenproduktion ins Rennen. Jetzt scheint der Sender Blut geleckt zu haben: Mit der 6-teiligen Miniserie Weinberg, die ab September 2015 ausgestrahlt werden soll, steht das nächste Projekt in den Startlöchern.

Der Trailer ist vielversprechend: Optisch scheint man sich offensichtlich an True Detective orientiert zu haben, und schon im Trailer wird klar: Der titelgebende Weinberg dürfte ein Charakter für sich werden. Die Optik ist gewaltig, der Nebel beeindruckend, die Stimmung passend klaustrophobisch. Und wie hübsch ist das Serienlogo designt? Auch der Schnitt hat sich einiges Positives von der internationalen Konkurrenz abgeschaut: Mit der perfekt gewählten ätherischen Musik und der vagen, aber spannenden Atmosphäre ist der Weinberg-Trailer der einzig mir bekannte deutsche Serientrailer, den ich mir gerne immer wieder ansehe.

Es ist ersichtlich: Man hat sich richtig Mühe gegeben mit dem Projekt. Wie gut die Serie dann wirklich sein wird, davon kann man sich dann natürlich erst im September ein Bild machen. Eine gewisse Restskepsis bleibt: Die Prämisse ist zwar spannend, aber hat man so oder so ähnlich auch schon mal gesehen, wenn auch meist in ausgezeichneten Produktionen. Ein bisschen unbeholfen, um nicht zu sagen unnatürlich wirken die Schauspieler in der Begegnung am Nebelberg schon. Oder kommt mir das nur so vor, weil ich unbewusste Vorurteile gegenüber deutschsprachigen Serie besitze? Vielleicht kann Weinberg da ja Abhilfe schaffen.

Magere 400 mal wurde der Trailer bislang angesehen. Das ist schade, weil unverdient: Immerhin handelt es sich dabei wohl um ein, mit dem Risiko es zu verschreien, Schlüsselwerk für die zukünftige Entwicklung deutscher Serienstoffe. Für TNT Serie ist eine Eigenproduktion, auch wenn sie nur 6 Folgen umfasst, eine große Investition – wenn sich diese nicht lohnt, werden weitere Werke in dieser Form wohl eher vom Tisch fallen. Wie erwähnt geht es dabei dem Sender, der ja keine Werbeunterbrechungen progammiert, um Publicity. Wenn ich die Möglichkeit habe, würde ich dem Sender gerne den Gefallen tun, im September die Miniserie Folge für Folge zu verfolgen. In der Zwischenzeit hoffe ich, dass die Serie mehr Traktion in Sachen Aufmerksamkeit erhält. Ob Weinberg diese zurecht erhält erfahren wir dann im September.

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