Revolution 1.02 „Chained Heat“: Kopfgeldjäger, Gefangenenlager.

„If you want your son, you’re going to talk.“

Revolutions „Pilot“ erntete gemischte Kritiken, ich hingegen war eigentlich von der Serie und insbesondere ihrer interessanten Ausgangssituation recht angetan. Umso enttäuschender ist es dann, dass die zweite Episode der Serie, „Chained Heat„, nicht nur die Schwächen des Erstlings neu aufwärmt, sondern die Plotlöcher noch ein wenig weiter wachsen lässt.

Quelle: https://twitter.com/NBCRevolution

Mäßig interessant und originell präsentiert Revolution diese Woche Miles‘ (Billy Burke) Kampf gegen Kopfgeldjäger und den Angriff auf ein Gefangenenlager.

Charlie konnte Miles davon überzeugen, mit ihr nach Danny suchen zu gehen. Um ihn aus den Fängen der Militia zu befreien benötigen sie jedoch Hilfe, und Miles möchte dafür seine alte Bekannte Nora aufsuchen, eine Sprengstoffexpertin. Nur blöd, dass diese ebenfalls von der Militia gefangen genommen wurde…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Letzte Woche erwähnte ich, wie man die Prämisse mit dem totalen Stromausfall einfach hinnehmen müsse, und erst dann die Serie genießen kann. Ich erklärte mir das Fehlen von weit verbreiteten Waffen, besonders die durchschlagskräftigeren wie Maschinengewehre, ebenfalls durch den globalen Energieverlust. Doch in einem Gespräch mit einem Kollegen wurde mir bewusst: An Maschinenpistolen ist nichts elektrisch, und der Pilot hatte nichts getan, um deren Fehlen zu erklären. „Chained Heat“ streut da Sand in die Wunde: Diese Waffen funktionieren tatsächlich noch, nur scheint sie kaum jemand zu verwenden.

Man versucht das durch die Konfiszierung aller Waffen von der Militia zu erklären, aber dennoch: Selbst wenn die Produktion dieser Waffen gestoppt ist, es müssten noch genügend im Umlauf sein, um jeden Mann von der Militia auszustatten. Trotzdem gibt es im Gefangenenlager nicht einmal eine Hand voll Schusswaffen, stattdessen wird wieder zur Nahkampfwaffe gegriffen. Wie auch schon im Piloten ist das hübsch anzusehen, fühlt sich aber sehr konstruiert an (und durch diese Ungereimtheiten mit den Waffen gerät die ganze Energielosigkeits-Logik ins Wanken).

Dieses künstliche Gefühl durchzieht die gesamte Episode. Man merkt gar zu deutlich, dass man in dieser zweiten Episode verschiedene Aspekte in die Serie einführen möchte, die in der Episode davor nicht eine Erwähnung fanden. Doch Revolution begnügt sich nicht damit, in Nebenbemerkungen neue Handlungsstränge einzuführen – nein, stattdessen wird es einem förmlich ins Gesicht geworfen, so deutlich wird es bekräftigt. Da wäre beispielsweise Maggies rosa iPhone, eigentlich eine gute Idee. Doch mechanisch  wird sie in Szene A vorgestellt, und munter plappert sie in Szene B aus, was es damit auf sich hat: Darauf sind die letzten und einzigen Fotos ihrer Kinder gespeichert. Damit ist eigentlich fast schon vorgegeben, was passieren wird: Sie finden Strom, laden das Handy auf, sie sieht die Fotos und bricht in Tränen aus, Ende dieses Handlungsstrangs. Äußerst prozedural und wenig spannend – da hätte man ruhig ein paar Episoden mit der Erklärung der Bedeutung des iPhones warten können.

Selbiges könnte man über die „Enthüllung“ sagen, die ich ganz ohne konkreten Hinweis schon in der Staffelpremiere voraussah: Elizabeth Mitchells Mutter Matheson lebt. Kurioserweise setzt Revolution den Trend fort, sein Pulver sehr schnell zu verschießen, obwohl gerade ein längsameres Erzähltempo mit intensiverer Charakterisierung der Serie gut tun würde. Derzeit sind Charlie und Danny noch zu weit davon entfernt, wirkliche Sympathieträger zu sein, um große Emotionen durch diese Enthüllung zu generieren. Wir wissen auch noch zu wenig über die beiden, und da könnte die Serie nun langsam in die Gänge kommen.

Dasselbe könnte man über Grace sagen, die Frau, die einen Computer in ihrem Haus stehen hat. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass es ein kompletter Zufall war, dass Danny ausgerechnet in ihr Haus getaumelt war – erneut ein kleiner Riss in Revolutions Fassaden. „Randall is here“, warnt Grace noch ihren mysteriösen Chatpartner, bevor dieser zielsicher ihren Dachboden betritt. Ein guter Cliffhanger, der uns noch völlig im Dunkeln über Randall, den PC, und eigentlich auch Grace lässt.

Chained Heat“ hat noch ein paar weitere gute Elemente: Einen besonders schönen Touch fand ich zum Beispiel, dass die US-Flagge nun als ideologisches Erkennungsmerkmal von Rebellen gilt – ein andersartiger, heroischer Patriotismus, den auch wir Nicht-Amerikaner hier gut nachvollziehen können. Das US-Tattoo auf dem Rücken von Nora, einer auf ersten Blick recht interessanten und das Team auch schauspielerisch verstärkenden Figur, ist dagegen wieder ein bisschen viel des Guten und ist ein weiteres Beispiel dieses oben schon erwähnten Schemas mit A und B.

https://twitter.com/NBCRevolution

Eins muss man der Serie wirklich lassen – sie sieht verdammt gut aus. Besonders hübsch diesmal der ausgetrocknete Fluss, in dem sich Nate und Charlie (Tracy Spiridakos) trafen.

Zur Struktur: Die Flashbacks sind recht interessant, brauchen aber eine stärkere Einbindung in die Hauptgeschichte. Eine kleine thematische Überschneidung gab es immerhin – sowohl Charlie als auch ihre Mutter Rachel erfahren an diesem Tag, was es bedeutet, ein Leben zu nehmen. Leider war das auf beiden Seiten nicht all zu sehr herausgearbeitet: Der verdammt gute Flashback diente zur Illustrierung zum Thema „harte Zeiten erfordern harte Mittel“, doch in der Gegenwart der Serie hätte schon mehr passieren sollen, als dass Charlie bloß sagt, dass es schwierig für sie sei, Menschen zu töten – ohnehin sehr abgedroschen und voraussehbar. Vielmehr zeigt es auch, dass trotz ein paar wirklich toller Figuren, vor allem Miles und Neville, Revolutions Hauptfiguren noch nicht besonders interessant sind. Und das sollte sich besser schleunigst ändern.

Bla:

– Vielleicht wurde ja eine Szene dazwischen herausgeschnitten, aber der Kopfgeldjäger tauchte wirklich besonders schnell wieder auf, nachdem Miles ihn in einem Schwertkampf besiegt hat.

– Schwaches Drehbuch: Ich habe selten jemand so schlecht lügen gesehen wie Miles: In einem Moment will er sie gar nicht kennen, und im nächsten muss er es sofort zugeben, als sie die Frauen bedrohen beginnen. Ganz ehrlich, wie wollte er denn mit dieser Nummer durchkommen?

– Täuscht es mich oder hat Danny einen deutlich anderen Haarschnitt? Da war der Haarstylist nicht sehr aufmerksam (auch wenn zwischen dem Dreh eines Piloten und einer zweiter Episode häufig viel Zeit verstreicht).

– Die Sequenz zu Beginn gefällt. Solch eine kurze Rede über das Setting der Serie kam auch bei Alias schon immer gut rüber, und Revolution kann dazu gleichzeitig mit seinen guten Animationen angeben.

– Die obligatorische Nate-Charlie-Szene war auch drin. Ich habe jetzt schon das Gefühl, dass J.D. Pardo der Rolle einfach nicht gewachsen ist, aber ich lasse mich gern anderweitig überzeugen. Das Fesseln an die Telefonzelle war dafür recht witzig.

– Captain Tom Neville (Giancarlo Esposito, bekannt aus Breaking Bad) macht einen guten Eindruck soweit – seine Szenen gefallen mir, und bislang bekommt er eigentlich die beste Charakterisierung.

– Die Flashbacks erinnern mich frappierend an Flash Forward, vor allem wegen den Kindern (und natürlich den Lost-Alumni-Müttern).

Fazit: 6,0 von 10 Punkten.

Chained Heat“ lässt mich kalt: Im Großen und Ganzen ist die Geschichte zwar recht ordentlich, doch unzählige Details lassen zu wünschen übrig, unter anderem auch auch jene, an denen Revolution schon im Piloten kränkelte: schwächelnde Schauspieler, Logiklöcher (Was ist mit den Waffen?), und Probleme mit dem Erzähltempo, das die Serie einfach nicht berührend macht. Derzeit fehlt Revolution der Funke.

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Ein Gedanke zu “Revolution 1.02 „Chained Heat“: Kopfgeldjäger, Gefangenenlager.

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