Kritik: Die Detektive 1×04 „Zimtschnecken forever“.

„Neein, es ist kein Tucker.“

Über die Premiere von „Die Detektive“ verlor ich wenig gute Worte, aber ich versprach einer Kollegin, der Sendung weiterhin eine Chance zu geben. Ursprünglich wollte ich das bloß zum eigenen Vergnügen tun, aber nach „Zimtschnecken forever“ kann ich meine Worte nicht so stehen lassen.

Quelle: ORF TVthek Screencap. (c) ORF. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Babsi wird in wenigen Tagen einen Promi heiraten. Nur eines bereitet ihr Sorgen: dass sie in ihr Hochzeitskleid passt. Um sie vom Naschen abzuhalten, werden die Detektive engagiert – und genauso absurd, wie das klingt, ist das dann auch.

Die Detektive läuft jeden Mittwoch auf ORFeins ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen. Die Folgen können HIER in der TVthek bis zu 7 Tage nach Ausstrahlung angesehen werden. Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episoden.

Zimtschnecken forever“ ist herrlich absurd – und deshalb auch für die Serie erstmals wirklich witzig. Zuerst war ich doch recht skeptisch, dass die Serie sich so weit auf die Komödienseite lehnt. Schon bald wusste die Episode allerdings, wie sie mich auf ihre Seite ziehen kann, etwa mit den vollkommen unerwarteten, aber unheimlich witzigen eigenspielten Schreckgeräuschen, wenn immer Babsi eine Zimtschnecke beäugt. Bislang beließ es die Serie mit dem augenzwinkernden Meta-Humor großteils bei der Schnitttechnik, „Zimtschnecken forever“ geht da ein paar Schritte weiter. Manche sind gar nicht so einfach zu erkennen: Um zu wissen, dass der Paparazzi, der mit dem Motorrad wegdüst, in Wirklichkeit Regisseur Michi Riebl ist, muss man sich schon mehr mit der Serie beschäftigen.

Zu gefallen weiß auch die satirische Seite der Episode, und wie diese dann auch eine narrative Rolle spielt. Wenn in ORF-Produktionen Fernsehteams oder -sendungen zu sehen sind, dann sind das häufig die hauseigenen – ich denke da an die ZIB-Sendung in Janus oder das Chili-Fernsehteam in einer Cop Stories-Folge der 1. Staffel. Hier ist das allerdings ein bewusste Parodie der Boulevard-Medien, was sich etwa im megabreiten Grinsen der Reporterin wiederspiegelt. Erlaubt wird der enge Medienkontakt dadurch, dass die Familie (Sebastian sowie Mutter) die Hochzeit zu inszenieren und für ihre Zwecke missbrauchen versuchen, was besonders im Finale zu einigen hervorragenden Gags führt: Die Reporterin ist unter den Hochzeitsgästen, gleich ein halbes Dutzend Fotografen tanzen um das Brautpaar herum, und ein Tonmann verkabelt Sebastian und Babsi – was dazu führt, dass die gesamte Figurenriege das entscheidende Gespräch zwischen dem Zimtschneckenbäcker und Babsi mithört.

Letzteres ist ein Beispiel dafür, wie die gesamte Episode cleverer konstruiert wirkt als die bisherigen Episoden. Wie Felix‘ Visitenkarte ihm später 60€ kosten wird, wie der vergessene Helm Felix auf die Fährte des Herzens vom Zimtschneckenbäcker führt, und natürlich allen voran, wie Felix das Thema Hochzeit berührt. Einziger Wehrmutstropfen: Diese Geschehnisse sind ziemlich transparent konstruiert (oder fällt das nur mir auf, weil ich auf solche Hinweise achte?) und die Wendungen vorhersehbar, insbesondre die Gefühle des Zimtbäckers. Trotzdem bleibt die Frage: Warum nicht gleich so? Der Unterschied zwischen „Zimtschnecken Forever“ und den Episoden davor ist wirklich eklatant, und dabei besitzt die Episode keinerlei Relevanz bezüglich Kukla-Mordfall.

Im Gegenzug dazu gibt es die Geschichte rund um Felix‘ verstorbener Frau. Erstmals berührt mich die Serie so richtig, erstmals fühle ich mit einem der Brüder so richtig mit. Das hat insbesondere mit der Inszenierung und dem Soundtrack zu tun (der die Szene richtig mystisch wirken lässt), aber auch mit der Schauspielerin: Trotz der Kürze der Szene besitzt sie eine solche Gravitas, dass sie der Serie eine gänzlich neue Würde verleiht. Das ist nicht mehr bloß Blödelhumor mit halt einer toten Ehefrau, sondern weckt tatsächlich Gefühle. (Dass die Vision in der selben Kirche stattfindet, in der sich später auch Babsis Hochzeit abspielt, ist natürlich erzählerischer Unsinn, aber dafür eigens eine andere Kirche anmieten ist nicht sonderlich ökonomisch.)

Um aber nicht ganz abzuheben: Häufig genug schlägt die Ronnie-Figur immer noch über die Stränge, ganz zu schweigen von der nach wie vor zu penetranten Musik. Die Karin-Figur lässt mich immer noch die Schultern zucken, weil sie zu bemüht wirkt. Trotzdem ist „Zimtschnecken Forever“ ein großer Schritt vorwärts für die Serie, behebt er doch den wohl größten Kritikpunkt: Endlich ist die Serie witzig. Ich vermag es nicht abzuschätzen, ob diese Satire- und Meta-Humor geladene Stilrichtung beibehalten oder wieder aufgegriffen wird, aber für diese Folge, in der zuerst vermeintlich nichts auf dem Spiel stand, nur um dann einen tatsächlichen Fall für die Detektive zu münden, passt sie ausgezeichnet.

Noch mehr Bla:

– Folge 3 ist im Übrigen nicht ganz so gut, insbesondere nicht besonders witzig. Dass im Kukla-Fall was vorwärts geht ist hingegen positiv.

– Die Karaoke-Bar-Szene wirkt furchtbar gestellt. Die Disco ist zu groß, die Komparsen zu wenige. (Die waren stattdessen alle auf der Hochzeit, die z.B. besser aussah als bei Cop Stories.

– Geschmackssache: Na aber hallo hat der Taxler ein hübsches Hemd…

Ganz im Gegensatz zu den anderen 3 Folgen, die bislang ausgestrahlt wurden, bietet „Zimtschnecken Forever“ ein echtes Gag-Feuerwerk (angefangen mit dem Episodentitel). Eine Auswahl:

– „Auf jeden Fall überlegt der Minister, dich für einen Orden vorzuschlagen.“ Haha!

– „Einer von uns wird sie den ganzen Tag begleiten – und zwar überall hin.“ Ronnie versteckt sich hinter einem Bademantel.

– „Oh, ne, jetzt bin ich auch noch draufgetreten.“ Ich liebe es, wie Ronnie nicht einmal versucht, so zu tun, als wäre es ein Versehen gewesen.

– Efeus Gärtnerkostüm.

– Weil Flirten mit Prostituierten nicht hilft, spielt Ronnie stattdessen mit ihnen „Wer bin ich?“

– Wie Manni Babsi kommentarlos aus der Kirche entführt, ohne den Helm abzunehmen.

– Auch sehr geil: Wie die Gäste nach der geplatzten Hochzeit im Hintergrund noch „Fideralla-la, fideralla-la“ singen und darüber kichern.

– „Babsi, Sebastian – das ist für euch.“ Und dann hat er keine Ahnung, was er tun soll.

– Sehr ulkig, wenn man ein Auge dafür hat: Die plumpen Kommentare der Mutter. Zu Beginn beispielsweise: „Ich freu mich natürlich wahnsinnig.“ Auf die Frage, ob sie wieder auf die Folter gespannt werden, verwendet sie einfach eine sehr ähnliche Wortwahl: „Ich jedenfalls bin schon sehr gespannt, das können Sie mir glauben.“ 

Fazit: 7,5 von 10 Punkten.

Warum nicht gleich so?

Advertisements

add your bla:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s