Kritik: Janus „(2)“.

„Das klingt nach Liebe… irgendwie.“

Janus Folge 2 ist bis 14. Oktober in voller Länge HIER in der ORF TVhtek aufrufbar.

Gute Nachrichten für Fans heimischer Fernsehserien: Janus ist keine Eintagsfliege. Wie auch schon der Pilot der Serie verwebt „(2)“ den Fall der Woche mit den Machenschaften einer geheimen Organisation/Firma auf spannende Weise. Neu jedoch ist der Versuch, mit dem Fall die Problemchen und Vergangenheiten der Ermittler zu illuminieren – was teilweise auch sehr erfolgreich geschieht.

Janus 1.02 girl

Die kleine Fanny ist verstört – sie musste mitansehen, wie ein Einbrecher ihren kleinen Bruder beinah umbrachte. Leo Benedikt wird hinzugezogen, um dem Mädchen zu entlocken, was genau sie gesehen hat. Schon bald verstrickt sich das Mädchen allerdings in einem Netz aus Lügen…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Wie auch schon im Piloten sind Cara Horvath und Leo Benedikt ein gutes Duo. Zwar haben die beiden diesmal keine Zeit, ihre Beziehung auch außerberuflich um ein paar treffende Wortwechsel zu erkunden, aber auch so beanstanden die beiden eine anständige Bildpräsenz. Was sie spannend macht sind ihre Mängel und Defizite, und besonders Leo ist nicht immer imstande, diese im Zaum zu halten. Auch Cara hat ihr aufbrausendes Temperament nicht immer unter Kontrolle, kann das aber besser zu ihren Gunsten nützen als Leo, der durch sein Anschreien eines kleinen Mädchens beinah den ganzen Fall verhunzte. Davon profitiert dann wieder die Lebhaftigkeit der Cara-Figur, die Leo hier mehrmals ein gutes Stück Vertrauen schenken muss, zuerst um nach dem Geständnis des Vaters mit Fanny zu sprechen, und besonders dann um sie nach seiner Schreiattacke noch einmal zu sprechen.

Miriam und Konstantin sind da bislang weniger gesegnet. Nach wie vor hat Miriam leider nichts zu tun außer als Gesprächspartner zu fungieren, zu häufig gänselt sie bloß Leo und Co. hinterher. Auch ihr geliebter Konstantin eckt mehr an als mir lieb ist: Seine Rolle als Skeptiker von Leos Schlussfolgerungen („“Was isn.. Was isn jetzt scho wieder?“ lässt ihn alles andere als sympathisch wirken, und seinen „Sex als Waffe“-Kommentar empfinde ich sogar als ziemlich abstoßend, fast ein wenig verdinglichend, obwohl die Serie es als Witz auffasst – als ob Miriam nur deshalb mit ihm ins Bett hüpfen würde. Es wäre natürlich eine fabelhafte Ironie, falls sich das wirklich später im Verlauf der Serie/Staffel herausstellen würde, aber das ändert nichts an Konstantins Intention. Beide sind jedoch noch recht farbarm, weshalb ich deren Liebeskiste auch einfach nicht viel abgewinnen kann. Ich hoffe, dass die Serie da noch ein wenig dran schrauben kann.

An Janus selber wird hingegen schnell gefeilt – zumal wir nun auch die Bestätigung haben, dass der Serienname tatsächlich jenem der Verbrecherorganisation ist, die sich in Wahrheit als skrupelloser Pharmakonzern herausstellt. Ganz verstehe ich nicht, warum dann immer diese zwei Lakaien um Junior herumschweben (die Blonde und der Schwarze), wenn sich die Firma als rechtschaffen tarnt, aber für die beiden findet Janus sicher noch Verwendung. Auch überraschte mich, wie schnell die Serie schon ihre Karten auf den Tisch legt was den Dreck an Janus‘ Stecken anbelangt – sie haben 20 Leichen im Keller liegen, Opfer von Nebenwirkungen ihrer Labyrinth-Tabletten. Leo kann von Glück sprechen, dass seine Frau die Ausnahms-Maus zu sein scheint, die sich dank der Tabletten ruhiger verhält anstatt in Selbstmordrage zu verfallen. Und Junior offenbart das alles der Ehefrau des Ermittlers, der ihm und seiner Firma heiß auf den Fersen ist, einfach so – huh? In „(1)“ wirkte Junior noch hochprofessionell, „(2)“ lässt ihn wieder eher wie einen Anfänger aussehen.

Janus 1.02 Direktor

Das hat er auch der Enthüllung der Identität seines Chefs zu verdanken, derweil bloß Direktor genannt. Wofür dann die Geheimniskrämerei im Piloten? Überraschend viele Katzen werden da in dieser zweiten Episode gleich aus dem Sack gelassen, was gar nicht so schlecht ist – jetzt haben wir eine bessere Idee davon, mit was wir es zu tun haben, zumal Janus wenig von seiner Bedrohlichkeit verloren hat: Zwar ist die Firma angreifbarer geworden, weil sie direkt im selben Gebäude operiert wie Leos Ehefrau, aber die Sauberkeit, mit der etwa Dr. Schuberts Büro ausgeräumt wird, macht immer noch deutlich: „Die gehen über Leichen.“ Außerdem scheint die Firma den Oberstaatsanwalt in ihrer Tasche zu haben – praktisch, und hoffentlich ein Ort, an dem Konstantin in Aktion treten kann.

Schuld und Liebe.

Im Gegensatz zur ersten Folge sind in der zweiten der Janus-Konflikt und der wöchentliche Fall strikt getrennt. Damit spielt „(2)“ auch ein wenig, so erwartet man sich fast bis zum Schluss, dass sich eine Janus-Tablette in Besitz eines Mitglieds von Familie Medek befindet. Dass dem nicht so ist sorgt zwar dafür, dass sich die zwei Hälften der Folge ein wenig dissonanter sind, wirkt aber dafür realistischer und unterstreicht die Botschaft der Episode: Manchmal ist da einfach nur der Mensch selber Schuld, und es gibt nichts, was wir dagegen machen können, und auch keine Pillen, denen wir die Schuld geben könnten. Das ist eine ziemlich deprimierende Message, die von einer ebenso deprimierenden Resolution des Falls geliefert wird, als sich herausstellt, dass Fanny von Natur aus kein Mitgefühl haben kann – aber gerade das sorgt dafür, dass Episode 2 was hat, das der ersten noch gefehlt hatte: emotionale Schlagkraft.

Das Los des Mädchens ist ein tragisches – ohne Schuld ist und wird sie dennoch bestraft. Doch während andere Schicksale wie etwa Behinderungen die Menschen umso enger aneinanderschweißt, reißt die Unfähigkeit zu lieben die Familie entzwei. Gerade dieses Zusammenhalten ist jedoch das, was den Menschen – viele Lebewesen eigentlich – ausmacht, was ihn glauben lässt, was ihn an sich arbeiten lässt. Fanny kennt das allerdings nicht, sie muss diese Grundzüge nachahmen, um in eine Welt zu passen, deren Sinn für Nächstenliebe sie nicht teilen kann. Es stellt sich die Frage: Was ist der Mensch schon ohne Liebe? Oder vielleicht noch passender: Was ist ein Mensch wert, dem man zwar seine Liebe schenken kann, der diese aber nicht erwidern kann? Im ersten Moment fand ich das Stecken des Mädchens in ein Pflegeheim als schlichtweg verheerend, doch bei längerem Überlegen muss ich mich doch fragen, wie die Eltern ihr Kind hier einfach so verstoßen können. Ist das denn dann Elternliebe? Der Vater impliziert doch, dass er für seinen Sohn alles aufgeben würde – Geld, Haus, Firma, Frau – warum dann nicht für seine Tochter? Ist das nicht konträr zu seiner Bereitschaft, für seine Tochter durch Falschaussagen ins Gefängnis zu gehen? Gibt es dafür womöglich eine Gesetzesgrundlage, und wenn ja – ist diese dann nicht wahnsinnig herz-los?

Janus führt seinen angefangenen Gedanken hier nicht ganz zu Ende, regt ihn aber zumindest an – mehr wird auf die emotionale Resonanz der Geschehnisse Wert gelegt. Diese existiert sogar zweifach – nachdem Leo Fannys Schuld erfolgreich aufdeckte, war ich schon auf eine Schlussszene der Episode gefasst. Doch die Erschütterung um den Familienverlust des Mädchens weicht dann schnell der Tragik, dass Herr Medek diesem Problem schon vor Fannys Geburt gegenüberstand, und Frau Medek schon ihr ganzes Leben lang. Zuerst trägt die Serie dick auf, indem sie die Medek-Frauen schlichtweg als „böse“ bezeichnet, aber manövriert sich dann geschickt mit Miriams erstem Glanzmoment aus dieser Schwarzweißmalerei heraus: „Ein Haifisch hat ja auch kein Gewissen… das macht sie nicht böse, sondern nur… gefährlich.“

Dem nicht genug entlockt Frau Benedikt bei dessen Besuch, dass auch bei ihm in Wahrheit mehr im Spiel war als bloß das Interesse, den Fall zu lösen – vielmehr erinnerte ihn die Geschichte an seinen eigenen Bruder Alex, der mit dem selben Symptom geboren war wie die Medek-Damen und Leo in der Vergangenheit quälte. Einerseits sehr spannend, dass Benedikt sich versprochen hatte, über etwaige mildernde Umstände der Taten seines Bruders zu erfahren, nur um dann auf der Suche nach Erlösung gesagt zu bekommen: „Tut mir Leid, Herr Doktor – da ist nichts.“ Natürlich tut es ihr nicht Leid, kann es auch gar nicht. Andererseits lässt das auch irgendwie vermuten, dass sich hier die Entstehungsgeschichte des Dr. Leo Benedikts verbirgt – der Bruder hat sein Leben ja nachhaltig beeinträchtigt, da scheint es nahe zu liegen, dass es auch seine Berufswahl beeinflusst hat.

Dadurch, dass diese Dinge im Zuge des Falles ganz natürlich zur Sprache kommen, wirkt Leos Charakterisierung kunstvoll konstruiert nicht im Geringsten aufgesetzt – was man leider nicht von Caras Hintergrundgeschichte behaupten kann. Dass Konstantin so unvermittelt ausplaudert, dass Cara die ganze Schwere-Kindheits-Palette mitschleppt (Findelkind, Heim, prügelnde Pflegeeltern), wirkt ziemlich unbeholfen, grade weil hier doch eine so klare Parallele zum Ausgang des Falls besteht und man Cara hier deutlich subtiler diese Vergangenheit unterjubeln hätte können. Von dieser ungenützten Möglichkeit abgesehen schlägt sich das Drehbuch allerdings wacker, verpackt es doch ein kraftvolles Familiendrama in die selbe Box wie die seperate Janus-Storyline, ohne die Schachtel überzustrapazieren.

Bla:

– Ich verstehe nicht, warum mir das Titeldesign der Serie so gut gefällt, aber diese leicht größer werdenden Buchstaben samt vielversprechender Musik haben wirklich was Magisches an sich.

– Bereits die zweite Folge, die eine so gut wie menschenleere Treppe samt Vorplatz zeigt – was das wohl bedeuten mag?

Janus 1.02 mouse

– Sehr cool: Weil Frau Medek ja nichts fühlen kann, musste sie notgedrungen gut darin werden, Gesichter zu lesen – weshalb sie sich dann auch so leicht tut, Benedikts Beziehung zu seinem Bruder zu erraten.

– Stilistisch sicher ganz lässig, aber insgesamt doch eher unpraktisch: die Betitelung der Episoden nach Episodennummer. Die Informationssuche nach der Folge (etwa nach Besetzung) gestaltete sich nach dem natürlich stärker beworbenen Auftakt vergleichsweise schwierig.

– Zufall: Gerade gestern habe ich mir die Folge „1.14 I’ve Got You Under My Skin“ von der Serie Angel angsehen, in der trotz der übernatürlichen Begebenheiten eine ähnliche Geschichte erzählt wurde – Die Ermittler suchen nach dem Täter, der die Kinder bedroht, nur um herauszufinden, dass eines der Kinder selbst unheilbar böse ist. Das hat schon bei Angel für ein äußerst tragisches Ende gesorgt, und auch bei Janus gefällt mir das sehr gut.

– Vielversprechend: die Verwendung Leos‘ empathischer Gabe. Wenn Janus Leo Benedikt jedermanns und jederfraus Lügen am Gesicht ablesen ließe, ohne dann zu verraten wie er drauf kommt (wie es etwa bei der Lüge des Vaters ist), wäre das ziemlich enttäuschend. Stattdessen wirft man uns hier sogar 3 Indizien entgegen – ein zu spätes Lächeln, die menschenleeren Zeichnungen, die toten Tiere – sodass wirklich der Eindruck entsteht, dass dieser Mann nicht bloß Glück und Vermutungen verwendet, um Fälle zu lösen, sondern wirklich ein Profi ist. Auch die Vision vom Vater, der das Schloss montiert, war ein tolles Täuschungsmanöver.

– Fun Fact: Janus verwendet die gleiche Spusi (Spurensicherung) wie Schnell ermittelt. Crossover nicht ausgeschlossen?

Fazit: 7,5 von 10 Punkten.

Janus kann halten, was der Pilot versprach: „(2)“ kann weiterhin auf ein tolles Hauptduo setzen, Miriam und Konstantin brauchen allerdings immer noch ein wenig Starthilfe. Der wöchentliche Fall ist diesmal dafür nachhallender und trifft die Ermittler auch auf emotionaler Ebene.

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2 Gedanken zu “Kritik: Janus „(2)“.

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