South Park 16.08 „Sarcastaball“: Reine Sicherheitsvorkehrungen.

„Let’s do this. Stan, hook up my bra.“

South Park ist wieder da: Nach der langen Sommerpause geht nun also die sechzehnte Staffel weiter. Man möchte meinen, das Team würde die Zeit nützen, um ein paar reichhaltige Episoden hinzuzaubern, aber dann kommt wieder so eine Folge wie „Sarcastaball„, der man es förmlich ansieht, wie sie in einer Woche zusammengeschustert wurde.

Quelle: southparkstudios.com

Um American Football weniger gefährlich zu machen, müssen die Spieler mit Alufolie-Hüten und BHs spielen sowie mit Nettigkeiten nicht geizen.

Sind Sportarten zu gefährlich? In Amerika ist man anscheinend dieser Meinung, und versucht, Regeln in Football u.ä. zu implementieren oder ändern, um die Verletzungsquote zu senken. Randy macht einen sarkastischen Kommentar, um die Sportart zu entschärfen – und plötzlich schwappt eine Sarkasmus- und Verweichlichungswelle durchs Land.

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

 

Vielleicht ist es, weil ich nicht gerade täglich Sportnachrichten schaue, aber ich glaube, in Europa ist diese Debatte, ob Boxen, American Football und Co. nicht zu gefährlich für den menschlichen Körper sind, nie wirklich ausgebrochen. Auch vom Katalysator abgesehen gibt es ordentlich viele Gags und Promis, die unsereins nicht versteht oder kennt. Das ist kein Mangel, aber zumindest fühlt sich „Sarcastaball“ ein wenig gestreckter und belangloser an als für amerikanisches Publikum.

Dennoch sind die zwei Hauptaspekte der Episode universelle Konzepte: Sarkasmus und, äh, cum. Ich will gleich letzteres aufgreifen: Ich für meinen Teil bin kein großer Fan von South Parks größeren Niveaulosigkeiten wie diesen, solange sie sinnvoll in eine Folge integriert werden und/ oder auch tatsächlich lustig sind. „Sarcastaball“ erfüllt keine dieser Kategorien – bei der Enthüllung, dass Butters seine Flüssigkeit in kleinen Phiolen im Schrank versteckt, fand ich noch angenehm verstörend, im Sinne von: Manchmal kann die Serie schon noch ein wenig schockieren, und hier wird ja schließlich darüber gewettert, dass vor allem religiöse Eltern ihre Kinder lange nicht über solche Dinge aufklären, und generell wenig über das Leben der Kinder wissen. Doch dann leckt South Park Blut an dieser kuriosen Idee, lässt Butters die Phiolen für Geld verkaufen und alle Bewohner davon trinken. Das finde ich einfach nur eklig. Dazu passt es im Grunde überhaupt nicht zum Schwerpunkt der Folge, und zusätzlich gelingt den Drehbuchautoren nicht einmal, diese zwei Geschichten sinnvoll zusammen zu führen.

Der Sarkasmus ist der dieswöchige Witz, den die Serie zu Tode reitet. Dabei passiert allerdings etwas, was man von solchen Gags kaum erwartet: Er wird besser, je länger man ihn verwendet. Die Geschichte startet nämlich eigentlich sehr unspektakulär, als Randy gegen die Regeländerungen im Schulsport protestiert und anschließend Sarcastaball begründet. Zu diesem Zeitpunkt tritt sich die Serie auf die Füße und bietet bloß magere Unterhaltung, doch spätestens, als Sarcastaball an Popularität gewinnt und Randy zu einem Interview ins Fernsehen geladen wird hebt der Sarkasmus-Witz ab. Plötzlich ist man gezwungen, jeden Satz doppelt abzuwägen, ob und wie sarkastisch er gemeint ist, und das ist durchwegs sehr unterhaltsam. Zwar fliegen dann auch ein paar witzlosere Sachen durch die Gegend (der Angriff gegen CeeLo ist beispielsweise komplett aus der Luft gegriffen), aber im Großen und Ganzen ist das ein gelungener Segment der Episode – sei es das TV-Interview, das Gespräch mit dem Doktor oder die verzerrt erzählte Moral.

Insgesamt aber fehlen der Folge einerseits eine clevere Geschichte, und andererseits die großen Lacher. Schmunzler gab es dafür aber zumindest einige, zum Beispiel dank Butters Vater: „Alright, this happy feeling… let’s just not talk about it“ gibt er beispielsweise von sich, als sich sein Sohn hilfesuchend an ihn wendet, weil er nächtens ejakuliert. Diese ins blasphemische reichende Verspottung der Prüderie religiöser Menschen war wohl der einzig gute Aspekt an Butters Nebengeschichte – schade, eigentlich, sonst funktionieren die Butters-Episoden sehr gut. Auch gut war die Erklärung einer Erektion als „friendly compass“, der nach oben steht „because Jesus is your friend.“

Bla:

– Clyde kann am besten Umarmen.

– Ich fand es gut, wie Sarcastaball selbst Cartman in ein Weichei verwandelte. Ansonsten gabs von den Jungs allerdings nichts zu sehen, außer sie kurz in den dämlichen BHs rumspielen zu sehen.

– „How about last night’s nail biter that ended 0 to 0?“ Diesen „check that“-Witz habe ich nicht verstanden, aber diese Nägelbeißer-Aussage ließ mich schmunzeln.

– „What’s sarcasm and what’s cum?“ – „We’ll talk about that when we’re older.“

 – War das zu Beginn der Episode eine Referenz auf den Gangnam-Style?

– „Oh Butters, you know how I feel about the captains of sports teams?“ Haha, manchmal gelingt es der Serie schon, mit einem One-Liner einen wirklich treffenden Kommentar abzugeben, und dieses Wendy-Zitat trifft die alberne Kapitäns-Popularität an amerikanischen High Schools wirklich zu gut. Ebenfalls: „Cuddle up!“, als sie sich für eine Teambesprechung sammeln.

Fazit: 6,5 von 10 Punkten.

Eine sehr durchschnittliche Episode von Southpark:Sarcastaball“ hat zwar ein paar witzige Elemente und kann die Grundidee des Sarkasmus witzig einbauen, ansonsten ist die Episode allerdings eher mau, mit wenig richtigen Lachern und dem Zurückgreifen auf Ekel erregen, um die Zuseher künstlich zu schocken.

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3 Gedanken zu “South Park 16.08 „Sarcastaball“: Reine Sicherheitsvorkehrungen.

  1. Kann es sein, dass die Folge in Deutschland erst am 6. Oktober freigeschalten wird? Unter southpark.de steht, man könne die erst ab da sehen, was aber irgendwie der Möglichkeit widerspricht, dass du die schon gesehen hast. Oder… darf man in Österreich die US-Seiten aufrufen?

    • Richtig, in Österreich kann man die US-Seite aufrufen. Bedenke aber auch, dass man stets nur die aktuellste Folge ansehen kann, und meine Sarcastaball-Review im Grunde am Tag vor der Premiere der neuen Folge erschien.

    • Sprachbarrieren kann man offenbar besiegen, Ländergrenzen können sich auflösen, Menschen zusammenfinden, aber diese Sandkasten-Grenzen („Nein, mit mein Schäufelchen ist in deinem Land nicht verfügbar“) in der Medienwelt wird man offenbar nicht los. Finde ich… ätzend.

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