Kritik: Agents of S.H.I.E.L.D. 1.03 „The Asset“.

„We have to live with the choices we make, but sometimes we have to die with them too.“

Agents of S.H.I.E.L.D.s zweite Folge („0-8-4„) zeigte deutlich auf, dass die Serie zwar das Zeug hat, mehr als bloß ein hoch budgetiertes Actionspektakel zu werden, allerdings noch einen weiten Weg vor sich hat, um die Action von einem spannenden Ensemble tragen zu lassen. „The Asset“ zeigt, dass die Serie zumindest das Potential hat, diesen Weg auch zu bestreiten, und setzt erste Schritte.

Agents of SHIELD 1.03 Dr Hall

Eine mysteriöse, unsichtbare Kraft überfällt einen S.H.I.E.L.D. Konvoi und entführt den Physiker Dr. Franklin Hall. S.H.I.E.L.D. kann die Entführer nach Malta verfolgen, ist aber aufgrund internationaler Gesetze verhindert einzugreifen. Da kommt Junior-Mitglied Skye ins Spiel, die trotz ihrer geringen Kampferfahrung erpircht darauf ist, ihren ersten Einsatz zu bekommen…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Agents of S.H.I.E.L.D. scheint sich auf einer stetigen Gradwanderung zwischen Ernst und Spaß zu befinden, und während das in den Dialogen meist prächtig funktioniert, nimmt sich die Story manchmal ein wenig zu viele Freiheiten, um ernst genommen zu werden. Schon von Beginn an häufen sich die Plotlöcher von „The Asset“ auf – wie kann der Truckfahrer diesen Aufprall überleben? Woher möchte er wissen, dass die Räuber seine Route vorher gewisst haben – der Bagger kommt erst zum Vorschein, als der Fahrer schon längst das Bewusstsein verloren hatte. Und warum zum Teufel ist Dr. Hall in einem Tresor eingeschlossen, wenn er einer der Guten ist? Warum lassen die Bösewichte ihr Gravitationskügelchen einfach an Ort und Stelle liegen? Wie kann Skye so schnell das Vertrauen von Ian Quinn erhaschen? Und wenn wir ehrlich sind ist die Entdeckung eines neuen Elements namens Gravitum ist auch ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

Dennoch ist „The Asset“ die bislang beste Folge der Serie, weil sie überraschend viel Herz und Seele besitzt. Das beginnt schon mit den Motiven der Fieslinge, die gar nicht so fies sind wie sie sich geben – Ian Quinn ist der Julian Assange seiner Welt, und er bringt gute Argumente ein: Warum sollte S.H.I.E.L.D. Zugriff auf all diese gefährlichen Artefakte und Technologien haben, und nicht die gesamte Welt? Woher wissen er oder der Rest der Welt, dass S.H.I.E.L.D. wirklich diese gute Organisation ist, die sie vorgibt zu sein? Auch Dr. Hall schlägt in die selbe Kerbe, gibt etwa der Organisation die Schuld an der Invasion New Yorks in The Avengers (Coulson: „Fair point.“),  findet aber, dass die neue Gravitationstechnologie in den Händen aller Menschen eine viel zu große Gefahr ist, die die Vorteile davon nicht rechtfertigt. Dass gerade eine amerikanische Organisation sich dann das Recht nimmt, die Technologie aus Malta zu stehlen, spricht für die Selbstgerechtigkeit der Nation – ohne dem Zuseher mit der Botschaft den Schädel einzuschlagen, sodass dieser Aspekt sowohl den Spaß- als auch Werte-suchenden Zuseher befriedigt. Klasse!

Auch das groteske neue Element Gravitum findet in der zweiten Hälfte der Episode eine wirklich gute Integrierung in die Geschichte. Nicht nur, dass Coulsons und Halls Durch-den-Raum-Purzeln spannend und visuell faszinierend ist, nicht nur dass die Gravitation von Coulson als entscheidender Faktor im Showdown dient – das Element (bzw. „The Asset„) dient auch noch als tolle Entstehungsgeschichte für einen Superhelden, oder wohl eher Superbösewicht. Wie auch schon in „0-8-4“ ist die Szene nach den Credits die entscheidende der Folge, stellt sie diesmal schließlich einen wahrer Cliffhänger dar – und das in bester Alias-Manier.

Der Vergleich zu Alias ist in „The Asset“ noch angebrachter als bislang, weil Skye den feindlichen Gebäudekomplex lediglich mit irgendeiner irrwitzigen Technologie ausgestattet (ein sich mit dem Internet verbindender Taschenspiegel, ganz unauffällig mit LEDs verziert) infiltrieren muss. Die Storyline muss sich wieder einmal auf Skyes unglaubliche Hackerfertigkeiten verlassen, ist aber spannend umgesetzt und unterstreicht, deutlich weniger hölzern als es noch die zweite Folge versuchte, die Charakterentwicklung der Folge. Skye und Ward haben zwar als Figuren beide noch ihre Wehwehchen – Skye ist ein wenig gar talentiert für ihr Alter (Superhacker, Redetalent, Kampfgeschick, und dazu noch superhot), Ward ist noch ein wenig blass – aber die Chemie zwischen ihnen stimmt, und die Mentor-Schüler-Beziehung der beiden macht sie zum dynamischsten und interessantesten Duo des Casts.

Auch Melinda May wächst so langsam ans Herz, während Coulson wie immer der beste Mann des Teams ist, der stets fantastisch mit den Fieslingen der Episode umgeht. Fitz etabliert sich langsam zum interessanteren der zwei Technik-Geeks, Simmons will hingegen einfach nicht mit dem Rest des Teams klicken – ihr Enthusiasmus ist witzig, doch das bleibt ihre einzige Charaktereigenschaft. Fitz ist nicht vielschichtiger, aber macht den Eindruck, dass er die Fitz- und Simmons-Rolle auch allein spielen könnte – sein Bestehen auf ein Äffchen mit einem süßen Hütchen, das als idealer Agent dienen solle, war der witzigste Moment der bisher ausgestrahlten Folgen.

Gelegentlich lässt die Serie aber erkennen, zu welch Höhen sie aufleben könnte – besonders Wards und Skyes Diskussion um das Wahrheitsserum lässt mich hoffen, dass Agents of S.H.I.E.L.D. wirklich noch zu einem Kritikerliebling werden könnte. Bei meiner Kritik zu „Pilot“ merkte ich an, dass die Verabreichung an Ward eine geniale Idee war, um Skye von S.H.I.E.L.D.s Aufrichtigkeit zu überzeugen, die dafür verwendete Technologie aber eine Gefahr für die Serie darstellen könnte. So einfach dreht die Serie den Spieß um – weil die Szene nur vorgespielt wurde (ich für meinen Teil schenke Ward hier Glauben), kann sich die Serie um eine interessante und ausgeheckte Wendung bereichern, während sie sich gleichzeitig einer Fessel befreit – früher oder später wird das Team ja bestimmt eines Fieslings habhaft werden, und es ist viel spannender, nicht zu wissen, was diese Person verheimlicht.

Agents of SHIELD 1.03 skyeNcoulson

Skye und Ward bekommen jeweils ein wenig Hintergrundgeschichte spendiert, wobei mich keine der zwei Geschichten wirklich umhaut. Dennoch generiert die Serie eine Kontur für die beiden, und erklärt so auch ein wenig, warum Skye so leicht zu beeindrucken ist, sowohl von The Rising Tide als auch S.H.I.E.L.D. Auch Coulson wird um eine Spur reicher portraitiert, auch wenn das Erwähnen seines Todes so langsam ein wenig bemüht wirkt – so wirklich schlauer sind wir allerdings immer noch nicht, was genau geschehen ist. Jetzt stellt sich also heraus, dass Coulsons motorisches Gedächtnis beschädigt wurde, oder ein anderes ist, oder so ähnlich – jedenfalls vermag er es nicht mehr, seine Waffe so schnell zu entsichern wie früher. Ich habe keine Ahnung, was das zu bedeuten hat, aber ich werde es mir auf jeden Fall ansehen. Agents of S.H.I.E.L.D. startet ein wenig verhalten in seine erste Staffel, aber das taten noch fast alle Whedon-Projekte (außer Firefly). Man möge der Show also ihre Zeit lassen, ihren Rhytmus zu finden – und zu entscheiden, was mit Simmons weiterhin geschehen soll.

Fazit: 7,0 von 10 Punkten.

Agents of S.H.I.E.L.D. hat durchaus die Kraft, regelmäßig zu punkten. Dafür muss die Serie kontinierlich die starke Charakterarbeit von „The Asset“ zeigen, um das Ensemble kräftig zusammenzuschnüren. Wenn die Serie dabei solch eine Sinnesschärfe wie in dieser Episode beweist wird die Serie dann auch zu einem wahren Erfolg.

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