South Park 16.10 „Insecurity“: Gasmaske.

„Every day things just keep getting weirder around here, and I’m just about sick of it!“

Insecurity” ist bis 17.10.2012 und ab Januar 2013 wieder HIER legal und kostenlos auf der offiziellen South Park Homepage verfügbar.

Insecurity“ ist eine jener Episoden von South Park, die abgerundeter wirken als die schwächeren – fast so, als Matt Stone und Trey Parker diese Episodenidee schon in der langen Sommerpause gehabt. Trotz (oder gerade wegen) einiger doch sehr zufälliger Elemente, die dazu gestreuselt werden, ist „Insecurity“ auf jeden Fall ein Hit: You have my permission to watch this episode.

Quelle: South Park wikia.com

Nachdem der UPS-Bote angeblich Sex mit Sheila hatte, greifen die Männer hart durch.

Kyles Eltern gestalten ihr Sexleben kreativ: Gerald verkleidet sich als UPS-Auslieferer, Sheila als leicht bekleidete Hausfrau. Doch beim Geschlechtsakt werden sie ungesehens von Ike beobachtet, und durch die Dunkelheit kann Ike seinen Vater unter der Verkleidung nicht erkennen. Die Neuigkeiten, dass Sheila ihren Mann betrüge, machen schnell die Runde in der männlichen Bevölkerung South Parks, und sie entschließen, dagegen etwas zu unternehmen…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Ein guter Start.

Die ersten Minuten der Episode sind mit Sicherheit die stärksten der Episode – Geralds und Sheilas Rollenspiel zu verfolgen berührt einen einfach zu peinlich, weil man weiß, dass so etwas tatsächlich in Haushalten so gemacht wird. Es ist eine weise Entscheidung South Parks, hier nicht zu übertreiben und die Episode generell nicht zu einer Fekal-Orgie ausarten zu lassen, vor allem weil „Insecurity“ auch ganz ohne leicht auskommt.

Und auch sonst strickt man in dieser Folge die Handlung ungewöhnlich clever, für South Park-Verhältnisse. Ikes rudimentäre Zeichnung, wie der UPS-Mann seine Mutter flachlegt, wird während der Episode immer wieder zu Rat gezogen, und jedes mal lesen die Bewohner der Kleinstadt etwas anderes heraus: Eigentlich meint Ike damit nur seine eigene Mutter, doch als Randy den Zettel auf Stans Schreibtisch findet interpretiert er „MOM“ natürlich sofort als seine eigene Frau. Und am Ende der Episode wird der Polizei verkauft, dass der UPS-Mann dies gezeichnet habe und damit seine psychischen Störung bewiesen. Das ist einerseits witzig, andererseits aber auch geschickt gestrickt.

Ziele der Satire.

Jede Menge Stereotypen werden in dieser Folge verschaukelt, unter anderem die Vorstellung, dass Frauen immer gern tratschen würden – doch die Männer South Parks sind schlimmer, und witzigerweise sind der Großteil der männlichen Bevölkerung am Abend in der Bar (Wo sonst?). Weniger gelungen hingegen sind Randys Ängste, dass Sharon auch etwas mit dem UPS-Austräger gehabt habe. Randy darüber zu sinnieren hören, wie unplausibel es doch wäre, dass Sharon sich nicht mehr erinnern könne, was sie eigentlich von Amazon bestellt habe, greift zwar auch eine Wahrheit auf, doch das wurde dann zu wenig forciert; Und irgendwie vermochte man es nicht, das in einen guten Witz zu verpacken, sodass diese Sequenz eigentlich zu lange lief.

In der Bar begegnen Randy und Co. dann einem geheimnisvollen Mann, der ihnen die Geschichte des Milchmannes erzählt. Ich weiß so gar nicht, wie dieser Kerl in die Episode gepurzelt ist – ist er etwa eine Popkulturreferenz, die ich nicht kenne? Jedenfalls fand ich es ein wenig schade, dass man seine ursprüngliche Idee, den Problemfall UPS zu lösen, nicht in die Tat umsetzte: eine Prostituierte oder aufgebretzelte Ehefrau als Köder zu „opfern“, dann über den Mann herfallen und ihn umbringen. Stattdessen überfielen ihn die Männer am hellichten Tage – und das mit Bane-Masken (aus The Dark Knight Rises).

Das ist auf jeden Fall einer der gelungensten „random“-Elemente, die die Serie in den letzten Jahren in eine Episode einbaute. Es war sicher nicht ganz Nolans Absicht, aber die Stimme hat einfach etwas Komisches an sich. South Park hat das erkannt und schien es unbedingt in eine Episode einbauen zu wollen – wirklich Sinn gemacht, also organisch aus der Geschichte entwickelt, hat das nicht. Aber halb so wild: Eigenartigerweise passt es ideal in die Folge. Ich hätte mir persönlich zwar eine eigene Batman-Episode gewünscht, realisiere aber durchaus, dass der Film nunmal nicht so revolutionär war wie erhofft. Schade deshalb eigentlich, dass die Serie im Sommer Pause macht – direkt auf den DKR-Release veröffentlicht wäre die Folge noch aktueller gewesen.

Doch Hauptaussage der Folge war die Verspottung des Sicherheitswahns. Schon die Staffelpremiere „16.01 Reverse Cowgirl“ hatte dieses Thema aufgegriffen, damals allerdings jenen im öffentlichen Sektor persifliert. Darum ist „Insecurity“ auch nicht ganz so zynisch, es geht hier schließlich weniger um „In was für einem Land leben wir eigentlich?“ und mehr um die Verspottung einer Gruppe von Bürgern, die sich ein Sicherheitssystem einrichten lassen, und mehr noch über die Ineffizienz dieser Firmen.

Darum geht es in der B-Storyline der Folge, in der zuerst Cartman und zum Schluss dann fast sämtliche Bürger der Stadt Kunde bei WOLF Security werden. Diese bot zwar ein paar durchaus sehr ulkige Szenen (beispielsweise, als Cartman einen Räuber dafür bezahlt, seine Mutter zu vergewaltigen, um die Schwächen des Sicherheitssystems zu beweisen), ritt dann aber auf dem ewig gleichen Schema herum: Cartman ruft (per Telefon) um Hilfe, andernorts fragt man ihn nach dem Passwort, Cartman hat es vergessen – und trotzdem passiert nichts. Vielleicht ist es ja gerade die Aussage, dass eben nichts passiert, leider wird das aber ziemlich langweilig präsentiert.

Man sieht also: „Insecurity„s Ziele der Satire sind breit gefächert. Dadurch kann man zwar viele verschiedene Punkte abhandeln, die Kohäsion leidet allerdings darunter – es fällt beispielsweise schwer, in einem Satz zu sagen, welches Thema die Folge behandelt. Es entsteht das Gefühl, dass die Episode aus vielen guten Einzelkomponenten besteht, aber nicht eine großartige Folge der Serie gesehen zu haben. Aber das ist immerhin schon etwas, beziehungsweise weniger euphemistisch: „Insecurity“ ist eine gute Folge.

Bla:

– Witzig fand ich, wie der Typ in der Bar so eine verdrehte Moral ziehen konnte: Dass der UPS-Bote die Hausfrauen vögelt ist der Preis, den die Männer für ihre Faulheit zahlen müssen, von Amazon zu bestellen.

– WOLF bekam diese Folge ja ordentlich sein Fett ab. Gabs da eine Kontroverse, die ich übersehen habe?

– Ich finde es immer grandios, wenn die ganze Episode über Chaos in der Stadt herrscht, dann allerdings ein Sündenbock gefunden wird und anschließend alle Bürger so tun, als wäre nichts passiert. Nicht nur die Botschaft ist stark (nichts gesehen, nichts geschehen), sondern oft auch die entsprechenden Gags zu Ende einer Folge.

– Ich versteh nicht ganz, aber was bringt es eigentlich dieser Sicherheitsfirma, bei der Familie überhaupt anzurufen? Natürlich kann man so einen falschen Alarm gleich erkennen, aber wäre es keiner verschafft das doch den Räubern nur unnötig Zeit.

– Auch ein Highlight der Episode: Die unglaublich unwahrscheinlichen Werbungen für inSECURITY. Auch hier ist der Trick, dass South Park an genau den richtigen Stellen übertreibt: Es ist herrlich anzusehen, wie die Sicherheitsvorkehrungen spektakulär fehlschlagen. Wenn die Firma anruft, um einen Fehlalarm auszuschließen, ist der Räuber/ Mörderer schon viel zu weit eingedrungen, um die Polizei rechtzeitig erscheinen zu lassen. Die Funktionalität setzt voraus, dass der Räuber vor Angst die Flucht ergreift, anstatt zum Beispiel ein Familienmitglied als Geisel zu nehmen und diese per Telefon antworten lassen, dass alles in Ordnung sei.

– „It doesn’t matter who we are. What matters is our plan. You should of respected my Authoritah!“ Normal bin ich kein besonderer Fan von diesem Spruch, aber das ist nun doch eine ziemlich geniale Abwandlung.

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

Insecurity“ hat eine gute Portion Humor, eine ausgefuchste Geschichte und zeigt Funken der guten alten South Park-Brillianz. Nicht die gesamte Folge ist auf diesem Level, und die Stärke der Satire ist nicht auf dem höchsten Level, doch unterhaltsam ist die Episode allemal. Auf jeden Fall eine der stärkeren Episoden der 16ten Staffel.

Advertisements

Ein Gedanke zu “South Park 16.10 „Insecurity“: Gasmaske.

  1. Der geheimnisvolle Mann war eine Parodie auf den „alten Farmer“ aus Friedhof der Kuscheltiere der durch das Erzählen von der Legende die Dinge überhaupt erst ins Rollen bringt und das nachher bereut (natürlich seeehr mysteriös und bedrohlich aufgezogen, ist ja eine Stephen King-Referenz ^^

    Klasse Seite übrigens

add your bla:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s