Kritik: Cop Stories 2×07 „Oh Gott“.

„I bin so miad.“

Cop Stories ist immer ein wilder Haufen von Erzählstrangen – manche kurz und knackig, manche groß und lang. Nicht immer sind die größeren die besseren – so auch in „Oh Gott„: Die Diebstähle und Messerstecherei an einer Kirche sind ziemlich generisch; dafür wissen die Privatgeschichten wieder zu gefallen.

Quelle: Cop Stories DVD Screencap. (c) ORF, Hoanzl, Gebhard Productions. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Leila hat alle Hände voll damit zu tun, ihren Zeugen Michael vor Dogan zu schützen – und ihm einen guten Deal beim Rechtsanwalt zu verschaffen. Doch auch Efe kennt die Identität des Zeugen, und der ist nicht gerade dafür bekannt, seine Klappe halten zu können…

Cop Stories läuft jeden Dienstag auf ORFeins, 21.05 Uhr. Die Folgen können HIER in der TVthek bis zu 7 Tage nach Ausstrahlung angesehen werden. Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Serielles Erzählen.

Wie gewonnen, so zerronnen: Mit „Oh Gott“ verflüchtigt sich Dogans Spur wieder – auch wenn durch das Auftauchen Beringers in der (diesmal nicht ganz so überzeugenden) Schlussmontage den Eindruck verstärkt, dass dieser in der Tat ein längerfristiger Antagonist wird. Davon besitzt Cop Stories zwar ohnehin schon einige (etwa der russische Zar Obradovic, der Chantal geheiratet hat), aber Sorgen, dass die Serie diese nicht stemmen könne, wo sie doch auch schon mit dem großen Ensemble und deren diverse Partner umzugehen weiß, mache ich mir keine, im Gegenteil: Ich bin der Meinung, dass gerade diese Vielzahl an wiederkehrenden Verbrechern die Fälle von Belanglosigkeit befreit, da diese durch dergestalt konstruierte Charakterbögen Empathie auslösen. Zu wissen, dass das Ehepaar Huber schon vor dieser Episode in einen häuslichen Konflikt involviert war, ist keine Voraussetzung, um diese kleine Nebengeschichte in „Oh Gott“ zu verstehen, aber erweitert die Geschichte um einige Nuancen – letztes Mal endete es in einem übertriebenen Happy End, durch diesen neuerlichen Streit erfahren wir jedoch, dass das wirklich nur ein oberflächliches war.

Es ist immer eine schwierige Grandwanderung für Serien, die ideale Mischung aus episodischen und Episoden-übergreifenden Handlungen zu finden. Cop Stories bemüht sich, beide Ansprüche aufs Äußerste zu erfüllen – Serien-Aficionados wie mich (und auch Sie!) will man offensichtlich ebenso ansprechen wie den neuen Zuseher, der nur zufällig hinschaltet. Für letztere leider absolut abschreckend: der Teaser, der in „Oh Gott“ neue Höhen an Belanglosigkeit erklimmt. Nicht für Serien-Kenner, die vielleicht Vickerl gerne mögen (ich nicht) oder die Sylvester-Florian-Paarung gut finden (ich schon) – aber spannend oder wirklich interessant ist das Ganze nicht, und endet zudem auf einer schwachen Note. Immerhin: Vielleicht ist die vorübergehende (?) Schließung des Lokals diesbezüglich eine Trendwende; Vielleicht hat man erkannt, dass der tägliche Arbeits- und damit Episodenbeginn im Kaffee-Haus zwar eine typisch-österreichische Atmosphäre vermitteln kann, allerdings wenig mehr zu bieten hat. Wir werden sehen.

Auch einige Entwicklungen bei den Figuren-bezogenen Handlungssträngen erfahren eine gewisse Veränderung – und so soll es auch sein. Helga etwa haben wir in dieser Staffel ihren Mann Toni nun fast schon so oft zusammenpfeifen sehen, da machen sich schon langsam Abnützungserscheinungen breit. Doch gerade, wo Toni ein zweites Auto herstellt, und ich mir denke, dass Cop Stories die Ideen ausgegangen sind, beginnt Toni, gegen Helga anzukämpfen – indem er sich wie immer als Opfer darstellt, nun aber endlich einen Täter findet: seine Frau! Ob die Wendung, dass Toni womöglich sein Geld mit Drogengeschäften verdient, dann tatsächlich stimmig ist, werden wir wohl noch bis zum Ende der Staffel sehen – vorübergehend bin ich da mal vorsichtshalber skeptisch. Dass Cop Stories durch Tonis heuchlerischen Schuldzuweisungen an Helga hier einen neuen Winkel für diesen Ehekonflikt findet, gefällt mir hingegen schon auf Anhieb gut.

Die Männer und ihre Männlichkeit.

Von den 12 Hauptfiguren der Serie sind nur 3 Frauen – trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen?) ist der Kampf der Geschlechter selten ein Thema. „Oh Gott“ ist da anders, indem insbesondere zwischen Sylvester und Florian eine (indirekte) Debatte darüber ausbricht. Hypermaskulin, wie Sylvester nun mal ist, löst er eine gefährliche Situation betont lässig – zu lässig, wie Florian findet. Sylvester habe falsch gehandelt und damit die Leben der zwei Polizisten aufs Spiel gesetzt, aber ob Florian tatsächlich selber hätte abdrücken können, ist fraglich. Andererseits: Hätte Sylvester seine Waffe abgefeuert, falls es sich um den Ehemann gehandelt hätte? Sylvester wollte die Situation heldenhaft lösen, und es gelang ihm auch, während hingegen die sichere Wahl, nämlich die bewaffnete Frau zumindest anzuschießen, eine gänzlich andere Art von Mut erfordert hätte. Nicht zuletzt geht es dabei auch darum, kühl genug zu reagieren und sich anhand der Vorschriften zu verhalten: Etwas, das Sylvester schon in der Vergangenheit Probleme bereitete…

Die beiden finden dann aber doch noch einen gemeinsamen Grund: den Boxring. Der kurze Besuch dient nicht nur dazu, Florian seiner zukünftigen Angebeteten vorzustellen, sondern bildet auch einen sehr gelungenen, thematisch passenden Ausklang des Streits der beiden. Ich würde nicht so weit gehen, dass er der verweichlichste Polizist ist – diese zweifelhafte Ehre gebührt wohl Mathias – aber wir haben ihn in den letzten Folgen doch recht häufig weinen sehen. Natürlich aus gutem Grund, eine Abwechslung/ Ablenkung hat er sich da mehr als verdient. Darüber hinaus ist es aber für ihn ein Mittel, selbst wieder Kontrolle in sein Leben zu bringen. Wenn er schon nicht alleine Zeit mit seiner Tochter verbringen darf, dann kann er zumindest hier seinen Frust auf produktive Art loswerden.

Auch Mathias sieht sich mit seiner Männlichkeit konfrontiert. Geradezu selbstkritisch lässt ihn Cop Stories hier mit seiner tolpatschigen Art auflaufen. Schon zu Beginn der Folge wird seine mangelnde Kompetenz deutlich, als niemand mit ihm einen Fall übernehmen möchte. Das hat nichts mit Sympathien zu tun: Mathias mögen ja alle. Trotzdem findet es scheinbar jeder lästig, mit ihm zusammenzuarbeiten – an Arbeiten, die einfach gemacht werden müssen, geht er häufig zu naiv, zu gutherzig, zu einfältig heran. Und so plagt sich Mathias durch die Episode, erfährt eine Abweisung nach der anderen – nur um am Abend in seine eigene Wohnung zu kommen, in der er nicht willkommen ist. Folgen wie „Oh Gott“ zeugen davon, warum sich dieser Mann nach Chantal sehnt: weil sie die einzige ist, die ihn wirklich haben will. Für den traurigen Mathias ist das unverständlich: Er ist doch immer nett zu allen, er gibt sich Mühe, er hat ein gutes Herz. Ich bin gespannt, wo das hinführen wird.

Heilige Maria Mutter Gottes!

Ablehnung erfährt er diesmal eben auch von Roman, der (wie prophezeit) mit Bettina eine ernstere Beziehung beginnt. Dieser hat zwar die selben Schwierigkeiten, die öffentliche Urinierung in das System einzugeben, doch seine Behandlung von Mathias zuvor ist bezeichnend. Zudem kümmert er sich um den Fall rund um gestohlene Marienstatuen – der zwar einen angenehm undurchschaubaren Pfarrer als Hauptfigur besitzt, sonst allerdings eher platt ist: Ein bisschen grob sein, und schon plaudern die Täter munter ihre Geheimnisse aus. Der Pfarrer wäre ein schöner Spiegel für Mathias gewesen, aber dieser war ja anderweitig schwer beschäftigt.

Quelle: Cop Stories DVD Screencap. (c) ORF, Hoanzl, Gebhard Productions. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Von der Lösung dieses Falles abgesehen verbringt Eberts seine Zeit weniger produktiv: Schlafen während dem Dienst! Die Beziehung zur Therapeutin nimmt hier zwar ein paar seifenopern-artige Züge an, doch hinter der Fassade steckt beim Berufsgrantler ein überraschender Schwermut. Gloria weiß, dass sein Frust über die nur langsam fortschreitenden (und in dieser Episode leider auch wieder zum Stillstand kommenden) Ermittlungen in Sachen Dogan nicht von professioneller Natur sind – dafür ist Eberts zu abgebrüht. Der Ausländer an seiner Seite fehlt ihm einfach – ein schöner Zufall, dass Gloria griechischer Abstammung ist.

Auch Lukas hadert mit seinem Job und seiner Verantwortung, und mischt sein Privatleben dazu. Es sieht so aus, als ob er sich demnächst trauen wird, bei Christian zu läuten – Konflikt mit der nervigen Iris vorprogrammiert. Ob er jetzt tatsächlich mit Christian wieder den selben Fehler begehen wird wie damals, ist mir eigentlich egal; Viel mehr interessiert mich, dass der sonst so Karriere-orientierte Chefinspektor Abstriche in der Arbeit macht – das hat selbst Iris nie geschafft. Mehr noch: Für Christian riskiert Lukas sogar Kopf und Kragen. Wenn das nicht nach hinten losgeht…

Noch mehr Bla:

– Bergfelds Anhörung wirkte ein wenig deplatziert – nicht nur, weil diese Sitzung merkwürdig schnell zur Sache kommt, sondern auch, weil dieser kurze Handlungsstrang kein wirkliches Ende hatte. Bergfelds Äußerungen erklären, warum Cop Stories, sagen wir mal, eine überhöhte Realität darstellt, in der es Drive-by shootings und einen mächtigen Drogenlord gibt, doch merkwürdigerweise kommt die Serie auf diese Äußerungen dann nicht mehr zurück. Vielleicht in einer der nächsten Episoden, dennoch passt die Serie nicht so recht ins Gesamtbild.

– „Sie send koa Pfoffn, sondern a Pfeifn.“

– Eine andere Pfeife: Efe. Kann er seine Information noch unglaubwürdiger rüberbringen? Dabei ist das gar nicht mal uncharakteristisch für ihn…

– Schade: Ich hatte gehofft, wir sehen Sylvester und Bergfeld tatsächlich wegen dem Vorfall in „Kleinvieh“ streiten.

– Größter Lacher der bisherigen Serie: der zweifelnde Gesichtsausdruck der Marienstatue. Deren Tränen allerdings… sie hätten einen der schönsten Cop Stories-Momente darstellen können, wäre die diesbezügliche Handlung spannender. So aber weiß ich nicht recht, was ich davon halten soll: Diese kleine Geste von „oben“ ist wunderschön, aber hat ärgerlich wenig auszusagen.

Fazit: 6,5 von 10 Punkten.

Oh Gott“ bringt den Dogan-Handlungsstrang leider wieder zum Erschlaffen. Stattdessen müht sich „Oh Gott“ an einem uninspirierten Hauptfall ab, kompensiert das aber mit den üblich gelungenen Nebengeschichten.

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3 Gedanken zu “Kritik: Cop Stories 2×07 „Oh Gott“.

  1. Ich glaub der Freund vom Lukas heißt Christian und nicht Christoph (zumindest heißt er hier in der letzten Kritik auch Christian und ich glaub auch, dass das auf dem Handy vom Lukas gestanden ist).

  2. Jede Kritik ist gut und wert, gelesen zu werden. Vor allem diese hier von Blamayer. Woche für Woche. Sie können Anregung und Ansporn sein. Danke!

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