Kritik: The Walking Dead 5×07 „Crossed“/ „Zug um Zug“.

„You’re not the only who lost something today.“

Crossed„, zu deutsch als „Zug um Zug“ betitelt, ist eine typische Brückenepisode, die dafür sorgt, dass sich alle Figuren am rechten Platz befinden, um ins nächstwöchige Finale der Halbstaffel zu starten – selber hat die Folge allerdings wenig zu bieten.

Quelle: Offizielle AMC The Walking Dead Homepage. (c) AMC. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Rick und sein Team kommen nach Atlanta, um Beth und Carol aus dem Krankenhaus zu retten. Rick ist für eine riskante Infiltration des Krankenhaus, seine Kameraden bevorzugen hingegen eine Geißelnahme mit anschließendem Gefangenenaustausch. Rick sieht sich durch deren Bevorzugung der letzteren Methode in seiner Authorität verletzt…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Zerstreut.

Eine Folge wie „Zug um Zug„, die alle 4 aktuellen Storylines bedient (Carl & Michonne, Abrahams Gruppe, Ricks Gruppe, Beth), zeigt auf, warum sich The Walking Dead seit fast einer ganzen Staffel auf einen einzigen Strang pro Folge konzentriert hat. „Zug um Zug“ erzählt zu viele Geschichten gleichzeitig, und nur eine davon zu halbwegs einer Resolution, sodass einen die Episode ziemlich unbefriedigt zurücklässt. Die Ereignisse erscheinen nicht nur winzig und bedeutungsarm, weil sie jeweils nur einen Bruchteil der Erzählzeit erhalten, sondern vor allem, weil die Episode keinerlei Fokus besitzt.

Zum Beispiel Gabriels Flucht aus der Kirche. Bis auf die überzeugende bildliche Sprache, wie das Gotteshaus zum Versteck umgebaut wird, hat dieser Handlungsstrang kaum etwas zu bieten. The Walking Dead hat hier einfach keine interessante Geschichte zu erzählen, und so fühlt sich Gabriels geheime Flucht schilchtweg wie Füllmaterial an – das hätte man alles auch ein wenig kürzer erzählen können, und wozu tut das die Serie überhaupt? Selbiges gilt für Beth: Sie Carols Leben retten zu sehen ist großteils konsequenzlos, mit Ausnahme der (ziemlich abrupten) Enthüllung, dass Beth nun Dawns Respekt besitze. Das wird sicherlich (hoffentlich) noch wichtige Folgen haben, aber wirkt in dieser Episode ziemlich künstlich hineinplatziert.

Einzig die kurze Coda zur Abraham-Eugene-Folge „Selbsthilfe“ wirkt wirklich gelungen – nicht, weil die Folge diese Story nennenswert weiterbringen würde, sonder weil dieser Handlungsstrang von einer einzigen Idee getragen wird, die konsequent in allen Szenen entwickelt wird. Wasser wird als Metapher für Hoffnung verwendet: Genau so, wie der vermeintliche Menschheitsretter an seinem Tiefstpunkt angekommen ist, so ist ausgerechnet dem Feuerwehr-Fahrzeug das Wasser ausgegangen – nicht ganz zufällig dank Eugene. So wird die Suche nach Frischwasser zum Auftanken von Hoffnung. Diese findet Team GREATM dann auch tatsächlich, und sie entstammt nicht nur dem Leben vor der Apokalypse (fischen! Jojo!), sondern auch dem Einfallsreichtum von Eugene. Vielleicht ist er doch nicht ganz so nutzlos wie gedacht, und vielleicht lässt sich doch ein Leben zimmern – wenn auch nicht jenes, das sie sich erhofft hatten.

Atlanta.

Die größte Geschichte der Episode – wenn auch nicht der Großteil der Folge, leider – wird von Ricks Gruppe in Atlanta getragen, die einen Plan aushecken, wie sie in das Krankenhaus gelangen können. Aufgrund der Zersetztheit der Episode fühlt sich das bloß wie eine halbe Folge an, und fast so, als würde die Serie hier bewusst Zeit schinden wollen – immerhin blieb uns die Reise nach Altanta erspart. Während ich von den Altanta-Szenen der Vorwoche großteils sehr begeistert war, ist „Zug um Zug“ diesbezüglich eher ein Wechselbad der Gefühle, was die Quaität anbelangt.

Hervorragend etwa, dass Ricks Plan, das Krankenhaus zu stürmen, abgelehnt wird, weil es zu riskant ist – hier beweist die Serie echten Verstand, während sie gleichzeitig die Rivalität zwischen Rick und Tyreese schürt. Diese ist deshalb interessant, weil Rick sich in diese heineinsteigert (wie etwa auch bei Shane), während Tyreese diese nicht einmal bemerkt (nicht wie bei Shane). Rick fühlt sich in seiner Autorität untergraben – insbesondere als Daryl Tyreeses Plan unterstützt – verzichtet aber vorübergehend darauf, daraus einen Streit zu machen. Die Frage, wer denn nun die Entscheidungsgewalt über diese Gruppe hat, stand schon immer im Mittelpunkt der Serie, und mir gefällt, wie hier die ersten Boten des nächsten Machtkampfes eingebaut sind.

Andererseits steckt dieser Handlungsstrang voller Momente, die einen die Handflächen an die Stirn schnellen lassen. Sashas Vertrauensseeligkeit für die Geißel, nur weil der Mann zufällig Bob heißt, ist einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen, als dass man der Serie diesen äußerst dämlichen Cliffhanger abkaufen könnte. Schon fünf Minuten zuvor konnte ich an nichts anderes denken, als die Geiseln sicher zu verschnüren – The Walking Dead versucht hingegen, die Geschichte möglichst klischeehaft zu erzählen.

Solch Drehbuchschwächen war man früher von The Walking Dead gewohnt, sollten in der 5. Staffel aber nicht mehr Stützen für die Folgen sein. Viel interessanter war es, die Geißeln tatsächlich als hilfsbereit zu erleben, als sie Tipps zum Verhandeln mit Dawn gaben, weil hier die eigentlichen Feinde als ganz rational denkend dargestellt werden und darum Mitgefühl erregen. Da gab es noch eine richtige Spannung, ob sie die Wahrheit sagen oder nicht – und so ein Geißelaustausch hätte ein großes Potential für Drama, worauf ich mich sehr gefreut hatte. Aber auch so verspricht das Finale der Halbstaffel Spannung: Falls es Bob tatsächlich zurück zum Krankenhaus schafft, stehen die Karten für Beths und Carols Rettung denkbar schlecht – und Ricks Team muss sich was einfallen lassen…

Noch mehr Bla:

– Warum schwitzen denn in dieser Folge alle Figuren so, insbesondere in der Kirche?

– Ich halte die Coda zu Abrahams großer Verzweiflung für wirklich rundum gelungen. Auch, dass Figuren wie Tara, Rosita und Maggie (dazu gleich mehr) ein wenig ins Rampenlicht gerückt werden, ist diesem Handlungsstrang nicht zu verachten.

– Maggie ist knallhart (Abraham) und empathisch (Eugene) gleichzeitig. Das hätte ein toller Charaktermoment sein können, aber für diese Figur fehlt mir wirklich jeglicher Zugang – ich weiß einfach nicht mehr, wer diese Figur überhaupt ist.

– Ricks Taktik wäre ganz schön in die Hose gegangen, schon allein weil Carol bewusstlos ist, und mit dieser im Schlepptau wäre das Schleichen durch das Hotel ziemlich schwierig geworden.

– Ich weiß immer noch nicht so recht, was ich von Pater Gabriel halten soll. Ich habe das Gefühl, er wird der neue Bob werden: Bleibt für eine Staffel im Cast, scheidet dann aber aus der Gruppe aus, weil er schlichtweg einer der langweiligsten oder nervigsten oder nutzlosesten Figuren der Truppe ist.

– Die Episode beinhaltet auch eine jener Szenen, bei denen ich lieber kurzzeitig die Augen schließe – Daryl den Zombie mit bloßen Händen die… ich schreibe einfach gar nicht weiter. Das ist nicht mein Kaffee, wenn The Walking Dead durch brutale Gewalt zu bestechen versucht.

Fazit: 5,5 von 10 Punkten.

Crossed“ ist die bislang schwächste Folge der Staffel, weil sie zu unfokussiert ist und an manchen Orten einfach nichts zu sagen hat. Zudem feiert die Episode die Rückkehr der Dümmlichkeit der Protagonisten, was ein altvertrautes, fast schon vergessenes Kopfschütteln auslöst.

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12 Gedanken zu “Kritik: The Walking Dead 5×07 „Crossed“/ „Zug um Zug“.

  1. Und unnützes Wissen angehäuft: Atlanta hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von 22°C. Was bei uns die wirklich warme Zeit mit >20 ab Mitte Juni bis Ende September ist (also etwas mehr als ein Quartal) ist in Atlanta von März bis Oktober, also mehr als doppelt so lang.
    Mir ist es auch aufgefallen, dass sie dieses Schwitzen zulassen weil es einfach warm ist. Sie drehen in Georgia und das sicher nicht in den Wintermonaten, allein schon wegen der Lichtstunden. Zwischen 2 und 3 haben sie ja die Wintermonate handlungsmäßig übersprungen, Herschel sagt extra am Ende von 2 noch, dass sie was finden müssen weil der Winter bevorsteht.
    Mich stört mehr, das Abraham z.B. seinen Bart so lange halten konnte. Überhaupt sind alle sehr gepflegt, bei denen mit wenig Bartwuchs (Glenn, Daryl, Eugene) fällt es nicht so auf, aber Ricks Bart ist der einzig realistische. Tyrese hat auch den Elektrotrimmer offenbar immer dabei un Pater Gabriel muss beim Charity sammeln ordentlich Klingen und Schaum gehamstert haben.

    Ich fand die Episode hatte ein paar gute Scare-Momente. Tasha war aber echt schlecht in ihrer Trauer, aber noch schlimmer ist dieses stundenlange Runterfahren von irgendwem. Das kommt doch in jeder Staffel 1-2x vor und nervt gewaltig, weil alle immer auf denjenigen warten müssen.

    • Dass die Figuren trotz widriger Verhältnisse gut aussehen, das ist im TV eigentlich normal. War auch bei Lost schon. Ich bin jemand, dem so etwas kaum auffällt, weil ich auch im richtigen Leben kein gutes Auge für Äußerlichkeiten besitze.

    • Ich finde generell ist TWD bei den Äußerlichkeiten sehr unrealistisch. Jedes Haus und jede Stadt sieht aus als würde sie seit 20-30 Jahren dahinrotten, aber es sind erst an die 500 Tage vergangen.
      Auch das Aussehen trifft es nicht – sie müssten mal Narben, Ausschläge, schief geschnittene Haare etc. haben – auch ist mir aufgefallen, dass die meisten keine Brille tragen. In Woodbury tragen nur Stevens und Milton eine Brille (die beide eine „Dr.“ Position einnehmen) im Gefängnis nur Patrick. Im Krankenhaus trägt nun Steven (der wieder eine „Dr.“ Position einnimmt) eine Brille.
      Hallo? Essen sie jetzt nach der Apokalypse nur Dosen-Karotten oder wieso hat jede/r perfekte Augen? Aber wenn man nach Äußerlichkeiten geht, dann müsste man da wirklich viele Punkte bei TWD kritisieren.

  2. Hi…oh ja, es gab Mal wieder so viele Dämliche Sachen.

    Sie befreit den Geisel nach 2 Minuten, weil Sie so schnell emotional geworden ist.?? Gehts noch, wer soll das glauben.?
    Ich dachte, die Serie ist ab 16 bzw. teils ab 18, also bitte…hört auf uns mit solchen Dingen zu ver*****en 😂😂😂😂.

    Mir gefiel, wie Ricks Plan nicht akzeptiert wurde, sein Plan war ok😃, aber dieser Moment, wo er nichts sagt und dann so schaut….einfach Genial…toller Schauspieler.

    Bin nur noch gespannt, wie Abraham demnächst agieren wird. Hoffentlich mit mehr Führungspositionen.

    Mann oh, nur noch eine Folge (glaube ich), dann ist erst einmal Halbzeit.

    Grüße

  3. ich muss sagen, dass ricks plan durchaus funktioniert hätte. es wäre nur auf ein Massaker unter der krankenhaus-belegschaft hinaus gelaufen. aber genau das wird nun nächste folge passieren weil ja sasha es unbedingt vermasseln musste. ich dachte mir eine gefühlte viertel stunde warum die alte so blöd is der geisel (bob) den rücken zu zudrehen.
    im endeffekt wird die gruppe alles platt machen, auch wenn es den meisten nicht gefällt, genauso wie es bei den kannibalen war. da hätten sie auch besser auf rick gehört.

    • Da kann ich dir nur Recht geben – diese Ironie des Schicksals, dass eben genau deshalb ein umso größeres Blutbad entstehen wird, weil Daryl und Tyreese Rick überstimmt haben, ist wirklich gelungen. Gleichzeitig zeichnet die Überlegtheit Ricks Gruppe ja aus, bzw. Rick seinerseits, dass er spätestens seit der Begegnung mit den Jägern zu schnell zur Massaker-Möglichkeit greift.

  4. Es ist so spannend. Was wird nächste Woche passieren?
    Wer wird die Serie verlassen (sterben) ? etc.

    Ich schaue mir schon grundsätzlich nicht die Vorschau am Ende einer Folge an.
    Möchte quasi, nichts vorher wissen…alles Live miterleben, wenn es Montag los geht.

    Es stimmt, Rick wird immer brutaler und gnadenloser, man könnte schon von einem „Psycho“ sprechen 🙂 .
    Außerdem sollte Daryl wieder die Rolle des rechten Arms von Rick übernehmen und nicht eigenständig denken:-) .

    Hey Leute, nur damit ihr bescheid wisst, es ist eine Serie und alles was ich schreibe ist nicht 100% ernst zu nehmen. Ich Liebe halt TWD.

    Grüße

  5. Ich sehe das nicht so, dass sich eine Figur am Ende ungewöhnlich dämlich verhalten hätte. Vielleicht wird da auch zu oft nach einem Fehler gesucht und letztlich einer konstruiert.

    Denn dieser „Bob“ schien einfach verdammt vertrauenswürdig, ich war auch sofort auf seiner Seite und wollte ihn als neues Mitglied der Gruppe begrüßen. Am Schluss hatte ich auf einen berührenden Moment mit seinem
    Ehemaligen Kollegen gewartet und wurde entsprechend kalt erwischt.

    In meinen Augen eine tolle Leistung, wie hier Charakterzeichnung, Schauspieler und Drehbuch einen guten und unerwarteten Twist hinkriegen.

    Schade für Euch Alle, die Ihr nix davon hattet (;

    • Aber Rick und Co. haben sich doch schon so häufig die Nase verbrannt, Menschen zu vertrauen – da ist das in meinen Augen eigentilch entgegen der Charakterzeichnung. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser, und einer Geisel blindlings zu vertrauen stellt für mich schon einen Bruch in der Glaubwürdigkeit dar.

    • Ich empfand es als sehr voraussehbar, dass „Bob“ Sasha nur in eine Falle locken würde. Seine traurige Geschichte über seinen Kollegen ist zwar ganz nett, aber die erste Frage, die mir in den Sinn gekommen ist, war jene „Du läufst seit über 500 Tagen durch Atlanta und siehst ihn immer wieder mal aber erlöst ihn nicht von seinem Zombie da sein?“ Und spätestens als Sasha mit Bob Position wechselt und sie vorne steht war es klar, dass sie wirklich in eine Falle gelockt wurde. Ich meine irgendwo zeigt die Serie damit, dass man „Emotionen“, „Erinnerungen“ und „Mitleid“ in einer TWD-Welt besser auf die Müllhalde packen sollte, denn nur die Erinnerung durch einen Namen könnte jetzt die Gruppe ziemlich in Schwierigkeiten bringen.

  6. Hm, nein aber da gehen wir Beide unterschiedlich an die Sache ran. Außerdem wird Ricks Misstrauen durch die „Cop-Sache“ ausgeschaltet, oder wozu ist der Dialog sonst da? Also in meinen Augen ist das alles relativ durchdacht und ich sehe es auch ein, wenn zugunsten einer flüssigen Geschichte manches komprimiert wird.

    Was ich ebenfalls sehr genial fand, war die letzte Szene am Feuerwehrauto: ich finde das Stöhnen von Eugene klang schon sehr Beisser-mäßig und daher habe ich mich schon auf das Ende der … charakterlosen Frau, deren Name mir gerade fehlt, als großen Twist eingestellt. Insgesamt daher für mich eine der besseren Episoden.

    Trotz unserer abweichenden Sichtweise ist und bleibt Dein Review der erste Pflichttermin nach jeder neuen Folge (;

    Und was auch mal gesagt werden muss: ich HASSE die heutige Serienpolitik mit ihren Midseason-Finals und ewigen Wartepausen. Ist mindestens so schlimm wie jeden Abschluss einer Film-Reihe auf zwei Teile zu splitten

  7. Eines ist schon mal klar wie Kloßbrühe…Rick wird verdammt Sauer sein..hi,hi.

    Die Anführerin im Krankenhaus ist eine strenge Figur..Wird Sie die ganze Sache überleben, oder wird Sie noch lange Gespräche mit Rick führen, Beth ist ihre wichtigste Bezugsperson…Sie wird entscheiden !

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