Kritik: The Walking Dead 4.13 „Alone“/ „Allein“.

„Don’t you think they look beautiful?“

The Walking Dead ist gut darin geworden, seinen Episoden ein thematisches Herz zu geben – anstatt stur ihre Handlungsstränge abzutrotten verbindet Darryl, Beth, Sasha, Maggie und Bob der Zwiespalt, allein ihren Zielen hinterherzujagen, oder als Gruppe nur so stark zu sein wie ihr schwächstes Glied. Dass „Allein„/ „Alone“ es dabei schafft, diesen fünf Figuren eine greifbare Textur zu geben, ist aber ihr größter Verdienst.

Quelle: Offizielle AMC The Walking Dead Website. No copyright infringement intended, I do not own anything. This is purely for educational purposes.

Maggie, Sasha und Bob sind auf der Suche nach dem Rest der Clique – vor allem aber Glenn. Sasha hält dieses Herumirren aber für keine gute Idee – und Bob muss den Mittelsmann spielen. Unterdessen entdecken Darryl und Beth eine scheinbar kaum berührte Leichengräbervilla – in der verdächtig wenig Staub liegt…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Ad Terminus.

The Walking Dead schreckt nicht davor, sich weiterzuentwickeln – jede Staffel hat ihren ganz eigenen Flair, von der Wanderkaravane über den Bauernhof bis hin zum Gefängnis. Die erste Hälfte der 4. Staffel dient mehr als Appendix zur dritten, seit nunmehr 5 Folgen weht allerdings wieder ein anderer Wind – ein erfreulich erfrischender. Die Gleiser, denen nun so langsam alle Hauptfiguren folgen, sind das zentrale Leitmotiv der letzten paar Folgen, und das ist nicht nur hübsch anzusehen: Auch die Serie findet so langsam ihren rechten Weg, von dem sie in Folgen wie „4.08 Too Far Gone“ abgekommen war. Anstatt nur wenige Figuren im Rampenlicht stehen zu lassen, wandern aber diesmal alle Figuren gleichermaßen am Gleis mit. Destination: Terminus.

Bob zum Beispiel – nun schon seit 13 Folgen Teil der Hauptbesetzung, von Alkoholsucht abgesehen aber bislang dennoch komplett anonym. Zu Beginn des Teasers war ich mir sogar  kaum sicher, ob das wirklich Bob ist, solch geringe Präsenz, geschweige denn Relevanz hat diese Figur bislang genossen. Aber „Alone“ bindet ihn wunderschön ein – als denjenigen, der weiß, was es heißt, allein zu sein, und wie verrückt es einen treiben kann. Apathisch stapfte er durch die Wälder (man, diese Wälder! die Serie liebt dieses Setting aufs Äußerste), kurz bevor er Darryl, Glenn und Co. kennen lernte. Lang hätte er so nicht überlebt – der Mensch ist nun mal ein Gesellschaftstier, und selbst Alkohol ist für einen menschlichen Kompanen kein Ersatz.

Zugegeben: Die ersten paar Szenen der Bob-Sasha-Maggie-Gruppe zogen sich sehr und hatten wenig zu bieten, weder Spannung noch Schönheit (Wald!). Gerade weil wir ja wissen, dass alle Hauptfiguren bis auf Hershel den Fall des Gefängnisses überlebt haben, ist die Diskussion, ob es überhaupt die vielen täglichen Risiken wert sind, die womöglich toten Freunde zu suchen, eine einseitige: Maggie hat recht, Sasha nicht, Punkt. Dass die Episode dann auch mit eben jener Aussöhnung enden würde, war – mal davon abgesehen, dass Sasha oder Bob das Zeitliche hätten segnen können – von Anfang an klar, und darum hielt sich auch die Spannung in Grenzen.

Dennoch hat „Allein“ ein Händchen dafür, die Stunde interessant zu gestalten, was nicht zuletzt an den ungewöhnlich tollen Dialogen liegt. Ich hätte jetzt zwar darauf verzichten können, dass The Walking Dead wie auch in der Comic-Vorlage schwarze Frauen immer nur mit schwarzen Männern paart, aber dafür, dass sowohl Sasha als auch Bob noch nicht besonders viele Momente im Rampenlicht genossen haben, hat Bobs plötzliche Anmache durchaus Stil. Und auch die Inszenierung ließ sich nicht lumpen, sobald die Monotonie des Waldes gewichen war: Sashas melancholisches Erkunden ihrer neuen, lichtdurchfluteten Wohnung, die Entdeckung Maggies, das Hinunterpurzeln der Tür, und das Auftauchen der Zombies – der Mix aus Überraschungen und spannendem Tempo lässt die gelegentlich ein wenig ermüdende erste Hälfte dieses Handlungsstrangs schnell vergessen.

Vor allem aber ist das Ganze eine Verkettung von Ereignissen, die aus den Entscheidungen der Protagonisten resultieren. Klar, es ist schon irgendwie doof von Maggie, ihre Freunde einfach so zurückzulassen, wo sie ihr dann doch eh hinterherlaufen – aber als wir dann später erfahren, dass sie das tat, weil sie Sasha so pessimistisch über Glenns Überlebenschancen reden hörte, ist das deutlich nachvollziehbarer. Schon klar: Das ist keine weltbewegende Geschichte, aber zumindest baut sie nicht auf irrationalen Entscheidungen auf, und sie findet auch am Ende der Folge ihr vorhersehbares aber zufriedenstellendes Ende. Und die gegesätzlichen Meinungen der beiden Damen bringen Bob erst dazu, zu verstehen, dass seine Entscheidung im Teaser, menschlichen Umgang doch nicht zu meiden, kein Zufall war. The Walking Dead tritt da zwar auf vertrautem Gelände – Michonne hatte gerade mal ein paar Folgen zuvor genau die gleiche Erkenntnis – aber gibt diesen Gedanken mit Bob ein neues Gewand.

Die Schönheit des Todes.

Der zweite Handlungsstrang ist eine Fortsetzung der Vorwoche – und kann die dort gewonnen Sympathien für Beth und Darryl gekonnt weiterspinnen. Schon fantastisch, was „Alkohol“ da mit diesen beiden Figuren gemacht hat – ich glaube, ich hab mich noch nie in der Geschichte von The Walking Dead so sehr um Charaktere gekümmert wie um die beiden in „Allein„. Die Rolle als Mentor und emotionale Stütze ist für Darryl eine ungewohnte, und es macht Spaß, ihn sich darin einleben zu sehen. Beth ihrerseits blüht hier gerade so richtig auf, lernt jagen und Spuren finden und auf sich allein gestellt zu sein – was früher eintrifft, als sie wohl gedacht hatte.

Was das Abenteuer der beiden in „Allein“ aber so interessant macht, ist die Ästhetik des Todes, der die beiden begegnen. Es beginnt schon beim Grabstein eines geliebten Vaters, vor dem die zwei kurz innehalten: Der Mann starb 1874 und ruht nun, im Gegensatz zu den wandernden Toten, in Frieden. Der Grabstein ist ein Mahmal der Vergangenheit, aber für Beth mehr als bloß an ihren Vater. Sicher, das spielt auch mit, und Darryl pflückt auch kurzentschlossen ein paar Blumen und platziert sie stillschweigend auf den Grabstein, aber Beth sieht bald, dass sich der anonyme Grabstein nicht bloß auf ihren Vater bezieht. Wer in diesem Friedhof ruht, wurde standesmäßig beerdigt, während niemand einen Grabstein für Hershel errichten wird, auf den man Blumen legen könnte. Ein friedlicher Tod ist ein Luxus, den es nicht mehr gibt, und so ist auch der Totenkult unserer Gesellschaft kaum noch existent in der Welt von The Walking Dead.

In „Allein“ ist das nicht bloß eine beiläufige Begebnis, sondern durchzeichnet den gesamten Aufenthalt in der Totengräber-Villa. Kurzzeitig sind Darryl und Beth wie in eine alte Ära zurückverschlagen – Erdnussbutter, Coca Cola und ein sauberes Haus – nur halt inmitten eines Friedhofs. Und doch, so sinniert Beth, ist das irgendwie der Welt da draußen vorzuziehen. Die Toten im Leichen-Lagerraum besitzen eine gewisse Schönheit, weil ihr Tod jenen der Zombies außerhalb dieser vier Wände vorzuziehen ist. Beths Gedankengänge sind morbide wie melancholisch, und dennoch hat sie irgendwie recht – die Toten so friedlich ruhen zu sehen hat etwas Beseelendes an sich. Und so untermalt die gesamte Folge (oder zumindest diese Hälfte) eine Ästhetik, die die Serie in ihren monotoneren Wald-Sequenzen schmerzlich vermissen lässt.

Gute Menschen.

Für Beth bedeutet die geradezu fürsorgliche Behandlung der Toten, dass es immer noch gute Menschen da draußen gibt – und auch der ewig skeptische Darryl muss ihr schlussendlich zustimmen. „What convinced you?„, fragt Beth, aber Darryl bringt das „you“ gar nicht über die Lippen. Es ist ein wunderschöner Dialog, der zeigt, dass sich zwischen den beiden innerhalb von zwei Folgen eine richtig tolle Chemie etabliert hat, und sich die beiden eine Beziehung aufgebaut haben, die gar nicht so einfach zu definieren ist. Wäre Beth älter würde das Ganze glatt als Romantik durchgehen, aber die Vagheit ihrer Beziehung macht sie umso spannender. Es ist nicht zu übersehen, was für einen positiven Einfluss die beiden aufeinander haben – Beth wird stärker und selbstständiger, während Darryl von Beth das Lachen wieder gelehrt bekommt.

Quelle: Offizielle AMC The Walking Dead Website. No copyright infringement intended, I do not own anything. This is purely for educational purposes.

Das wird unterstützt von dieser wundernschönen Stimmung in der Villa. Es ist sicherlich nicht The Walking Deads aufwendigstes Set der letzten Episoden, aber mit Sicherheit das atmosphärischste: Ich war ja schon immer ein Fan von Beths Gesang, sie aber bei Nacht in Kerzenlicht Klavier spielen zu sehen war schlichtweg umwerfend – trist und melancholisch, aber auch ein kraftvolles Symbol für ihr Langen nach Normalität, Beths Plädoyer für eine sinnstiftendere Welt, in der Musik und Individualität zelebriert werden. Das anerkennt auch Darryl – sein heimliches Zuhören trieft zwar von Klischee, ist aber ein weiterer toller Charaktermoment. Und wenn er sich dann trotzig, aber verspielt in den Sarg legt, um ein weiches Bett zu haben, ist das einerseits witziger Galgenhumor, aber andererseits auch die Zustimmung zu Beths früherer Empfindung: Eine gewisse Schönheit ist dem Tod und seinen Begleitern nicht abzustreiten.

Wie auch schon in der Folge zuvor ist es der optimistische Grundton, der „Allein“ zum Vergnügen macht. Das wird insbesondere durch das frohmutige Ende bekräftigt, in dem Bob, Sasha und Maggie (dank froher Musik) frohen Mutes den Gleisen entlangschlendern. Ganz im Gegensatz dazu das Ende der Beth-Darryl-Zweisamkeit – Während Beth von Unbekannten entführt wird, schließt sich Darryl vorübergehend einer Armbrust-Gang an – übrigens jene Kerle, denen Rick in „4.11 Claimed“ begegnet war, mit denen also nicht gut Kirschen essen ist. Was ich von Gestalten halten soll weiß ich nicht so recht – diese Hillbillys schauen mir mehr nach Kanonenfutter aus. Aber worüber ich mir völlig im Klaren bin, ist die Enttäuschung, dass Beth und Darryl in den nächsten Episoden ihre Beziehung wohl nicht mehr ausleben können. Das ist keine Fehlentscheidung von The Walking Dead per se – sondern der Beweis, dass „Alone“ mich wirklich um die Charaktere hat kümmern lassen. Und wenn die Serie den zuletzt eingeschlagenen Weg weitergeht – und wie könnte sie das bei Gleisen auch nicht – dann wird das auch so bleiben.

Bla:

– Ich denk es mir eigentlich schon seit dem ersten Mal, wo die Überlebenden auf das Terminus-Schild gestoßen sind: Können die nicht wenigstens drauf schreiben, dass sie dort hinwandern werden? Maggie ist die erste, die das schnallt – vielleicht aber auch die einzige, der das Bescheidgeben wichtig genug ist, um sich die Finger dabei schmutzig zu machen.

– An dieser Stelle sei auch erwähnt, wie klasse die zeitnahen Übertragungen von FOX Deutschland sind.

– Darryl ist ja ein Charakter, bei dem es aufgrund seiner Popularität sehr unwahrscheinlich ist, dass er demnächst das Zeitliche segnen könnte. Dennoch war sein Kampf mit den Zombies im Leichenaufbewahrungsraum so intensiv und klaustrophobisch, dass ich mir kurzzeitig gar nicht mehr so sicher war. Eine toll inszenierte Sequenz, in der weder Beth noch er je sicher schienen.

– Toller Moment: Sasha und Maggie müssen ihre Differenzen Rücken an Rücken besprechen, weil von allen Seiten ja eine Gefahr lauern könnte.

– Schöner Moment: Maggie und Sasha holen Bob noch am selben Tage ein – Bob muss also absichtlich ziemlich langsam gegangen sein, um die beiden aufholen zu lassen.

– Tolle Musikwahl, vor allem beim Ende – diesmal war ich so richtig fröhlich gestimmt nach der Folge. Mehr davon!

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

Allein“ beweist, wie sehr sich The Walking Dead um seine Figuren kümmern kann. Gerade Darryls und Beths Hälfte der Folge kombinierten tolle Atmosphäre mit Charakterarbeit, und das Resultat kann sich sehen lassen. Bis Bob, Sasha und Maggie diesen Level erreichen dürfte es noch ein wenig dauern – aber „Allein“ zeigt, dass es schon wird.

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3 Gedanken zu “Kritik: The Walking Dead 4.13 „Alone“/ „Allein“.

  1. also ich war nicht sehr erfreut nach dieser folge ich frag mich jetzt die ganze zeit was mit beth ist ? Sie ist auf jeden fall nicht freiwilig mitgegangen , sieht man am rucksack auf denm boden aber wer lässt essen liegen.
    Eine verständnisfrage hätte ich da evtl könntest du mir da helfen als beth darryl fragt was in umgestimmt hat sagt sie nein ? könnte es sein dass daryll vor hatte sie bei den leuten zu lassen und allein weiter gehn wollte? habe die befürchtung dass diese fiesen typen sie entführt haben konnten und sie längst getötet haben hoffe es aber nicht allerding könnte es auch sein dass der pastor der im comic ist in diesem haus gelebt haben könnte und beth im letzten moment gerettet hat

    • Als Beth Darryl fragt, was ihn umgestimmt hat, antwortet er gar nichts, weil er – harte Schale, weicher Kern – nicht zugeben möchte, dass sie das war. Darryl wollte sie auf keinen Fall zurücklassen – er läuft ihr ja sogar bis zur Erschöpfung nach.

      Das mit dem Pastor ist gar nicht mal so eine schlechte Theorie.

  2. ja aber warum hat beth dann so komisch reagiert und nein gesagt ?
    Pastor kommt im comic ja vor zu dem haus würde es pssen und ich meine mich erinnern zu können dass sogar ein kreuz auf dem nummerschild war wenn ich mich da nicht irre

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