Kritik: The Walking Dead 5×04 „Slabtown“.

„You feel save enough to be bored?“

Wo ist Beth? Mit der Antwort auf diese Frage hat sich The Walking Dead eine halbe Staffel lang Zeit gelassen. „Slabtown“ liefert aber auch die Antwort, warum: Man wusste scheinbar bis zum Schluss nicht recht, wie man die durchaus gute Idee umsetzen könne.

Quelle: AMC The Walking Dead Homepage. (c) AMC. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Beth wacht in einem Krankenhaus mitten in Atlanta auf. War alles bloß ein böser Traum? Nein, natürlich nicht – obwohl sie schnell genug im nächsten Albtraum landet…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Es wäre natürlich nie in Frage gekommen, dass Beth tatsächlich wieder in einer heilen Welt aufwachen würde, und doch lockte die Vorstellung zu Beginn der Folge. Ein echtes Krankenzimmer, saubere Kleidung, und eine funktionierende Uhr – die ersten Sekunden von „Slabtown“ bieten eine ungemeine Immersion, die zugleich tongebend für die gesamte Folge ist. Was in anderen Serien vielleicht als karge Einrichtung zu bemängeln wäre, ist hier ganz bewusst steril: Die übertriebene Reinlichkeit des Krankenhauses (mit scheinbar außerordentlich großer Reinigungsabteilung, ohne Rücksicht auf (Wasser-) Verluste) spricht davon, wie bedacht Dawn und Co. darauf sind, die Welt von draußen auszublenden, und stattdessen ihre kleine Charade weiterspielen.

Sie leben eine Farce nicht nur, weil sie vergeblich auf Hoffnung warten, sondern vor allem, weil sie keinerlei Gruppenzusammengehörigkeit besitzen – stattdessen bauen sie auf Leute wie Gorman, quasi der Shane des Krankenhauses, oder Dawn, die machtgeile, aber nicht sonderlich weitsichtige Anführerin. Am beängstigsten ist allerdings, wie wenig hier die einzelnen Leben wert sind: Geradezu verschwenderisch geht „Slabtown“ mit den Figuren des Krankenhauses um, um nicht zu sagen: wenig empathisch. Natürlich empfinden wir für Figuren wie Joan (der der Arm amputiert wurde) weniger als etwa für Bob, dennoch steht die hohe Sterberate im Widerspruch zum Status Quo – nämlich, dass das Krankenhaus all die Monate und Jahre seit dem Ausbruch der Krankheit überstanden hat. Der Vergleich zu Ricks Gruppe ist hier wirklich gelungen – wir erkennen, warum diese Gruppe zusammenbrechen wird, weil wir von Ricks Gruppe gelernt haben, wie es besser geht.

So interessant das Szenario allerdings auch sein mag, in diesem Krankenhaus von einer optimistischen Gruppe aufgenommen zu werden, die sich ihren Fatalismus nicht eingestehen wollen: Im Verlauf der Folge tun sich einfach zu viele Ungereimtheiten auf, die dessen Glaubwürdigkeit und damit auch der ganzen Folge in Frage stellen. Woher kriegt das Krankenhaus all die Nahrungsmittel – die umliegenden Gebäude müssten doch längst leergeräumt sein. Gleichzeitig müsste das ja auch heißen, dass es einen ziemlich einfachen Weg nach draußen gäbe, um überhaupt auf die Suche nach Nahrungsmitteln zu gehen – warum also der komplizierte Fluchtversuch durch den Aufzugsschacht? Und wenn Zombies am Boden des Schachtes sind, warum haben die dann nicht die Leichen gefressen? Und warum nimmt ein Offizier Beth einfach so fest, kurz nachdem sie sich durch eine Horde Zombies durchgeballert hat – wo kam denn der her?

Die Drehbücher von The Walking Dead sind manchmal einfach so unausgereift. Das merkt man „Slabtown“ mehr an denn je, weil die Episode so wenig Wert auf Action und echte Spannung legt (wer glaubt schon, dass dieser Polizist Beth wirklich vergewaltigen würde – ohne Vergewaltigung zu verhamlosen, aber dass Gorman hier sterben würde war ziemlich naheliegend), sondern viel mehr auf die ungewöhnliche Atmosphäre baut. Das ist ein nobles Ziel, aber würde auch voraussetzen, dass Beth da in ein plausibles Szenario gerät. Weil das nicht der Fall ist, ist auch so transparent, wie Beth in dieser Folge (und wohl auch der/den nächsten) gezwungen wird, ihre eigene Frau zu stehen, ohne sich auf die anderen verlassen zu können/ müssen, während sie gleichzeitig mit ihrer Vergangenheit (Selbstmordversuch auf der Farm) konfrontiert wird.

Quelle: AMC The Walking Dead Homepage. (c) AMC. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Noch ein Bild von Beth.

Das ist durchaus ein spannender Charakterbogen, trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich Beth in dieser Folge nicht sonderlich glaubwürdig verhält. Immens stört mich etwa, wie sie keinerlei Schuldgefühle dafür hegt, dass sie (vermeintlich) einen Patienten versehentlich umbringt. Wenn man es der Serie abkauft, dass in diesem Krankenhaus selbst nach geschätzten 2 Jahren der Zombieplage ein reges Kommen und Gehen herrscht, dann mag das dem Doc und Dawn normal vorkommen. Für Beth sollte das hingegen ein ziemlicher Schock sein – nicht nur bezüglich der Frage, was Dawn jetzt mit ihr machen wird. (Die Antwort darauf: eh nichts.) Und diese Apathie ist für „Slabtown“ geradezu bezeichnend: Eine Folge mit wenig Empathie für ihre Figuren, die sich auf die Interaktionen der Figuren und die Gefühlswelt ihrer Protagonistin verlässt, kann gar nicht funktionieren.

Noch mehr Bla:

– Der Episodentitel bezieht sich übrigens auf ein Viertel von Atlanta.

– Ich werde in Zukunft aus Zeitgründen meine Artikel zu The Walking Dead kürzer zu halten.

– Den Konflikt mit Gorman hat Beth unnötig heraufbeschworen – und das nicht im Sinne von „she was asking for it“. Er hatte sie gerettet und wollte dafür Dank ausgesprochen kriegen, woraufhin sich Beth sogar weigerte, sich für das Essen zu bedanken, das ihr gegeben wurde. Klar, dass sie mit ihm keine Freundschaft schließen würde, aber ihn schlichtweg zu ignorieren musste ja Ärger provozieren.

– Noah ist seit einem Jahr im Krankenhaus, möchte eigentlich verschwinden – und dann tut er es, ohne jegliche Art von Waffen oder Lebensmittel und so weiter mitzunehmen? Ganz offensichtlich benötigte die Serie eine dramatische Flucht. Zum Haare raufen ist das.

– Nicht nur, dass da ein Wachposten mit Waffe auf einem Dach steht, und was weiß ich was bewacht – er tut es auch noch auf einem Dach ziemlich weit weg. Dafür, dass sich die sicheren Krankenhaustrakte scheinbar sehr weit erstrecken, haben wir nur ziemlich wenig gesehen…

– Da ihre Freunde sich eigentlich nie fragen, wo Beth steckt, ist es fast schon ironisch, dass auch Beth kein Wörtchen von ihnen erzählt – aber vielleicht will sie sie ja gerade dadurch schützen.

– „The thing is: you are not the greater good.“ Trotz all meiner Kritik wünsche ich mir, Dawn doch noch ein bisschen besser kennen zu lernen, weil sie so kurz davor steht, dass ihre (Über-)Lebensphilosophie auf den Kopf gestellt wird.

– Atlanta beim Verwildern: Wunderschön. Das ist bestimmt keine billige Einstellung, aber eine enorm wichtige, trägt sie doch wesentlich zur Atmosphäre der Episode bei.

– Als der Frau die Hand abgesägt wurde: Ich konnte nicht hinschauen, so schrecklich ist das. Das ist nicht mein Kaffee, aber The Walking Dead versucht nun mal, verschiedene Zielgruppen anzusprechen – und hier kommen eben Fans von Blut auf ihre Kosten.

Fazit: 5,0 von 10 Punkten.

Das Krankenhaus, in dem wir Beth aufwachen sehen, bietet ein spannendes Szenario – schade, dass The Walking Dead die Chance durch eine Vielzahl an Logikfehlern und abstrusen Entscheidungen der Figuren verschenkt.

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6 Gedanken zu “Kritik: The Walking Dead 5×04 „Slabtown“.

  1. Danke. Ich lese sehr gerne, was du schreibst.

    Hast du irgendwo zwischen den Zeilen geschrieben, dass du weniger schreiben willst??? Bitte bitte nicht…das machst du doch so gut.

    Zur Folge:
    Das war alles so billig und künstlich.
    Ich hatte, glaube ich, noch nie so eine schwache Folge gesehen.

    Es ging alles so schnell, wieso konnte Beth plötzlich eine Krankenschwester spielen, so nach gefühlte 10 Sekunden….
    Wieso ist Sie so unglaubwürdig? Absolut schlecht geschauspielert.
    Zumal, diese ständigen Cuts…etc.

    Eine irre Story dieses Mal. Die Auflösung wird mit Spannung erwartet.

    Gruß

    Naja, beim nächsten Mal wirds besser😃, hoffe ich.

  2. Hi,

    zuallererst fände ich es auch schade, wenn Umfang und damit auch Intensität Deiner Reviews abnehmen.

    Aber, obwohl ich ein Fan Deiner Kritiken bin, sehe ich bei dieser Folge manches nicht so angebracht. Du bemängelst einige plotholes, welche aber doch gar nicht existieren:
    – sicher existiert ein leichter Weg nach außen, da werden doch die Patienten reingebracht. Aber der ist nun mal bewacht, ebenso der Vorplatz vor dem Krankenhaus. Das wurde nicht gezeigt, ich denke es fehlt einfach die Zeit

    – die Essensfrage. Es werden ja auch Tiere gegessen. Sich über das Thema des endlichen Nachschubs zu viele Gedanken zu machen halte ich für unnötig. Das ist natürlich alles unglaubwürdig – und ich meine Alles, denn es müsste an allem fehlen und trotzdem schauen die Figuren oft gepflegt und gut genährt aus. Aber darauf würde ich nicht rumreiten.

    Mir persönlich hat die Folge sehr gefallen und daher kann ich über manches hinwegsehen. So ist das glaube ich immer: wenn man mit einer Folge nix anfangen kann, dann kritisiert man auch die „Kleinigkeiten“

    Grüße
    Andi

    • Aber wenn es einen Ausgang gibt: Der wird doch wohl in der Nähe der Autos sein, und die wurden von Zombies umzingelt – haben die Cops da keine Umzäunung?

      Und bezüglich Versorgung: Ja stimmt, aber das Krankenhaus ist diesbezüglich meiner Ansicht nach besonders unglaubwürdig, gerade weil so verschwenderisch mit Wasser umgegangen wird. (Und warum leben 1-2 Jahre nach Ausbruch noch Meerschweinchen?)

      Meiner Meinung nach sammeln sich da einfach die Kleinigkeiten zusammen.

      lg
      Blamayer

  3. So berauschend fand ich die Folge nun auch nicht.
    Immerhin ist jetzt geklärt, wen Daryl am Ende von 5×03 mitbringt, richtig?
    ACHTUNG SPOILER!!! ZWAR NUR MEINE VERMUTUNG ABER BESTIMMT RICHTIG!!! SPOILER: Daryl bringt Noah mit.

    Lässt auf jeden Fall gut durchblicken, dass bald Ricks Gruppe wieder nach Atlanta kommt um Beth und Carol zu befreien. Würde mich nur mal stark interessieren was der sonst so taffen Carol geschehen ist, dass sie auf einer Trage, bewusstlos, ins Krankenhaus kommt. Sonst wird sie doch auch mit allem fertig.

    Die Musik, als der Doc sich am Anfang der Folge mit Dawn unterhielt, Beth den Hausmeister begaffte und dann in das Patientenzimmer schaute, fand ich etwas seltsam. Das scheint wohl in dieser Staffel gern verarbeitet zu werden, wie am Anfang der 2. Folge (als alle die Straße entlang gingen).

    Wäre ich Beth gewesen, hätte ich beim Betreten des Büros, als sie den Schlüssel suchte, mir direkt einen Lolli eingesteckt 🙂

    • Ja, das mit Noah klingt nach einer vernünftigen Schlussfolgerung. Ich denke, dass Carol gar nicht wirklich verletzt ist, sondern sich bloß dadurch in das Krankenhaus schläust. Aber wir werden sehen!

  4. ich fand nicht dass Beth den Konflikt unnötig heraufbeschwört hat ,aber als Mann sieht man sowas vielleicht anderst wahr, denn für mich war von Anfang an klar worauf er hinaus will (das wahr einfach ekelhaft und schleimig hey baby du bist mir was schuldig ich hab dich gerettet).Tatsache ist er hat Beth nicht gerettet er hat sie entführt . Daryl kam noch dazugerannt aber die sind einfach weggedüst ihren Rucksack ließen Sie liegen und angeblich war sie ja von Beißern umzingelt , gesehn hab ich da keine, aber deiner theorie dass Carol nur so tut stimme ich zu mit Noha der sich bestens dort auskennt schaffen es Darryl und die anderen zusammen mit Carol als Maulwurf.
    Ach ja mein Bla:
    Ich weiss gar nicht was ihr alle habt ich fand die Folge toll, ich denk immer nach dem Gouverneur und den Kannibalen können keine schrägeren Vögel mehr auftauchen , anscheinend doch
    – sah wohl im vorspann so aus dass Eugene endlich die Bombe zum Platzen bringt (Blinzel, Blinzel)

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