Kritik: South Park 17.04 „Goth Kids 3: Dawn of the Posers“.

„Nobody understands us.  And they won’t understand until it’s far too late.“

Goth Kids 3: Dawn of the Posers” kann bis 30. Oktober 2013 und ab Februar 2014 wieder HIER legal und kostenlos auf der offiziellen South Park Homepage gestreamt werden.

Letzte Woche verpasste South Park zum ersten Mal seit seiner nun fast schon 17-jährigen Laufzeit seine Deadline und konnte nicht rechtzeitig fertig gestellt werden. Beinah alle Folgen werden innerhalb nur 6 Tagen geschrieben, animiert und vertont – insofern grenzt es schon an ein kleines Wunder, dass dieser Vorfall der erste seiner Art war. Umso enttäuschender allerdings, was für eine schwachbrüstige Folge „Goth Kids 3: Dawn of the Posers“ ist, die scheinbar in der zusätzlichen Produktionszeit nicht aufpoliert wurde.

South Park 17.04 Poe

Henriettas Mutter hat genug von der Grufti-Subkultur ihrer Tochter: Das Mädchen wird zwei Wochen lang ins Jugendcamp geschickt, um reformiert zu werden. Ihre Goth-Freunde lachen bloß zynisch, doch als Henrietta wieder nach South Park zurückkehrt können sie ihren Augen nicht mehr trauen…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Was macht eine South Park-Folge gut? Wann ist eine Comedy-Serie eine gute – zählt man schlichtweg, wie oft man lacht? Oder lächelt? Ich verfolge zwar auch Serien wie How I Met Your Mother und, ja ich gebe es zu, The Big Bang Theory, aber nicht ohne Grund ist South Park die einzige Comedy-Serie, die ich in meinem Blog verfolge. Was mich immer wieder zu South Park zurückzieht ist dessen oftmaliges Gespür für den Zeitgeist, der häufig nicht nur durch beliebige Popkulturreferenzen, sondern vor allem von sozialkritischen Metaphern getragen wird. Wenn eine Folge dann auch noch gewitzt umgesetzt und durchwegs witzig ist, dann ist das eine so richtig gute South Park-Folge für mich. „Goth Kids 3: Dawn of the Posers“ trifft keine dieser Kriterien, und ist darum auch die uninspirierteste Folge seit Längerem.

Eine jede Fernsehfolge ist bis zu einem gewissen Grade Geschmackssache, und South Park spaltet die Geschmäcker wohl mehr als die meisten Serien. Vor allem der sehr spezifische Humor kann einem gefallen oder nicht. Obwohl ich etwa beinah alle Folgen der Serie gesehen habe, stinken mich persönlich der Fäkalhumor und die ordinäre Sprache gelegentlich ziemlich an – ich finde es nicht witzig, und nach über 200 Folgen hat sich der Schockeffekt, wenn Kinder ihre Mütter „bitch“ nennen, schlichtweg abgenützt. Ich respektiere es allerdings ungeheuerlich, wenn die Serie einen guten Grund für diese Züge findet – etwa „It Hit The Fan„, in der das Wort „Scheiße“ an die 200 mal gesagt wurde, um zu betonen, wie lächerlich teilweise die Zensurbestimmungen im öffentlichen Fernsehen sind.

Goth Kids 3: Dawn of the Posers“ hat aber bestürzend wenig zu sagen. Die obligatorische Moral am Ende der Folge darf natürlich nicht ausbleiben – sei du selbst und lass dir deine Identität nicht von anderen aufzwingen. Das ist keine besonders originelle Botschaft, und auch nicht besonders clever inszeniert. Vielmehr hangelt sich die Episode von einer abstrusen Situation in die nächste, und scheint förmlich nicht interessiert daran zu sein, mit der Geschichte wirklich etwas aussagen zu wollen. Rettungsmöglichkeit wäre gewesen, die Idee von den konkurrierenden Gruppierungen (Emos, Goths, Vampire) mit einem gemeinsamen Vorbild und Wegbereiter (Edgar Allan Poe aka Nightpain) ein wenig breiter zu walzen, inklusive großem Showdown und erklärendem Monolog. Die Grundbausteine dafür waren ja vorhanden, wie etwa die wirklich witzige Diskussion um den Unterschied zwischen Goths und Emos oder die genau in den selben Körperhaltungen herumlungernden Kindern zeigen. Doch als sich alles bloß als Witz herausstellt (Yes! I screamed), fallen all diese Ideen in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

Dass die Folge sich nicht auf aktuelle Ereignisse bezieht ist keinesfalls zu ihrem der Episode. South Parks nicht zeitbezogene Folgen sind stets eine willkommene Abwechslung, die meist Hoffnung darauf machen, dass ein längerer kreativer Prozess dahinter steht – hier sind die Drehbuchautoren schließlich nicht darauf angewiesen, sich die Handlung innerhalb nur weniger Tage zu überlegen, sondern können übers Jahr hin gesammelte Ideen zu Episoden schmieden. Oftmals entstehen dadurch die schönsten Parabeln, etwa „The List“ oder „Cartman Finds Love„.  „Goth Kids 3: Dawn of the Posers“ wirkt im Vergleich dazu wie hingerotzt, mit einer Geschichte, die einfach keinen rechten Sinn ergeben möchte. Die sich rührenden Pflanzen machen einfach keinen Sinn – wenn Henrietta sich wirklich so leicht überreden lassen würde, ihren Lebensstil zu ändern, hätte ein „normales“ Erziehungscamp auch gereicht. Und die Auflösung der Ereignisse hätte genauso gut „ihr habt alles nur geträumt“ sein können – obwohl die Absurdität, dass der Streich einzig dem Gärtner galt, während die Kinder so viel durchmachen mussten (2 Wochen Isolation im Jugendcamp für Henrietta und Michael!), dann schon den klassischen South Park-Witz hat.

South Park 17.04 plant king

Die Folge zeigt ja durchaus gelegentlich Herz – Pete und Michael Henrietta aufheitern zu sehen, indem sie ihr erzählen, dass sie den Emopflanzenkönig umgebracht haben, um ihr die Peinlichkeit zu ersparen, überreagiert zu haben. Und nicht zu verachten ist auch das eigens für diese Episode überarbeitete, voller Details steckende Intro, in dem South Park in Goth-Stimmung präsentiert wird – ich nehme mal an, dass diese Montage in der zusätzlichen Produktionswoche entstanden ist, gemeinsam mit der Folge für nächste Woche. Aber insgesamt sind es zu wenige solcher Szenen, um das emotionale Herz der Folge stark pulsieren zu lassen. Das muss South Park natürlich nicht in jeder Folge tun, aber die Folge sonst schon so wenig zu sagen hat ist das enttäuschend.

Bla:

– Die ominös raschelnden Pflanzen sind womöglich eine Referenz auf den tödlich langweiligen M. Night Shyamalan Film „The Happening„, in dem ebenso eine unsichtbare Gefahr durch das Rascheln angedeutet wird.

– Täuscht es mich oder ist die große Emo-Popularität längst verflogen? Oder ist das bloß ein Phänomen in Schulen, von dem ich einfach schon längst nicht mehr höre? Ich hab das Gefühl, die Folge kommt ein paar Jahre zu spät und ist eine kreative, nun wiederbelebte Kellerleiche der South Park Studios – auch wegen der Twilight-Parodie. Das ist derzeit schon mal überhaupt kein Thema mehr, oder nicht?

– „No waaaay!“

– Den verrückten Afro-Amerikaner konnte ich erst beim zweiten Ansehen der Folge leiden lernen, aber er passt echt gut in eine sonst ein wenig dröge Episode. Gags wie diese retten die Folge zumindest noch einigermaßen.

– „… and then all of a sudden, the screen went dark!“ „That’s f***ing creepy man.“

– Auch klasse, wie viele Vampir-Kinder es gibt, im Vergleich zu der Handvoll von Emos und Gruftis. Hssss!

– Den Start der 17. Staffel habe ich halb verpennt – zwar schon alle Folgen gesehen, aber mich in zu viel Arbeit gesehen, um Reviews zu schreiben. Allesamt waren recht gut, aber nicht großartig. „Goth Kids 3: Dawn of the Posers“ war allerdings die erste, zu der ich so wirklich etwas zu sagen hatte.

Fazit: 4,5 von 10 Krähen.

Goth Kids 3: Dawn of the Posers“ ist die bislang uninspirierteste Folge der stark gestarteten 17. Staffel von South Park. Selten wirkt eine Folge der Serie so halbgar, weder besonders clever noch relevant, aber zumindest einigermaßen witzig.

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2 Gedanken zu “Kritik: South Park 17.04 „Goth Kids 3: Dawn of the Posers“.

  1. Pingback: Kritik: South Park 17.06 “Ginger Cow”. | Blamayer TV

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