Revolution 1.01 „Pilot“: Stromausfall.

„It’s all gonna turn off. And it will never ever turn back on.“

Da ist sie also nun – der vielleicht heiß erwartetste Serienneustart des Jahres, Revolution. Ich gebe es zu: Ich sehe mir alles an, wo J.J. Abrams nur irgendwie die Finger im Spiel hat, um herauszufinden, ob es sich nicht vielleicht um das neue Lost handelt. Revolution ist das jedenfalls sicher nicht, dennoch wurde ich nicht enttäuscht.

Quelle: revolution-show.com

Das Jahr 2027: Ohne Elektrizität verfallen die Städte, die Menschen flüchten aufs Land.

Auf der gesamten Erde herrscht Stromausfall. Für immer. Doch nicht nur Elektrizität funktioniert nicht mehr, auch Batterien, Dynamos usw. scheinen keine Energie mehr zu erzeugen. Die Menschheit stürzt ins Chaos, Regierungen fallen, lokale Militärgruppen formieren sich, und schlagartig sieht die Erde im Dunkeln ganz anders aus.

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Uhr.

Eine sicher kontroverse Entscheidung der Produzenten ist es, die Pilotfolge rasant durch die Ereignisse rattern zu lassen, vor allem zu Beginn. Es war fantastisch zu sehen, wie die Lichter ausgingen – die Menschen sind verwirrt, die Kinder haben Angst, das Flugzeug stürzt ab, mitten in eine Nachbarschaft, und tötet hunderte von Menschen – für mich tauchte tatsächlich kurz ein Gefühl wie bei Cloverfield auf (auch von J.J. Abrams), da hier wie dort die Menschen hilflos einer größeren Macht ausgeliefert sind. Ich habe das Gefühl, man hätte hier durchaus mehr Material daraus schlagen können – aber andererseits kann die Serie das auch mit Flashbacks im Nachhinein anstelen, so sie denn will. Und tatsächlich man darauf auch abzuzielen, denn im großen Zeitsprung von 15 Jahren ist so einiges passiert, das Erklärung bedarf.

Den Zeitsprung empfand ich ausgezeichnet verarbeitet und sehr poetisch vertont – Teile des Voice-Overs können in diesem Trailer gehört werden: „We used electricity for everything, even to grow food and, and pump water. But after the blackout, nothing worked. […] So, what the hell happened?“ Ein Wort der Warnung jedoch: Dieser Trailer ist zwar äußerst ansprechend, allerdings in Wirklichkeit eine Zusammenfassung der ersten Folge. Aber auch im Nachhinein sehe ich ihn mir noch gerne an – wegen der tollen Musik und der teils poetischen Sprache.

Noch besser kann die Serie allerdings mit Bildern sprechen, und diesbezüglich ist sie wirklich ausgezeichnet. Das beginnt schon bei den ausgezeichneten CGI-Effekten, die verdammt realistisch die von der Vegetation überwucherte verlassene Zivilisation darstellt. Und „Pilot“ geizt hier sicher nicht mit tollen Bildern – die überwucherten Großstädte, verrostete Autos, die als Blumenbeet verwendet werden, das stillstehende Riesenrad, der umgekippte RV, das verlassene Flugzeug, das verfallene Baseballstadium von Chicago – ein echter Augenschmauß, der das Setting der Serie glaubhaft und gleichzeitig schön rüberbringen kann.

Schachfiguren.

Als die Serie dann allerdings 15 Jahre nach dem Blackout so richtig losgeht, stößt sie schon bald an ihre erste große Hürde: die Schauspieler. In dieser ersten Episode haben sie mich jedenfalls nicht gerade vom Hocker gehauen, derzeit erscheinen die meisten einfach noch nicht wirklich sympathisch. Vor allem die zwei Teenager bereiten mir da ein wenig Sorgen – Dannys Weigerung beispielsweise, die Waffe runterzunehmen, sodass er den Tod seines Vaters verschuldet, erntet ihm nicht gerade Sympathiepunkte, und so ist es mir derzeit noch egal, ob er von der Monroe-Militia verschleppt wird oder nicht. Und um ehrlich zu ist sein Asthma- Leiden eine ziemlich fade Eigenart, und dazu auch noch eine, die man nicht so leicht aus der Serie rausschreiben kann. Überhaupt sind diese zwei Figuren, Charlie und Danny, felsenfest in der Serie verankert, und deshalb müssen diese zwei Figuren absolut noch sympathischer, interessanter werden.

Quelle: http://nbcrevolution.tumblr.com/

Großartiges Set-Design, doch noch problematische Figuren: Charlie (Tracy Spiridakos).

Auf Anhieb richtig toll hingegen fand ich die dritte Hauptfigur, den von Billy Burk verkörperten Miles. Es ist wohl ein altes Klischee, dass auf der Seite der Guten des Öfteren ein aus dem Ruhestand zurückkehrender Schwertmeister kämpft, der durch die anderen Hauptfiguren eine neue Berufung findet. Aber genauso wahr ist es, dass diese Figur nunmal verdammt interessant ist, egal ob sie Gandalf, Master Yupa, Obi-Wan Kenobi oder eben Miles Matheson heißt. Dazu noch einen guten Schuss Humor, einen guten Schauspieler – und schon hat man von Episode 1 weg einen Sympathieträger. Auch direkt gefallen hat mir Aaron, der comic relief und fast schon eklatante Abklatsch von Losts Hurley (Millionär! Dick! Lustig!). Besonders angetan hat es mir hierbei seine Anekdote, dass er in Chicago geheiratet habe – und wie wir sehen ist sie mittlerweile nicht mehr da. Aaron ist also kein dummer dicker Loser, sondern eine ernst zu nehmende Person.

Alles andere als gefallen hat mir hingegen die Rolle von Nate. Er sieht aus wie ein Model und erinnert frappierend an Jacob aus Twilight – hübsch, aber uninteressant. Diese Romeo-und-Julia-Romanze erinnert mehr an eine Teenie-Soap als das post-apokalyptische Drama, das Revolution nunmal ist. Unglücklicherweise scheint diese zukünftige Liebesbeziehung zwischen ihm und Charlie so zentral in die Serie integriert zu sein, dass die Serie diese Figur noch eine gute lange Weile mitschleppen wird – und deshalb muss man auf jeden Fall dafür sorgen, dass Nate mehr wird als bloß der plötzlich von Amors Pfeil getroffene Schönling.

Ich ackere am besten gleich alle Figuren ab, also weiter: Wie gut Esposito in die Serie passt, vermag ich derzeit noch nicht zu sagen – in meinem Kopf steckt in ihm noch zu sehr Gus Fring drin, als dass ich die zwei wirklich separieren könnte. Bislang verstreute er aber mehr Charisma als Monroe selber (von dem wir zugegebenermaßen noch nicht viel wissen). Über Charlies und Dannys Stiefmutter Maggie wissen wir noch wenig – aber es tut immer gut, einen Heiler in der Gruppe zu haben. Und auch noch Erwähnung finden darf die tatsächliche Mutter, die in den fünfzehn Jahren angeblich verstorben sei. Ganz ehrlich: Wenn wir ihren Tod nicht innerhalb von ein paar Episoden auf dem Bildschirm selbst sehen, verwette ich meinen Hut darauf, dass sie noch am Leben ist. Das gabs schließlich auch schon in Alias, und würde auch ziemlich gut in die Revolution-Geschichte hineinpassen – wenn just in dem Moment, in dem Maggie und Charlie sich endlich näher kommen, die tatsächliche Mutter, übrigens von Lost-Alumni Elizabeth Mitchell gespielt, auftaucht.

Schachbrett.

Pilot“ lässt die Geschichte auseinanderdriften, als Danny und Charlie getrennt werden. Dannys Storyline ist sicher die unspektakulärere – er wird gefangen genommen, flüchtet, und wird dann wieder geschnappt. Zumindest macht uns dieser Handlungsweg mit einer Frau bekannt, die heimlich noch Strom besitzt. Allerdings ist diese Entwicklung sehr unnatürlich – entweder ist sie eine von vielen, die so eine Maschine in ihrem Haus versteckt, was es aber unahrscheinlich macht, dass es sich dabei noch um ein Geheimnis handle. Oder es handelt sich schlichtweg um puren Zufall, dass Danny genau in dem Garten dieser Schlüsselfigur einen Asthma-Anfall hat.

Noch wissen wir wenig über diese geheimnisvolle Stromquelle, doch Revolution macht schon von Minute eins weg klar, dass es sich bei dem Medaillon / USB-Stick um einen integralen Bestandteil der Hauptmythologie der Serie handelt. Das fügt sich sehr nahtlos in das angestrebte Genre ein, eine Art post-apokalyptische Abenteuerserie mit einigen Drama- und Mystery-Elementen. Noch ist natürlich nicht abzusehen, wohin genau die Serie driften möchte – ein Bürgerkrieg gegen die Militia? Eine Art The Walking Dead mit Charlie statt Daryl? Oder mehr Indiana Jones durch die Wildnis Nordamerikas?

Der Pilot geizt jedenfalls nicht nicht Actionserien, und manche werden sagen – nicht genug. Die Räuberszene im Flugzeug beispielsweise war in rund einer Minute entschärft. Das hätte ruhig bedrohlicher (nämlich: länger) sein können, anstatt nur in ein paar Minuten abgefertigt. Und key, könnte Maggie den anderen nicht sagen, dass sie vergifteten Alkohol mitführt? Sie wissen doch, dass Aaron gern einmal etwas trinkt…

Richtig klasse war dafür die zentrale Schwertkampfszene der Episode. Diese fand in wunderschöner Umgebung statt, war durchaus lang und intelligent choreografiert, sodass diese wunderschöne Häuserruine, in der ein richtiges Tempelgefühl herrschte, auch mit in den Kampf einbezogen wurde. Und so kreiert die Serie, obwohl sie mitten in Chicago sind, eine ungeheure Abenteuerstimmung, die Lust auf mehr macht.

Bla:

– „It’s happening, isn’t it?“

– Den Wissenschaftern, die jetzt sagen: „So einen globalen Stromausfallen kann es gar nicht geben!“, kann ich nur antworten: Es ist nunmal eine Sci-Fi-Geschichte, und diese operiert halt mit der Prämisse, dass es möglich wäre, wahrscheinlich mit einer bestimmten Technologie. Ich tu mir nicht schwer dabei, den Blackout einfach zu glauben – erst danach muss für mich die natürliche Logik einsetzen.

– Ich fand klasse, wie das Buggs Bunny-Bild am Fernseher beim Blackout verzerrt wurde – es sah aus, als würde er schreien und auseinandergerissen.

– Die Prämisse der Serie, ohne Elektrizität und Maschinen auskommen zu müssen, sorgt für eine sehr interessante Umgebung. Ich glaube, mein Lieblingseffekt ist, dass automatische Schusswaffen nicht funktionieren, und deshalb in einer modernen Ära glaubhaft auf Pfeil und Bogen sowie Schwertkämpfe zurückgegriffen wird – etwas, das sonst fast nie einer Serie gelingt.

Quelle: http://wilmonfilm.blogs.starnewsonline.com/category/locally-filmed-television/

Ein schöner Touch des Piloten: Die Postkarten in Charlies Erinnerungsbox. Kurz darauf stößt die Gruppe (u.a. J. D. Pardo, Anna Lise Phillips) auf das verwahrloste Stadion.

– „So you are gonna help me get him back.“ „Why’s that?“ „Because we’re family?“ Ich find es einfach klasse, wie sie zum Schluss das Fragezeichen einfügt.

– Ich weiß nicht warum, aber ich finde, dass Nates Rückzug aus Miles‘ Bar unglaublich elegant und klasse aussieht. Obwohl er rückwärts geht sieht es aus, als ob er auf Rollen nach hinten geschoben wird, so ruhig und fokussiert hält er den Bogen. Es erzeugt die Illusion, dass er schon seit vielen Jahren mit dem Bogen arbeiten würde, und auch für ein schnelles Rückzugsmanöver ausgebildet ist.

– RVs sind wirklich grad schwer im Trend im amerikanischen Fernsehen. Breaking Bad, The Walking Dead, und nun auch Revolution. Wenn auch nur kurz.

– Einige Plotholes in der ersten Episode: Warum haben alle Figuren perfektes Make-up? Ich kann verstehen, dass die Eitelkeit des 21ten Jahrhunderts nicht einfach so verschwindet, aber so perfekt auszusehen, und das an einem ganz normalen Arbeitstag? Oder warum gehen die Lichter der Autos nacheinander aus? Das sieht zwar sehr hübsch aus, passt aber nicht mit der Animation zusammen, die die Lichter der gesamten Erde in Sekundenschnelle verschwinden lässt. Alle haben aber den Effekt: Die Serie sieht hübsch aus.

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

Revolution ist ein interessanter Mix aus Genres, macht als Abenteuer- und seichte Mystery-Serie schon ordentlich was her – das Drama hingegen war bislang ein wenig unbeholfen. Unglücklicherweise sind gerade jene Aspekte, die in „Pilot“ nicht so gut funktionieren, felsenfest in der Serie integriert (Schauspieler

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Ein Gedanke zu “Revolution 1.01 „Pilot“: Stromausfall.

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