Kritik: Game of Thrones 3.03 „Walk of Punishment“/ „Der Weg der Züchtigung“.

„There’s a beast in every man, and it stirs when you put a sword in his hand.“

Im herrschenden Bürgerkrieg scheint es Gang und Gebe zu sein, seine Verbündeten zu verlieren und plötzlich mit unfreiwilligen oder zumindest ungewöhnlichen Weggefährten im Bunde steht. Game of Thrones hat ein echtes Händchen dafür, solch Figurengespanne zu finden und die Figuren einander ausloten zu lassen – und darum kommen bei all dem Morden und Intrigieren in Westeros auch die humorvollen Momente, so wie in „Walk of Punishment„, erstaunlich gut an.

Game of Thrones 3.03 Riverrun

Daenerys Targaryen will die Unsullied kaufen, alle 8000 Stück, und ist dafür auch gewillt, den höchsten all ihrer Preise zu bezahlen. Tyrion Lannister findet sich in King’s Landing vor einer neuen Aufgabe, während sein Bruder, der Königsmörder, versucht, mit seinen Entführern zu feilschen…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode. Für Game of Thrones spezifisch: Ich habe alle Bücher gelesen, werde diese Rezension allerdings für jene schreiben, für die die TV-Serie Erstberührung mit dem Material ist. Kommentare werden moderiert, um Spoilern vorzubeugen.

Die Starks.

Ganze 7 Handlungssträngen folgen wir in  „Walk of Punishment„, viele davon nur ganz kurz. Stannis Verabschiedung von Melissandre ist beispielsweise so ein kleines Fragment, das im großen Kontext kaum Aufmerksamkeit auf sich zieht. Auch Aryas Part ist nur ein geringer, in dem wir Abschied von Hot Pie nehmen, ironischerweise am selben Ort, an dem Aryas Spielgefährte Micah sein Leben verlor. Ohne Hot Pie genauer kennen gelernt zu haben hat die Serie allerdings mit viel Anstand Lebewohl zu seiner Figur gesagt – das gebackene Wolfsbrot war schon recht süß, und wie oft kommt in dieser Serie eine sekundäre Figur mit dem Leben davon, ohne dass ein Lord schon plant, ihn hinterrücks doch noch ermorden zu lassen? Viel Resolution mit dem Schicksal von Sandor (dem Hound) gibts jedenfalls nicht, wenn auch die Bruderschaft Arya in ein tolles Szenario wirft – hier kann sie lernen, jene Widerstandskämpferin zu werden, die sie gerne sein möchte.

Aww Hot Pie. Du bekommst das Happy End, das Micah ausgeblieben ist.

Aww Hot Pie. Du bekommst das Happy End, das Micah ausgeblieben ist.

Erneut wieder nur ein ganz kurzes Auftreten haben Jon Snow und Sam, dieses mal allerdings inspirierter als noch in „3.02 Dark Wings, Dark Words„: Die Todesspirale etwa, auf die Jon, Mance, Ygritte und die restlichen Wildlinge stoßen, sieht einfach wahnsinnig toll aus, besonders hübsch auch vom Kran eingefangen. Die Serie muss ja damit haushalten, die Zombies nicht allzu häufig zu zeigen – eine direkte Konfrontation mit einer ganzen Armee davon würden ja weder Wildlinge noch Krähen überleben. Deshalb gibt es auch stattdessen lieber ominöse Symbole, und diese Spirale von Tierkadavern hatte einen besonders schönen Touch. Ein wenig vermisse ich in diesen ersten drei Folgen mit Jon Snow die Dynamik mit der feurigen Ygritte, die bislang noch wenig zum Zug kommen konnte – aber das wird sicherlich noch.

Wem allerdings tatsächlich gute Gesprächspartner fehlen ist Robb Stark, der in Staffel 3 erstmals wieder etwas zu tun bekommt. Es wäre bestimmt witziger, Edmure das Totenboot seines Vaters mehrfach verfehlen zu sehen, wenn wir wüssten, um wen es sich handelt – so ist es zumindest eine originelle Einführung seiner Figur sowie vom Blackfish. Es macht Spaß, Edmure von Robb und dem Blackfish zur Schnecke gemacht werden zu sehen, was sein Lager sehr bereichert. Robbs Ehefrau Talisa ist leider eine sehr dünne Figur, die zwar sympathische Dialogzeilen bekommt (den kleinen Lannisters erzählend, dass Robb bei Vollmond zum Wolf werden würde), die Geschichte allerdings scheinbar nur von außen erfährt. Doch in Edmure und dem Blackfish finden Catelyn und Robb interessante Gesprächs- und Kriegspartner, die ihre Kampagne hoffentlich wieder zu altem Glanze verhelfen.

Und einen weiteren Stark gibt es hier nun plötzlich auch, oder etwa doch nicht? Der mysteriöse Bursche, der Theon Greyjoy zuletzt die Freiheit versprochen hatte und das in der Tat in die Realität umgesetzt hat, merkte an, dass der Winter bald komme („Winter is coming.“) Aber wer ist dieser junge Mann? Eigentlich hatte er doch angemerkt, dass Theons Schwester Yara ihn geschickt habe, aber einen Ironborn eine solche Phrase sagen zu hören ist seltsam. Warum hat er dann allerdings über Yaras Entsendung gelogen, falls er doch kein Greyjoy-Anhänger ist, und wer ist er? (Ich weiß ja die Antwort, weil ich erstens die Bücher kenne und zweitens mich über das Casting informiert habe, und ich muss sagen, dass sie dieses Mysterium bestens ausspielen.)

In Astapor.

Weltreise, ganz woanders: Daenerys‘ Storyline in Staffel 3 ist einfach klasse und lässt mich gleich ihre desaströse zweite Staffel vergessen. Da ist es schwierig, all das aufzuzählen, was hier alles positiv vor sich geht – beginnend bei ihrer Armee von 8000 Unsullied, über die sie nun verfügt. Das ist genau die Art von Schritt, die ich mir für eine Thronanwärterin erwarte, und ist mit Sicherheit ein Wendepunkt in ihrem Wunsch, den eisernen Thron zu besteigen. Der Preis ist natürlich enorm: Einen ihrer drei Drachen, eins ihrer Kinder, ist sie dafür bereit herzugeben. Laut Ser Jorah wäre ein einzelner von ihnen so viel wert wie eine ganze Armee, aber weder Daenerys noch wir haben wirklich Zeit, so lange zu warten. Und ganz ohne Armee kann Dany ohnehin nicht in Westeros aufkreuzen.

Gleichzeitig laufen Dany, Jorah und Barristan auch persönlich zu Höchstformen auf. Obwohl Jorah und Barristan im Grunde die selbe Rolle spielen – bewanderte Ritter aus Westeros, die der Khaleesi mit Rat und Tat zur Seite stehen – findet Game of Thrones schon bald kleinere Klüfte zwischen den beiden, die das Zusammen- und vor allem Gegeneinander-Spiel der zwei Ritter zu einem Vergnügen bereitet. Gleichzeitig ist es eine Freude zu sehen, dass Daenerys in Staffel 2 noch einmal weitergereift ist: Ihre Bemitleidung von Sklaven und zum Tode Verurteilten ist nicht mehr ganz so naiv wie noch in der ersten Staffel, und ihre Entschlossenheit durch ihre Begegnungen in Quarth geprägt. Auch der Verlust einer weiblichen Anspruchsperson wird kompensiert, indem die diplomatische Missandei von Daenerys gleich mit eingekauft wird – endlich eine Peson, die nicht versucht, Daenerys stiefmütterlich zu behandeln. Ich bin normalerweise kein Targaryen-Sympathisant, aber Danys Entschlossenheit imponiert mir so sehr, dass sie damit schlagartig wieder zu den interessantesten Figuren wird.

Game of Thrones 3.03 Dany

Die Hand des Königmörders.

Von der ersten Folge an waren die Lannisters eigentlich stets die Antagonisten, und auch wenn Cersei und Joffrey (in dieser Episode mal abwesend) und ein wenig auch Tywin das nach wie vor sind: So langsam beginnt man, sie nicht alle zum Teufel zu wünschen. Gut, Tyrion war schon immer der Sympathieträger der Serie schlechthin, aber Jaime macht ihm in dieser dritten Staffel scheinbar langsam diesen Platz streitig. Es ist absolut elektrisierend, wie nahtlos dieser Übergang geschehen ist, und womit auch klar wird, warum Jaime selbst in seiner Gefangenschaft in der zweiten Staffel so eine wichtige Figur blieb (immerhin war er als Hauptfigur gelistet). Hinter seiner Arroganz steckt also ein scheinbar ganz anderer Mensch, als wir ihn zuerst kennen gelernt haben.

Seine Unterredungen mit Brienne von Tarth sind in Gefangenschaft von ganz anderer Natur als noch in „Dark Wings, Dark Words“ – statt spielerischem Hänseln geht es nun darum, ob und wie brutal Brienne vergewaltigt wird. Das Duo ergänzt einander so gut, dass sie auch in diesem Szenario absolut harmonieren. Und hier zeigt sich eben, dass Jaime Lannister sich tatsächlich um ihr Wohl kümmert, ja in der Nacht sogar eine dicke Lippe für sie riskiert. Wenn er nur gewusst hätte…

Brienne nun ernsthaft in Not zu sehen ist neu und interessant – bisher sahen wir sie zwar schon mehrfach ihre Qualitäten unter Beweis stellen, aber die sich anbahnende Vergewaltigungsszene lässt sie an ihre Grenzen stoßen. Ihre Schreckensschreie sind doppelt erschütternd, weil wir schon erlebt haben, was für eine hartgesottene Fraue das ist, was sie auch unter Beweis stellt, indem sie entgegen Jaimes Rat gegen ihre Peiniger ankämpft, und sich nicht vorstellt, „es würde Renly sein“. Mir gefällt, wie Jaime sich selbst in ihr sieht und wie das Ausdruck findet – auf dem Pferd aneinandergebunden erzählt er ihr noch, dass er lieber sterben würde als vergewaltigt zu werden. Jaime ist trotz seines Titels ein Mann der Ehre, und deshalb entscheidet er sich dann auch dafür, Brienne mit einer Lüge über ihre vermeintliche Herkunft zu retten. (Brienne ist zwar wirklich von Tarth, aber wenn sie so wertvoll wäre, wäre das bestimmt schon früher fallen gelassen).

Das mündet dann allerdings in die beeindruckende Szene, in der Jaime seine Hand verliert, weil er dem Anführer dieser Nordmänner (immerhin unterstehen sie Lord Bolton) ein bisschen zu viel Bullshit zuflötet. Vielleicht schlägt der Anführer der Soldaten auch deshalb zu, weil er verwöhnte Adelskinder nicht ausstehen kann. Der Grund ist nicht so wichtig, vielmehr aber dessen Konsequenzen: Jaimes rechte Hand, und damit auch sein Schwertgeschick und Stolz, ist ab. Jaimes Schrei ging nicht so sehr durch Mark und Bein wie jener von Brienne, visuell war der Verlust der Hand allerdings sehr ansprechend. Zuerst lag Jaime noch fast schon reumütig mit seinem Gesicht abgewandt da, und ich vermutete jede Sekunde, aufgrund der Buchvorlage wohl wissen, dass der Verlust seiner Hand kurz bevorstehen müsse, dass er einen höhnischen Kommentar von sich geben würde. Jaime aber bewies Sinn genug, um sich diesen hinunterzuschlucken, ohne allerdings seinem Schicksal entgehen zu können. Der Schlag kommt dann auch deshalb so überraschend: Meistens bleiben solch Drohungen nur Worte. An eins sollte man allerdings nun schon gewöhnt sein: Game of Thrones ist nicht „meistens“.

Der neue Master of Coin.

Da kann Tyrions Handlungsstrang kaum mithalten, obwohl dieser ebenfalls ein Hit ist. Wirklich sehr geschickt werden Humor und Ernsthaftigkeit verbunden, nicht zuletzt dank Tyrions immer wieder sehr untrhaltsame Schlagfertigkeit. Aber auch ohne Worte kann dieser junge Mann Gehör finden: Der wortlose Beginn der Ratssitzung ist beispielsweise einfach goldig, als Tyrion demonstrativ einen neuen Stuhl wählt und diesen genau Tywin gegenüber aufstellt. Noch witziger hingegen ist Tyrions Dank an Podrick, seinen Knecht, für die Rettung seines Lebens – die Entjungferung durch gleich 3 Damen (Huren) auf einmal. Bronn und Tyrion waren immer schon ein unterhaltsames Duo, und nach Bronns Entlassung als Kommandant der Stadtwache hatte dieser fast ein bisschen zu wenig zu tun. Die Serie bleibt der Bro(nn-)mance allerdings treu, und die scheinbare Aufnahme von Podrick in ihren Kreis ist eine willkommene Freundschaft – Pod bringt da mit seiner verklemmten Art viel Witz in die Gruppe mit ein.

Andererseits ergeben sich neue Entwicklungen. Littlefinger hat das Glück, der Herrschaft von Harrenhal scheinbar wieder enthoben zu sein, dann allerdings die zweifelhafte Ehre, Lady Arryn zu ehelichen – das war die verrückte Schwester von Catelyn Stark, die in Staffel eins Tyrion beinah durch die Luke am Boden werfen wollte. Gleichzeitig soll Tyrion Master of Coin (Schatzmeister) der Hofburg werden, und es wäre nicht Littlefinger der Vorgänger wenn es dabei keinen Haken gäbe: Entgegen der bisherigen Behauptungen, dass der Hof sehr reich wäre, haben seine „Einnahmen“ großteils aus Geldleihungen bestanden, die Tyrion natürlich rückzahlen solle. Dass gerade sein Vater einer der Hauptgläubiger ist macht die Sache nicht leichter. Scheinbar hat sich die ganze Welt gegen Tyrion verschworen, und es liegt an ihm und seinem messerscharfen Verstand, sich aus diesem Schlamassel wieder herauszuretten. Typisch Tyrion, und es ist genau die Lage, die für die besten Tyrion-Schachzüge geeignet ist.

Walk of Punishment“ ist nicht ganz so stark wie sein Vorgänger, diverse zentrale Ereignisse der Staffel (Jaimes Verlust der Hand etwa) werden allerdings prächtig in Szene gestellt. Robbs Storyline ist die bislang trägste der Staffel, ist mit der Einführung der zwei Tullys allerdings auch endlich in Fahrt gekommen. Ich weiß allerdings gar nicht, ob deren Namen überhaupt erwähnt wurden (Blackfish bestimmt), und wenn, dann so, dass man es kaum merkte. Für Neueinsteiger ist die Figurenvielfalt sicherlich eine Hürde, die mit diesen zwei Figuren nicht gerade geschrumpft ist. Soweit ich weiß sollten das allerdings nun so gut wie alle wesentlichen Charaktere sein, die in Staffel 3 eingeführt werden (ohne Gewähr).

Am Besten funktionieren jene Segmente, in denen die ungewöhnlichsten Figuren aufeinander treffen und interagieren – Dany und ihre zwei Ritter, Tyrion und Bronn und Pod, Arya und ihre zwei Jungs sowie das famose Gespann von Jaime und Brienne. Gewohnt gemächlich schreitet Game of Thrones voran, allerdings schon mit einem klaren Ziel vor Augen: „Walk of Punishment“ könnte man nicht vorwerfen, auf der Stelle zu treten, und das sowohl in Sachen persönlicher Reifung als auch globaler Kriegsführung. Die dritte Staffel braust auf hohem Niveau weiter.

Bla:

– Schade, dass die Riverlands es nicht in das Intro geschafft haben. Mir ist bewusst, dass man nicht für jede Folge ein eigenes Intro designen kann, dennoch bin ich erstmals ein wenig davon enttäuscht.

– Es ist so passend, dass Joffrey gar nicht zur Sitzung des königlichen Rats eingeladen wird (oder einfach nicht kommt, aber niemand hätte wirklich auf ihn gewartet, was fast noch amüsanter ist). Jeder spricht ihm damit die Kompetenzen ab, und ihm kommt es sicherlich gelegen – er hat ja ein Königreich zu regieren.

– Was genau war denn nun mit Podrick Payne passiert? Ich vermute stark, dass dies absichtlich nicht klar ersichtlich wird, um einerseits Pods Schüchternheit zu unterstreichen und andererseits um den Humor zu bewahren. Ich persönlich schien schon ein kleines, erheitertes „WTF“ aus, als er den Geldbeutel zurückbrachte.

– Der Schauspieler des jungen Mannes, der Theon rettet, heißt Iwan Rheon, und ich fand diesen Schauspieler so interessant, dass ich ihm zuliebe begann, mir die Serie Misfits anzusehen. Ich bereue keine Sekunde der ersten zwei Staffeln (insgesamt nur 13 Episoden)!

– Köstlich, wie Pycelle Tyrions Ernennung als Schatzmeister applaudiert – damit ist ja klar, dass das nichts Gutes für Tyrion bedeuten kann, so gut der Titel auch klingen mag.

– Schöne Parallele: Beide Lannister-Brüder verlieren ihre Hand innerhalb von nur 4 Episoden, Tyrion allerdings nur im übertragenen Sinne.

Fazit: 8,5 von 10 Punkten.

Eine exzellente Folge, die sowohl bekannte Figuren um Dimensionen erweitert als auch einige neue Intrigen in Gang setzt. Dany, Tyrion, Jaime, Brienne und andere sind wie entfesselt, und irgendwie möchte man fast allen Häusern die Daumen drücken. „Walk of Punishment“ ist der beste Beweis dafür, dass Game of Thrones mit jeder Staffel vielschichtiger und größer wird.

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2 Gedanken zu “Kritik: Game of Thrones 3.03 „Walk of Punishment“/ „Der Weg der Züchtigung“.

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