Kritik: Agents of S.H.I.E.L.D. 1.02 „0-8-4“.

„Usually one person doesn’t have the solution, but 100 people with 1% of the solution – that will get it done. I think that’s beautiful, pieces solving a puzzle. „

Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. ist die aufwendigste und heißersehnteste Produktion der diesjährigen amerikanischen Netzwerksaison, und nicht nur „Pilot“ scheint eine gute Finanzspritze bekommen zu haben – auch „0-8-4“ ist vergleichsweise groß, pompös und bombastisch. Leider verliert sich die Serie ein wenig darin, und mutet in seiner zweiten Folge mehr an wie ein poliertes Power Rangers anstatt dem nächsten stolzen Werk des Whedon-Ouvres.

Agents of SHIELD 1.02 team

Das Team wird nach Peru beordert, wo inmitten eines Tempels ein Jahrtausende altes Artefakt gefunden wurde. Doch auch das lokale Militär und Rebellen haben Interesse an dem mächtigen Schatz, und das Team wird zum ersten Mal als solches auf die Probe gestellt. Bei diesen unterschiedlichen Persönlichkeiten sind da Konflikte vorprogrammiert…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Rein optisch ist Agents of S.H.I.E.L.D. das Schönste, das man seit Längerem abseits der Kabelsender-Serien gesehen hat. Prächtige und teilweise auch exotische Sets, wunderschöne Schauspieler (Chloe Bennet auffälliger als die anderen, aber jede Figur ist grundsätzlich höchst attraktiv) und atemberaubende, wenn auch höchst übertriebene Spezialeffekte und computergenerierte Aufnahmen sind die Schmankerl, die die Serie scheinbar in Serie bieten kann. Zeitweise sieht die Serie so gut aus wie ein Hollywood-Film, und kann damit ihren Wurzeln darin absolut gerecht werden. Es ist eine selbstsichere Serie, deren Selbstvertrauen leicht fehlgeleitet ist – man könnte auch sagen, es ist eine sehr amerikanische Serie. Obwohl Coulson in „0-8-4“ ironischerweise betont, dass Regierungen nicht Zugriff auf fortgeschrittene Technologien und Waffen haben sollen, ist  S.H.I.E.L.D. von Grund auf amerikanisch. Agents of S.H.I.E.L.D. ist eine laute Serie, der die stille Würde von einer Serie wie Alias fehlt, und kann darum nicht verschleiern, dass die Serie für ein Massenpublikum zurechtgeschneidert ist.

Doch bei all dem Glanz fehlt ein wenig die menschliche Komponente. Die Serie versucht ja eigentlich, Leben in die Figuren zu hauchen, aber so ganz will sich das noch nicht auf den Bildschirm übertragen. Melinda Mae etwa soll diese unglaubliche Kämpferin sein, die aus einem geheimnisvollen Grund nicht mehr im Einsatz ist, und wird nun durch die episodischen Umstände und durch die Hand Coulsons wider Willen wieder aufs Schlachtfeld befördert. Nur irgendwie wirkt das allesamt recht aufgesetzt, möglicherweise auch, weil sie zu noch keiner anderen Figur einen rechten Draht hat aufbauen können, mit der Ausnahme von Coulson – und das auch nur rudimentär. Nach zwei Folgen ist sie bloß Pilot und Bodyguard.

Alles steht und fällt mit Coulson derzeit, und auch in dieser Folge ist er die unbestrittene Nummero Uno des Teams, nicht nur weil er der Chef ist. Natürlich wird sich das nicht von einer Folge auf die nächste ändern, dass er die weitaus entwickeltste und stärkste Persönlichkeit des Teams ist, aber ironischerweise bekommt von allen Figuren in „0-8-4“ er die meiste Aufmerksamkeit – seine Beziehung mit Commander Camilla Reyes verrät, dass er als junger Mann ein kecker Hecht gewesen sein muss, der sich Teile davon durchaus behalten hat (er würde mit Camilla durchaus die alten Zeiten noch einmal hochleben lassen), allerdings verantwortungsvoller geworden ist – denn jetzt hat er eine Familie. Auch das Romantisieren der Vergangenheit wurde mit Lola schon im Piloten angedeutet, hier allerdings nochmal aufgewärmt. Dennoch macht das Coulson die einzige Figur, die wirklich Raum hat zu atmen.

Alle anderen sehen da wirklich blass aus, besonders Fitz und Simmons. Es wird gewitzelt, dass Agent Ward die Namen der beiden nicht ganz auseinander halten kann, aber in Wahrheit ist das ein echtes Problem: Auch in „0-8-4“ sind die Unterschiede zwischen den beiden so marginal, dass es verwunderlich ist, wie es die beiden in die fertige Serie geschafft haben. Doch selbst die wenigen Charaktereigenschaften der beiden sind ziemlich uninteressant und kaum der Rede wert. Gepaart mit den nervtötend starken britischen Akzenten sind Fitz und Simmons die schwächsten Aspekte der Serie, und ich fürchte, dass sich das nicht so bald ändern wird – ich kann mir kaum vorstellen, wie die beiden in zufriedenstellende Handlungsstränge verwickelt oder interessante Hintergrundgeschichten vorgestellt werden.

Mehr Potential haben Ward und Skye, auch wenn die zwei ebenfalls noch ziemlich stereotyp agieren – noch nicht einmal wurde ich von ihnen überrascht. Das kann sich noch ändern, muss es eigentlich fast, und das hoffentlich bald – denn mit dem derzeitigen Status Quo werden wohl kaum Whedon-Fans an der Serie dranbleiben. Es ist unfair, Agents of S.H.I.E.L.D. mit Serien zu vergleichen, die viele Folgen und Episoden lang liefen und dementsprechend viel Zeit hatten, ihre Figuren zu etablieren, aber die Serie muss nunmal damit leben, den Whedon-Stempel auf ihrer Stirn zu tragen, und da ist derzeit vergleichsweise einfach wenig Substanz vorhanden, was die Fülle der Figuren anbelangt. Mit der Ausnahme von Coulson habe ich noch keine Figur so recht ins Herz schließen können, und einzig Skye hat ein wenig begonnen aufzuwärmen. Ward, Simmons, Fitz und Mae jedoch? Bislang komplett austauschbar. In einer Folge, deren Thema die Wichtigkeit der Teamarbeit ist, ist es darum besonders enttäuschend, dass die Figuren kaum, und wenn dann nur vereinzelt, Chemie miteinander haben.

Agents of SHIELD 1.02 nick fury

Und das ist schade, denn die Serie hat durchaus ihre guten Seiten. Die Integrierung ins Marvel-Universum funktioiert auch in Episode 2 wunderbar, immerhin stellt sie eine tolle Parallele zum Fund von Thors Hammer dar. An vorderster Front zu erwähnen ist jedoch Samuel L. Jacksons Gastauftritt als Nick Fury zu bemerken, der wirklich grandios ist und die Folge vom absoluten Mittelmaß rettet. Wahnsinn, was Jackson für eine Bildpräsenz in diesen wenigen Minuten aufbauen kann, und auch der (ohnehin ziemlich gute) Dialog findet hier seinen Höhepunkt. Aber Nick Fury wird nicht jede Woche erscheinen können, um der Serie auf die Sprünge zu helfen. Ward, Skye, Mae, Simmons und Fitz müssen nicht nur lernen, als Team zu arbeiten, sondern auch als Persönlichkeiten zu funktionieren – sonst sehe ich schwarz für die Serie.

Bla:

– Schade, dass es keine Introsequenz gibt, sondern nur ein schnödes eingeblendetes S.H.I.E.L.D.-Logo.

– Skye ist eine so sprunghafte Figur, dass ich ihr eine ernsthafte Involvierung in The Rising Tide nicht so recht abkaufen kann – ich glaube eher, dass sie da Doppelagentin spielen möchte. Ihr Lob über die Organisation wirkt jedoch recht archaisch – spätestens seit dem Aufschwung des Internets von vor rund 15 Jahren ist die Idee, dass hunderte Leute an einer Idee und für eine Ideologie zusammenarbeiten würden, keine Neuigkeit mehr.

– Die Dialoge sind gut, mit einer ordentlichen Prise Humor, und auch die Handlung ist im Prinzip gut – obwohl der Teaser, also die ersten 30 Sekunden, doch gleich verraten haben, dass die Frau Commandante Coulson und Co verraten würde. Dass die zuvor verhöhnten Sicherheitsmaßnahmen zum rettenden Element werden ist ein altgedienter Fernsehtrick, der immer noch grandios funktionieren zu scheint.

– „There was an elegance to things back then.“ Dieser Satz ist fast zu meta, als der Serie lieb sein kann. Nach wie vor finde ich Fitz‘ kleine fliegende Roboterarmee unpassend mächtig, und auch Wards merkwürdiger EMP-Speer (oder was das sein soll) passt nicht so recht in mein Bild der Technologie der Serie. Alias hatte ein ähnliches Konzept und verwendete leicht futuristische technische Spielereien in beinah jeder Episode, blieb dabei aber fast stets im Bereich der Glaubwürdigkeit.

– Coulson weiß also doch, dass er umgekommen ist?

– Schwächster Moment der Episode: Mae verliert ihr Bewusstsein innerhalb nur weniger Sekunden im Cockpit – das Ganze wirkt schlicht schlampig gefilmt, oder geschauspielert, oder geschnitten.

Fazit: 6,0 von 10 Punkten.

0-8-4“ ist an sich spannend, aber macht auch deutlich, dass die Hauptfiguren von Agents of S.H.I.E.L.D. noch viel Arbeit benötigen, um halbwegs interessant zu wirken. Action gibts viel, Subtilität wenig – ich frage mich, ob ich mich in der richtigen Zielgruppe der Serie befinde.

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Ein Gedanke zu “Kritik: Agents of S.H.I.E.L.D. 1.02 „0-8-4“.

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