Kritik: The Walking Dead 5×02 „Strangers“/ „Gabriel“.

„There’s nothing left in this world that isn’t hidden.“

Der Weg nach D.C. dürfte lang werden: „Strangers„, zu deutsch „Gabriel“ betitelt, ist eine der langsameren The Walking Dead-Episoden, die sich mehr durch einzelne Szenen hervorheben, anstatt einem größeren Gesamtkonzept zu folgen. Die Folge hat zwar ihre durchaus gelungenen Momente, kann aber nicht mit dem Staffelauftakt mithalten.

Quelle: Offizielle AMC The Walking Dead Homepage. (c) AMC. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Rick und Co. begegnen einem ängstlichen Pfarrer – wie hat er bloß so lange überleben können? Misstrauisch lassen sie sich in seine Kirche einladen, obwohl sie spüren, dass da irgendetwas faul sein muss…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Es ist ja eigentlich unfair, „Strangers“ mit dem Staffelauftakt zu vergleichen, so unterschiedlich ist die Tonalität. „No Sanctuary“ war noch vollgepackt mit Action, „Strangers“ besitzt hingegen nicht einmal genug, um alle Aktpausen mit entsprechenden Cliffhangern zu versehen. Vielleicht spricht das von einer Faulheit, weil sich die Autoren ja sicher sein können, dass die Zuseher nicht abschalten werden – The Walking Dead hatte mit der ersten Folge seiner fünften Staffel unlängst wieder einmal einen Zuseherrekord verbuchen können. Jedenfalls kommt man nicht umhin, „Strangers„, besonders eben im direkten gleich mit „No Sanctuary„, ein wenig öde zu finden, im Ausgleich dafür gibt es aber ein paar durchaus interessante Wortwechsel zu verfolgen.

Ein paar zumindest, nicht alle natürlich. Die Beziehung zwischen Bob und Sasha könnte mich kaum weniger interessieren – nicht nur, weil beide Figuren so lieblos in die Serie geschmissen wirken, ohne wirklich eigene Nischen in den Geschichten zu finden, sondern auch, weil The Walking Dead kein Mittel findet, um uns Zuseher in diese Beziehung investieren zu lassen. Ich habe keinerlei emotionale Bindung zu den zwein, sodass der Cliffhanger am Ende der Folge nur deshalb funktioniert, weil er schlichtweg gut gemacht ist. So unvermittelt die Amputation aber auch ist, so vorhersehbar war es, dass Sasha oder Bob bis zum Ende der Folge etwas zustoßen musste – zu auffällig war es, wie viel Zeit ihnen auf einmal geschenkt wurde, zu auffällig, dass einer der beiden früher oder später Zombiefutter wird.

Ebenso lieblos charakterisiert wirken Tara und Rosita – ich mache jetzt niemandem einen Vorwurf, wenn man nicht weiß, wer sich hinter diesen beiden Namen verbirgt. Nichts macht diese Figuren einzigartig, beide vegitieren im Hintergrund dahin – wahrscheinlich bis sie irgendwann für ein, zwei Folgen ins Rampenlicht gerückt werden, bevor sie dann das Zeitliche sehen. Die anderen Neuzugänge, Eugene und Abraham, besitzen da deutlich mehr Potential; Ihre Geschichten sind so viel interessanter, dass man sich im Gegenzug weniger Zeit mit diesen anderen Neuzugängen wünscht, seien es auch nur kurze Reaktions-Einstellungen – und um ehrlich zu sein ist das, von ihrem absurd knappen Outfit abgesehen, ohnehin das Einzige, das wir bislang von Rosita kennen.

Was Abraham und Eugene von den anderen abhebt, ist, dass sie schlichtweg einen Zweck in dieser Geschichte erfüllen. Bei Eugene ist das recht offensichtlich – er ist nicht nur die Triebfeder, die unsere Helden dazu anstiftet, sich wieder bei einer lanegn Reise Gefahren auszusetzen, sondern könnte auch die Schlüsselfigur bei den nächsten größeren Handlungsbögen, vielleicht auch einem großen Umbruch von The Walking Dead, darstellen. Abraham hingegen stellt jene Kraft dar, die in dieser Staffel (oder zumindest zu Beginn davon) Ricks Führungskraft wieder einmal in Frage stellen kann. Das ist zwar schon längst vertrautes Terrain, aber kriegt durch Abrahams Drängen, Eugene nach DC zu bringen, eine spannende, neue Seite: Hier haben wir erstmals jemanden, der für das Wohl der Menschheit kämpft, und das natürlich dem Überleben Einzelner vorzieht. Konfliktpotential ist da vorprogrammiert.

Theoretisch ebenfalls gut in die Gruppe passen dürfte der dubiose Pater Gabriel, der als Pazifist eine sehr ambivalente Beziehung zu Rick und Co. haben dürfte, so er denn keine Leichen im Keller hat. Einerseits wird er bald erkennen, dass Rick und seine Gruppe gute Menschen sind – insbesondere in Anbetracht der Jäger, denen sie wohl demnächst auch begegnen werden. Andererseits wird es ihm schwer fallen, sich mit dem Weltüberdruss von Rick anzufreunden – im Gegenzug zu Gabriel hat Rick schon zu viel gesehen, um noch viel Vertrauen in die Menschen zu haben. So kommt es auch erst dazu, wie abfällig sie den Pfarrer in seiner eigenen Kirche behandeln und herumkommandieren. Der Pater hingegen kann von Glück sprechen, überhaupt noch am Leben zu sein, wenn er sich nicht gegen Zombies wehrt. (Das heißt natürlich: Glück? Zufall? Oder eher doch nicht?)

Bezeichnend für die ideologischen Unterschiede zwischen Rick und Gabriel sind die ersten Fragen, die Rick an den Pater richtet. „How many people have you killed?“, wird Gabriel gefragt – keine natürlich. „Why?„, hakt Rick misstrauisch nach. Rick geht gar nicht mehr davon aus, dass jemand noch eine weiße Weste habe, im Gegenteil: Es ist verdächtig, nicht rücksichtslos und gefährlich zu sein. Das stimmt auch in etwa mit den Genre-Konventionen überein (Unschuldige sehen schuldig aus und umgekehrt) sowie die bisherigen Erfahrungen der Gruppe (siehe Terminus). Insofern fungiert Gabriel als Person, die Regeln der post-apokalyptischen Welt hervorhebt und in Frage stellt, durch seine spirituelle Seite aber hoffentlich auf weniger naive Art, als es etwa Hershel tat. Obwohl mir Gabriels nervöse Art schon jetzt ziemlich auf die Nerven geht, muss ich mir eingestehen, dass sie The Walking Dead durchaus um eine neue, spirituellere Seite bereichern kann.

Same old story?

Strangers“ ist eine typische Übergangsepisode, die eine Brücke vom Ausbruch aus Terminus und der (unausweichlichen) Konfrontation mit den Jägern darstellt. In solch einer Folge wird sich neu formiert, werden Vorräte aufgestockt und zwischenmenschliche Gespräche geführt, während irgendjemand beinahe von Zombies gefasst wird. Allzu spannend ist dabei das wenigste, aber hübsch aussehen tut die Episode zumindest. Insbesondere die Kapelle hat eine mystische Qualität, die auch schon im Kerzenraum von Terminus herrschte: ein Gefühl für eine verlorene Welt. Das gab es im Gefängnis und anschließend im Wald so gut wie nie – in diesem Sinne gefällt mir, wie abwechslungsreich sich Staffel 5 bislang bei den Lokalitäten gibt. Ich würde mir natürlich wünschen, weitläufige, leere Straßen wie in Staffel 1 zu sehen – vorerst bleiben wir aber wohl noch ein Weilchen bei Gabriel.

Das hat natürlich großteils mit dem Cliffhanger zu tun. Während die Suche nach Beth eigentlich schon aufgegeben wurde (dass Daryl und Carol diesem Auto nachjagen, ist eher Zufall denn große Suchaktion), sollte Bobs Entführung sowie das Geheimnis um den Pater die Aufmerksamkeit von Rick und Co. noch ein Weilchen aufrecht erhalten. Ich bin insbesondere gespannt darauf, wie The Walking Dead mit dem Antagonisten Garreth umgehen wird – wird er wie der Governor eineinhalb Staffeln lang sein Unwesen treiben? Oder wird das jetzt innerhalb von ein paar Episoden geregelt? Einerseits wäre das schon eine sehr kurze Zeit, um eine Figur als Hauptfigur auf- und wieder abtreten zu lassen, andererseits fällt es mir schwer, mir vorzustellen, wie er in die Gruppe aufgenommen oder mehr als eine Hand voll Folgen parallel nach DC reisen würde.

Wie auch immer – in vielerlei Hinsicht fühle ich mich an den Beginn der 4. Staffel erinnert. Ein verrückter Antagonist, ein scheinbar mehrere Episoden lang laufender Handlungsstrang (damals die Seuche, jetzt die Bedrohung durch die Jäger), und mehrere periphere „Hauptcharaktere“, die gute Chancen haben, als Leckerbissen zu enden. Ironischerweise sind das großteils immer noch die gleichen Figuren. Einige Dinge haben sich aber auch verbessert: Die Schauplätze werden langsam wieder hübscher, und einige Figuren haben sich seit der vorherigen Staffel wirklich gemausert – vor allem, was ihre Dimensionalität anbelangt, haben so Figuren wie Beth, Carol oder Tyreese (der sanfte Riese, wie süüß!) wirklich an Dimension gewonnen.

Strangers“ versucht, daran ebenfalls zu arbeiten, und zumindest ein paar der uns noch „Fremden“, die in Ricks Gruppe verweilen, ein bisschen näher zu beleuchten. Das klappt nicht wirklich, weil Figuren wie Bob, Sasha und Tara zu dünn angelegt sind, um jetzt plötzlich große Empathie auszulösen. Auch die Action-Szenen der Folge sind nur kleine Häppchen, mit denen „Strangers“ nicht zu sättigen vermag. Aber: und der Cliffhanger schwingt das Pendulum wieder stark in Richtung Spannung, verspricht er doch ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Lagern – und das kann The Walking Dead meistens besser als die stillen Folgen.

Noch mehr Bla:

– Was zur Hölle war denn bitte das für eine Idee, die Gruppe bei pulsierender Musik lässig die Straße runtergehen zu sehen und häufig hinzuschneiden, nur um dann festzustellen, dass sie in dieser Szene keinerlei Agenda hatten, und es wirklich nur ums coole Schlendern ging? Das wirkte unglaublich halbfertig und undurchdacht. Schade, denn die Serie könnte durchaus mehr formale Spielereien vertragen, aber das wirkte schlichtweg unprofessionell.

– Ich kenne den derzeitigen Handlungspfad von den Comics. Darum verzichte ich darauf, zu spekulieren, warum Bob vor der Kirche weinte, warum er überhaupt allein vor der Kirche war, wie Gareth und seine Jäger in den Verlauf der 5. Staffel hineinpassen werden, und wie die Reise nach DC verlaufen wird.

– Morgan wurde im Staffelauftakt erwähnt – jetzt braucht man nur noch warten, bis eine der nächsten Episoden einen Retter in letzter Sekunde benötigt.

– Wie sehr ich die Daryl-Carol-Beziehung liebe.

– „Wine’s just wine until it’s blessed.“

– Es scheint, als wäre die Katana wirklich für immer weg. Dabei wäre es so einfach gewesen für Carol, es mitzunehmen. Die Autoren wollten sich des Schwertes scheinbar wirklich entledigen – warum wohl?

Fazit: 6,5 von 10 Punkten.

Strangers“/ „Gabriel“ ist keine schlechte, aber eine unspektakuläre Folge. Der Cliffhanger ist großartig und schauderlich, obwohl die Folge darunter leidet, dass die Beziehung zwischen Bob und Sasha so peripher ist. Gabriel könnte als neue Figur durchaus gut in die Gruppe passen und spannende, spirituelle Themen ansprechen – so The Walking Dead denn will.

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2 Gedanken zu “Kritik: The Walking Dead 5×02 „Strangers“/ „Gabriel“.

  1. Ja nun, die Mukke am Anfang hat mich auch sehr verwirrt.. Das passt so gar nicht, zu der Düsternis, die TWD sonst verströmt.
    Ich würde mir wünschen, dass Gabriel ein loyaler Teil der Gruppe würde. Klar hat er keine weiße Weste, auch wenn er das erst mal zu verheimlichen versucht, aber ich hoffe, das sind Dinge, die in Ordnung gehen und er dadurch nicht ausgestoßen oder gar zum Feind wird. Mit der Kanibalen-Gruppe und den Entführern von Beth hat die Gruppe schon genug Feinde am Hals.

    .. und es war sooooo klar, dass Ty den Feuerwerks-Futzi nicht getötet hat. 😦 Man sah ihn ja in der Aufwachszene von Bob.
    Echt megadämlich!

  2. Pingback: Kritik: The Walking Dead 5×03 “Four Walls and a Roof”/ “Vier Wände und ein Dach”. | Blamayer TV

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