Person of Interest 1.06 „The Fix“: Problemlösungskompetenzen.

„Ich habe keine Dinge, die ich liebe.

So langsam lässt sich an der Qualität der Episoden von Person of Interest, oder zumindest dem Gefallen, den ich an ihnen finde, eine gewisse Regelmäßigkeit feststellen: Jedes mal, wenn Reese eine interessante Verbindung zur wöchentlichen Nummer aufbauen kann, ist die Episode um ein ganzes Eck interessanter. Und zum Glück gehört „The Fix„, auf Deutsch wunderschön „Problemlösungskompetenzen“ betitelt, zu dieser Kategorie.

Quelle: tv.msn.com

Reese (Jim Caviezel) gibt sich als Chauffeur für Zoe Morgan (Paige Turco) aus.

Die Person of Interest der Woche ist Zoe Morgan, eine Frau, die mit Informationen handelt, Kontakte knüpft und Mittelsfrau verschiedener Parteien ist – und das nicht immer im ganz legalen Bereich. Und dann trudeln auch schon die Verdächtigen ein – Mark Lawson beauftragt Zoe, eine Audioaufnahme für ihn zu beschaffen, und gelangt dabei prompt in einen Hinterhalt…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Die Episode beginnt in medias res – ich habe sogar extra die Aufnahme noch einmal angesehen, um sicherzustellen, dass davor keine Expositionsszene kam. Und so beginnt die Episode durchwegs sehr spannend, in denen sie uns noch über die Lebenslage von Zoe im Dunkeln lässt. Wie bei Person of Interest üblich ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint, als Zoe auf den Polizeichef Gilmore herantritt, doch wie vielleicht nicht immer bei Person of Interest üblich ist das auch ziemlich gut in Szene gesetzt. Spannung war dank des dunklen Gangs und der mangelnden uns zugänglichen Informationen genügend vorhanden.

Aber auch als die Episode in ihre zweite Phase gelangt – als nämlich Reese seine Tarnung als Fahrer auffliegen lässt – ist gelungen. Zu verdanken ist das der guten Chemie zwischen Reese und Zoe, nicht im Sinne von Funken sprühen, sondern als zusammenarbeitendes Team. „Wir sind in der selben Branche“ trifft es da wohl sehr gut, und diese Partnerschaft kommt sicher unerwartet – wer hätte gedacht, das Reese-Finch-Duo könne noch ein weiteres Teammitglied vertragen? (Obacht, Sarkasmus.) In jeder bisherigen Episode baut Reese eine gewisse Beziehung zu den zu beschützenden Personen auf, und Zoe ist sicherlich bislang die interessanteste Bekanntschaft davon. Interessanterweise bietet sich ihre Figur durchaus dazu an, eines Tages wieder in der Serie aufzutauchen – ich würde es hoffen!

Der Fall selber – eine skrupellose Medikamenten-Firma, die Tests fälscht und dafür auch über Leichen geht – sowie die Verbrecher-der-Woche, deren Eigentümer, sind eher Durchschnittsware. Eine schönes Detail empfand ich, wie schwachbrüstig sich Lawson gab, und wie sein Vater ihn mehrmals darauf hinwies – und dieser Zug war nicht bloß kosmetisch, sondern auch der Grund, warum er die gefangen genommenen Zoe und Reese nicht umbringen ließ, sondern bereitwillig Zoes Geschichte vom Absenden ihrer Nachricht glaubte. Aber auch Finchs Involvierung in die Firma war ein feiner Schachzug – zum einen gefällt mir, wieviele alternative Identitäten Finch verfügt, und dass er mit ihnen früher oder später bei der Polizei (Carter) auffliegen wird. Andererseits bereichern sich er und Reese wieder einmal auf Kosten der Verbrecher (auch wenn sie zum Schluss teilweise oder ganz gespendet werden) – ihre Operation möchte ja durchaus finanziert werden.

Getragen wird „Problemlösungskompetenzen“ allerdings die alles andere als passiv involvierte Zoe. Besonders ihr platonischer Kuss mit Reese, der als Ablenkungsmanöver für ihre heimliche Übergabe einer Büronadel diente, hat es mir angetan – die beiden lieben sich nicht, und bei Reese ist ohnehin fraglich ob er je wieder eine Frau lieben kann, und so ist so ein nicht der Liebe willen gegebener Kuss das höchste der Gefühle in dieser Hinsicht. Und mal ehrlich, so ein Todeskuss kann schon was! Überhaupt wird in der Episode mit der gegenseitigen Anziehung der beiden gespielt („Augen auf die Straße, John!“), und es ist der Verdienst des guten Gespürs der Drehbuchautoren, dabei maßvoll zu bleiben und lieber zu reizen.

Auch abseits von Reeses Aktivitäten läuft es in dieser Episode recht rund. Schön zu sehen, dass Finch wieder mal sehr aktiv ist, und das nicht nur hinter dem PC, wo er für Reese die verschiedensten Sachen hackt (obwohl das auch zur Genüge vorhanden ist). Besonders schön fand ich seine Anekdote von seiner früheren Erfahrung mit Nummern, bevor er Reese getroffen hatte und nur hilflos zusehen konnte, wie viele der Nummern nur Tage später tot aufgefunden wurde. „Die Nummern waren wie Albträume…“ Eine gute Idee der Serie, vorherige Nummern in die jetzigen Folgen miteinzubinden.

Auch Carter hat diese Woche eine kurze eigene Storyline: die Geschichte rund um den Mord von Marlene Elias, in „Mission Creep“ erstmals erwähnt, vorantreibt. Das heißt, eigentlich möchte die Serie lieber noch ein bisschen auf der Stelle treten, und ich fand es schon ein wenig klischeehaft, dass Carters Kontaktmann ihr lieber die Informationen persönlich geben möchte, und daraufhin noch schnell ermordet wird. Trotzdem gibt uns die Serie zu verstehen: Marlene Elias ist tot, doch sie hatte einen Sohn, und der ist zur Zeit verschwunden.

Und um das Eingangszitat dieses Artikels, abgegeben natürlich von Reese, zu wiederlegen: Doch, es gibt etwas, das er liebt. Und damit setzt man im Prinzip direkt auf seine Dankesrede an Finch aus der vorherigen Episode fort: Seinen Job. (Die Serie hätte das durchaus selbst verdeutlichen können.)

Bla:

– Ich bin mir ziemlich sicher, dass Zoes deutsche Stimme die gleiche ist wie von Julia Roberts. Normalerweise gefallen mir Mehrfachbesetzungen natürlich nicht so gut, aber die deutsche Roberts-Stimme ist einfach sehr liebenswürdig, und ich fand sie äußerst passend für Zoe. Lob!

– Auch die Carterstimme finde ich sehr passend und kennig (sagt man das so auf hochdeutsch?). Nur Reeses Stimme finde ich machmal so uninspiriert.. aber vielliecht hat man da einfach nur das Original imitieren wollen.

– In der vorherigen Episode lästerte ich noch, dass Reese zu häufig das Offensichtliche verdeutlichen muss. In „The Fix“ wird das geradezu ironisch gelöst: Zoe sagt ihrem Fahrer gleich klar, dass er nicht mit ihr reden solle.

– Typisch doof: Anstatt Reese sicher den garaus zu machen, lassen sie ihn allein mit seinem vermeintlichen Richter in einem Raum, nur um ihm so eine Fluchtmöglichkeit zu bieten. Dafür gabs in dieser Episode keine allzu sinnfreien Schießereien, auf die der Plot aufbauen müsste.

– „Ist Ihnen etwas besonderes aufgefallen?“ „Sie“, hätte Reese antworten sollen.

– Weniger gut: Auf die Freundschafts-Kontinuität der letzten Episode wird gar nicht eingegangen. Person of Interest sät allerdings seine Entwicklungen so dünn, dass die Freundschaftsbeziehung der beiden durchaus ein paar Episoden aussetzen kann.

– Man man man, in dieser Folge hagelte es Unmengen von Personennamen, die dann zum Teil Sekunden später schon wieder komplett an Relevanz verloren hatten. Leicht verwirrende Folge deshalb.

„Wollen wir los?“ – „Wohin wollen wir?“ – „Wir tun etwas Illegales.“ Ihr Rondezvous meißelte ihre Partner-in-Crime-Beziehung in Stein.

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

The Fix“ / „Problemlösungskompetenzen“ ist die bislang beste Episode der Serie. Triebfeder ist die interessante Beziehung zwischen Reese und Zoe, die hervorragend im Team arbeiten und dabei auch noch spielerisch flirten – was genau Reeses Charakterisierung trifft. Glücklicherweise kommt Person of Interest diesmal ganz ohne Abkürzungen im Drehbuch aus.

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