Best Of 2012

Hiermit melde ich mich aus der Winterpause zurück. Seit dem Ende der ersten Hälfte der dritten The Walking Dead herrscht ein wenig Flaute in Sachen TV-Serien – und ich möchte die Zeit ein wenig nützen, um ein paar gesonderte Artikel zu verfassen. Neben Rückblicken zu den von mir 2012 gesehen TV-Serien, passend übrigens zum 1-Jahr-Jubiläum des Blogs, wirds auch einen Ausblick auf die diesjährige Frühjahrssaison geben. In diesem Artikel: meine persönlichen Lieblings-Serien-Momente des Jahres 2012.

8. The Walking Dead, What Lies Ahead: Zombieherde am Highway.

Über seine bislang zweieinhalb Staffeln hat The Walking Dead bereits eine große Erfahrung mit Hochs und Tiefs gemacht. Mittlerweile sind Walker nur noch in außergewöhnlichen Situationen eine wahre Gefahr für die Gruppe, doch zu Beginn von Staffel 2 sahen die Dinge noch anders aus, als die unerfahrene Gruppe in „2.01 What Lies Ahead“ plötzlich einer riesigen Schar an Walkern auf dem Highway begegnet. Die bislang spannendste Sequenz der Serie, die sich etliche Minuten lang zieht und bei der trotz der eingeschränkten Situation jede Figur in einer eigenen Gefahr schwebt. Gedanklich verbinde ich die Szene unweigerlich mit dem erstklassigen Trailer zur zweiten Staffel, und so kann ich diese Sequenz gar nicht mehr objektiv betrachten – aber darum geht es in diesem Best-Of ja ohnehin nicht.

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7. The Newsroom, The 112th Congress: Panikattacke.

Eine große Überraschung war dieses Jahr sicherlich Aaron Sorkins The Newsroom, zumindest bei mir war diese Serie zu Jahresbeginn noch nicht auf dem Radar. Die Serie fokussierte sich einerseits auf diverse politische Ereignisse der letzten zwei Jahre, andererseits auf ihre Romanzen. Ersteres verdient einen eigenen Punkt weiter vorn in der Reihung, für mich funktionierte allerdings auch der Romanzen-Teil der Serie. Nicht immer: Trotz einer Länge von nur 10 Folgen war das Wechselspiel sowohl von Jim und Maggie als auch Will und Mac leicht repetitiv, und weiblichen Figuren dieser Konstellationen waren stets schwächer als die männlichen Gegenstücke – mir fällt beispielsweise nicht eine einzige Eigenschaft Maggies ein, in der Jim nicht einfach besser ist. Dennoch wusste die Serie zu verdammt romantischen Momenten zu steuern, besonders diesen hier aus „1.03 The 112th Congress„: Bei einer Panikattacke Maggies beschließt Jim, ihr auf den Balkon zu folgen und sie dort zu beruhigen. „Keep breathing, okay? You’re safe… you’re awesome… let me check your pulse again.“ Awwww.

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6. Breaking Bad, Say my Name: Heisenbergs Selbstsicherheit.

Die größte Veränderung zwischen den Staffeln 4 und 5 von Breaking Bad ist sicherlich Walters wiedergefundene Selbstsicherheit nach dem Sieg über Gus. Das war schon gleich zu Beginn der Staffel (in „Live Free or Die„, das es mit seinem magischen Magnets-Moment knapp nicht in die Hitliste geschafft hat) ersichtlich, wurde aber nie besser umgesetzt als in der atemberaubenden Teaser-Sequenz von „5.07 Say my Name„. In dieser sehen wir das souveränste Gesicht Heisenbergs, wie er die Konkurrenz rhetorisch in den Boden stampft und ihnen einen Deal vor die Nase knallt, den sie kaum ablehnen können – vor allem nicht nach diesem gewaltigen Auftritt. „You all know exactly who I am, sagt Heisenberg, und zählt all seine Erfolge auf (u.a. 99,1% pures Meth und den Mord an Gus). „Say my name“, und nach einigem Zögern tut es der Geschäftspartner schließlich. „Heisenberg.“

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5. Schnell ermittelt, Lucy Haller: Nur ein Traum.

Würde ich eine Liste der enttäuschendsten Momente der Serienlandschaft des Jahres schreiben, so würde sich dieser unweigerlich an der Spitze vorfinden: Angelikas Erkenntnis in „4.12 Lucy Haller„, dass sie sämtliche Ereignisse der vierten Staffel vor dieser Episode geträumt hat. Das war schon ein Schlag ins Gesicht für einen Serien- und Kontinuitäts-Enthusiasten wie mich – wofür hatte ich da denn diese anderen 11 Folgen überhaupt geschaut (von der Unterhaltung mal abgesehen)? Gleichzeitig bewundere ich aber auch, was für ein Wagnis man hier eingegangen ist, unabhängig vom Resultat. Das war schon ein ziemlich großer Coup. Ich glaube, dass dessen besondere Wirkung die Serie der leicht konfusen Erklärungsweise von „Lucy Haller“ verdankt. Die Trennlinie wurde ja nicht explizit erklärt, sondern mit diversen, im Nachhinein gar nicht mehr so subtilen Kommentaren unmittelbar nach dem Erwachen eingeführt. Zudem war damit ja einfach nicht zu rechnen, und warum ausgerechnet in jenem Keller? Serienneueinsteiger müssen komplett verwirrt wieder abgeschalten haben, und auch viele Fans hatte das ziemlich verwirrt. Ich benötigte auch eine ganze Weile, kam erst kurz vor Ende der Episode auf des Rätsels Lösung – und umso heftiger schlug der Erkenntnishammer auf die Glocke. Und so sehr ich mich auch über die Konsequenzen dieser Entwicklung ärgerte – der Moment der Erleuchtung war für mich etwas ganz Besonderes.

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4. Sherlock, The Reichenbach Fall: Sherlocks Tod.

Es war die am heißesten diskutierteste Frage dieses Blogs in diesem Jahr: Wie hat Sherlock seinen Tod am Ende von „2.03 The Reichenbach Fall“ bloß vorgestellt? Ich will mich gar nicht an der Lösung versuchen – das wurde an dieser Stelle schon ausgiebig von euch aufgearbeitet. Mich fasziniert, dass es in Zeiten wie diesen noch möglich ist, ein Rätsel an ein Millionenpublikum zu stellen, das so schwierig zu lösen ist, ohne wichtige Informationen dem Publikum zu verweigern – laut Aussage der Drehbuchautoren steckt die Lösung bereits in der Episode drin. Keinesfalls zu verachten ist natürlich auch der große Showdown davor, die Konfrontation der beiden Masterminds – in dem Sherlock schließlich als Sieger vom Platz ging. Verschwörungstheoretiker meinen hingegen, dass auch Moriarty seinen Tod nur vorgetäuscht habe…

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3. The Newsroom, We Just Decided To: Das großartigste Land der Welt.

Ich bin zu jung, um damals schon The West Wing gesehen zu haben, und so war ich zwar bereits über Sorkins Namen gestolpert, habe seine Kunst allerdings davor noch nie selbst zu Gesicht bekommen. Eine umso größere Wirkung hatte auf mich deshalb der Eröffnungsmonolog von „1.01 We Just Decided To„, in dem Will in einer Podiumsdiskussion endlich aufhört, die einfachen, ausweichenden Antworten zu geben, und stattdessen ausnahmsweise die harte Wahrheit berichtet: Amerika ist nicht mehr der beste Staat der Welt. Es ist nur der erste von den vielen großartigen Monologen der Serie, und ich hätte an dieser Stelle auch etliche andere aufzählen können: Macs Teamrede in „The Blackout Part II: Mock Debate„, die Mock Debate selber, Wills Anspruch, die Media-Elite darstellen zu wollen, oder auch Sorkins Abrechnung mit der Tea-Party in „The Greater Fool“ – auch wenn das natürlich politisches Dynamit ist. Eingeläutet wird dieser Regen von denkwürdigen Ansprachen durch jene über die Lage Amerikas.

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2. Breaking Bad, Dead Freight: Zugraub.

Auch wenn mir persönlich die fünfte Staffel ein wenig in die falsche Richtung gesteuert hat (Aufgabe des Drogengeschäfts statt Drogenkönig Heisenberg) – Breaking Bad war qualitativ dieses Jahr einfach nicht zu schlagen. Keine andere Serie lässt einen so häufig innehalten und denken: „Wow, das ist wirklich eine verdammt gute Szene.“ Die Serie hat viele Qualitäten – großartige Schauspieler, tolle Dialoge, visuell meisterlich, musikalisch meist sehr treffend, und eine wasserdichte spannende Story – und kaum eine Szene fasst diese so ein wie der Zugraub in „5.05 Dead Freight„. Schon allein ihr Beginn: Die Musik nimmt an Fahrt an, während diverse atemberaubende Kameraperspektiven die Szene einleiten. Die gesamte Raubsequenz war nicht nur ziemlich ausgetüftelt, sondern dauerte auch ewig lang, ohne dabei auch nur annähernd langweilig zu werden. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, das gesamte Jahr nicht so mitgefiebert zu haben wie in dieser Szene – da waren einfach 100 verschiedene Dinge, die schief gehen hätten können, nicht zuletzt Walts Sturheit. Doch irgendwie geht doch alles gut, und irgendwie findet man sich plötzlich in der Position, das Team angefeuert zu haben. Bis jedenfalls der Jungeauftaucht…

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1. Doll House, Epitaph One: Erinnern.

Das ist nun vielleicht ein wenig geschummelt – ich habe über Doll House nicht geschrieben, und die Serie ist auch schon ein paar Jahre alt. Dennoch wäre es fast schon kriminell, „1.13 Epitaph One“ in dieser Bestenliste unerwähnt zu lassen. Mir gefiel die erste Staffel der Serie sehr gut, doch dieses Staffelfinale holte mich schlichtweg aus den Socken und ließ mich tagelang nicht los. Auf wirklich unvergleichliche Art und Weise schafft es die Folge, die gesamten Ereignisse der ersten Staffel in einem anderen Licht zu sehen und einen enormen Appetit für die zweite Staffel zu schaffen. Dabei verwendet man nicht etwa an den Haaren herbeigezogene Enthüllungen, sondern führt lediglich die Themen, die schon die ganze Zeit vorhanden waren, bis zu ihrem erschütternden äußersten Schluss. Die Folge ist so verdammt mutig, und ist der Beweis dafür, dass die Serie schon von Beginn an auf ein Endgame zugesteuert hat, das einen viel größeren Umfang hat, als man es je von der Serie erwarten hätte können. „Epitaph One“ ist einer der größten Mindf***s, die ich je erleben durfte, und ist deshalb nicht nur die beste Folge des Jahres, sondern beinhaltet auch meine Lieblingsszene des von mir verfolgten TV-Jahres: „Kids playing with matches… and they burned the house down.“ Die gesamte Staffel 1 über dachten wir, es ginge in der Serie lediglich um die Schicksale von Caroline und dem Dollhouse, doch in Wahrheit waren unsere Protagonisten die Wegbereiter der Apokalypse. Und ist es nicht einfach klasse, Carolines Mini-Me ein Foto von ihrem wahren Ich in der Hand halten zu sehen, vor einer Wand mit den Fotos all jener, die an Dollhouse beteiligt waren? Da stoßen so viele unterschiedliche Ebenen aufeinander, und da reißt man mit einem Male so viele Möglichkeiten für die Zukunft der Serie auf, dass mir nichts anderes übrig bleibt, vor „Epitaph One“ meinen Hut zu ziehen. Einfach ein Meisterwerk an Erzählkunst.

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Und was waren eure liebsten Serien-Momente des vergangen Jahres?

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Ein Gedanke zu “Best Of 2012

  1. Pingback: Die besten Serien-Momente 2014 | Blamayer TV

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