Kritik: The Walking Dead 5×06 „Consumed“/ „Verschwunden“.

„I already helped you once.“

Ich scheine das in beinah jeder Staffel zu Beginn zu behaupten, aber: The Walking Deads 5. Staffel ist die bislang stärkste. „Consumed„/ „Verschwunden“ ist eine jener Episoden, die sich (wie auch schon etwa „18 Miles Out“ und „Clear„) auf nur ein paar wenige Hauptfiguren konzentrieren, und diese Formel funktioniert nach wie vor.

Quelle: Offizielle AMC The Walking Dead Homepage. (c) AMC. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Daryl und Carol verfolgen das Auto mit dem Kreuzmotiv bis ins gute, alte Atlanta. Dort verliert sich die Spur zunächst ein wenig, bis sie eine neue Bekanntschaft schließen…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Endlich wieder in Atlanta.

Es dürfte ja gemeinhin bekannt sein, dass Daryl und Carol The Walking Deads stärkste, weil interessanteste Figuren sind, und so sollte es auch nicht verwunderlich sein, dass eine Folge rund um die beiden großartig sein wird. Selbstverständlichkeit mag das bei The Walking Dead vielleicht nicht sein, aber Episoden wie „Consumed“ zeigen, dass die Serie nun doch recht konsistent geworden ist, was den Umgang mit ihren Figuren anbelangt. Viel gesprochen wird in „Consumed“ nicht, trotzdem ist die Folge weit mehr als bloß Daueraction.

Nicht, dass die Spannung zu kurz käme, im Gegenteil: Bedingt durch das spannende, bildhübsche, äußerst aufwendige Atlanta-Set wirkt das unheimlich frisch, wie sich die Protagonisten durch die apokalyptische Welt schleichen. Selten fühlt es sich so gut an, teure Sets und teures CGI wirklich zu spüren – hier hebt es merklich die Qualität. Dass auch den Autoren aufgefallen ist, dass der Kampf mit den Zombies sich eigentlich stets wiederholt, merkt man: Immer auffälliger wird es, in welch neuartigen Zombie-Situationen die Figuren geraten – und das fällt positiv auf. Während etwa Daryl und Carol die Beschatteten dabei beobachten, wie sie kurz aussteigen um den Weg freizuräumen, klopft ein Walker bei Daryls und Carols Auto an. Ihn einfach umzubringen würde Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und so veranlasst er die zwei, ihre Verfolgung der Krankenhaus-Polizisten vorübergehend aufzugeben.

Aber auch für die sterblichen Überreste anderer Gruppen weiß The Walking Dead immer wieder kleine Geschichten zu erfinden – etwa die Truppe, die scheinbar in ihrem Schlaf umgebracht wurde, weshalb sich die Zombies ulkigerweise noch in den Schlafsäcken bzw. den Zelten befinden. Gerade diese Details sorgen nicht nur für eine glaubwürdige, sondern auch eine interessante Welt. Zudem halten kleine Geschichten wie diese einen auch bei der Stange: Im Grunde ist das pure Ablenkung davon, dass sich Rick und Co. jetzt alle paar Folgen mit einer neuen Fieslingsbande anlegen. Solange The Walking Dead aber Unterhaltung wie diese Stunde bieten kann, bin ich damit allerdings allemal zufrieden.

Consumed“ ist aber als bloß gute Unterhaltung, beizeiten fühlte ich mich regelrecht berührt. In einem Bürogebäude, in dem sich Daryl und Carol verstecken, befindet sich hinter verschlossenen Türen mit Glasscheiben auch ein kindlicher Zombie, der dank Daryls und Carols Gespräch darüber, wie sie sich verändert haben, bei Carol große Gefühle hochkommen lässt, ohne dass sie diese zugeben will. Ihre Bereitschaft, die beiden selber zu erledigen, spricht dafür, was aus dieser ehemaligen grauen Maus geworden ist, während die Tatsache, dass sie doch recht glücklich darüber ist, dass Daryl es für sie erledigt hat, widerum dafür spricht, dass sie im Herzen nach wie vor eine Mutter ist.

Ich hebe diesen Moment nicht nur heraus, weil er ihre Entwicklung in viereinhalb Staffeln The Walking Dead wunderbar aufzeigt, sondern auch, weil er einfach wunderschön umgesetzt ist. Es ist eine der besten „show, don’t tell„-Momente der Serie, der ohne die explizite Erwähnung Sofias auskommt einerseits, andererseits kommt auch das Zombiekind kaum vor – alles, was wir von ihm sehen, sind seine kleinen Hände, die viel zu weit unten an die Tür tapsen. (Dass das Glas nur Konturen erkennen lässt, ist ein absoluter Geniestreich!) Und auch die Beerdigung des Kindes ist wirklich außerordentlich gelungen: Wir kennen noch nicht einmal den Namen des Kindes, und trotzdem bin ich regelrecht ergriffen, als sich die Kamera in Richtung Rauchschwaden gen Himmel wendet.

Aufgrund solcher kleinen Geschehnisse – totes Kind hinter der Tür, überfallene Camper – ist „Consumed“ eine der langsamsten Episoden der Serie. Durch zwei doch sehr zufällige Begegnungen mit Noah werden die beiden dann aber zum Schluss der Folge doch noch in Richtung Beth geführt – und auch diese Begegnung ist im Grunde nichts anderes als eine kleine Geschichte rund um Daryls internen Konflikt zwischen Rache und Vergebung, der eine kathartische Wirkung hat: Weil Daryl die menschliche Entscheidung fällt, stellt sich Noah als entscheidende Spur zu Beth heraus.

Daneben fungiert die Folge natürlich auch als Charakterstudie von beiden Figuren. Ich halte es ein wenig für übertrieben von Carol zu behaupten, dass Daryl zu Beginn der Serie ein Kind gewesen wäre, aber sein Büchlein („Treating Survivors of Childhood Abuse„) spricht davon, dass er seither an sich gearbeitet hat und nicht mehr der „Redneck“ ist, als der er zu Beginn abgestempelt war. Carol ihrerseits erhält diverse Flashbacks spendiert, die uns zeigen, wie sie sich während der ganzen Zeit verändert hat. Diese sind zwar nicht sonderlich informativ – wir erfahren im Grunde nichts Neues über Carol, was mich dann schon sehr von den Rückblenden enttäuschte – aber illustrieren ihre Reise in dialoglosen, atmosphärischen Bildern.

Und jetzt führt diese Reise sie nun als eine Art Doppelagentin in einen Krieg. Es freut mich, dass es Rick und Co. nun ebenfalls wieder nach Atlanta zieht – ich liebe dieses Stadt-Setting einfach. Davon abgesehen halte ich dieses Mal die Gegenspieler für deutlich interessanter als es etwa bei Gareth der Fall war, weil diese echte Motive für ihre Taten haben. Darum geht es auch dieses Mal nicht bloß darum, wer wohl von unseren Helden bei dem Kampf umkommen wird, sondern auch, ob das Krankenhaus als solches intakt bleibt, oder ob Rick und Co. in ihrer Sturheit einen weiteren letzten Außenposten der Menschheit zerstören – und durch die Vorgabe dieses konkreten Ziels weckt das eine ungemeine Vorfreude auf das Finale der Halbstaffel in zwei Wochen.

Noch mehr Bla:

– Carol ist also doch wirklich verletzt. Wie sie sich allerdings diese Verletzungen zuzieht ist hingegen ein wenig fragwürdig, denn die außerordentliche Anzahl an Autounfällen in dieser Serie ist mir nach wie vor ein Rätsel.

– Daryls Armbrust ist zu ikonisch, als dass sie für mehr als eine Episode gestohlen wäre.

– Hätten Daryl und Carol nach dem Sturz von der Autobahnbrücke nicht tot sein müssen, wenn der Wegen genau waagrecht aufkommt? Ich konnte den Gedanken nicht los werden, dass das Auto vorne hätte auf dem Boden aufprallen sollen, was sich wie ein Autounfall mit geschätzten 60 km/h verhalten hätte sollen – dank der Airbags überlebbar. Ich nehme einfach mal an, dass das Auto beim Filmen des Stunts dann einfach nicht in dieser Bahn geflogen ist, und ein neuerliches Filmen der Einstellung viel zu aufwendig wäre. Trotzdem ein wirklich cooler Stunt!

Fazit: 8,5 von 10 Punkten.

Dank der Fokussierung auf die zwei stärksten Figuren sowie dem tollen Setting im verlassenen Atlanta ist „Consumed“ eine der besten Episoden der Serie.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Kritik: The Walking Dead 5×06 „Consumed“/ „Verschwunden“.

  1. Spannend war es bis zum Schluss. Gar keine frage.
    Für einen kurzen Momwnt dachte ich sogar, es würde zwischen den beiden was passieren, als die so im Bett lagen. War dann wohl doch zu gewagt bzw. meinerseits falsch interpretiert.

    Ganz cool und lässig fand ich auch, als Daryl sich eine Kippe ansteckt…was muss er all die Zeit geschmachtet haben:-) .
    Also, Hut ab sehr sehr spannend.

    Trotzdem empfand ich es so, dass am Ende der letzten 90sec. alles zu schnell ging.
    Zufällig ein Sprinter mit noch Tank drin , hinter dem Haus? Aber egal, freue mich schon auf nächste Woche auf TWD und die Nachgeschichte von BLAMAYER….
    Schönen Dank und Grüße.

add your bla:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s