Revolution 1.04 „The Plague Dogs“: Hundstage.

„You saved me, Charlie.“

Revolution bleibt auf Kurs: An der folgenschweren vierten Episode, „The Plague Dogs„, gibts mal wieder einiges zu kritisieren, doch die Folge vermag es auch zu überraschen – ein Element, mit der sich diese Abenteuerserie bislang noch sehr geplagt hat.

Quelle: screenrant.com

Maggie (Anna Lise Phillips) wird von einem verrückten Einsiedler attackiert.

Auf der Suche nach Danny gelangt die Gruppe zu einem ehemaligen Vergnügungspark, der nun von wilden Hunden bewohnt wird. Doch nicht nur diese werden zum Problem: „Nate“ ist dem Team nach wie vor auf der Spur, und auch andere Banditen attackieren sie.  Als Maggie verletzt wird, wird die Suche nach Medizin zum Wettlauf mit der Zeit…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode. 

Tödliches Vergnügen.

Mit dem Vergnügungspark beweist Revolution einmal mehr, dass die Serie neben dem ebenso exotischen Last Resort wohl der visuell ansprechendste Serienneustart der Saison ist. Er hätte vielleicht noch einen Tick bedeutender in Szene gesetzt werden können, aber auch so ist der wöchentlich wechselnde Schauplatz sehr willkommen.

Deutlich weniger überzeugend ist, wofür der Vergnügungspark verwendet wird: als Schauplatz für die dieswöchige Storyline. Gerade die Hunde waren dabei zwar prominent platziert, im Grunde aber eine sehr uninteressante Gefahr. Die Begegnung mit „Nate“ fühlte sich zu Beginn ein wenig zu konstruiert an, er schmiegte sich dann allerdings während der Episode besser in die Gruppe ein – interessant macht es diese Figur aber noch lange nicht.

Und dann ist da natürlich der Hundebesitzer, Revolutions Realisierung des verrückt gewordenen einsamen Einsiedlers. Seine Geschichte ist eine sehr traurige, doch vieles davon mutet eher generisch an. Man bedenke zum Beispiel die Todesfalle, in die er Charlie gezwängt hat – sowas hat man einfach schon öfters gesehen, und das meist besser und vor allem sinnvoller. Ich meine, was hat er damit bezwecken wollen? Flash Forward verwendete das zum Beispiel einst, um den Kampf zwischen Schicksal und freiem Willen zu illuminieren. Und selbst Filme wie Joy Ride konnten für das Aufsetzen eines solchen Apparates einen guten Grund finden – einerseits will man das Opfer mental an seine Grenzen bringen, bevor es vermeintlich stirbt, andererseits den zur Hilfe eilenden Freunden Schuldgefühle aufzwingen, da es ja ihr Herbeieilen ist, das zum Tod des Opfers führen würde. Doch all diese Erklärungen machen in „The Plague Dogs“ keinen Sinn, weil der Bandit zwar Hass für Menschen empfindet, aber nicht der hochintelligente Mörder ist, der seinen Opfern maximalen psychologischen Schaden zufügen möchte. Kurz gesagt: Diese Falle wurde bloß der Spannung wegen eingebaut, ungeachtet ihrer Sinnhaftigkeit.

Tödliche Wunden.

Doch wo die Episode groß punktet ist der wirklich überraschende Tod von Maggie. Mit Überraschungen tut sich die Serie bislang äußerst schwer, wie bei den Enthüllungen von der noch lebenden Rachel („Chained Heat„) oder sämtliche „Überraschungsmomente“ aus dem vom Trailer gänzlich gespoilerten Piloten zu sehen ist. Auch in „The Plague Dogs“ gibt es einen solchen Moment: Als uns das zweite mal gezeigt wird, wie sich Charlie und Rachel in der Vergangenheit trennten, sehen wir „plötzlich“, dass Rachel Tränen nicht unterdrücken kann. Aber war das nicht schon beim ersten mal ersichtlich?

Manchmal kommt man sich bei Revolution fast ein wenig bevormundet vor, wenn die Serie es einem nicht zutraut, selber Schlüsse über das emotionale Befinden seiner Figuren. Dasselbe gilt auch für den Flashback, als Maggie das erste mal auf Ben (Charlies Vater) traf. Wäre es nicht schöner gewesen, sie hätte wortlos jene Whiskey-Flasche benützen wollen, mit der sie in Folge 1 die Banditen vergiftete? Stattdessen wird alles genau erklärt, und anstatt ein paar gedankenverlorene, ruhige Momente zu verbringen, verdirbt der schwache Dialog die schöne Landschaft.

Doch zurück zu Maggies Tod: Die Überraschung rührt von zweierlei Dingen: Zum einen ist man es eigentlich gewöhnt, dass eine Stichwunde nicht tödlich ist, vor allem von einer unwichtigen Nebenfigur einer unwichtigen Nebenfolge – das lehrt uns nun einmal das Fernsehen. Geschickt verwischt Revolution da auch seine Spuren, als Maggie erst noch vorschlägt, dass man sie ja operieren / zunähen könne. Respekt also an dieser Stelle an die Autoren, da hat man die Zuseher schön in die Irre geführt.

Zum anderen mache ich mir aber auch Sorgen, ob ihr Tod wirklich zum richtigen Zeitpunkt kommt. Ich könnte mir gleich mehrere Handlungsstränge vorstellen, in denen sie noch eine wichtige Rolle hätte spielen können. Vor allem hätte ich mich auf eine interessante Dynamik zwischen Rachel und ihr gefreut, beide quasi Charlies Mütter, und auch für Charlie wäre dann im Raum gestanden, wie sie mit den beiden umgehen würde. Weiters ist sie schauspielerisch mit Sicherheit nicht das schwächste Glied gewesen. Zudem habe ich das Gefühl, dass ihre Geschichte ein klein wenig zu schnell abgehandelt wurde. Ich hatte sie noch nicht genug ins Herz geschlossen gehabt, um ihren Tod all zu sehr zu betrauern.

Doch zumindest in dieser Episode wurde sehr sehr gut darauf hingearbeitet. Es ist wirklich eine tragische Geschichte, die Maggie hier erleiden muss: Ihre letzten Worte an ihre Kinder waren „I said ’no‘!“, als diese um eine Geschichte bettelten. Fünfzehn Jahre später trägt sie immer noch den Zauberer von Oz mit sich, auch ein sehr symbolträchtiges Buch – im Gegenzug zu Dorothy kommt Maggie nie nach Hause. Nach Jahren muss sie ihre Kinder schließlich aufgeben, „wahrscheinlich sind sie tot“, und nun folgt ihnen ihre Mutter ins Grab.

Auch die Sterbeszene war sehr gut gehandhabt. Das „You saved me, Charlie“ kam natürlich rüber, und erst im zweiten Augenblick bemerkt man, was sie damit eigentlich meint. Ein wenig schade ist, dass ihr Charlie sonst wenig als Sterbensbotschaft mitgeben kann, aus dem einfachen Grund, weil wir Maggie nicht lange genug kennen lernen durften.

Zumindest thematisch passt ihr Tod aber ausgezeichnet.  In bislang eigentlich allen Folgen äußerte mindestens eine Person, dass sie die Gruppe verlassen würde, weil ihre Mission zu gefährlich sei. Auch in dieser Episode spricht Miles davon, einfach abzuhauen, doch Maggies Tod schweißt die Gruppe zusammen – sie sollte nicht umsonst gestorben sein, und ohne sie hat Charlie keine Mutter- / Vaterfigur mehr. Ich hoffe, dass dies auch der Serie selbst mehr Fokus gibt – von Maggies Tod abgesehen war dies nämlich einmal mehr eine nur sehr durchschnittliche Folge.

Tödlicher Durchschnitt.

Und das gilt beispielsweise auch für die leicht repitive Danny-Geschichte. Ich heiße es gut, dass er sich so langsam mit Captain Neville anfreundet, oder ihn zumindest respektieren lernt. Doch der Sturm ist milde interessant, und seine Ausbruchsversuche werden langsam öde. Nevilles „Amen!“ und der ironische Einbruch der Decke waren dabei die willkommensten Momente, doch nach wie vor besteht das Problem: Danny ist einfach zu uninteressant, und es braucht stets den Einsatz von Neville, um seine Szenen zu retten.

Einen guten Hauch mehr Mystery verschaffen uns indes noch die Flashbacks, in denen wir erfahren, dass Rachel sich freiwillig der Militia gestellt hat, anscheinend unter Absprache mit Miles. Mir gefällt, wie dicht die Serie Miles in das Beziehungsnetz einwebt – er kennt sämtliche Hauptfiguren, und ich bin gespannt, wie seine Beziehung mit Rachel ausgesehen hat. Es tun sich da noch viele viele Fragen auf, wie ihr Abkommen ausgesehen hat – ist das etwa der Grund, warum Ben so viele Jahre lang nicht von der Militia gesucht wurde? Und denkt Miles etwa auch, Rachel sei tot? Oder warum verschweigt er es Charlie? Und wie lange wird die Serie noch warten, um Danny zu einer interessanten Figur zu machen?

Bla:

– Ah, es ist schon schwierig, sich beim Schreiben über Revolution einer pathetischen Wortwahl wie der der Serie zu entziehen – es ist fast so einfach, dafür muss man nicht mal eine besondere Leuchte sein.

– Es wäre wirklich ausgezeichnet, wenn Aaron dennoch an Tollwut erkranken würde (obwohl Maggie ihm versichert, dass das sehr unwahrscheinlich wäre, aus welchen Gründen auch immer). Und das nicht sofort, sondern mal als Nebenhandlung tiefer in der Staffel.

quelle: offizielle NBC Revolution Twitter Homepage

Das Team auf der Flucht – nun jedoch hoffentlich ohne individuelle Fluchtgedanken.

– Warum hat sich Charlie eigentlich auf der Seite von „Nate“ positioniert, als Miles und „Nate“ sich aufrappeln? Ihre Worte reflektieren ihre Körperhaltung überhaupt nicht.

– Es kam mir sehr merkwürdig vor, wie der Bandit Charlie entführen konnte. Konnten sie es denn gar nicht sehen kommen?

– Die Gegenwarts-Storyline von Rachel finde ich einen Tick unglaubwürdig. Ich weiß nicht so recht, aber anscheinend hat Monroe Rachel in dieser Episode foltern lassen, doch davon war wenig erkennbar. Auch habe ich das Gefühl, dass die Serie davor zurückschrecken wird, ihre Figuren allzu sehr misshandeln – man will schließlich familienfreundlich bleiben. Ein Monroe-Brandmal wäre aber klasse.

– Ich hoffe, es gibt noch ein gebührendes Begräbnis für Maggie. Wehe nicht, diesen Respekt hat sie sich verdient! Ich möchte an dieser Stelle nochmal verdeutlichen, wie gut ich Maggies Geschichte fand, trotz der geringen Zeit.

– Trotz seiner Schwächen schaue ich Revolution nach wie vor jede Woche enthusiastisch.

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

Mit dem Tod einer Hauptfigur kann Revolution in „The Plague Dogs“ einmalig sehr gut punkten – das war tatsächlich sehr dramatisch. Ob es dem langfristigen Wohl der Serie dienen wird bleibt allerdings abzuwarten. Ansonsten ist die Folge einmal mehr recht durchschnittlich – irgendwann sollte da auf jeden Fall mehr kommen.

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