Kritik: The Newsroom 2.01 „First Thing We Do, Let’s Kill All the Lawyers“.

„Fire me or send me to New Hampshire!“

The Newsroom ist zurück für seine zweite Staffel. Mit gleichem Personal aber neuer Philosophie (wie etwa die neue Titelsequenz) schickt sich die Serie an, ihre kleinen Wehwehchen aus Staffel 1 auszumerzen. Dass ich die Serie trotz diverser kleiner Schluckaufs innig liebe liegt an Serienschöpfer und Headautor Aaron Sorkin, einem der wohl talentiertesten Wortschmiede unserer Zeit. Dennoch entpuppt sich „First Thing We Do, Let’s Kill All the Lawyers“ trotz toller Dialoge nicht nur als Episode mit unnötig kompliziertem, nicht gerade denkwürdigem Titel, sondern hinkt auch inhaltlich den großteils fokussierteren Episoden der ersten Staffel hinterher.

Newsroom 2.01 intro

Will McAvoys Denunzierung der Tea-Party als die „amerikanische Taliban“ war zwar beeindruckend, bedeutet aber jede Menge Probleme für das von den Koch-Brüdern mitfinanzierte ACN. Will bekommt den gewünschten 9/11-Jahrestags-Bericht nicht, der von der Romney-Kampagne berichtende Jim wird auf dieser gemobbt, und auch auf höchster Etage geht es unlaut zu…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Die Nachrichten…

Wir befinden uns knapp ein Jahr in der Zukunft, in der Maggie eine gänzlich andere Frisur trägt (Geschmackssache, aber: schrecklich!) und das News Night-Team scheinbar in so großen Schwierigkeiten steckt, dass sie eine Rechtsanwältin für 1500$ pro Stunde (plus drei Helfer) konsultieren müssen. Was genau schief lief wird sich wohl im Verlaufe der Staffel herausstellen, aber offenbar hat es mit einem Geschehniss in Genua zu tun, über das Will und Co. berichteten. Für gewöhnlich kenne ich mich einigermaßen in der Politik und in den Nachrichten aus, sodass ich auch beurteilen kann, wie die Serie mit der Thematik umgeht. Hierbei tappe ich allerdings derzeit noch völlig im Dunkeln, denn auch eine schnelle Internetsuche konnte mir nicht erklären, welches Geschehniss in 2011 so wichtig gewesen wäre, wichtiger noch als die Präsidentschaftswahl, dass News Night mit 5,5 Millionen Zuseher einen Reichweiterekord für Kabelnachrichten erzielen konnte. Stürzt sich die Serie damit erstmals auf eine rein fiktive Storyline? Interessant wäre das allemal, vor allem, weil es vor einem sonst sehr realistischen Hintergrund steht.

Aber das ist nur Spekulation, bald schon wechselt die Serie wie schon in der ersten Staffel von der Rahmenhandlung direkt zur Erzählzeit ein Jahr davor, hier unmittelbar an Season 1 anknüpfend. Gerade da stellt sich die Serie erstaunlich geschickt an – eine Vielzahl an Referenzen lässt Verknüpfungen zum vorher Geschehenen entstehen, die einem das Gefühl geben, die Serie wisse jederzeit, wohin sie sich bewegen wird. Diesbezüglich setzt „First Thing We Do, Let’s Kill All the Lawyers“ auch einige neue, richtungsweisende Akzente: Jims Beteiligung an der Romney-Kampagne dürfte ein fortwährender Handlungsstrang werden, Sloane und Don haben bestimmt noch nicht einander alles erzählt, und Neals Verfolgung der Occupy-Bewegung wird ebenfalls kein Schuss in den Ofen sein. Andere Kapitel aus der Vorstaffel, wie etwa der Abhörskandal, werden nicht aufgegriffen.

Zum Glück, muss man sagen – denn auch so schon birst die Episode förmlich aus ihrer Laufzeit. Und das mausert sich zu einem echten Problem auf  – es ist etwa gar nicht so einfach, zusammenzufassen, um was es im Staffelauftakt überhaupt geht. Es fühlt sich fast wie ein Staffelauftakt von Game of Thrones an – etliche Handlungsstränge werden etabliert und aufgegriffen, aber weil es so viele sind, geht der Episode die Laufzeit aus, um tatsächlich etwas passieren zu lassen. Verstärkt wird das dadurch, dass Will McAvoy rund über ein halbes Dutzend verschiedener Dinge berichtet – Gadafi, Dronen, occupy, Romney, Genua, der 9/11-Jahrestag, etc. Sicherheitshalber speichert man all die Informationen im Hirn ab, nur um am Ende der Episode herauszufinden, dass einige davon Eintagsfliegen in The Newsroom bleiben. Das ist an und für sich nicht schlecht, führt aber zu Konfusion darüber, auf was man sich nun konzentrieren solle. Weswegen Will beispielsweise so bestürzt ist, die Sondersendung über 9/11 nicht zu erhalten, bleibt unwichtig, weshalb viele Szenen ein wenig halbgar wirken. Nichtsdestotrotz bedeutet das allerdings auch, dass die Zutaten für den Rest der Staffel schon vorbereitet sind, und die Serie dann lediglich darauf aufpassen muss, die Suppe nicht zu stark zu würzen.

… und die Romantik.

Und das ist schade, denn The Newsroom hat sich ganz offensichtlich die Kritik an der ersten Staffel zu Herzen genommen. Am Auffälligsten ist, wie Mac da gleich in den ersten paar Minuten höchst professional agiert und die laufende Sendung rettet – fast schon zu perfekt, andererseits sehe ich Sorkin diese Szene förmlich augenzwinkernd niederzuschreiben. Auch Wills verbale Attacken live on air sind (zumindest von der ersten Folge) von der zweiten Staffel verschwunden – um dem Netzwerk und seinen Sponsoren nach seinem Taliban-Vergleich noch zu fallen tut er sogar das Gegenteil, nämlich seinen Gesprächspartner ungeschoren davonzukommen. Ironischerweise ist das genau jenes Verhalten, das Will doch mit Serienauftakt ablegen wollte, als MacKenzie und er schworen, unabhängig von den Quoten die Nachrichten und nichts als die Nachrichten zu senden – mit Will als Verfolger der Wahrheit.

Auch Figuren-technisch besinnt man sich auf Stärken – die eindimensionale Lisa scheint vom Bildschirm verschwunden zu sein, da sich das Liebesquadrat von Don-Maggie-Jim-Lisa auf Don-Maggie-Jim-Sloane verschoben hat. Dieses Szenario hat leider nur einen so richtig positiven Ausgang, dass Jim Maggie und Sloane mit Don endet, und die Serie setzt schon von Beginn an alle Hebel in Bewegung, das so lange hinauszuzögern wie nur möglich, indem sie Jim auf Reisen schickt. Ich bin gespannt, wie The Newsroom Jims Abgeschiedenheit von den anderen Figuren hinkriegen möchte, ohne ihn komplett uninteressant zu machen oder auf Jim-Maggie-Momente zu verzichten. Davon dürften wir nämlich den vorerst letzten gesehen haben – wobei der „It’s only awkward because you want it to be awkward“-Dialog schon Lust auf mehr Zweisamkeit der beiden machen würde, so punktgenau landen da die Bemerkungen.

Während bei Will und Mac derzeit romantischer Stillstand herrscht, geht es bei Don hoch her – aber wer hätte erahnen können, dass er sich gleich in der ersten Folge noch von Maggie trennen würde? Die Aufnahme von Maggies Wutausbruch („Another New Yorker loses it„) von „1.10 The Greater Fool“ hat sich ins Internet festgesetzt, eine der oben erwähnten, toll eingearbeiteten Überschneidungen mit Staffel 1, und das reißt Don und Maggie nun wohl endgültig auseinander. Und plötzlich ist Don der Gute, der, obwohl ihm übel mitgespielt wurde, seine Freundin ziehen lässt. Natürlich ist das arg konstruiert, dass Jim und Maggie just in jenem Moment die Chance hätten, zusammenzukommen, als sie es verbocken, aber The Newsroom hat schon eine Staffel lang bewiesen, ein Talent für das Hinausziehen der romantischen Beziehungen zu haben, ohne auf romantische Szenen verzichten zu müssen, und so sieht „First Thing We Do, Let’s Kill All the Lawyers“ in Sachen Beziehungen recht vielversprechend aus – wenn man auf sowas halt steht. Wer die Serie allerdings lediglich für ihre Nachrichten-Seite ansieht, der wird mit Sloanes Abtun ihrer Gefühlsäußerung in „The Greater Fool“ als Scherz eher wenig anfangen können.

Bla:

– Okay, die neue Introsequenz: Ich muss ehrlich gestehen, dass mir davon nur die erste Hälfte gut gefällt – sobald die Bilder von grau auf schwarz/blau wechseln verliert sie ein wenig an Poliertheit und hat auf einen Schlag eine ganz andere Atmosphäre. Und die feurige Explosion empfand ich beim ersten Mal als ziemlich unpassend gewählt, vor allem farblich. Besonders überrascht mich aber, wie sehr sich der neue Vorspann vom alten unterscheidet – als ob die Leute dahinter nach einem Jahr draufgekommen wären, dass ihnen ihr Intro überhaupt nicht gefällt.

– Witzigste Momente der Episode, die unheimlich ironisch den Zeitgeist einfangen: Will pfeift bei der Arbeit Rebecca Blacks „Friday“.

– Surrority Girl spielt tatsächlich in Staffel 2 mit! Ich fände es fantastisch, wenn dieses Juwel aus Staffel 1 fortan eine nicht unwesentliche Rolle im Büro spielen würde.

„Fourteen months ago you went on the air and called the Tea Party the American Taliban.“ – „I did.“ – „And?“ – „The Taliban resented it.“

– Wo ist eigentlich Wills Bodyguard hin?

– Mir gefällt, dass Neal im Grunde erneut einer Art Verschwörungstheorie auf den Grund geht, diesmal allerdings einen richtigen Riecher zeigt. Einen potentiellen Partner aufgrund einer Story hat die Serie auch noch nicht gemacht.

Fazit: 7,0 von 10 Punkten.

First Thing We Do, Let’s Kill All the Lawyers“ ist ein solider Staffelauftakt, der allerdings aufgrund seiner Überfrachtung kaum Highlights bieten kann.

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Ein Gedanke zu “Kritik: The Newsroom 2.01 „First Thing We Do, Let’s Kill All the Lawyers“.

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