Reingeschaut: Die Detektive.

„Lass uns niemals erwachsen werden.“

Ich habe mir vorgenommen, mich vermehrt der österreichischen Serienlandschaft zu widmen, und so gebe ich auch Die Detektive eine Chance. Das Fazit: Bei einem kurzen Hineinschauen wird es bleiben.

Quelle: ORF tvthek Die Detektive Screencap. (c) ORF. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Durch den Tod ihres Vaters lernen sich die Halbbrüder Felix und Ronnie erst kennen. Unterschiedlicher könnten der ordnungsliebende Buchhalter und der schrullige Hippie allerdings kaum sein, und so ist das Chaos wenig überraschend vorprogrammiert, als die beiden die Detektei des Vaters übernehmen…

Die Detektive läuft jeden Mittwoch auf ORFeins ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen. Die Folgen können HIER in der TVthek bis zu 7 Tage nach Ausstrahlung angesehen werden. Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episoden.

Schon beim Herangehen an die Serie war ich skeptisch, weil sie versprach, eine gänzlich normale Krimiserie zu sein, und die beiden ersten Folgen bestätigen das. Normale Krimiserie, das bedeutet: Jede Folge ein Fall mit versöhnlicher Lösung, zwei sich streitende Ermittler mit Hintergrundgeschichte, und Blödelhumor. Das reißt mich nicht gerade vom Hocker, insbesondere, weil ich mich frage: Was macht die Serie denn anders als all die anderen Krimiserien? Warum sollte ich diese Serie schauen und nicht den Tatort, oder Heiter bis Tödlich?

Die Detektive versucht, sich als „Krimödie“ zu vermarkten, also als Verschmelzung von Krimi und Komödie. Die Fuhrwerke von Kukla Sen. und Ronnie fallen da schon mal positiv auf: Diese nostalgischen Gefährte versprühen jede Menge Charme. Enttäuschenderweise reicht es allerdings zu mehr als ein paar Schmunzlern in 2 Stunden Die Detektive nicht. Weil der Witz nicht überspringen will, wirken die stilistischen Merkmale der Serie ganz schön deplatziert – etwa die Wischblenden, für die ich kein netteres Adjektiv übrig habe als „bemüht“. Die musikalische Untermalung versucht zwar, fröhlich-gutmütige Stimmung zu verbreiten, fällt aber gelegentlich genau darum negativ auf – weil man erst deshalb bemerkt, dass die Serie meint, witziger zu sein als sie ist.

Der Humor scheitert vor allem aufgrund der Ronnie-Figur, deren unbekümmerte und freidenkende Art ja dazu gedacht ist, die Krimifälle und die Beziehung der zwei Brüder aufzulockern. Das funktioniert nur ansatzweise – die absurden, von Ronnie erdachten Lösungen des Falles lassen vermuten, was für ein Potential in der Figur steckt. Auch witzig ist die Grundidee, dass die zwei Schnüffler durch stümperhafte Ermittlungsideen Marke Ronnie tatsächlich Fortschritte in den Ermittlungen erreichen, wie das etwa bei der Operation „Elegtro Döpfer“ der Fall ist. Die meiste Zeit stützt sich die Serie allerdings auf die Komik, die aus Ronnies Gesichtsmimik entsteht – und die fällt vollkommen flach.

Die Figur wirkt einfach vollkommen überzeichnet und übertrieben. Man hat das Gefühl, dass die Serie für ein Publikum jenseits der 70 konzipiert ist, weil Ronnie so breit und häufig grinst, bis auch der letzte verstanden hat, dass Ronnie frohen Mutes ist – subtil ist das genaue Gegenteil. Und das ist symptomatisch für die Serie: Vieles wird äußerst übertrieben dargestellt, weil es entweder für Humor gehalten wird oder man dem Publikum nicht zutraut, selber die Schlüsse zu ziehen – nach der dritten Naheinstellung vom Bild von Felix‘ vermutlich verstorbener Frau etwa kam ich mir reichlich für dumm verkauft vor. (Wenigstens gibt es in der zweiten Folge dafür einen schönen Lohn, als Ronnie Felix‘ „Guten morgen.“ tatsächlich beantwortet.)

Ich scheine schlicht und einfach nicht Teil des Zielpublikums zu sein. Ich bin ein Fernsehender, der sich darum kümmert, dass eine Serie starke, Episoden-übergreifende Handlungsstränge besitzt und sich auf diese auch konzentriert, weil ich davon überzeugt bin, dass es sich dabei um die Zukunft des Fernsehens handelt. Die Detektive orientiert sich dramaturgisch hingegen an der Vergangenheit: Die Serie scheint zwar in jeder Folge einen weiteren Schritt bei der Lösung um den Mordfall an Kukla Sen. zu machen, aber das alleine reicht mir nicht, um mich bei der Stange zu halten. Stattdessen stützt sich die Serie stark auf die Einzelfälle: Die sind in „Wegen Todesfall geöffnet“ und „Blackout“ jeweils recht okay, aber vom Hocker reißen sie mich nicht. Ich brauche da mehr, und das kann mir Die Detektive nicht bieten.

Aber auch (einigermaßen) objektiv betrachtet bietet die Serie so gut wie nichts Neues, keinen Mehrwert, ist weder besonders lustig noch spannend. Ich lache nicht, ich bange nicht, ich weine nicht – warum schaue ich dann? Die Detektive hat ein Identitätsproblem, weil der Spaghat zwischen Krimi und Komödie nicht funktioniert, und die Serie dennoch versucht, beides zu sein. Folglich versumpft die Serie zu sehr in Belanglosigkeit und ist darum auch eher langweilig – mit einer wöchentlichen Berichterstattung werde ich darum nicht dienen.

Noch mehr Bla:

– Was mir erst beim neuerlichen Schauen der Pilotfolge auffiel: Die genussliche Betonung bei der Erinnerung an „Das Auto!“ von der Anwältin, als sie die Erbstücke von Kukla aufzählt. Am Ende von „Blackout“ stellt sich heraus, dass sie da womöglich ein paar Schäferstündchen mit Kukla Sen. gehabt haben dürfte…

– Persönliche Geschmackssache: Hawaiihemden wären Ronnie besser gestanden.

– Wenn die zwei Halbbrüder gar nichts voneinander wissen, wie entstand dann das gemeinsame Foto? Und warum wurde das Foto so künstlich außeinandergerissen? Und warum nicht mit Schere außeinandergetrennt? Noch sind das keine Plotlöcher, aber ich bin mir nicht sicher, ob Die Detektive eine Serie ist, die sich um die Beantwortung dieser Fragen kümmert.

– Beeindruckend, dass die zwei Hauptdarsteller, Serkan Kaya und Johannes Zirner, scheinbar ihre eigenen Stunts machen – zumindest fiel mir das auf, als sie über den Zaun kletterten.

– Humor ist bekanntlich Geschmackssache, und ich bin da ziemlich anspruchsvoll, was Humor aus der Flimmerkiste betrifft. Darum frage ich mal an die Leserschaft, die den Piloten und vielleicht auch Folge 2 geschaut haben: Sprang bei euch denn der Funken über?

Fazit: 3,5 von 10 Punkten.

Konservativ, belanglos und unlustig – nur in seltenen Momenten funktioniert Die Detektive als Krimödie.

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3 Gedanken zu “Reingeschaut: Die Detektive.

  1. Bin durch Deine CopStories Kritiken auf Dich aufmerksam geworden und die Seite taugt mir – bin ich auch ein Fan der komplexeren Fortsetzungsgeschichten… der Trailer für die Detektive hat mich schon nicht wirklich angesprochen – allein die beiden Darsteller als Halbbrüder schienen mir schon total unglaubwürdig – bin froh dass mich Deine Kritik jetzt bestätigt warum ich mir diese Zeit gespart habe… hab eh schon viel zu viele Serien an denen ich „dranhänge“. 😉

    • Oh danke! Ich werde in Zukunft weiterhin stärker auf die österreichischen Serien achten, weil ich mir denke: Für all die anderen Serien gibts eh schon genug andere Kritiker da draußen, und „unsere“ Serien verdienen sich meiner Meinung nach ebenso eine genauere Betrachtung (und manchmal eben auch Kritik).

      mfg Blamayer

  2. Ach ja ursprünglich hatte ich Dich wg. Schnell ermittelt schon mal gefunden gehabt, aber damals noch nicht wirklich weitergelesen. 🙂

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