Kritik: The Walking Dead 5×08 „Coda“.

„I get it now.“

Mit einem ordentlichen Schock verabschiedet sich The Walking Dead in die Winterpause. „Coda“ liefert das Finale des aktuellen Handlungsstranges, ohne die dafür nötige charakterliche Vorarbeit geleistet zu haben.

Quelle: Offizielle AMC The Walking Dead Homepage. (c) AMC. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Beth und Carol gegen die Polizisten, so soll der Geiselaustausch aussehen. Bis es dazu kommt, gibt es allerdings sowohl in Ricks als auch Dawns Gruppe das eine oder andere Scharmützel…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

RIP Beth.

Coda“ ist ein Vorzeigeexemplar für die Frage, wie attraktiv es in einer Serie sein kann, eine Hauptfigur auf schockierende Weise umzubringen. Überraschung ist für kurze Zeit sehr ansprechend – ich war geschockt, als sich ein Schuss aus Dawns Pistole löste – verpufft aber schnell; Was bleibt sind die Fragen, wie Beths Tod als Coda für ihr eigenes Leben bzw. ihren zuletzt durchgemachten Handlungsstrang wirkt sowie was er für die anderen Figuren bedeutet. Leider stellt mich keine dieser Fragen zufrieden.

Schon allein, weil mich die Trauer der Hinterbliebenen nur teilweise rührt. Am meisten rettet hierbei noch Daryl die Lage, dessen Entsetzen über das Unglück sofort deren gemeinsame Zeit in Staffel 4 („Alkohol„) in Erinnerung ruft; mit Daryl hatte Beth ihre resonanteste Beziehung, weshalb ich Dawns Tod an Daryls Hand ungemein befriedigend empfand. Andererseits ist da Maggie, deren Verzweiflung über Beths Versterben zwar gut gespielt ist, aber in keinster Weise zu ihrem Verhalten in den letzten Episoden passt. Über Maggies fehlender Drang, nach Beth zu suchen, habe ich in den Episoden zuvor stets gekichert; hier aber wirkt sich Maggies uncharakteristisches Verhalten der letzten Zeit massiv darauf aus, dass Beths Tod die nötige Emotionalität fehlt.

Ein weiteres Problem ist, dass der Konflikt zwischen Dawn und Beth nicht so ausgereift dramatisiert wurde, wie sich die Drehbuchautoren das vielleicht gewünscht haben. Der Showdown des Geiselaustausches beruht ja darauf, dass zwischen den beiden ein starker Bruch geschehe; aber wo nichts ist, kann auch nichts brechen. Die Beziehung der beiden war ein zu großes hin und her, als dass ich jetzt eine gute Vorstellung davon hätte, warum sich diese zwei Frauen gegenseitig umgebracht haben. Dawn mag vielleicht gute Motive gehabt haben, ihren Mentor umzubringen – aber wie das Krankenhaus ohne Dawn besser dastehen würde, ist mir ein Rätsel, vor allem nachdem die beiden kurz zuvor noch bei der Ermordung O’Donnels gemeinsame Sache machten. Beths Drang, Dawn umbringen zu wollen, wo sich doch eh gerade alles in Wohlwollen aufgelöst hatte, wirkt deshalb ganz schön an den Haaren herbeigezogen – warum sollte Beth dafür nicht nur ihr eigenes Leben riskieren, sondern beinah eine für beide Seiten verlustreiche Schießerei provozieren?

Ich gebe der halbgaren Realisierung des Krankenhaus-Settings die Schuld. Dass die Umgebung ziemlich unrealistisch ist, spielt in „Coda“ keine wirkliche Rolle; Mehr ärgert mich, wie austauschbar die Polizistenriege war. Dawns Rolle als Anführerin war schon allein deshalb nicht sehr überzeugend, weil ihr in eigentlich jeder Folge, die sich mit dem Krankenhaus befasst, ein oder zwei Polizisten weggestorben sind; In dieser bringt sie O’Donnell sogar selber um. Deshalb wirkt Dawn nur unwesentlich weniger beliebig, und so erhält man den Eindruck, dass Beths Zeit im Krankenhaus ganz schön verschwendet war. Ihre vermeintliche Entwicklung fand abseits des Doktors auf keine spannende Bezugsperson; Was ich sonst vielleicht mit einem unliebsamen Achselzucken abgetan hätte wird mit Beths Tod zum entscheidenden Grund, warum The Walking Dead in seinem Staffel-Halbfinale versagt.

Ich habe prinzipell nichts dagegen, dass die Serie eine Figur umbringt, um die sie den gesamten Krankenhaus-Handlungsstrang gestrickt hat. Ich denke, dass solch Rettungsaktionen nicht nur für die rettenden Figuren eine lehrreiche und darum dramaturgisch ergiebige Erfahrung sein kann, sondern auch die Beziehung der Geisel mit den Entführern spannend sein kann. Ich schätze die Dramatik, die dadurch entsteht, dass der ganze Aufwand umsonst zu sein schien – aber um mit Beths Tod zufrieden zu sein, hätte ich dafür eine klare Botschaft verlangt, und die verweigert The Walking Dead hier, tragischerweise unabsichtlich.

Alte Laster, alte Stärken.

Auch andernorts manövriert die Serie ihre Figuren künstlich in Situationen. Pater Gabriels Ausflug zur Schule vermag kaum zu fesseln, sondern ist ein transparenter Versuch, ein bisschen mehr Zombiegemetzel in die Folge zu bringen. Es ist immerhin mehr als Beschäftigungstherapie, liefert dieser kleine, öde Handlungsstrang schließlich den schönen Rollentausch, dass Pater Gabriel in die Kirche gelassen werden möchte (und lernt, dass er sehr wahrscheinlich gestorben wäre, hätte er den Menschen geholfen). Davon abgesehen bin ich wenig begeistert, dass er nun Teil der Gruppe wird, weil er bislang noch keinerlei spirituelle oder philosophische Blickwinkel liefern konnte, und noch nichts darauf hindeutet, dass er das jemals tun wird.

The Walking Dead strauchelt zur Zeit also mal wieder in Sachen Figuren – das ist unheimlich ärgerlich, nachdem sich die Serie ab der zweiten Hälfte der 4. Staffel so gemausert hatte. Zum Glück kompensiert die Serie das einigermaßen mit wirklich tollen Actionszenen, angefangen von der anfänglichen Jagd auf den entflohenen Bob (wobei die Serie hier gekonnt die Erwartungen untergräbt, ohne die Rick-Figur dabei zu verraten) über den zumindest fantastisch choreographierten Kampf zwischen Dawn und O’Donnell bis hin zum finalen Geiseltausch. Gerade letzterer war immens spannend, nicht nur, weil so unheimlich viel schief gehen hätte können, das auch realistisch hätte schief gehen können, sondern auch dank der Cinematographie: Immer schräger werden die Kameraperspektiven, immer größer die Vorahnung, dass Übles schwant. Schade, dass es dann auch auf die falschen Arten von übel war.

Noch mehr Bla:

– Beths Tod bedeutet wohl, dass Maggie noch eine ganze Weile Teil des Teams sein wird, allein um ihren Tod zu verarbeiten. Ich bin nicht begeistert.

– Wie merkwürdig, dass Carol nicht eine einzige Zeile in dieser Episode spricht, wo sie doch gerade aus einem Koma erwacht ist, sich in einer völlig neuen Situation befindet und den Tod einer guten Freundin miterlebt.

– Warum zum Teufel einigen sich Rick und Co. auf den Gefangenenaustausch in einer solch engen und unübersichtlichen Umgebung – noch dazu auf ihnen unbekanntem, feindlichem Terrain?

– Ich kaufe der Serie ja ab, dass allerorts noch Zombies in Häusern eingesperrt sind, aber dass die Zombies die Schultür eintreten, wo sie es bei Anwesenheit der Jäger (siehe Bobs Fuß) nicht taten, wirkt unglaubwürdig. Auch das trägt dazu bei, dass die Konflikte dieser Folge künstlich provoziert wirken.

– Mit Beths Tod fällt das Liebesdreieck Daryl-Carol-Beth, das keines ist, weg. Schade, das war die meiner Meinung nach interessanteste Figurenkonstellation.

– Ist das nun also The Walking Deads neuer Modus Operandi: Jede halbe Staffel ein neues Antagonistenteam, dem ein Protagonist zum Opfer fällt?

– Jetzt ist die Gruppe schon wieder vereint, das ging ja schnell – schade! Morgan kommt dann auch irgendwann noch, falls sie tatsächlich nach D.C. gehen.

– The Walking Dead pausiert nun für den Winter. Die nächste Episode wird am 9. Feburar auf FOX ausgestrahlt.

Fazit: 5,5 von 10 Punkten.

Beths Tod ist schockierend und spannend umgesetzt, aber nicht zufriedenstellend.

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3 Gedanken zu “Kritik: The Walking Dead 5×08 „Coda“.

  1. Ich habe langsam das Gefühl, dass die Tätigkeit als Kritiker das Film- und Serienerlebnis ziemlich schmälern kann. Aus meiner Sicht war das eine überragende Folge, Gott sei Dank auch ohne dämlichen Cliffhanger.

    Mich hat das Ende voll gepackt, gerade emotional war es eine Wucht. Warum sollte ich mir das Erlebnis dadurch ruinieren, dass ich alles hinterfrage?
    Gott sei Dank hat man die letzten Episoden keine Zeit für irgendwelche „ich vermisse meine Schwester“ Phrasen geopfert , denn die Resktion am Ende war doch wohl mehr als … „angemessen“.

    Und von wegen fehlendes Komfliktpotential: auf der einen Seite die Anführerin, die weiß dass sie kaum noch Autorität besitzt und mit ihrer Forderung Stärke zeigen will; dagegen die „Dienerin“, welche den „Tyrann“ stürzen will. Was reicht da jetzt nicht?

    Auch Gabriels Rückkehr war eine runde Sache: er musste erst am verfaulten Bein erkennen, wozu Menschen im Stande sind, dass der Glaube da keine Lösung bietet und dass das Kirchengemetzel wohl doch unvermeidbar war.

    Für mich 9/10, ein runder Abschluss und eine angenehm offene Ausgangslage…

  2. Also, dass Bob es nicht geschafft hat, seine Leute zu warnen und dann ne Schießerei beginnt; und dass nach Beths und Dawns Tod auch nicht alle blindwütig aufeinander gefeuert haben, fand ich RICHTIG gut. Ein blutiges Gemetzel wäre viel zu vorhersehbar gewesen. Ich fand die Folge richtig gut! Und als der Abspann lief, dachte ich nur: WFT? Jetzt schon? Schaue auf die Uhr und denke: Uff, fühlte sich an wie 20 – 30 Minuten! Beth als Person vermisse ich nicht wirklich, fand es aber um Daryls und Maggies Willen sehr herzzerreißend. Und ich hoffe, die Gruppe geht nach D.C., weil Morgan ja nun dorthingeht. (Naja, wenn Morgan hingeht, wird die Gruppe eh auch hingehen, sonst ergäbe es keinen Sinn, dass man Morgan zeigt..)

    Dass Maggie all die Eisoden über wenig über Beth sprach, lag meiner Meinung nach daran, dass sie keine Hoffnung mehr übrig hatte und sich innerlich damit abfinden musste, dass Beth wohl tot sei und sie auch nicht über ihren Schmerz reden wollte. Über Hershels Tod hat sie ja auch nie gesprochen. Sie ist eine Realistin und Kämpferin und macht das mit sich selbst im Stillen aus.
    Besonders tragisch fand ich einfach, dass Michonne ihr die Hoffnung bezüglich Beth zurück gab, und Beth dann doch starb.

    Dass Gabriel und Eugene noch leben, finde ich persönlich echt klasse. Ich mag die beiden irgendwie, trotz dem Bockmist, den beide verzapft haben.
    Getrost verzichten könnte ich auf Tyreese und Sasha. Die beiden packen mich irgendwie gar nicht.

    Ich freue mich schon auf den 9.2.!

  3. Alter Schwede….das war der Oberhammer…nicht die ganze Folge, nur ein Teil der Serie, uns zwar …Rick. Rick: “ Halt’s Maul….Peng“. Das fühlte sich echt gut an. Auch wie er ihn einfach umfährt….Boom. Der „gute“ Cop hat es verdient. Und Rick hat es ihm gegeben. Danke Rick.

    Und der Rest…naja. Ich muss zugeben, dass ich auch erst schockiert war, als durch Beth Kopf eine Kugel durchflog. Komischerweise war ich schockierter als das Team von Rick. Was war da los?…hatten die einen schlechten Tag.! Keine richtigen Tränen, Zorn etc.

    Carol mit Null Worten . Nicht Mal ein „Hallo, ich bin wieder da und ich bin erwacht etc.“.

    Langsam wird echt Albern und unglaubwürdig, bin froh über die Staffelpause, dann vergesse ich wenigstens die Tausend Logikfehler und schwachen Entscheidungen der Schauspieler. Wie letzte Woche mit Cop z B.

    Trotz Allem, danke Blamayer du bist der Beste Schreiber der Welt. Bis Bald. Gruß aus NRW

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