Revolution 1.05 & 1.06 „Soul Train“, „Sex & Drugs“: Übermotivation.

„Come on, Miles… it’s just fun and games.“

Zuschauermäßig gilt Revolution als der beste Serienneustart der diesjährigen amerikanischen TV-Saison. Qualitativ hingegen steht die Serie auf wackeligen Beinen – und eine Besserung ist leider nicht in Sicht. Gerade „Soul Train“ ist das Paradebeispiel dafür, woran die Serie kränkelt – „Sex and Drugs“ dagegen zeigt, wozu die Serie im Stande wäre, wenn sie den Mut beweist, auch tatsächlich ihre ethischen Fragen zu stellen, anstatt über sie hinwegzubrausen.

Quelle: offizielle NBC Revolution Twitter Homepage

Endlich gelingt es der Gruppe, Nevilles Trupp einzuholen. Doch die Zeit drängt: Schon am nächsten Tag soll Danny mit einem Dampfzug zum Monroe-Hauptquartier verschleppt werden. Während Nora versucht, den Zug komplett in die Luft zu sprengen, wollen Miles und Charlie dort eindringen und Danny rausholen. Eine Konfrontation mit Neville ist dabei unausweichlich…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episoden.

Aufgrund des niedrigen Interesses an Revolution-Artikeln werde ich in Zukunft versuchen, mehrere Episoden in einem Artikel zu behandeln. In diesem Sinne ist dies auch ein Experiment – denn „Soul Train“ und „Sex & Drugs“ sind grundverschiedene Folgen.

Das Problem mit den Hauptfiguren.

Eines der größten Probleme der Serie ist es, dass uns das Hauptziel der zentralen Figuren, nämlich Danny aus den Fängen der Monroe-Republik zu holen, eigentlich ziemlich egal ist. Wir kennen Danny ja kaum, und um ehrlich zu sein wirkt er weder besonders sympathisch noch nützlich. Was nicht hilft ist die äußerst hölzerne Performance von Graham Rogers. Normalerweise habe ich kein geschultes Auge für schauspielerische Leistungen, doch Dannys Wiedervereinigung mit seiner totgeglaubten Mutter in „Sex & Drugs“ war verdammt antiklimatisch. Es würde helfen, wenn ihm irgendeine aktive Rolle zukommen würde, doch derzeit ist er bloß die (üblicherweise von weiblichen Figuren besetzte) „Damsel in Distress“ – die Prinzessin, die gerettet werden muss.

Und darum war es auch enttäuschend, dass er in „Soul Train“ nicht gerettet werden konnte – weil es Revolution nicht bewusst ist, was gut funktioniert und was nicht. Stattdessen befindet sich Danny weiterhin in Gefangenschaft der Militia, und Charlie und Co. scheinen noch etliche Folgen, wenn nicht die ganze Staffel über, damit beschäftigt zu sein, Danny da irgendwie rauszuholen. Das bedeutet für die Serie: Es werden wohl etliche eigenständige Handlungsbögen wie der Bordell-Besuch in „Sex & Drugs“ anstehen. Zum Glück heißt das nicht, dass die Episoden deshalb schlecht sein werden, doch bezüglich Danny muss sich die Serie wirklich etwas einfallen lassen, wie sie seine Szenen, seine Figur schlichtweg interessanter gestalten kann.

Ebenso immer noch ein Problem: Nate, jetzt auch als Jason Neville bekannt. Revolution versucht ja fast in jeder Episode, einen größeren Twist einzubauen, und ich muss sagen: Jason den Sohn von Captain Neville sein zu lassen war eine der gelungeneren Überraschungen. Zum einen ist das eine äußerst positive Entwicklung: Jason wird dadurch besser mit den anderen Figuren vernetzt, neue Vater-Sohn-Konflikte tun sich auf (wie wird er seinem Vater wohl beichten können, dass er Charlie heiraten möchte?), und es erklärt auch, wie er für Sabotage-Akte wie die Freilassung Charlies im Zug durchkommt. Zum anderen verwurzelt es ihn tiefer in die Serie, und seien wir ehrlich – was außer sein hübsches Gesicht und seine gar zu offensichtlichen Gefühle für Charlie wissen wir über ihn?

Quelle: offizielle NBC Revolution Twitter Homepage

Und der Award für den hölzernsten Dialog des Jahres geht an: J.D. Pardo aka Jason Neville: „Hello mother, it’s good to be home.“ Eine der Szene, die einen förmlich anspringt.

Aaron und die Moral.

Besser hingegen: Aaron. Diese Figur war von Anfang an ja eine recht interessante Version des „Comic Reliefs“, bekommt dann mit „Sex & Drugs“ aber noch ein paar Nuancen hinzu. Gleich vorweg allerdings: Ich finde es unbegreiflich, warum er seine Frau verlassen hat, und das nach zehn Monaten nach dem Ausfall des Stroms! Ja, er sei ein Feigling, aber deshalb die Liebe seines Lebens aufgeben? Außerdem, hey, er hatte zwei Möglichkeiten: Sich verbessern wollen, oder abhauen – und er hat ersteres nicht einmal probiert? Hier blieb man eine Erklärung schuldig. Wie so oft opfert Revolution hier die Glaubwürdigkeit für einen wichtigen zukünftigen Plotpunkt: Aarons Ehefrau ist also noch am Leben! Das heißt, zumindest war sie es vor 14 Jahren, und ich gehe jede Wette ein, dass wir sie wiedersehen werden.

Ansonsten gefällt mir Aarons Figur sehr gut – aus dem vermeintlichen Angsthasen lässt sich ja viel machen, und in „Sex & Drugs“ wird das hervorragend genützt: Für ein paar Sekunden glaubte ich tatsächlich, Aaron hätte sich erschossen, bevor seine Finte aufgedeckt wurde. Und dennoch hat Aaron noch einen weiten Weg vor sich – unter anderem, was auch seine Frau betrifft. Definitiv eine der stärkeren Charakterentwicklungen, die für die Serie geplant wurden.

Auch sehr interessant ist diesbezüglich seine Diskussion mit Charlie, ob sie wirklich das benachbarte Familienoberhaupt umbringen dürfe. „They are innocent, this is murder!“ argumentiert er, doch Charlie antwortet, dass sie keine Wahl habe. Doch stimmt das? Aaron ist hier quasi Revolutions Dale, denn er hat recht: Gibt ihnen die außergewöhnliche Situation das Recht, eine unbetroffene Person zu ermorden? Es ist eine der stärkeren Konfliktsituationen der Serie, vor allem, weil Charlie es tatsächlich getan hätte (wäre Miles in klischeehafter Manier nicht in letzter Sekunde zur Rettung erschienen). Schlimmer noch: Sie hätte es selbst getan, nachdem sie gesehen hat, dass er Frau und Kinder hat, dass er ein geschätztes Familienmitglied ist, und dass Drexel in Wirklichkeit der Böse ist! Ich hoffe, die Serie geht noch einmal tiefer darauf ein, dass die Bereitschaft zu töten bei Charlie viel zu hoch ist, und dass dies ein Problem für ihre Figur darstellen müsste.

Handlungsprobleme.

Generell hat hier die Serie allerdings eine leicht unrealistische Intensität an Gewalt gewählt – fast in jeder Folge sterben Menschen, und meist wird kein allzu großer Hehl darum gemacht. Revolution tendiert dazu, ein wenig überdramatisch zu sein. Bestes Beispiel ist das Bordell, das gleich 10-20 bewaffnete Wächter hat. (Warum sind die überhaupt bewaffnet? Sie sind nicht Teil der Militia, und sonst sind Waffen doch verboten. Schade, wäre ein idealer Weg gewesen, mehr Faustkämpfe für Miles einzubauen.) Des Öfteren legt sich die Serie damit selbst ein Ei: Warum reagiert beispielsweise keiner, als Aaron Drexel erschießt? Vielleicht würde das Dutzend Männer nicht sofort zurückschießen, aber irgendein Aufschrei müsste doch kommen. Stattdessen warten alle ganz gebannt darauf, was wohl passieren würde.

Auch bei der vorangegangenen Folge, „Soul Train„, tun sich einige Handlungslücken auf. In der kleinen Siedlung laufen sich beispielsweise gleich mehrere Hauptfiguren zufällig über den Weg – so, wie man es halt gerade braucht. Vor allem Charlies Begegnung mit Captain Neville war leicht dämlich, vor allem von Charlie: Wie Miles richtig erkennt verschenkt sie damit den Überraschungsmoment leichtfertig.

Dafür war die Zugszene recht gelungen, hätte aber noch ein wenig mehr Dampf haben können. Der Dampfzug ist zwar ein absoluter Hingucker, doch einen Vergleich mit Breaking Bads Postzugraub-Folge hält die Sequenz keinsfalls stand – cinematographisch wäre da noch viel mehr drin gewesen. Dennoch: Charlies Blick durch die Scheibe war eine der bislang ikonischsten der Serie, und die Kampfszenen machen Spaß. Leider alles umsonst: Nate/Jason wirft Charlie vom Zug, und Miles springt mit, und Nora liegt noch verletzt am Bahnhof.

Gerade die Tatsache, dass die Serie „Spaß“ beim Zusehen macht, hält sie am Leben. Die Prämisse stemmt die Serie immer noch, und fast jede Woche bietet sie ein neues, interessantes Szenario: Der Zug in „Soul Train“ oder das Bordell in „Sex & Drugs„, das eine merkwürdige Mischung aus Modernität und Tradition ist. Dazu kommt der Mystery-Faktor, den die Serie geschickt einbaut – nämlich so, dass es Gelegenheitszuseher nicht verschreckt. Dass es insgesamt 12 Pendants geben soll ist eine optimistische Zahl, aber man will sich anscheinend offen halten, wie viele Staffeln die Serie laufen soll. Die erste wird schon mal 22 Episoden umfassen, und die Chancen stehen nicht schlecht, dass es auch eine zweite geben wird.

Bla:

– Maggies Begräbnis ließ mich ganz kurz erschauern, vor allem das Bild des Kreuzes in der Wildnis – einfach weil ihre Geschichte traurigerweise ganz plötzlich daherkam, und sie ihre Geschichte nie vollenden konnte. Gleichzeitig wünschte ich, einer der Figuren hätte ihr Lebenswerk gewürdigt – fast hatte ich das Gefühl, Charlie habe sie in etwa so lange gekannt wie die Zuseher.

– Ich finde es schön, dass Aaron Maggies iPhone mitgenommen hat. Hoffentlich verwendet er es als Talisman.

– Nevilles Flashback erzählt uns ,dass er schon nach ein paar Tagen nach dem Blackout seinen Nachbarn umgebracht hat. Dieser Mann hat wohl ordentlich viel Wut aufgestaut gehabt.

– Was Hutch gerade liest: Harry Potter 7. Nettes Easter Egg.

– Es ist ja eigentlich ein ganz schönes Wagnis, in „Sex & Drugs“ das Geschlecht von Charlie so auszuspielen: Eine gute Portion Fanservice gibt es zuerst im Bad, und später sehen wir sie in ansehnlicher Kluft als Exhure verkleidet. Und dann ist es wieder Miles, der den Tag rettet.

– Man sah das doch zehn Sekunden im voraus kommen, dass Drexel Charlie eine reinpfeffern würde – warum waren alle Figuren plötzlich so geschockt? Subtil war seine Anspielung jedenfalls nicht.

– „You’re right: the world is not a bunch of postcards.“ Ritsch ratsch.

– Ich habe das Gefühl, dass die Makeup-Experten gar nicht versuchen, die Figuren direkt nach dem Blackout 15 Jahre jünger aussehen zu lassen. Aaron sieht so aus, als hätte er damals höchstens 25 sein können, doch eigentlich sieht er genauso aus wie damals. Vielleicht hätte die Serie sich etwas zeitnaher ansiedeln sollen, sagen wir, fünf Jahre nach dem Stromausfall.

– Was hat das eigentlich aussagen wollen, dass die Limousine, in der Aaron und seine Frau direkt nach dem Blackout sitzen, von einem LKW erfasst wird? Diese Szene hängt irgendwie lose in der Folge mit drin.

– Als Drexel Miles die Waffe an die Stirn gehalten hat und abdrückte, war das tatsächlich verdammt gefährlich. Es ist ja nicht so, als ob die Waffe komplett ungeladen gewesen wäre – vorher feuerte er noch einen Schuss in den Himmel ab – er muss sich also ziemlich sicher gewesen sein, dass nur eine einzige Kugel im Lauf war. Oder auch nicht. Großartiger Moment.

– Die Verwendung von Darstellern aus Lost scheint kein Ende zu nehmen: Selbst Lapidus, der in „Soul Train“ den instabilen Hutch spielt, taucht auf.

Fazit: 6,5 bzw. 7,5 von 10 Punkten.

Es ist eh meist die selbe Leier mit Revolution: Bemüht, aber doch nicht wirklich klasse. Charlie wird langsam eine interessantere Figur, doch mit Danny und Jason kann man nach wie vor nichts anfangen. Die Supportfiguren wie Aaron und Neville sind da interessanter, auch wenn man ständig das Gefühl hat: Da ginge noch mehr.

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