Kritik: The Walking Dead 5×03 „Four Walls and a Roof“/ „Vier Wände und ein Dach“.

„I knew if I told you, it’d be all about the end.“

The Walking Dead gibt in seiner fünften Staffel Vollgas: Während die entführte Beth schon eine halbe Staffel lang kein Lebenszeichen von sich gab, lässt die Konfrontation mit Bobs Entführern nicht lange auf sich warten – und dafür gilt es dankbar zu sein.

Quelle: Offizielle AMC The Walking Dead Homepage. (c) AMC. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Bob wird von Gareth/ den Terminus-Leuten/ den Jägern zurück zur Kirche gebracht. Aufgewühlt von Bobs erlittener Amputation sinnen sie auf Rache – genau wie von Gareth geplant…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Das ging aber schnell – nach nur 3 Folgen als Hauptfigur ist Gareth auch schon wieder Geschichte. Nicht, dass das enttäuschend wäre: Schlussendlich erwieß sich die Figur doch nicht all zu vielschichtig, so sehr Gareth auch behaupten möchte, dass er ursprünglich einer von den Guten war. Besonders viel Mitgefühl für seine tote Mutter und seinen toten Bruder hatte er ja dann doch nicht, und auch die Begründung ihres Kannibalismus ist einfach zu weit hergeholt, um wirklich Empathie auszulösen. Schade, dass sich die von mir beim Staffelauftakt („No Sanctuary„) gehegte Hoffnung nicht erfüllte, dass The Walking Dead mehr aus dem Flashback-Format herausholen würde – vielmehr steht die Verwendung dieses Stilmittels jetzt als merkwürdiger Ausreißer da, der weder zum Stil der Serie passt noch, im Nachhinein betrachtet, einen erzählerischen Mehrwert besitzt.

Andererseits muss man auch sagen: So kurz die Bedrohung durch Gareth und die Kanibalen auch war, so spannend wurde sie umgesetzt. Lassen wir dazu die eher langweiligere Folge in der Mitte mal („Strangers„) weg: Die Flucht aus Terminus war eine der spektakuläreren Action-Sequenzen der Serie, die finale Konfrontation mit den Kanibalen in „Four Walls and a Roof“ besticht hingegen durch ihre Spannung. Es war kein Meilenstein an überraschenden Wendungen, dass Rick und Co. den Jägern doch nicht so plump in die Falle gingen – obwohl die Figuren das laut dem Dialog ja eigentlich vor hatten: Rick argumentierte da wirklich äußerst dünn, wenn er meint, dass die Jäger nicht mit einem Gegenschlag rechnen würden, während doch klar ist, dass sich Ricks Gruppe für Bobs Entführung rächen wollen würde. Dennoch beinhaltete die Folge ein paar durchaus gelungene Überraschungen.

Allen voran natürlich, dass Bob tatsächlich gebissen wurde. Ich kannte diesen Abschnitt der Handlung schon von den Comics, darum blieb ich letzte Woche dazu still. Die Zeichen dafür waren ja schon in „Strangers“ gesät (auffällig viel Bildschirmzeit für Bob und Sasha, Bob geht alleine nach draußen um sich auszuheulen), und so konnte man sich das schon mit einigermaßen Aufmerksamkeit selber zusammenreimen. Ähnliches galt schon für The Walking Dead’s Geheimnis um die Bewohner von Terminus; Diese nicht all zu schwierigen, aber doch effektiven Rätsel vermag die Serie recht geschickt einzuspinnen, um den Spannungsbogen auf die nächste Folge aufrecht zu erhalten. (Andererseits gibt es dann wieder so ungeschickte Cliffhanger wie jenen von „Four Walls and a Roof„: Dass wir nicht sehen, wen Daryl da im Schlepptau hat, ist wirklich sonderbar dümmlich.)

Doch zurück zu Bob: Eine weitere, positive Überraschung war, wie bald er wieder bei seinen Freunden ausgesetzt wurde – das gab ihm Zeit, sich gebührlich zu verabschieden, anstatt langsam aber sicher von Gareth und Co. aufgefressen zu werden. RIP Bob, we hardly knew ya – wobei seine Sterbeszene dann doch eine überraschende Prägnanz besaß.  Andererseits wurden wir der Folgen von Bobs Geständnis, „tainted meat“ zu sein, beraubt – diese zuerst gelungen erscheinende Wendung hat schließlich gar nichts mit der Resolution zu tun. Schade! Wie Gareth und Co. damit umgegangen wären – und ob sie überhaupt infiziert worden wären – bleibt ungewiss, während Bobs Fall zeigt, dass ein langsamer Tod, wie auch schon damals bei Jim in Staffel 1, emotionaler ist.

Die Jäger sterben hingegen bewusst unvermittelt und brutal, und symbolisieren damit wohl das mitunter düsterste Kapitel von Rick und Co. Noch in der selben Folge wird Rick versichert, was für ein guter Mann er doch ist, während er zuvor noch ein Gotteshaus auf bewusst erbarmungslose Weise desekriert. Mir gefällt, wie sich die Rachegelüste in den letzten Folgen in Rick angestaut haben und hier nun ihren freien, ungehindert Lauf finden, sodass er damit nicht nur einen eindrucksvollen Schlussstrich unter diesem Handlungsbogen zieht und damit seine Führungsposition legitimiert, sondern auch ein paar der anderen entfremdet – es ist kein Zufall, dass Maggie und Glenn zwar bei der Jagdpartie dabei sind, sich allerdings vom Massaker fernhalten und schließlich in Abrahams Bus mitfahren, wodurch die beiden endlich wieder einmal ein paar Charakterzüge erhalten. (Auch wenn Maggie dabei kein einziges Wort über ihre Schwester verliert. Ich bin unheimlich gespannt auf das Wiedersehen der beiden – wie will die Serie das dann erklären?)

Quelle: Offizielle AMC The Walking Dead Homepage. (c) AMC. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Auch Sasha beteiligt sich am Massaker (ebenfalls aus Rache), wähernd ihr Bruder das friedliche Gegenstück bildet. (Doof, dass auch hier ein vermeintlich wichtiger Charaktermoment – Tyreese ließ Martin im Staffelauftakt am Leben – keinerlei Folgen hat.) Den Kannibalen zu vergeben ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber davon abgesehen passt Tyreese als eine Art Staffel 4.1-Rick ganz gut in die Gruppe, vor allem in Kombination mit dem aktuellen Rick – da stellt The Walking Dead wieder einmal die Serien-überspannende Frage, wie weit man gehen darf, um das eigene Überleben zu garantieren, und findet in diesen beiden Figuren zwei grenzwertige Standpunkte, die aber dennoch scheinbar in der selben Gruppe funktionieren können. Rache und Vergebung, so das aktuelle Kredo, können co-existieren, auch wenn sie Gefahr drohen, sich früher oder später zu widersprechen. Nicht umsonst sind es Tyreese und Rick, die zum Schluss Bobs Grab ausheben: Die beiden sind die moralischen Anker der Gruppe, jeweils durch die Dinge definiert, die ihnen widerfahren sind; die Pole, die zwar grundverschieden sind, sich aber dennoch gegenseitig anziehen – und gerade deshalb als Duo gut funktionieren.

Weil der Konflikt zwischen den beiden spannend ist, bin ich froh, dass sie bei der Zweiteilung der Gruppe im selben Team bleiben. Überhaupt ist die Trennung ein sehr guter Schachzug: Zu Beginn der Staffel bemerkte ich, dass der Cast drohen würde, zu groß zu werden – drei Folgen später sind zwei verstorben (Bob und Gareth) und der Rest in 2-3 Camps aufgeteilt – je nachdem, was mit Beth geschieht. Die Aufteilung gibt der Serie die Chance, auch die periphereren Hauptfiguren wie Rosita mal zu charakterisieren, ohne sie künstlich in den Vordergrund rücken zu müssen. Ob Rosita das wert sein wird, muss sich noch herausstellen, aber für Eugene und Alpha-Tier Abraham interessiere ich mich jetzt schon. Nicht zuletzt begünstigt eine kleinere Gruppengrößere auch kleinere Erkundungsmissionen der jeweiligen Teams, was unsere Helden hoffentlich wieder in die Stadt treibt.

Noch mehr Bla:

– Ich habe inzwischen entdeckt, warum die Episode zuvor („Strangers„) ganz untypisch keinerlei Akt-Struktur vorweist: Robert Kirkman hatte sie selbst geschrieben, und dieser ist sich der Fernsehindustrie wohl nicht ganz so bewusst.

– Der schnellste Weg von der Kapelle zur Schule: mitten durch den Wald. Ich musste lachen.

– Michonne hat also ihre Katana wieder . Das war ja einfach.

– Bob stirbt wie er lebte – mit einem breiten Grinsen.

– Jetzt bin ich aber wirklich irre gespannt auf Beths Schicksal, und die Previews sind richtig spannend – wo zum Teufel befindet sie sich? Warum wurde sie entführt?

– „It killed me.“ – „No, it didn’t.“

– Was Pater Gabriel tat: All die Bewohner seiner Stadt draußen verrecken lassen. Dann wäre das auch geklärt, willkommen im Team!

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

Four Walls and a Roof“ beendet den Terminus-Handlungsbogen endgültig: Brutal werden Gareth und Co. von Ricks Gruppe regelrecht abgeschlachtet. Die Episode besitzt das richtige Maß an Spannung und Charaktermomenten, und vermag es sogar, dem anonymen Bob ein schöne Verabschiedung zu vergönnen. Dass sich die Gruppe mal wieder trennt, ist großartig: So können die einzelnen Figuren deutlicher hervor treten.

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3 Gedanken zu “Kritik: The Walking Dead 5×03 „Four Walls and a Roof“/ „Vier Wände und ein Dach“.

  1. Ich bin so froh, dass Gabriels Geheimnis kein No-Go war und er Teil der Gruppe werden kann.
    Und bei der letzten Szene mit Bob musste ich wirklich weinen. Gott sei Dank war Tyreese diesmal stark genug wenigstens Bob vor der Verwandlung zu schützen. Einen wildfremden kann er nicht töten, aber einem Freund schön geschmeidig ein Messer in die Schläfe schieben… seltsam, aber auch irgendwie logisch… Mehr konnte er für Bob nun wirklich nicht mehr tun…

    • Ja, das bezüglich Tyreese ist eine gute Beobachtung. Diese Entscheidung spricht davon, wie bewusst Tyreese Gewalt gegen Menschen aus moralischen Gründen ablehnt – da steckt keinerlei Angst dahinter.

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