South Park 16.12 „A Nightmare on Face Time“: Ein Alptraum an Halloween.

„Renting DVDs is more ancient than Madonna’s boobs!“

A Nightmare on Face Time” ist bis 1.11.2012 und ab Januar 2013 wieder HIER legal und kostenlos auf der offiziellen South Park Homepage verfügbar. 

Meistens, wenn ich Rezensionen schreibe, verlasse ich mich ganz auf mein eigenes Gefühl. Doch manchmal, so wie bei South Parks dieswöchiger Halloween-Folge, „A Nightmare on Face Time„, weiß ich so gar nicht was denken. Meist ist das aufgrund fehlendem Wissen über die amerikanische Popkultur, und das ist auch hier der Fall: Ich habe Stanley Kubricks Shining nie gesehen – und kann deshalb mit einem Hauptteil der Episode so gar nichts anfangen.

Quelle: southpark.wikia.com

Cartman, der physisch abwesende Stan, Kyle und Kenny verkleiden sich als Avenger.

Es ist Halloween in South Park, und während die Kinder „Süßes oder Saures!“-rufend durch die Stadt ziehen, leidet Randy einmal mehr an einer seiner gescheiterten Ideen, diesmal der Kauf eines DVD-Verleihs. Dieser wird allerdings von Geistern bewohnt, die Randy übel zusetzen, und auch die Kinder sehen sich unlauteren Figuren gegenübergestellt.

Randys Geschichte.

Die Folge ist ganz klar entzweigeteilt – einerseits handelt sie von Randys Versuch, sich selbstständig zu machen, andererseits um die Begegnung zwischen den als Avengern verkleideten Jungs und den Räubern. Wie schon in der Einleitung erwähnt: Ich habe den Randy-Teil der Folge nicht verstanden, und unglücklicherweise hängt er stark davon ab, da er sehr lacharm ist. Drum hielt sich meine Begeisterung für diese Episode innerhalb der ersten Hälfte enorm in Grenzen – der erste Schmunzler folgt vielleicht in Minute acht. Man geht hier viel zu sparsam mit dem Witz um, und gruselig möchte „A Nightmare on Face Time“ erst gar nicht sein.

Stattdessen versteift sich die Folge da scheinbar sehr in die Shining-Parodie. Viele Elemente von Randys Geschichte springen einem sofort als Referenzen ins Auge, wie zum Beispiel seine Konversation mit der Geisterkundin, der plötzliche Rollentausch mit einem imaginären Verkäufer oder Shellys Entscheidung, den Laden komplett abzufackeln. Wer damit etwas anfangen kann, der möge sich doch bitte in den Kommentaren dazu erübrigen, mich zu erleuchten – bis dahin lässt mich dieser Abschnitt der Folge kalt.

Und es ist ja nicht so, als hätte man nichts zu sagen: Der DVD-Verleih ist beim Aussterben, und niemand weiß, wie man das verhindern könne. Stattdessen weichen die Bewohner South Parks auf verschiedenste andere Plattformen aus: Xbox, iPad, online streaming, Netflix, Hulu und so weiter. South Park gibt sich hier einmal nicht sozialkritisch, sondern weist nur auf ein bedauerliches Opfer des digitalen Zeitalters hin. Das ist sicher ein Thema, über das man eine Episode stricken kann, doch lässt gerade die Einbettung in Randys Teil der Folge zu wünschen übrig. Von der ersten Szene bei seiner Blockbuster-Filiale weg wissen wir, dass sich nicht mordsmäßig viele Besucher finden lassen, und da bewegt sich Randys Geschichte dann handlungsmäßig gar nicht mehr weg.

Stans Geschichte.

Viel besser steht da die Handlung rund um Stan, Kyle, Kenny und Cartman da, die in ganz klassischer South Park-Manier abläuft – und das ist durchaus positiv gemeint. Bei ihrem Streifzug durch die Stadt laufen sie in die Arme von vier Banditen, die eine DVD-Ausleih-Maschine überfallen – und natürlich nichts vorfinden. Die „Redbox Killer“, wie sie von der Polizei genannt werden, haben ulkigerweise den Verkäufer direkt umgebracht, und dann entführen sie auch noch Stan – beziehungsweise das iPad, mit dem er behilfsmäßig mit seinen Freunden mitgegangen ist.

Das ist eine jener South Park-Szenen, die mich an die Gewitztheit von Stone und Parker glauben lassen, denn die Verwechslung vom tatsächlichen Stan und das ihn repräsentierende iPad wird von allen Parteien konsequent durchgezogen – von der Entführung angefangen über das foltern, das in den Straßengraben schmeißen (das ja an sich wirklich hammer ist, weil sie einfach ein nagelneues iPad einfach so wegschmeißen) bis hin zur späteren Aufnahme im Krankenhaus, und weil stets eine neue Begebenheit herrscht ist das auch konstant witzig. Das reichte bis in die Schlussminuten der Episode hinein: „Don’t die, Stan!“ flehen seine Freunde, als die Batterien auszugehen drohen, und Stan beruhigt mit einem ziemlich genialen „It’s okay – hit OK.“

Dazu schaut das auch gut aus – Stan sieht tatsächlich auf dem iPad eingesperrt aus, und die (2012 nicht mehr ganz so) krude South Park-Animation passt hervorragend. Wichtiger ist allerdings, was damit ausgesagt wird, wobei South Park hier einerseits nicht allzu hart sondern lieber spielerisch austeilt, andererseits Interpretationsspielraum frei hält. Natürlich geht es um die Liebe zur Technologie und wie sie schon langsam so wichtig wird, oder auch schon langsam so lebensecht, dass wir um sie trauern, wenn sie kaputt geht oder Schaden erleidet. Oder wenn ihr einfach nur der Saft ausgeht – dann spielen die Menschen schon verrückt. Und zusätzlich ist diese falsche Gefühlsaprojektion auch noch tief mit dem Hauptthema der Episode verwurzelt – gleich wie bei der DVD ist es doch ein schönes Gefühl, einen Menschen physisch vor sich zu haben, vielleicht sogar in der Hand zu halten, und die digitale Version ist „einfach nicht dasselbe“. Doch wie auch die physischen Datenträger bleibt Stan ungewollt im Laden zurück, während sich die Menschen mit seiner digitalen Version abgeben.

Die Halloween-Geschichte.

Außerdem beinhaltet „A Nightmare on Face Time“ eine der wohl kreativsten und ansehnlichsten Szenen der letzten South Park-Jahre: Die Halloween-Party. Man sieht dieser Folge wirklich an, dass ein wenig mehr Gedanken hineingesteckt wurden als bei gewöhnlichen Folgen – so ausgeklügelte und vielfältige visuelle Gags hat South Park selten zu bieten. Allein die Halloween-Kostüme waren der Hammer! Die Avengers waren zwar nicht witzig, dennoch sah man deren Kostüme gerne mal im South Park-Animationsstil. Noch deutlich interessanter sind hingegen die Kostüme der diversen Bewohner der Stadt: Butters ist ein Werwolf-Leprechaun(?), Jimmy kreuzt im Gangnam-Style auf, Mr. Garrison ist stilecht als Driver gekleidet (Drive) – und ich bin sicher, es gibt noch dutzende weitere Figuren, die ich in der Eile gar nicht gesehen habe. Definitiv eine Episode, bei der man gerne mal pausiert, um alle Details einsickern zu lassen.

Quelle: southparkstudios.co.uk

Oppan Gangnamstein! Die Halloweenkostüme sind äußerst gelungen.

Im dritten Akt findet Stans Handlungsbogen auf der Halloween-Party auch ein sehr zufriedenstellendes Ende. Die Undercover-Mission ist spitze – vor allem, als der Polizist im Kostüm des Gangnam-Frankensteinmonsters („Gangnamstein“) den Kopf (Stan immer noch im iPad per FaceTime-Gespräch) abnimmt. Und es ist einfach so typisch South Park, den unschuldigen Polizisten sterben zu lassen und anschließend die Polizisten, heute in Höchstform, fragen zu lassen: „Wait, wasn’t that Peterson in there?“ „Pssssh!“

 Ich muss sagen: Je mehr ich über die Folge nachdenke, desto besser gefällt sie mir. Das rührt wohl daher, da ich mehr über die Stan-Seite mir Gedanken mache als über die Randy-Storyline,  in der mich ohnehin nicht auskenne – und die Geschichte rund um die Räuber und das iPad war die beste seit langem. Außerdem war mein erster Eindruck der Folge gar kein guter – die ersten zehn Minuten waren für mich todlangweilig. Der starke zweite Akt und die tolle Resolution – besonders Stans symbolischer Austausch der Blockbuster-Tickets durch das iPad, mit dem Randy dann Filme im Netz abrufen kann – reißen „A Nightmare on Face Time“ mehr als nur raus.

Bla:

– Randy ist sich sicher: „Winter is coming.“

– Ich finde es klasse, wie die halbe Stadt sich im Gangnam-Style verkleidet, und dazu auch noch direkt das Lied auf der Party gespielt wird. Eine Anspielung darauf, dass nun viele Menschen durch South Park inspiriert werden und tatsächlich im Psy-Look auftreten werden – die Idee, das muss man einfach sagen, ist ja auch ziemlich genial.

– Irgendwie fand ich es schade, dass Kenny nun doch öfters spricht, wenn auch meist unter einer Maske hervor (Iron Man, Mysterion). Das macht ihn weniger geheimnisvoll, als er noch war, als man sich (bis zum Film hin) wunderte, wie er wohl in Wirklichkeit aussehe.

– Den Witz, dass Cartman nicht als Hulk erkannt wird, hab ich so gar nicht nachvollziehen können. Wohl auch, weil ich den Promi nicht kenne, der auf die Schippe genommen wurde.

– Wie in einigen kürzlich erschienen Horrorfilmen wie beispielsweise Paranormal Activity üblich werden die Tage durch Einblendung von Schrift angekündigt. Hier kostete das zwar wenig Zeit, brachte aber auch nicht viel – ein lustigerer Gag blieb diesbezüglich aus.

– Die Folge hat auf jeden Fall ihr Ziel erreicht – jetzt bin ich in Halloween-Stimmung.

– Und wann haben Sie, sehr verehrter Leser, zuletzt eine DVD ausgeliehen?

Fazit: 7,5 von 10 Punkten.

Wer The Shining kennt, wird aus „A Nightmare on Face Time“ wohl um einiges schlauer werden als ohne dieses Vorwissen, aber auch so handelt es sich bei dieser Folge um eine gute: South Park verwendet seine klassischsten Methoden in erstaunlich frischer Form und vermischt eine witzige und treffende Geschichte mit zahlreichen spannenden Details.

Advertisements

add your bla:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s