Revolution 1.03 „No Quarter“: Musik.

„Don’t ever, ever disrespect your dad.“

Revolution ist keine bahnbrechende Serie, die die US-amerikanische Serienlandschaft revolutionieren würde, und trotz vieler Ähnlichkeiten mit Sicherheit kein zweites Lost. Doch trotz mehrerer Mängel ist die Serie verdammt unterhaltsam – und „No Quarter“ ist so  ziemlich das Paradebeispiel dafür.

Quelle: Offizielle NBC Revolution Twitter Homepage

Miles (Billy Burke) wird von der Militia (u.a. Mark Pellegrino) gefangen genommen.

Nun mit Nora und einem Scharfschützengewehr im Gepäck machen sich Miles und Charlie auf, um Danny zu befreien. Doch bis es soweit ist, dürfte noch einige Zeit vergehen – erstmal tauchen sie bei einem Rebellenversteck unter, in dem sie prompt von der Militia unter Schuss geraten. Aaron und Maggie finden inzwischen Graces Haus, doch von ihr keine Spur…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Flashback.

No Quarter“ behandelt im Prinzip drei Storylines: Aarons und Maggies Aufenthalt in Graces Haus, Miles, Charlie und Co. im Rebellenversteck, und in den Rückblenden Miles erste Erfahrungen, wie eine stromlose Welt Risse in die amtierenden Moralvorstellungen malte. Die Flashbacks waren hier recht gut implementiert, da sie gleich mehrfach gut zur Hauptgeschichte passten. Einerseits erklärt es die erstmalige Begegnung von Miles und Jeremy, welcher in der Gegenwart der Serie als hochrangiger Handlanger von General Monroe wirkt – obwohl diese Enthüllung, wie leider die meisten in Revolution, ziemlich vorhersehbar war. Zum Teil hat das auch einfach mit dem Casting zu tun: Elizabeth Mitchell und Mark Pellegrino, beide prominente Schauspieler (unter anderem aus Lost), erwecken sofort den Eindruck, tiefgründiger in die Serie verwurzelt zu werden – und so war es keine Überraschung, in der letzten Episode Charlies Mutter am Leben zu sehen, und in dieser Jeremy einerseits auch in der Vergangenheit auftauchen, andererseits in der Gegenwart überleben zu sehen.

Das wichtigere Element des Flashbacks ist jedoch, dass wir Miles besser verstehen lernen – trotz der stellenweise enttäuschenden Besetzung hat Revolution zum Glück eine würdige Hauptfigur gefunden. Der Flashback, wie Miles ein halbes Jahr nach dem Blackout das Zelt mit den Leichen findet und anschließend deren Mörder zur Strecke bringt, illustriert sehr gut, aus welchen Motiven Monroe und er die Militia gegründet haben. „Somebody’s gotta do something – or else there’s gonna be nothing left“, meint Miles, und die Serie bleibt angenehm undurchsichtig, wie genau sich die Militia dann formiert hat. Doch das Bild, das wir bislang von seiner Geschichte präsentiert haben, passt sehr gut: Miles gründete die Militia, um eine gewisse Ordnung wieder herzustellen, doch irgendwann muss er desillusioniert worden sein, von was auch immer, und wendete sich ab. Oder floh. Oder wurde von Monroe rausbugsiert. Gut so! Wie auch Nevilles Verhalten zeigt, versucht man, die Militia und ihre Ideologie ein wenig zu humanisieren – konsistent ist man dabei allerdings nicht besonders.

Charlie, Miles und Nora.

Einer der enttäuschendsten Momente von „No Quarter“ ist vielleicht, wie Jeremy seinen Soldaten befiehlt, ins Feuer des Scharfschützengewehres zu laufen, da er ein Menschenleben als entbehrlicher betrachtet als eine Kugel des Gewehrs. Das stigmatisiert diese Figur nur unnötige, verwandelt sie eigentlich gar in eine Karikatur – und dabei scheint Jeremy sonst eigentlich eine interessante Figur zu sein, mit gemeinsamer Geschichte mit Miles, Monroe und wohl auch Neville.

Zumindest erklärt man durch diese absurde Szene, in der der Scharfschütze Jeremys Soldaten erschießt, warum es nur 15 Jahre nach dem globalen Blackout kaum noch Schusswaffen in Verwendung sind: Es mangelt nicht an Waffen, sondern an Munition. Erneut muss ich mich outen, dass ich kein Experte in der Waffenproduktion bin, aber die Munitionsherstellung müsste doch auch ohne Elektrizität funktionieren? Selbst in Episode 3 herrscht immer noch nicht Klarheit, ob Revolution hier einfach keine gute Erklärung bieten kann, oder ob noch ein weiteres wichtiges Detail fehlt – und solange die Glaubwürdigkeit daran leidet ist das ein Problem.

Ansonsten ist die Folge eher durchschnittlich und bietet mehrere gute und mehrere schwache Momente. Den Jungen, den Charlie traf und der direkt im Anschluss starb, war beispielsweise genau die tragische Figur, die in diese Geschichte passt – und er hatte mehr Chemie mit Charlie als „Nate“. Auch Nora erweist sich einmal mehr als toughes und nützliches Gruppenmitglied. Und die Enthüllung, dass Miles ein General der Militia war, wurde gut behandelt, sorgte für eine interessante Spannung im Lager, und ließ die Gruppe schließlich nicht mit einer Deus Ex Machina ausbrechen, sondern sich ihren Weg freikaufen.

Ihre ursprüngliche Idee, sich hinaus zu buddeln, war hingegen ein Schuss in den Ofen – wie sollte denn das gehen, innerhalb von nur vielleicht einem Tag einen gigantischen Fluchttunnel zu graben? Es wäre plausibler gewesen, die Gruppe nach einem alten Gewölbe suchen zu lassen, von der die Soldaten draußen nichts wüssten. Und auch die Befreiungssequenz gegen Ende lässt zu wünschen übrig – einerseits war nicht ersichtlich, wie Nora und Charlie die Soldaten so schnell einholen konnten, andererseits unlogisch, dass sie Miles so leicht entführen konnten. Die Soldaten könnten auf sie feuern, oder zumindest ihnen nachlaufen, aber nichts – den drein wird eine einfach Flucht gegönnt. Und nein, der Rauch war auch nicht dicht genug, um ungesehens verschwinden zu können, da auch Charlie und Nora etwas sehen mussten.

Quelle: Offizielle NBC Revolution Twitter Homepage

Nora (Daniella Alonso) und Charlie (Tracy Spiridakos) retten Miles – ganz überzeugend ist die Sequenz allerdings nicht. Wenigstens wird wieder Pfeil und Bogen verwendet.

Aaron und Maggie.

Andernorts finden Aaron und Maggie den Dachboden von Grace, und dort Hinweise auf Elektrizität. Aaron gefällt mir als Charakter sehr gut – schon im Piloten applaudierte ich ihn für einen Comic Relief, der nicht einfach bloß „der Dicke“ der Gruppe sei, und in „No Quarter“ beweist er auch, dass er jene Figur ist, die die großen Ansprachen übernehmen kann (und seien sie auch noch so schnalzig wie beispielsweise der Eröffnungsmonolog). Seine „Billy Underwood“-Geschichte beispielsweise, die erzählte, was für eine Ironie es doch sei, dass er nun wieder in einem großen Spielplatz im Grünen sei, wusste zu überzeugen.

Und im Gegensatz zu Maggie überzeugte mich auch seine Reaktion, als der Strom kurzzeitig wieder funktionierte: Musik, die Macht der Musik. (Nicht umsonst trägt er ein unnatürlich gut erhaltenes AC-DC-T-Shirt. Ich wünschte aber, es hätte eine halbminütige Tanzszene mit einem freudentaumelnden Aaron gegeben.) Maggie hingegen enttäuschte mit einer sehr laschen Reaktion auf die Bilder ihrer Kinder – ich dachte, das wäre das einzige, das sie von ihren Kindern noch übrig habe? Ich dachte, sie hat dieses Foto seit 15 Jahren nicht gesehen? Und dann ist ihr Lächeln ihre ganze Reaktion? Und irgendwie enttäuscht es mich auch ein wenig, dass sie dieses Ziel schon eine Folge nach dem erstmaligen Auftauchen des iPhones erreicht – ein Zeichen dafür, dass Revolution sich lieber nicht auf langfristige Details wie diese einlassen möchte.

Überhaupt, der Strom: Ein Vergleich mit Lost ist leicht hergestellt: Lost ließ sich eine ganze Staffel Zeit, bevor man an die teilweise Re-Zivilisierung der Hauptfiguren dachte, Revolution hingegen fängt bereits in der dritten Episode damit an, die Wiederherstellung des Stroms als zentrales Element zu behandeln. Ich für meinen Teil würde mir wünschen, dass Revolution da ein wenig auf die Bremse steigen würde, auch wenn nicht ganz so lange getrödelt werden muss wie in Lost. Jedenfalls lässt man sich den Talisman weiterhin als Notlösung offen: Wie Aaron den Strom reaktiviert hat weiß er nicht. Das nächste mal wird er also wieder funktionieren, wenn sie ihn dringend brauchen.

Bla:

– Wenn Kugeln so wichtig sind, warum verschwendet Jeremy dann eine, um einen Rebell hinzurichten? Oder wichtiger noch: Warum lässt er dann eine Art Artillerie auf das Rebellenversteck schießen?

– Ebenso mir ein wenig unerklärlich: Zu Beginn bricht Jeremy sein Wort und ermordet den Rebellen, doch später verpricht Miles, dass Jeremy ein Mann seiner Worte sei.

– „Err… is this a private conversation?“ – „Yes.“ bzw. „No.“ antworten Miles bzw. Nora gleichzeitig, als sie über ihre ehemalige Beziehung redeten. Gut, dass Revolution das nicht überdimensional dramatisch gestaltet.

– Achja, Danny: Es passiert eigentlich nicht viel bei ihm. Es macht schon Sinn, dass auch die Militia-Soldaten ihre Verluste betrauern, aber da Neville diesmal großteils fehlte und die „coolen“ Zeilen Danny zugeschoben wurden, macht sein Handlungsbogen hier nicht viel her – all seine Zeilen werden in etwa gleichbleibendem Tonfall geliefert Außerdem passiert eh nichts relevantes.

– Noras Geschichte ist traurig, aber ein wenig abgeschottet von all dem restlichen Geschehen. Meist kommt es mir vor, dass Revolution übertrieben schnell versucht, die Hintergrundgeschichte von Figuren zu erzählen.

– „The rules have changed, kid.“

Fazit: 7,0 von 10 Punkten.

Der Unterhaltungswert bleibt gleich, die Qualität steigt: Trotz der überwiegenden Abwesenheit von Captain Neville kann sich Revolution von der Vorepisode steigern – gewisse Ecken und Kanten in Handlung und den Figuren sind der Serie allerdings nicht abzusprechen.

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