South Park 16.14 „Obama Wins!“: Wählt Obama!

„What’s more important: that the right man is elected president, or that Star Wars is with people who will protect it most?“

Obama Wins!” ist bis 13.11.2012 und ab Februar 2013 wieder HIER legal und kostenlos auf der offiziellen South Park Homepage verfügbar. 

Nanu, das ging schnell: „Obama Wins!“ ist nicht nur das Finale der 16. Staffel von South Park, sondern verarbeitet auch schon die Wahlergebnisse vom Dienstag, als Barack Obama erneut zum amerikanischen Präsidenten gewählt wurde. Die Präsidentschaftswahl konnte South Park vor vier Jahren schon ein mal erfolgreich topaktuell umsetzen, diesmal fällt das Ergebnis allerdings ziemlich flach. Meist ist eine South Park-Episode mehr als bloß die Summe ihrer Teile, selten war eine Folge aber so fragmentiert.

Quelle: southparkstudios.com

Cartman manipuliert die Wahlergebnisse in sämtlichen Swing-States – jene US-Bundesstaaten, die für die Wahl besonders wichtig sind. Doch warum zeigt er Kyle die gestohlenen Wahlstimmen? Was haben die Chinesen damit zu tun, und was für einen dreckigen Deal ist Obama da eingegangen?

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Handlung.

Zuerst hat es den Anschein, als würde die gesamte Folge im Zeichen von Cartmans Masterplan zu stehen – allein die ersten zwei Minuten der Episode werden dafür verwendet, um zu etablieren, wie Cartman die Wahlen manipuliert. Ich wünschte, man wäre da ein wenig kreativer gewesen, anstatt ihn drei oder vier mal die gleiche Nummer abziehen zu lassen. Dann allerdings tatsächlich hundertausende Stimmzettel in seinem Zimmer vorzufinden und Cartman genüsslich einen zu zerreißen, nachdem er Kyle gerade erklärt habe, dass der Stimmgebende wahrscheinlich unzählige Stunden damit verbracht hat, sich über die Wahl zu informieren, war ein tolles Bild.

Dann aber driftet die Folge schnell in einen Kuddelmuddel ab, in dem sie bis zum Ende der Folge wabert. Es hat den Anschein, als würde fast keine Idee konsequent zu Ende gedacht: Was für einen Zweck hat es schließlich, dass Cartman Kyle überhaupt einweiht? Er redet sich zwar ein, dass ja „all according to plan“ laufe, doch die Diskreditierung Kyles vor den Augen der Polizisten spielt in weiterem Verlauf der Episode keine Rolle mehr. Als einzige Erklärung bietet sich an, dass er es nur getan habe, um „dem Juden“ mal wieder eins auszuwischen – aber so recht will diese Erklärung nicht anklingen, so wird es in der Folge nicht dargestellt. Ebenso die Szene, als die Polizisten ohne Hausdurchsuchungsbefehl in Cartmans Haus eindringen: Cartman schiebt die Schuld sofort Obama in die Schuhe, doch das wird dann gar nicht mehr aufgegriffen – schade.

Auch sonst läuft die Episode nicht besonders rund in Sachen Handlung. Es läuft darauf hinaus, dass die zweitwichtigste Neuigkeit der Woche eingebaut wird, nämlich dass LucasFilms von Disney übernommen wird, inklusive Plänen für Star Wars: Episode VII. Die Einbettung war semi-gelungen: Die Rückkehr der Mickey Mouse, im South Park-Universum als Personifizierung der Geldgier von Großkonzernen dargestellt, ist äußerst gelungen, aber leider zu kurz. Sie hat nur eine einzige Szene mit Cartman gemeinsam, und schon an ihrem ähnlich-diabolischen Lachen kann man feststellen, dass die zwei äußerst gut harmonieren. Ich finde es ein wenig schade, wie kurz das allerdings kommt – sie teilen sich genau eine Szene, und davor und danach bleibt ihre gemeinsame Arbeit bedeutungslos. Gerade dieser Dialog der beiden, der einem Gespräch von Luke Skywalker und Darth Vader nachempfunden ist, spricht vom Potential dieser Zusammenarbeit: Die Anspielung beispielsweise, dass Cartman hier zur dunklen Seite der Macht wechselt, war ziemlich clever, verpufft dann aber im Verlaufe von „Obama Wins!“ – weil gar nicht klar ist, welche Seite die gute repräsentiert (Warum hat beispielsweise Mickey ein blaues Lichtschwert? Und zum Schluss kommt Cartman auch eher als Held rüber.)

Quelle: cinemablend.com

Humor.

Es hat also den Anschein, die Folge würde sich auf eine gute Geschichte konzentrieren, daran aber scheitern. Als solch eine Handlungs-zentrierte Episode ist der Humor nur zweitrangig, hat aber durchaus Fahrt. Es fehlen ganz große Lachmomente, doch ein paar gute One-Liner und Kurzsketches kann man „Obama Wins!“ nicht absprechen. Am bösesten war wahrscheinlich die Darstellung Mitt Romneys als Kot-spuckende Ente – wenigstens bekam Obama auch sein Fett ab, weil er die Chinesen beauftragt hatte, die Wahl zu manipulieren. Ebenfalls sehr witzig war Butters Versuch, die Wahrheit für sich zu behalten: Erst verrät er sich mit einem unbedachten Kommentar, anschließend droht er mit der Selbstvergiftung durch ein M&M: „Don’t make me swallow it, don’t make me do this!“ Und fast schon beängstigend war, als Cartman Butters daraufhin im Krankenhaus besucht hat und ihn für immer zum Schweigen bringen wollte, als er ihm noch so ein M&M einflößte.

Ebenfalls einen Lacher Wert: Kyles Gewinn für das 1.000.000. mal, dass jemand den General Tsao ist ein Angsthase-Witz gerissen hat; Cartman wird für sein Vergehen der Wahlmanipulation von seiner Mutter zu ein paar Tagen TV-Verbot verdonnert; Und Morgan Freeman bekommt ein weiteres Muttermal für jedes mal, wenn er die Sachlage erklärt. Man schmunezlt in dieser Episode so vor sich an, doch was fehlt ist so ein richtiger Moment der Erleuchtung, bei dem man sagen könnte: Man, das haben sie clever gemacht. Stattdessen ergibt sich kaum ein Witz durch die Handlung selbst.

Moral.

Doch warum die Episode schlussendlich doch eher ein Schuss in den Ofen ist: Ich habe das Gefühl, dass die Episode überhaupt keine Aussage besitzt, beziehungsweise ihre postulierte Moral nicht viel Sinn ergibt – und das sowohl in Sachen Präsidentschaftswahl als auch Star Wars.

In Sachen Obama bin ich natürlich voreingenommen, gerade als Europäer. Aber ich muss sagen, dass die Anschuldigung, er habe bei der Wahl betrogen, ziemlich aus dem Blauen heraus kommt – es wird schließlich am Ende der Episode nicht etwa gesagt, Obama habe trotzdem gewonnen. Die Episode war zwar so aufgebaut, dass Matt Stone und Trey Parker noch in den letzten 24 Stunden Zeit gehabt hätten, Obama und Romneys Rollen zu vertauschen, aber auch Romney hätte diese Anschuldigung nicht verdient.

Größer jedoch wiegt meines Erachtens die Aussage, dass die Disney-Übernahme den Amerikanern wichtiger sei als das Präsidentschaftswettrennen, und das kann ich so keinesfalls unterschreiben – die Unterschiede zwischen der Politik der beiden könnte kaum größer sein! Und wenn ich so den Wahlkampf im Internet mitverfolge, kommt mir schon vor, dass sich das amerikanische Volk sehr wohl darum kümmert – immerhin fast ein ganzes Drittel der Bevölkerung verfolgte am Abend der Wahl die Ergebnisse, und das allein im TV. Normalerweise vermag es South Park, den Nagel auf den Punkt zu treffen, und in „Obama Wins!“ scheint man davon weiter entfernt zu sein als je zuvor. Es hat vielmehr den Anschein, als hätte man die Wahl zwangsweise mit hineinnehmen müssen, ohne dass eine zündende Idee gekommen wäre, die Stone und Parker gesagt hätte, was sie eigentlich sagen wollten. Und so endet die Folge mit einem Bild Obamas über dem Rauch der brennenden Wahlstimmen, von einer spirituellen Musik untermalt, die Frage hinterlassend: Was soll das eigentlich aussagen?

Es wird ja nicht einmal kritisiert, dass sich alle so sehr um Star Wars kümmern würden. Und überhaupt: Natürlich spielt die Folge mit der Angst der Fans, dass Disney die Serie ruinieren würde – und gerade hier passt der South Park-Mickey gut ins Bild – doch wirklich originell verpackt wird das nicht. Inwiefern würden denn die Chinesen die Serie retten? Disney hat nun wirklich die wenigsten Lizenzen ruiniert, doch anstatt diese Angst davor zu parodieren, springt die Serie mit auf.

 Bla:

„Sure you can be Luke’s son, I don’t give a shit.“

– Die Kombination von Mickey und den Star Wars-Elementen passte erstaunlich gut, besonders die den Cartman eskortierenden Sturmtrupps im Disney-Schloss. Schade, dass davon nicht mehr zu sehen war.

– Die Idee Cartmans, dass er der Sohn Luke Skywalkers sein würde, finde ich klasse – schade, dass die Serie das nicht umgesetzt hat (obwohl sein Ritt auf dem… Star Wars-Monster mitsamt kleinem haarigen Gefährten schon nicht schlecht war). Hoffentlich bleibt die Serie bis 2015 erhalten und sie parodieren dann tatsächlich Episode VII auf diesem Wege.

– „Thanks mum, I’ll take that in my study.“

– War mir nicht bewusst: General Tsao’s Chicken ist anscheinend der Name einer Mahlzeit, und deshalb haben die Bewohner der Stadt (und sogar Obama, haha) Witze darüber gemacht.

– Noch ein bisschen mehr Trivia, um Anspielungen der Folge zu verstehen: Im Internet sagt man, dass alles epischer klingen würde, wenn nur Morgan Freeman es erklären würde. Ich finde es sehr schade, dass Matt und Trey nicht den echten Freeman engagieren konnten – ihre Imitation tat sich sehr schwer, interessant zu klingen, vor allem, weil seine erste Zusammenfassung offensichtlich war. Ihn allerdings die Wichtigkeit der Swing-States erklären zu lassen wär hammer (haha) gewesen.

– Ich fand es lahm, wie die Kinder Cartmans Versteck gefunden haben: Einfach so durch Zufall.

Fazit: 5,0 von 10 Punkten.

Obama Wins!“ ist eine Enttäuschung: Anstatt die Wahl gewitzt aufs Korn zu nehmen versucht man vergebens, eine clevere Geschichte rund um den neuen Eigentümer von LucasFilms zu stricken. Die Folge hat zwar durchaus gute Witze (inklusive Mickey Mouse und Star Wars-Figuren/Raumschiffe), bricht allerdings mit der South Park-Tradition, auch wirklich etwas auszusagen – und das in einer Folge, in der das aktiv versucht wird. „Obama Wins!“ ist ein ganz großes Durcheinander.

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7 Gedanken zu “South Park 16.14 „Obama Wins!“: Wählt Obama!

  1. Ich tippe einfach mal, ohne die Folge und die spezielle Szene bisher gesehen zu haben:

    AT-AT-Einheit (beziehungsweise deren kleiner Bruder AT-ST) und Ewoks.

    Auf dem Bild oben sieht man außerdem, neben eben einer AT-ST-Einheit, ein paar TIE-Jäger.

    • Folge gesehen. Es war ein Tauntaun. Die erste Googletreffer gehen außerdem von einem Baby-Ewok als dessen Gefährte aus. So richtig gesehen haben ich selbigen aber nicht.
      Gute Zusammenfassung, wie immer, auch wenn ich die Folge gar nicht soooo verhackstückelt fand wie du sie darstellst.

      Achja, die aus dem Mund scheißende Ente gabs doch schonmal zum Anfang der Staffel, oder?

    • Hab mir „You’re Getting Old“ nochmal angesehen. Stimmt: Die Ente wird dort als Präsident eingeführt („oder der Präsident ist ein Hund. Ist uns scheiß egal“). Ich war allerdings einmal mehr schockiert, wie schlecht die deutsche Synchronisation ist. Das ganze Gefühl dieser besonderen Folge, die ganze Atmosphäre wird eingedampft auf das übliche Gewitzel der anderen South Park Episoden. Wirklich schade.

  2. Ist nur mir vorgekommen oder waren Obama und Romney ziemlich ersetzbar? (Das heißt man hätte sie auch leicht austauschen können?)

    • Den Eindruck hatte ich auch, dass sie es da lieber auf Nummer Sicher gehen ließen. Ich habe auch das Gefühl, dass sie dennoch ein wenig spekuliert haben bei der Folge – nämlich, dass es eine Kontroverse bezüglich Stimmenauszählung gäbe. Doch weil die Wahl so eindeutig ausgegangen ist war die Cartman’sche Wahlmanipulation nicht sonderlich relevant.

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