Kritik: The Walking Dead 5×01 „No Sanctuary“/ „Keine Zuflucht“.

„That’s still who we are.“

The Walking Dead, zurück in seiner nun schon 5. Staffel, ist eine der zur Zeit populärsten Serien, auf beiden Seiten des Teichs. Woran das liegt, daran lässt der Staffelauftakt, „No Sanctuary„, keinen Zweifel: Action, Heldentaten und grausame Gewalt gibt es hier in Hülle und Fülle. Das kann The Walking Dead zwar selten sehr raffiniert (und auch „No Sanctuary“ ist das nicht), aber spektakulär allemal.

Quelle: Offizielle The Walking Dead Facebook-Seite. (c) AMC. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Rick und Co. stehen kurz davor, den Kannibalen zum Fraß vorgeworfen zu werden. In letzter Sekunde erhalten sie jedoch Hilfe von einer längst totgeglaubten Person…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Der Terminus-Vorlauf fand über fast 8 Episoden lang statt, die Resolution dauert hingegen gerade mal eine Stunde. Das weist schon darauf hin, dass dieser Handlungsbogen nicht schon vorher genau durchgeplant wurde, aber auch, dass „No Sanctuary“ eine der ereignisreicheren Episoden einer ohnehin ereignisreichen Serie ist. Große Explosionen und jede Menge Zombiegemetzel erwartet man sich von dieser Serie, der Staffelauftakt erfüllt diesen Wunsch. Und obwohl wir das Zombie-Metzeln nun schon 4 Staffeln lang kennen, übt es nach wie vor seinen Reiz aus, vor allem nach einer vielmonatigen Wartezeit auf den Beginn der neuen Staffel. Ich könnte zwar auch ohne die Einstellungen leben, die sich an der Gewalt aufgeilen, ohne das Schicksal der betreffenden Personen zu würdigen (man denke an den nach hinten robbenden Mann, der sich weigert, aufzustehen und wegzurennnen), aber immerhin sorgt das für die passende Atmosphäre.

Es wäre allerdings ungerecht, „No Sanctuary“ zu unterstellen, dass das Spektakel-Niveau seine einzige Stärke sei. Gerade zu Beginn herrscht eine ungemeine Spannung. Es ist zwar billig, drei Unbekannte neben unseren Helden als Opferlämmer zu missbrauchen, nur um das Erschlagen von Glenn (gleich zwei mal!) hinauszuzögern, dennoch wirkt die vermeintliche Hoffnungslosigkeit ungemein greifbar – vor allem, weil der (fantastisch inszenierte) Ausbruchsversuch unserer Helden zu Beginn so unheimlich effizient und Hoffnungs-erlöschend ausgeschaltet wurde. Ebenso trostlos: Bobs Betteln um ihr Leben, weil sie die Untoten ein für alle mal aus der Welt schaffen könnten. Der Trailer für die 5. Staffel ließ einen glauben, unsere Helden würden sich aus ihrer brenzligen Situation heraushandeln können – umso überraschender also, als Garreth – der Anführer der Kannibalen – Bobs Betteln schlichtweg ablehnt. Alles andere wäre ohnehin unglaubwürdig, so aber macht sich The Walking Dead seinen Trailer zu Nutze, um einen Überraschungsmoment und mehr Spannung zu generieren.

Was der Spannung keinen Abbruch tut, sind die schaurigen Sets. Der Trailer verrät, dass wir diese Staffel (hoffentlich) nicht mehr so häufig in den Wäldern herumirren, und Terminus ist dafür ein ausgezeichneter Anfang. Das beginnt schon gleich zu Beginn der Episode im furchterregenden Schlachthof-Set, dessen Inszenierung mittels Ricks Rauchgas-induziertem Delirium wesentlich zum Horror beiträgt. Die Szene beweist, dass Horror in Serie sehr wohl funktionieren kann, aber nicht unbedingt etwas mit Zombies zu tun haben muss – der wahre Feind ist schlussendlich nur der Mensch sich selbst. Je schummriger Ricks Sehvermögen ist und je weniger wir sehen, desto atmosphärischer wird die Szene. Sobald sie dann allerdings ihre erzählerische Struktur enthüllt – drei unglücksselige, namenlose Figuren knien neben ihnen, sie werden doch nicht etwa zuerst getötet? – ist der Spuk vorbei.

Die selben Figuren, die selben Themen.

Den Großteil der Folge macht das typische Geballere und Gemetzle aus, das zwar sehr cool anzusehen ist (Feuer-Zombies, yeah!), schlussendlich aber doch von Zufällen geprägt ist (eine Herde Zombies kommt gerade zur rechten Zeit; Carol begegnet der Gruppe im Wald; Carols Rakete trifft genau den Gastank). „No Sanctuary“ lässt wie immer die üblichen Verdächtigen die Helden spielen (Rick, Daryl, Michonne), gewährt aber vor allem Carol einen Platz im Rampenlicht. Keine Frage: Carol den Gas-Tank sprengen zu sehen ist schon verdammt lässig, und auch ihre Verkleidung als Zombie erinnert uns daran, was aus der ehemals grauen Maus aus Staffel 1 geworden ist. Der Emotionalität jener Szene nach zu urteilen, als Daryl ihr um den Hals fällt, ist sie mittlerweile doch zu so etwas wie der besten Figur geworden. Und an dieser Stelle sei auch angemerkt, wie unglaublich diszipliniert The Walking Dead mit der Beziehung dieser zwei Figuren umgeht – während Glenns und Maggies Ehe nicht besonders viel hergibt, ist die nach wie vor nicht physische Liebe zwischen Carol und Daryl eine stark treibende Kraft.

Gleichzeitig ist Carol aber auch ein Mahnmal – eine Messlatte, unter die sich alle anderen Figuren stellen müssen. Sie ist deshalb eine spannende Persönlichkeit, weil wir sie sich so stark verändern sehen haben, weil wir eine Ahnung davon haben, was für ein Mensch sie vor der Apokalypse war. So gut wie jede der Hauptfiguren ist mittlerweile fähig, die „harten“ Entscheidungen zu treffen, so wie Carol es in dieser Folge getan hat – aber es bedeutet nicht sehr viel, wenn wir den Unterschied zur normalen Handlungsweise dieser Figuren kennen. Glücklicherweise eröffnet „Na Sanctuary“ die Möglichkeit, dass wir genau das demnächst herausfinden werden.

Quelle: Offizielle The Walking Dead Facebook-Seite. (c) AMC. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

In der 4. Staffel begann The Walking Dead ja bekanntlich endlich damit, sich auch um andere Figuren als Rick zu kümmern, ja, die Figuren sogar richtig zu charakterisieren. Aufgrund seines immensen Tempos kann man „No Sanctuary“ keinen Vorwurf machen, dieses noble Ziel verlassen zu haben – dennoch findet die Episode kurz Zeit, sich dem Schicksal der Kannibalen zu widmen. Es entsteht in der Tat ein gewisses Maß an Empathie, wenn man erfährt, dass die Terminus-Bewohner ursprünglich gute Absichten hatten, dann jedoch von einer brutalen Gruppe überfallen wurde – was wohl der Grund ist, warum jetzt „TRUST NOBODY“ im Kerzenraum an der Wand steht, bzw. warum dieser überhaupt existiert.

Das alles erfahren wir durch zwei Flashbacks, gekennzeichnet durch die erstmals, aber hoffentlich nicht letztmals verwendeten „THEN“/ „NOW“-Zwischentitel. Das Einführen dieses Stilmittels in einer ersten Episode einer Staffel lässt vermuten, dass wir dieses Stilmittel noch öfter sehen werden – auch, weil die Geschichte um Gareth noch nicht ganz zu Ende erzählt sein zu scheint (schon allein weil er als eine der Hauptfiguren der Staffel angeführt wird). Eine starke Empathie erhält man dadurch für die Kannibalen zwar nicht (um Kannibalismus zu entschuldigen haben wir ein bisschen zu wenig Zeit mit ihnen verbracht), aber es lässt sie immerhin nicht wie gänzlich arbiträre Bösewichte dastehen. Insbesondere aber zeigen diese zwei kleinen Szenen, was für ein Potential in dieser Erzählweise steckt – Potential, das die Serie hoffentlich nützen wird, um nicht nur eine coole, sondern auch eine gute Serie zu sein.

noch mehr Bla:

– Vermisst denn niemand mehr Beth? Ich kann kaum glauben, dass sie Terminus verlassen haben, ohne dort nach Beth zu suchen. Das lässt stark vermuten, dass sie schlichtweg einfach woanders hingekommen ist und die Figuren faulerweise deshalb nicht nach ihr suchen.

– Michonne hat jetzt eine Doppel-Katana! Wie Darth Maul! Cooool…

– Morgan ist also nun auch im Spiel. Zur Zeit besitzt Ricks Gruppe eine wirklich beträchtliche Größe – und in der nächsten Episode treffen sie auch noch einen Priester. Lang wird so ein großes Ensemble nicht Bestand haben können… meine Kandidaten für Todesfälle in dieser Staffel: Tara, Bob, Sascha, Eugene, Rosita. Hoffentlich nicht Eugene, sein unfreiwilliger Humor passt meines Erachtens nach sehr gut in die Serie, allein um die sonst häufig deprimierende Stimmung ein wenig auszugleichen.

– Ich wage es zu bezweifeln, dass Tyreese den Terminus-Typ tatsächlich umgebracht hat.

– Spekulationsecke: Wie wohl Gareth in den Verlauf dieser Staffel passen wird? Trotz des Trailers kann ich mir kaum vorstellen, dass er mit Rick und Co. gemeinsame Sache machen wird.

– Nicht fehlen darf natürlich in einer The Walking Dead-Folge ein verrückter Einsiedler, dem Rick und Co. begegnen, nur um dann seinen Tod zu verursachen. Diese Episode stellt wohl den Rekord auf, wie schnell es um diese Einsiedler geschehen kann. Ironischerweise versichern sich unsere Helden zuvor, was für gute Menschen sie ja noch sind.

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

No Sanctuary“ ist ein bildgewaltiger, action-geladener Staffelauftakt, der nicht viel Raum für Charakterentwicklung lässt, aber dennoch den Figuren die Gelegenheit gibt herauszustechen. Das Geschehen ist wie immer von Zufällen geprägt, aber was solls – spannend ist die Folge allemal. Interessant ist vor allem die kurze Verwendung von Rückblenden – ob The Walking Dead das beibehalten wird? Wünschenswert wäre es.

Advertisements

4 Gedanken zu “Kritik: The Walking Dead 5×01 „No Sanctuary“/ „Keine Zuflucht“.

  1. Ich glaube auch nicht so recht dass Ty den Kerl umgebracht hat… was ich von ihm dann ziemlich schwach fände, denn für das „Aus dem Haus treiben“ und vor allem Judith bedrohen hätte ich ihn in 1000 Häppchen filitiert.
    Wie Daryl und Carol sich um den Hals fielen fand ich einfach herzzerreißend… und das, obwohl ich im Vorfeld immer eine von den Daryl/Beth-Befürworterinnnen war. Ehrlich gesagt vermisse ich Beth nicht sonderlich.

    • Ich finde die meisten Figurenkombinationen aus der Serie jetzt nicht unbedingt eine Rede wert, aber das Dreieck Beth-Daryl-Carol finde ich eines der spannendsten aller Serien, die ich schaue – und da möchte ich kein Eck verlieren!

  2. Pingback: Kritik: The Walking Dead 5×02 “Strangers”/ “Gabriel”. | Blamayer TV

  3. Pingback: Kritik: The Walking Dead 5×03 “Four Walls and a Roof”/ “Vier Wände und ein Dach”. | Blamayer TV

add your bla:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s