Kritik: Game of Thrones 4.09 „The Watchers on the Wall“.

„And when the sun rises, I promise you – CASTLE BLACK WILL STAND!“

Alle Jahre wieder feiert Game of Thrones sein größtes Spektakel der Staffel in seiner 9. Episode. Man hätte meinen können, dass die Serie ihr Highlight-Kontigent in dieser famosen 4. Staffel schon aufgebraucht hätte, aber falsch gedacht – mit „The Watchers on the Wall“ liefert die Serie erneut ein riesiges Spektakel.

Quelle: Game of Thrones 4.09 "The Watchers on the Wall" Promo Screencap - YouTube. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Feuer werden entfacht, Hörner geblasen und Pfeile aus den Köchern gezogen – und die Mauer wackelt. Mit Wildlingen vor und hinter der Mauer sind die Männer der Night’s Watch eingekesselt. Es sieht nicht gut aus für unsere Helden – aber sie sind das Schwert in der Dunkelheit, und das Schild, das das Reich der Menschen schützen muss…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode. Für Game of Thrones spezifisch: Ich habe alle Bücher gelesen, werde diese Rezension allerdings für jene schreiben, für die die TV-Serie Erstberührung mit dem Material ist. Kommentare werden moderiert, um Spoilern vorzubeugen.

Die Schlacht um das Castle Black ist schlichtweg gewaltig, epischer als man es sich wohl je für eine Fernsehserie hätte vorstellen können. Die Logistik, um diese immense Schlacht zu inszenieren, muss einfach unvorstellbar sein, denn die Folge kann nicht nur eine rund 35-minütige Schlacht abwechslungsreich in Szene setzen, sondern ihr auch die nötige Epik verleihen. Dazu verhelfen etwa das bestens ausgenützte Set des Castle Blacks sowie die Regie-Entscheidung, die Schlacht häufig in Long Shots zu zeigen, auf denen überraschend lang gehalten werden kann. Tormund etwa schnetzelt sich während einer einzigen Kamerafahrt durch ein halbes Dutzend Männer und zwei, drei Balkone hindurch, während rund um ihn herum alles brennt und kracht und stirbt. Wirklich famos ist die Inszenierung, trotz der Set-bedingten Farbarmut.

Aber eine jede Schlachtszene kann nur so gut sein, wie wir in die Figuren investiert sind, und da hat Game of Thrones beträchtliche Arbeit geleistet. Die Szenen an der Mauer waren nicht unbedingt immer die spannendsten dieses Jahr, bildeten aber nach und nach das richtige Figurenpanorama, um uns nun nicht bloß um ein paar wenige Figuren bangen zu müssen. Und das war eine anspruchsvolle Aufgabe: Game of Thrones besitzt mittlerweile ungefähr ein Dutzend verschiedener Orte, an denen die Figuren sich befinden, die Mauer ist nur eine davon – und hat dennoch ein ganzes Arsenal an Haupt- und Nebenfiguren auf Lager. Zugegeben, es ist schwierig, bei allen den Namen zu finden (dass der Bub Olly heißt, hab ich erst in dieser Episode rausgefunden, und wie der böse große Thenn heißt ist mir jetzt noch nicht klar). Dennoch ist es der Serie gelungen, jedem Akteur genügend Wiedererkennungswert zu verleihen.

Zu Beginn der Episode war ich noch ein wenig skeptisch – während Jons Erzählung über Ygritte eine sehr schöne Pointe findet („I’m not a bloodin‘ poet“), ließ mich das Gespräch zwischen Aemon und Sam über Sams Gefühle ein wenig unruhig auf dem Stuhl herumrücken – wird die gesamte Episode von solch leicht plumpen Zwei-Mann-Szenen getragen? Die Bedenken wichen dann aber bald, denn der Schlachtverlauf ist erfreulich vielschichtig und verwebt die Figuren auf zum Teil zwar wenig überraschende, aber dennoch unterhaltsame und abwechslungsreiche Art. Darum macht es auch kaum Sinn, wie üblich in Episodenteilen gegliedert zu berichten – stattdessen werfe ich einen Blick darauf, wie sehr sich eine jede Figur eingebracht hat.

Jon Snow: 10/10 Punkte.

Jon ist der unumfochtene Held der Mauer, war er schon immer – das hier ist aber sein größter Triumph. Er ist Alliser Thorne gegenüber der größere Mann, indem er sich nicht groß über dessen falsche Entscheidung, den Tunnel nicht frühzeitig zum Einsturz gebracht zu haben, lustig macht. Er übernimmt das Kommando und fühlt sich sofort pudelwohl in der Rolle. Ghost rauszulassenfällt ihm ein wenig spät ein, aber naja. Ich liebe es, wie er Ygritte einfach nur blutüberströmt zulächelt, sich seinem Schicksal ergebend – nur um dann fast schockiert zu sein, dass sie an seiner Stelle stirbt. Respekt dafür, dass er in ihrem letzten Moment nicht plump seine Liebe gesteht, sondern sie nonverbal liebevoll zur Ruh gleiten lässt.

Ebenfalls Punkte bekommt Jon Snow für die originelle Weise, den Großen Thenn zu besiegen – das Blut spucken hat er zu Beginn der Staffel von einem der Briganden in Craster’s Keep gelernt. Und sein heroisches Vorhaben, Mance im Alleingang umzubringen (oder mit ihm zu verhandeln, oder sich ihm zu ergeben)? Es ist vielleicht kein guter Plan, aber ein mutiger immerhin. Punkteabzug hätte es beinahe für den Griff seines Schwertes Longclaw gegeben – ich weiß, das ist ein Erbstück der Mormonts, trotzdem schaut Jon damit aus wie ein verdammter Schnösel.

Samwell Tarly: 7/10 Punkte.

Hat gemacht, was er machen konnte – inklusive Kuss von Gilly abstauben. Yeah, Sam! Auch das Aufrechterhalten des Eids war ein toller Moment, inklusive dem von ihm gefundenen Schlupfloch. Das Erschießen des ihn anstürmenden Thenns war mal wieder eher so ein Glücksgriff – von wegen Sam the Slayer. Pyp konnte er die Angst nicht so recht nehmen, und auch Sams letzten Worte an den sterbenden Pyp waren nicht immens tröstend, aber naja. Sehr schön arrangiert: Indirekt hat er Jon das Leben gerettet, weil er Olly riet, mit seinem Bogen mitzuhelfen.

Ygritte: 8/10 Punkte.

Besaß schlussendlich zwar mehr Pfeile als Worte, aber fand für Jon nicht die richtigen. Zögerte im entscheidenden Moment – und dafür lieben wir und Jon sie. Ihre letzten Worte sind die Art von Poesie, die die Serie sehr gut beherrscht: „You remember that cave? Let’s just stay in that cave.“ und natürlich „You know nothing, Jon Snow.“ Es ist eine kitschige und inszenierte Sterbeszene, dass Ygritte da genau im richtigen Moment getroffen wird, um genau noch ein paar letzte, klärende, zu späte Worte an Jon zu richten, aber gleichzeitig ist sie auch perfekt umgesetzt. Was mir ein wenig gefehlt hat ist die Involvierung Ygrittes in der bisherigen Staffel – da hat sie sich eigentlich stets nur von ihrer miesesten Seite gezeigt. Insgesamt war darum der Kampf ein wenig einseitig angelegt, was die Figurensympathien anbelangt – Ygrittes Beziehung zu Jon war da die einzige Fackel im Wind, das zumindest sehr erfolgreich, aber es hätte der Dramatik geholfen, wenn sie charakterlich ein wenig breiter aufgefächert gewesen wäre.

Quelle: Game of Thrones 4.09 "The Watchers on the Wall" Promo Screencap - YouTube. No copyright infringement intended, this is for educational purposes only.

Tormund Giantsbane: 8/10 Punkte.

Falls ihr euch gewundert habt, warum Tormund in die Hauptfiguren-Riege für diese Staffel gerufen wurde – da habt ihr die Antwort. Er überlebt die Schlacht als einzig nennenswerte Figur bei den Wildlingen, ob er dann aber auch prominent in der nächsten Staffel sein wird, oder eher einen Jamie in der 2. Staffel abziehen wird (einfach immer in Gefangenschaft sein), ist natürlich noch offen. Tormunds Einsatz in seiner langen Szene ohne Schnitt war gewaltig, genau wie sein Kampf mit und Sieg über Alliser Thorne.

Großer Thenn (?): 4/10 Punkte.

War so groß und stark, wie er aussah, stellte sich aber schlussendlich doch bloß als Kanonenfutter heraus. Schade, dass man für diese Figur keine Sympathien aufbauen wollte. Der Kampf mit Jon war durchaus sehr unterhaltsam – das Knallen von Jons Kopf auf den Amboss tat schon beim Zusehen weh. (Und wohl nicht ganz zufällig erinnerte Jons blutverschmierter Mund an jenen Oberyns – sofort rief das schlechte Erinnerungen hoch.)

Gilly: 5/10 Punkte.

Kann ihr Neugeborenes natürlich nicht allein lassen. Ihr Geflirte mit Sam schafft genau die naiv-romantische Beziehung, die sich die Serie wünscht – sein Versprechen, immer da zu sein, aber so wörtlich zu nehmen, während seine Brüder die Mauer verteidigen, ist fast ein wenig respektlos. Ebenfalls schade, dass sie Janos Slynt nicht die Leviten ließt.

Alliser Thorne: 10/10 Punkte. 

Alliser fand ich schon immer eine der faszinierendsten Figuren an der Mauer, weil unter seinem unsympathischen Äußeren zwar ein unsympathisches Inneres ist, das aber gut begründet ist. Seine Abneigung Jons war schon immer ein tolles Konfliktmaterial, und ihn diese für die Schlacht abzulegen sehen war grandios – das machte ihn plötzlich zu einer der stärksten Identifikationsfiguren. Seine Besprechung mit Jon vor Kampfbeginn war dabei der entscheidende Moment: Lass uns zusammen kämpfen, aber morgen werde ich dich immer noch hassen. Wirklich schade, dass er ins Gras beißt (?) – die Schlacht hätte ihn nicht zur selbst reformiert, sondern auch den Männern der Mauer, inklusive Jon, einen neuen Respekt für Thorne eingebracht.

Minuspunkte gibts natürlich dafür, dass er Janos Slynt die Mauer oben verteidigen lässt, aber seinem pragmatischen, ja geradezu heroischen Verhalten in dieser Folge nach zu Urteilen ist ihm bloß dessen Unfähigkeit nicht gewahr. Seine Ansprache an die Männer ist ein bewegender Moment, von da an hatte ich das Gefühl, dass die Männer der Night’s Watch das Schloss tatsächlich halten können. Alliser kann besser schreien als Jon – na gut, dafür hatte er aber in den Jahren zuvor schon gehörig Übung. Sein Kampf mit Tormund ist gewaltig und heroisch, und zeigt, aus welchem Holz er im Gegensatz zu Slynt wirklich geschnitzt ist.

Janos Slynt: 0/10 Punkte.

Janos Slynt ist die Witzfigur an der Mauer – leider ein wenig zu sehr. Dass er keine Erfahrung darin hat, eine Truppe anzuführen, schön und gut, aber sein Gestammel im Antlitz von näher kommenden Riesen, dass Riesen nur ein Kindermärchen seien, fühlte sich ein wenig übertrieben an. Dass er in der Vorratskammer versteckt die Schlacht überlebt, schlägt dem Fass den Boden aus – und mit Alliser tot und Jon außerhalb der Mauern könnte ich mir vorstellen, dass er der vorübergehende Lord Commander werden könnte. Brrwaagh.

Pyp: 4/10 Punkte.

(Pyp ist derjenige, der von Ygritte einen Pfeil abbekommt und vor Sams Augen stirbt.) Beweist jetzt nicht den größten Mut, aber stellt sich immerhin der Aufgabe. Landet immerhin einen Treffer – bei einer Unterzahl von 1000 zu 1 ist das aber eher zu wenig. Ansonsten jetzt wohl eher nicht der tragischste Verlust.

Grenn: 10/10 Punkte.

Grenn hingegen… Die goldenste Stunde des treuesten Freundes. Ich hatte Grenn für die Art Figur gehalten, die bis Serienende immer der treue Freund im Hintergrund bleibt, auf den Game of Thrones zurückgreifen kann, um Castle Black ein wenig lebhafter zu gestalten. Aber ich hätte wissen sollen, dass in Game of Thrones ja niemand sicher ist – und „The Watchers on the Wall“ benötigt menschliche Opfer, um zu unterstreichen, wieviel doch im Grunde am Spiel steht. Für Grenn war es jedenfalls die perfekte Weise, um aus der Serie auszuscheiden: Zuerst durch Gewitztheit, indem er Jon kurzerhand zum Kommandanten auf der Mauer ernennt und damit seine Freundschaft beweist, und anschließend in einem heroischen Opfer im Kampf gegen den Riesen.

Auch sein leidenschaftliches Rezitieren des Eids der Night’s Watch im Angesicht des nahenden Todes war ein schlichtweg fantastischer Moment: „I am the sword in the darkness. I am the watcher on the walls. I am the fire that burns against the cold, the light that brings the dawn, the horn that wakes the sleepers, the shield that guards the realm of men. I pledge my life and honor to the Night’s Watch, for this night and all nights to come.“ Grenn ist mein persönlicher MVP der Folge. And now his watch is ended.

Aemon Targaryen: 5/10 Punkte.

„Love is the death of duty.“ Für diesen wunderschönen Aphorismus allein erhält er schon seine 5 Punkte. Sein Liebesgesülze war ein wenig dröge hingegen. Und er hätte ruhig ein wenig Rat für die Schlacht spenden können, immerhin hat er in seinem Leben schon viel gesehen. Stattdessen fungiert er als düsterer Worteschmied: „Nothing makes the past a sweeter place to visit than the prospect of death.“ Selbst Sam kann mehr Mut inspirieren.

Ghost: 5/10 Punkte.

Rawrrr! Könnte ruhig ein wenig entscheidender eingreifen, und eben ein wenig spät – aber ist immerhin die Killermaschine, die er verspricht zu sein. Die Serie hätte ihn ohne weiteres hier draufgehen lassen können, weil die Wölfe ja doch ein wenig am CGI-Budget zehren und darum nur so sporadisch eingesetzt werden – zum Glück verletzt sich der Wolf da nicht. Hätte sein Herrchen durchaus auf seinem selbstmörderischen Weg nach Norden begleiten können.

Olly: 7/10 Punkte.

Der weinerliche Junge, der vor ein paar Episoden noch seine gesamte Existenz verlor, wird zum Retter in letzter Not. Steht trotz seines jungen Alters absolut seinen Mann – und überlebt. Falls die Mauer nicht am nächsten Tage fällt – und das Ende von „The Watchers on the Wall“ verspricht ja, dass wir erst eine Nacht der Belagerung gesehen haben, nämlich den ersten kleinen Vorstoß – kann die nächste Generation der Night’s Watch kommen.

CGI-Abteilung: 10/10 Punkte.

Die Riesen. Das Mammuth. Die Mauer. Der Anker. Das Eis. Der geschossene Pfeil des Riesen. Die Landschaft. Die Perspektiven. Die bestimmt aufwendigste Folge der Serie bislang, und es hat sich gelohnt: „The Watchers on the Wall“ hat unzählige schöne Einstellungen und Effekte.

The Watchers on the Wall„: 9,0 von 10 Punkten.

Game of Thrones liefert mit „The Watchers on the Wall“ ein grandios inszeniertes Spektakel. Die Akteure sind lokalbedingt nicht ganz so vielschichtig und interessant wie das vergleichbare „2.09 Blackwater„, dennoch vermag es die Episode, vielen der Figuren ihren besten Auftritt der Serie zu gewähren, und damit sogar dem Norden einen gänzlich neuen Sympathiebonus. Durch die gewaltige, einige wirklich atemberaubende Kamerafahrten beinhaltende Inszenierung vermeidet die Folge, dass die langen Kampfszenen zu eintönig wirken. Einige Entwicklungen des Kampfes – etwa, dass namhafte Figuren stets aufeinandertreffen und stets voneinander getötet werden – sind war ein wenig konstruiert, sorgen aber für die nötige Dramatik.

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7 Gedanken zu “Kritik: Game of Thrones 4.09 „The Watchers on the Wall“.

  1. Das war ein bisschen viel Tribut an Jon Snow und a whole lot zu wenig an Samwell Tarly. Einfach nochmal gucken und mitbekommen, wie es tatsächlich kommen konnte, dass sich Ghost an der Kehle eines Thenn labte.

  2. SPOILER ALERT!

    Samwell Tarly hat, wenn überhaupt Höchstwertungen vergeben werden sollen oder können, die Einzige verdient. Sam war die Einzige wirkliche Überraschung. Er ist in der Folge auch für den Zuschauer letzendlich vollkommen gereift und erwachsen geworden. Das muss er vorher auch schon gewesen sein, nachdem er immer ängstlich, unangepasst in einer Welt, die ganz und gar nicht seiner bisherigen entsprach, versuchte, gerade so zu überleben. Er tötete einen Weißwanderer, erklärt erstmals, was er und wie er sich dabei fühlte, dass nämlich Menschen – jeder Mensch- in Außnahmesituationen über sich hinaus wachsen können. Nur wurde er erst jetzt standesgemäß in Szene gesetzt. Die letzte Aufklärunjg für den Zuschauer folgt hier, wo klar wird, wie sehr Sam an sich und den Umständen gewachsen ist, als er seinem Kameraden abschließend Mut macht und sagte „Ich bin kein Niemand mehr.“. Die Figur des Sam avancierte vom mehr oder weniger unbedeutenden Nebendarsteller gerade oder erst in dieser Folge zu Jemandem, den man künftig nicht nur mehr Bedeutung zumessen können solle, sondern den man auch schlicht nicht mehr missen möchte (was nur zusätzliches Potenzial zu schaffen scheint für eine weitere schockierende Wendung, sollte er im Verlauf der Geschichte auf ähnlich hässliche Weise dennoch oder gerade deswegen aus eben jener gerissen werden, wie schon andere vor ihm). Sam ist in dieser Folge endgültig erwachsen geworden. Nicht nur, dass er seinem sterbenden Freund Worte des Trostes spendet, wohlwissend, dass es keine Hoffnung für den Sterbenden mehr geben wird, ohne jedoch zugleich selbst zu verzweifeln, da er nichtsdestotrotz weiter kämpft und eben nicht flieht, wie er es aber in Folgen davor sicherlich noch getan hätte. Und anstatt sich nach dem Tode seines Kameraden zu verstecken oder hinter Deckungen zu verbergen, abwartend, bis die Schlacht endlich vorüber sein möge, ergreift er nicht nur die Waffe, mit welcher in seiner Hand der Freund kurz zuvor den Tod fand, sondern er nimmt sie auf, nachgerade wie ein Erbe oder eine Fackel, die es weiterzutragen gilt, da er es seinem Freund zuvor genau so hießt zu tun, und tötet damit den übergroßen mächtigen Thenn, ein (halb) menschliches Wesen und nicht nur einen geisterhaften Weißwanderer, völlig die Ruhe bewahrend, die Waffe ladend unter höchsten Stress und in Lebensgefahr, getreu seinem Eide als Nachtwache folgend – Fertiggeladen, Anlegen …. und Feuer! Bam! Gerade eine Armlänge von ihm entfernt bricht der herangestürmte Thenn mit einnem Armbrustbolzen in seiner Stirn zusammen. Und Sam hört auch hier noch nicht auf, er ist gerade nicht übermannt von seinen eeigenen Fähigkeiten, wie er es noch offensichtlich war, als er den Weißwanderer wider Erwarten tötete, nein, hier tötete er mit Bedacht, planvoll und bewusst. Er war nämlich längst kein Niemand mehr. Er war sich nicht nur seines Eides, sondern auch der unausweichlichen Folgen Bewusst, die es bedueten würde, würde niemand diesen Eid halten, wie wir in der Folge von deim Eineen oder Annderen hören dürfen, dass sie es sich gerade anders überlegt hatten im Angesichte des eigenen brutalen Todes durch die eingefallenen Wildlinge. Er hat mehr Ehre und Mut bewiesen, als man überhaupt von ihm erwwartenn wollte. Er wuchs über den alten Sam hinaus. In dieser Folge wird der wahre Sam fertig geboren, der sogar den Nachtwachen- Eid neu interpretiert, um ihn nicht brechen zu müssen. Die Hauptrolle in dieser Folge gehört zweifelsohnne Sam allein, denn der Charakteer des Sam macht vor des Zuschauers Augen seine vorerst nur nach und nach sichtbar werdende Wandelung greifbar unnd schließt sie letzten Endes im Verlaufe der Schlacht ab. Er ist ein vollständiges Nachtwachenmitglied geworden, denn das ist alles, was er hat und was er gerade am Besten sein kann im Verlaufe der Schlacht, um die Welt der Menschen, für die symbolisch das neugeborene Leben seiner Liebe steht, die keine sein darf, der er sich aber dennoch nicht mehr verweigert, da er Eiden nicht blind folgt, gegen die Wildlinge zu verteidigen. Vermeintliche Kommandeure und ehemalige Feeldheerren verstecken sich im Schoße genau dieser seiner Liebe, während er, der Poet, keinen Schritt von der schlacht wich und sogar anderen, Angsterstarrten Mut zuzusprechen weiß.

    Bezeichnend fand ich, dass nach dem Anfangsdialog über Jon Snows Liebe zu einem Wildling und Sam’s späterem Auffnehmen der Waffe seines von eben dieser Liebe Jon Snow’s getöteten Kameraden es am Ende doch nicht Sam gewesen ist, der, obwohl die Kamera zeigt, wie sein Blick zunächst jener Stelle geht, von der der tödliche Pfeil gegen seinen Freund gekommen sein musste, sie mit einem ähnlich abgeklärt platzierten Schuss töte, wie er es bei dem Thenn schon tat, sondern stattdessen der kleine Olly, dem er zuvor den Mut zusprach, eine Waffe zu ergreifen und gemeinsam gegen die Wildlinge zu kämpfen, nicht wissend, dass gerade dieser kleine, verängstigte aber durch Sam ermutigte Junge eben jene tötete, über deren Liebe zu Jon Snow Sam zu Beginn Näheres erfahren wollte.

    Nun denn, einmal mehr beweist Game of Thrones an dieser Stelle, dass es eben nicht unter Vorhersehbarkeit leidet, wie häufiger Serienschrott abseits solcher Inszenierungen, sondern auch weiterhin von überraschenden Wendungen lebt. Deshalb darf man auch weiterhin stets auf das Schlimmste gefasst bleiben, dass einem nämlich jederzeit die Liebsten in dieser Geschichte mir nichts, dir nichts genommen werden können, gerade wie im richtigen Leben.

    Das macht nicht zuletzt einen Großteil der Faszination von Game of Thrones aus: die grandiose und tiefgründige Entwicklung vielschichtiger Charaktere, denen alles Andere als nur Schwarz oder Weiß zu Eigen ist. Gerade noch für boshaft, gewalttätig, unmenschlich, hinterhältig, verräterisch, intrigant, mutig, ritterhaft, glamourös, unbesiegbar, demütigend oder umgekehrt nur schwach, gedümtigt, geschlagen, erniedrigt, hasenherzig oder feige gehalten, kann sich der eine oder andere Charakter plötzlich als das Gegenteil dessen erweisen, für das man ihn auf Grund eines oberflächlichen Urteil gehalten hatte. Den Atem anhalten können zu müssen scheint Pflichtprogramm bei Game of Thrones. Gut so.

    Auch, wennn es die ein oder andere Folge manchmal nicht so wirklich zu bringen scheint, so darf man doch stets gewiss bleiben, dass nur kurze Zeit später wieder alles in’s Gegenteil verkehrt werden kann und das, was vorher noch bedeutungslos oder sicher erschien, auf einmal nicht mehr ist noch je wieder sein wird. Game of Thrones beherrscht dabei jedesmal meisterhaft den Kunstgriff der Antizipation des Zuschauer zuvor zu kommen, da ja die Geschichte in ihrer Unvorhersehbarkeit allein dadurch auch wieder vorhersehbar wird: Erwarte, was du am wenigsten erwartest! Feein. Aber selbst so funktioniert es eben nicht. Auch ein Kenner aller Folgen der Serie bis heute wird trotzdem immer noch und wieder gekonnt auf’s Glatteis geführt, mal mehr mal weniger subtil, denn wenn er meint, das naheliegend Unvorhersehbare sei das Geheeimnis, so ist es das nicht. Manchmal ist es das Offensichtliche, an das du nicht mehr gedacht hast, mit dem dich die nächste Folge überfällt, weil du der eben das nicht vorgestellt hast. Eine excellent durchgestylte Gratwanderung, in der weder Logisk noch Gegenlogik je die Oberhand gewinnen. Einem Zuschauerteil zieht es immer regelmäßig die Couch unterm Hintern weg. Und zurück bleibt das in basses Erstaunen versetzte Publikum , mal händeklatschend und jubelrufend, mal einfach nur maulaffenfeilhaltend und ungläubig, abeer immer begierig die nächste Episode erwartend. So geht Geschichtenerzählen auf lange Sicht.

  3. Wie immer schöne Kritik 🙂
    Aus meiner Sicht gibt es 10/10 Punkte für den Anker, so ein fieses Teil, aber so beeindruckend 😀

    • Der Nachteil des von mir gewählten Formats für diese Episode ist, dass ich diese Effekte gar nicht genug loben konnte. Die Riesen war einfach so unglaublich überzeugend animiert! Und ich fand den Anker zwar klasse, aber noch besser den Pfeil des Riesen.

  4. Ich habe mich als passionierte Bogenschützin nur gefragt, ob Ygrittes Bogen genug Power hat, um die Krähen oben auf der Mauer zu treffen. Wie hoch war die Mauer nochmal? 100 Meter?

    • Die Mauer ist mehrere hundert Meter hoch. Ygritte hat aber nie hochgeschossen – die Wildlinge, die aus dem Süden kommen (Ygritte, Styr, Tormund etc.) haben eigentlich nie etwas mit jenen Männern zu tun, die oben auf der Mauer stehen.

      Die Frage ist eher, ob so ein Riese tatsächlich so hoch schießen kann. Die Menschen konnten es nicht (ein paar kleine Pfeile zerschellten einfach an der Mauer), aber der Riesenpfeil rauschte einfach so hoch. Aber das überlass ich den Physikern, sich sowas zu berechnen.

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