Die besten Serien-Momente 2014

Das Fernsehjahr war lang und schön – Zeit, es wieder revue passieren zu lassen, und so liste ich, wie schon in den Jahren zuvor, die 10 besten Serienmomente des Jahres auf. Dabei werde ich mich nicht nur auf Serien beschränken, die ich hier im Blog behandelt habe – Platz 1 zum Beispiel gehört einer Serie an, von der ich wohl wünschte, dass ich ihr Potential schon früher erkannt und ergo davon berichtet hätte. Dass ich allerdings über viele Episoden auch geschrieben habe, wird wenig überraschen: Weil ich nur ein oder zwei Artikel pro Woche verfassen kann, suche ich mir natürlich die nahrhaftesten und besten Serien aus.

Natürlich besitzt diese Liste keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit – wie könnte sie auch? Jährlich werden hunderte neue Serien produziert, während noch viel mehr in ihre 2te, 3te oder 10te kommen, für deren Verständlichkeit man alle Episoden davor sehen müsste. Selbst wenn man sich darauf beschränken würde, nur „qualitative“ (was auch immer das heißt) zu sehen, sieht man sich mit einem viel zu großen Sendevolumen konfrontiert, als dass man anschließend eine konklusive Liste der besten Momente schreiben könnte – mal ganz davon abgesehen, dass das ohnehin eine äußerst subjektive Sache ist.

Ich werde dabei nicht umhinkommen, anzusprechen, worum es in diesen Szenen und ihren Episoden überhaupt geht – die Spoilerwarnung sei hiermit ausgesprochen.

Platz 10: The Leftovers 1×01 Pilot„: Stop Wasting Your Breath.

The Leftovers ist wohl der polarisierendste Serienstart des Jahres, und ich bin ein devoter Befürworter der Serie. Ob man die Serie mag oder nicht ist Geschmackssache, unbestreitbar ist allerdings die Reichhaltigkeit an Substanz – über wohl keine Serie könnte ich länger diskutieren. Was die Serie, die sich um das übernatürliche, plötzliche Verschwinden von 2% der Weltbevölkerung dreht, in meinen Augen ausmacht, ist, wie stark sie die primalen Instinkte der Figuren appeliert – und das beweist sie hervorragend schon im Piloten, in dem der Guilty Remnant Kult die 3-jährige Gedenkfeier an das Plötzliche Verschwinden stört. Wir leben in einer kultivierten Gesellschaft, in der Gewalt keinen Platz mehr hat, doch die kalten Worte des Guilty Remnant („Stop Wasting Your Breath“) lassen die Gefühle kollektiv Oberhand nehmen. Ich finde es unheimlich bewegend zu sehen, wie das Verschwinden die Gesellschaft aufweicht und zu solch Taten führt – es ist der Moment, an dem ich erkannte, dass ich diese Serie zu Ende sehen würde, egal wie sehr ich sie mögen würde.

Quelle: Offizielle Leftovers Facebook Homepage. (c) HBO. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Platz 9: Game of Thrones 4×02 The Lion and the Rose„: Die Hochzeit.

Game of Thrones hatte dieses Jahr (wie auch jedes Jahr eigentlich) eine unheimliche Fülle an großartigen Szenen zu bieten – da fällt es schwer, seine Favoriten zu nennen. Heraus sticht allerdings auf jeden Fall die gigantische Hochzeit zwischen Joffrey Baratheon und Margery Tyrell, die einen für die Serie ungewöhnlich großen Teil der Episode beanspruchte. Nicht nur dank der irre imposanten Kulisse wurde die Hochzeit zu einem monumentalen Ereignis, insbesondere ihr abruptes Ende sorgte dafür, dass sich die gesamte Szene einen Platz in der Jahres-Bestenliste erspielt.

Quelle: Youtube Screencap. © HBO. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Platz 8: Orphan Black 2×04 „Governed as It Were by Chance„: Der weiße Engel.

Bei Orphan Black handelte es sich voriges Jahr um einen der größten Überraschungshits, in der zweiten Staffel erwartete ich folglich Großartiges. Ein klein wenig wurden meine Erwartungen dann allerdings gebremst, weil die Serie drohte (und immer noch droht), völlig den Faden zu verlieren. Am Ende der 4. Folge, als die blutgetränkte Helena die vollkommen verängstigte Sarah rettet, hatte die Serie diesen allerdings gänzlich in der Hand. Zuerst fand ich die Wendung, dass Helena die 1. Staffel überlebt hatte, ziemlich konstruiert, doch spätestens hier entpuppte sie sich als Orphan Blacks neue Geheimwaffe. Der Soundtrack trägt mit dem imposanten Helena-Theme das seine bei, doch der echte Star ist, wie könnte es anders sein, Tatiana Maslany – die Szene verdient sich jeden Emmy dieser Welt.

Quelle: YouTube Screencap. (c) BBC America. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Platz 7: Sherlock 3×03 „His Last Vow„: Der Gedankenpalast.

(Gut, die Benützung des Wortes „Szene“ ist grenzwertig – dabei handelt es sich natürlich um eine ganze Sequenz.) Sherlocks dritte Staffel war großartig, doch vor allem das Finale wusste zu gefallen. Während mir jene Szene, in der John die Wahrheit über seine Ehefrau erfährt, das Herz bricht, ist mir die Gedankenpalast-Szene bei der Schusswunde Sherlock Holmes‘ besonders in Erinnerung geblieben. Keine Szene habe ich dieses Jahr mehr dafür beneidet, wie gut sie geschrieben war – beinah alle anderen Szenen in dieser Liste leben davon, was für einen großen Schlag der jeweilige Moment im Leben der Protagonisten darstellt, hier besticht die Sequenz hingegen schlichtweg aus den messerscharf geschriebenen und auch gespielten (Moriarty!) Dialogen.

Quelle: BBC, benedictcumberbatch.com - no copyright infringement inteded.

Platz 6: True Detective 1×05 „The Secret Fate of All Life„: Die große Lüge.

Manche Leser werden es wohl Blasphemie schimpfen, dass ich an dieser Stelle nicht die 6-minütige, gänzlich ohne Schnitt auskommende Szene aus True Detectives vierter Folge („Who Goes There„) anführe – leider stolperte ich in diese, als die Szene schon in jedermanns und -fraus Munde war, und so wurde ich, voller Erwartungshaltung, aus genau jener Immersion geholt, die für dessen Genuss nötig ist. Mein Highlight der Serie war ein anderes, nämlich die angeblich große Schießerei bei Reggie Ledouxs Meth-Fabrik. Die Szene ist nicht nur unheimlich spannend und gut gespielt („Chu-chu-chu-chu-chu-chu-chu. Mmm. Heavy shit.„- einfach so gut!), sondern spielt perfekt mit der Rahmenhandlung zusammen. Eigentlich ist es ein so simpler erzählerischer Trick, die Erzählstimmen etwas völlig anderes sagen zu hören, als wir tatsächlich sehen, und dennoch komme ich mir nicht umhin, bei der (schlussendlich nicht aufgedeckten) Lüge meine Hände euphorisch in die Luft zu strecken: Ja, das kann Fernsehen sein!

Quelle: YouTube Screencap. (c) BBC. no copyright infringement inteded, this is for educational purposes only.

Platz 5: How I Met Your Mother 9×23 „Last Forever, Part 2„: Das Ende.

Gleich vorweg: Nein, der Mutter wurde keineswegs Genüge getan, und ja, die 9. Staffel hat ganz offensichtlich ein ganz schwerwiegendes Strukturprogramm, und all das bestätigte sich erst durch diese eine Folge. „Last Forever“ wird bei wenigen zu den besten Episoden des Jahres gehören – aber hier geht es um die besten Momente, und diesen erlebte ich ungewöhnlicherweise bei den letzten Momenten der Serie, als Ted das blaue Horn nach oben streckt, die Musik beginnt einzusetzen (The Walkmen – Heaven), und wir die finalen Credits sehen. Das hat für mich besonders eine persönliche Bedeutung: An jenem Tag, als ich die Kritik verfasste, hatte ich zuvor erfahren, dass ein lieber Freund von mir verstorben war.

Quelle: How I Met Your Mother wikia. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

So begann ich den Tod meines Freundes, den Liedtext, den Tod der Mutter sowie Teds Entscheidung, den Tod nicht siegen zu lassen, unweigerlich miteinander zu verbinden. „Remember, remember, what we fight for!“ wurde für mich zum entscheidenden Schlagwort der nächsten Tage, in denen ich das Begräbnis besuchte und den Tod meines Freundes zu verarbeiten begann. Rückwirkend auf die Serie ließ mich dieses Ereignis den Tod der Mutter in einem neuen Licht erblicken: Ich erkannte, dass How I Met Your Mother den Tod der Mutter in seinem Universum wohl zu würdigen wusste, es lediglich beim Transport ins Fernsehmedium verschlampte – dass Tracys Tod eine Tragödie für Ted gewesen war, aber das Leben weitergehen musste. The show must go on, heißt es ja – für HIMYM galt das nicht, für mich schon.

Platz 4: The Leftovers 1×09 „The Garveys at Their Best„: Moment des Verschwindens.

Eine der größten Stärken von The Leftovers ist sein himmlisch schöner Soundtrack. Wie auch die Serie generell ist das Geschmackssache, aber ich persönlich stehe nun mal auf melancholische Klavier- und Streicherstücke. Während ich viele Momente der Serie für perfekt mit Musik unterlegt halte, so ist das Ende der 9ten Folge, in der wir den Tag vor der großen Tragödie erleben, doch mein liebster – so sehr sogar, dass ich mir täglich den musikalischen Mitschnitt anhöre. Ich kann ihn fast schon mitsprechen: „God damn it, I said `two hands‘!“

Quelle: YouTube Screencap. (c) HBO. No copyright infringement inteded, this is for educational purposes only.

Es war eine mutige Entscheidung, den alles für die Serie entscheidenden Vorfall erst so spät in einer Rückblenden-Episode anzuführen, das hatte der Transparenz der frühen Folgen doch sehr geschadet. Umso erstaunlicher gestaltete sich dann aber der Moment, in dem wir selber diesem Phänomen beiwohnen durften: Plötzlich stehen sämtliche Figuren Kopf; Plötzlich sehen wir erst, warum diese Menschen so stark beschädigt sind. Und wir erleben diese Figuren, die wir über die 8 Episoden zuvor kennen gelernt haben, in den ratlosesten Momenten ihres Lebens, in denen sie alles in Frage stellen, das sie je dachten gewusst zu haben. Wow.

Platz 3: Game of Thrones 4×08 „The Mountain and the Viper„: Das Duell.

Schon als ich vor ein paar Jahren das Buch las, konnte ich meinen Augen kaum trauen, was ich da las, und zur Sicherheit las ich das Kapitel noch einmal. Gleichzeitig wurde mir schon bei der bloßen Vorstellung übel – auf Video gebannt kann ich diese Szene auch heute nur mit den Bildschirm verdeckenden Händen sehen. Aber es ist nicht bloß die furchtbare Brutalität, die die Szene hervorhebt, und auch nicht der Überraschungseffekt, mit dem mich die Serie auf dem kalten Fuß erwischt hatte – wer hätte schon vermutet, Tyrion könne tatsächlich zum Tode verurteilt werden? Die wahre Tragik rührt daher, dass Oberyn Martell eine der besten, interessantesten und mit Sicherheit auch tragischsten Figuren ist, die Game of Thrones je hatte.

Quelle: Game of Thrones The Mountain and The Viper Promo screencap. (c) HBO, no copyright infringement intended. This is for educational purposes only.

Sein halbes Leben hat er dafür gekämpft, Gerechtigkeit für seine getötete Schwester zu erlangen, nur um hier so kurz vor dem Ziel zu scheitern. Es ist einfach so unheimlich ungerecht, diesen noblen Ritter auf seinem ebenso noblen Rachefeldzug von dieser Tötungsmaschine getötet werden zu sehen; Alle sprechen immer davon, dass sie Happy Ends nicht ausstehen können, aber wenn dann mal so wie hier die Bösen allesamt ungeschoren davonkommen wünscht man es sich sehnlichst herbei. Stattdessen sehen wir die vielleicht stolzeste Figur des Game of Thrones-Universums mit unerträglichen Schreckensschreien ungnädig verenden.

Platz 2: Adventure Time 6×02 „Escape from the Citadel„: Finns Arm.

Huh, eine vermeintliche Kinderserie auf Platz 2? Absolut. Was Adventure Time im doppel-episödigen Staffelauftakt der 6ten Staffel anstellt, hat mich viele Tage lang sehr beschäftigt, und in mir den größten WTF-Moment des Jahres ausgelöst. Schon mehrere Jahre zuvor kündigte die Serie in subtilen Hinweisen an, dass der Protagonist eines Tages seinen Arm verlieren würde – nichts hätte mich jedoch darauf vorbereiten können, dass es so unvermittelt und so bald schon geschehen könnte. Besser hätte die Umsetzung schlichtweg nicht passieren können, denn der Verlust des Unterarmes passte einfach perfekt als Metapher für den verlorenen Glauben, dass sein Vater ihn lieben würde.

Quelle: Yotuube: http://youtu.be/BR9CDu6MDe4. © Cartoon Network. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Besonders gelungen ist dabei die Inszenierung – von dem herzzerbrechenden Geräusch vom Zerreißen des Armes angefangen bis hin zu Shelbys stummen Weinen, das Jakes Worte, dass alles ja wieder gut werde, Lügen strafte. (Dass Jake Recht behalten sollte, konnte man damals ja nicht erwarten, und ist nach wie vor mein größte Kritikpunkt dieser Staffel.) Oder die kurze Totale, die uns zeigt, wie der kleine, verlorene Finn ins Meer plumpst. Die ausgesprochen schönen Bilder kommen in dieser Szene dabei im Sekundentakt, und mein Favorit ist wohl jener kurzer Moment, wo sich die heilende Salbe um Finns Armstumpf schließt, nur um eine lächerliche Blume aus seinem Arm erblühen zu lassen. Es ist der Moment, in dem alle Hoffnung auf ein schnelles, schönes Ende zerstört wird; Der Moment, in dem klar wird, dass es mehr brauchen wird, um Finns Seele zu reparieren, als bloß eine Wundercreme. Für solch bildgewaltiges Erzählen liebe ich diese Serie.

Platz 1: The Leftovers 1×10 „The Prodigal Son Returns„: Der Bürgerkrieg.

The Leftovers ist meine Serie des Jahres, und das spiegelt sich auch in der Auswahl der besten Momente wieder. Vor allem das Staffelfinale war gelungen, weil sämtliche Geschehnisse der Serie offensichtlich auf diese eine, lange Sequenz vorbereiteten, als Chief Garvey zurück in seine Stadt kommt, nur um Bürgerkrieg-ähnliche Verhältnisse vorzufinden.  Alles, was ich über The Leftovers zu den zwei obigen Szenen geschrieben habe, ist auch hier anwendbar: Die Musik ist atemberaubend, die Emotionen primal und Chief Garvey schwerst ratlos – als der Polizeichef des kleinen Örtchens auf helligster Straße Zeuge wird, wie ganz normale Bürger ihre Mitmenschen massakrieren, ist seine Ohnmacht ansteckend, im Vergleich zur Machtlosigkeit gegen die Mächte des 14. Oktobers aber doch nur miniskul.

Quelle: YouTube Screencap. (c) HBO. No copyright infringement inteded, this is for educational purposes only.

The Leftovers ist offensichtlich eine teuer produzierte Serie; Nie kommt das besser zum Vorschein als bei den beachtlichen Schlachtszenen, die essentiell dafür sind, um das Ausmaß des Schreckens zu erkennen, das der Guilty Remnant da angerichtet hat: brennende Häuser, verwundete Menschen, und mitten in all der Verzweiflung und dem Hass und der Wut und der Angst der ratlose Chief. Das visuelle Spektakel unterstützt dabei aber eben auch den emotionalen Höhepunkt der Serie – wie nicht nur der Hauptkonflikt um die Beziehung des Chiefs mit seiner Tochter gelöst wird, sondern auch diverse andere, rundet die Sequenz ungemein ab: Die Mutter des verschwundenen Sams aus dem Teaser des Piloten ist jene Frau, die nun mit Pistole in der Hand Kult-Mitglieder jagt, während die Eltern des unter Down-Syndrom leidenden Burschen dessen Ebenbild tief, tief verletzt ins Feuer werfen. Und natürlich Nora, die ihre Kinder scheinbar wie immer ins Bett gebracht hat, drei Jahre nach deren Verschwinden… Es bricht mir das Herz auf wundervollste Weise, an all diese Schicksale zu denken. Ich weinte bitterlich, als ich die Folge zum ersten Mal sah, stieß stumme Schreckensschreie aus – und war überglücklich, dieser Serie beigewohnt zu haben. So soll Fernsehen sein.

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Ein Gedanke zu “Die besten Serien-Momente 2014

  1. Leftovers gefällt mir auch sehr gut.
    Und teilweise sehr rührend.
    Die 10. Folge muss ich aber noch schauen.

    Übrigens, es hat Spaß gemacht, diesen Beitrag zu Lesen.Danke.

    Gruß

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