Person of Interest 1.03 „Mission Creep“: Im Auftrag der Unehre.

„Warte auf mich. Bitte.“

Die ersten beiden Episoden von Person of Interest waren doch eher von durchschnittlicher Qualität, doch die dritte Episode der Serie, „Im Auftrag der Unehre„, lässt mich Hoffnung für die Serie schöpfen: Sie wartet nicht nur mit einem ordentlichen Plot und der gewohnten Action auf, sondern bietet uns einen ungewohnt (und sicher auch unerwartet) feinfühligen Einblick in Reeses Vergangenheit.

Quelle: personofinterest.wikia.com

Reese (Jim Caviezel) arbeitet undercover als Räuber für Sam (Ruben Santiago-Hudson).

Die Maschine hat eine neue Nummer ausgespuckt“: Mission Creep„, so der Folgentitel im Original, springt ohne Umschweife in den dieswöchigen Fall: Joey, frisch aus dem Krieg zurückgekehrt und die dieswöchige „Person of Interest“, scheint auf die schiefe Bahn geraten zu sein. Um seine Motive zu erforschen lässt Reese sich in seine Verbrecherbande einschleusen – doch dabei kommen in ihm die Erinnerungen aus der Vergangenheit wieder hoch.

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Dass die Geschichte rund um Jim und seine Bande direkte Parallelen sowohl zu Carter als auch Jim aufweist ist wohl der größte Erfolg dieser Episode – in den ersten beiden Folgen waren diese Flashbacks ziemlich unzusammenhängend eingebaut gewesen, und umso erfreulicher ist es zu sehen, wie geschickt man hier die Militärvergangenheiten von Jim, Joe und Carter einfügt. Über Carter wissen wir nach wie vor nicht viel, doch ihre Kriegserfahrung dürfte früher später sicher noch ins Spiel kommen.

Viel interessanter ist jedoch Jims eine Szene am Flughafen. Ich fand es ein wenig unbeholfen, wie man drei mal den exakt selben Ausschnitt präsentiert bekam, doch es zahlte sich schlussendlich auf jeden Fall aus: Zum ersten mal schafft die Serie so etwas wie berühren, die Jessica-Beziehung erhält erstmals wahrlich Gewichtung, und Jim Caviezel kann zeigen, was er kann. Ich glaube, dass er in dieser Episode erst die 100%ige Leidenschaft für Finchs Operation erlangt, weil er hier erkannt, dass er bei anderen Menschen genau das verhindern kann, was er damals nicht bei sich selbst aufhalten konnte: die Chance seines Lebens verstreichen zu lassen. Genau wie Joey war Reese damals nie richtig aus dem Krieg zurückgekommen, doch Reese konnte nicht den Mut aufbringen, mit der nun mit einem gewissen Peter verlobten Jessica sich einfach auf und davon zu machen – stattdessen sagt er es nur sich selber. Absolutes Highlight der bisherigen Folgen, klasse gemacht, und vor allem: Endlich erhalten die Figuren ein bisschen Dimension.

Auch der Fall ist um einen Tick interessanter als die vorherigen, vor allem weil die Motive der Verbrecher nicht ganz so hanebüchen bzw. klischeehaft waren, sondern stattdessen eingehend beleuchtet wurden.Jim und Strauhm und Co. haben nachvollziehbare Gründe, warum sie für Latimer Sam arbeiten, und bieten die Möglichkeit, sich mit ihnen zu sympathisieren. Hier gerät Jim eh in ein moralisches Dilemma, ein weiterer Pluspunkt den die Serie hier erstmals aufweist: Soll er dem einerseits sehr ehrbewussten, andererseits doch kriminellen Joey seine Unterstützung anbieten, vor der Polizei zu fliehen? Person of Interest löst es recht elegant mit einer Flucht aus dem Land, ein sehr bittersüßes Ende.

Überhaupt ist „Im Auftrag der Unehre“ viel überlegter und sorgfältiger in Stil und Handlung, zumindest bis die zwei Komplizen von Joey allzu praktisch aus der Geschichte eliminiert werden. Die Spannung wird bedachter aufgebaut, auch wenn hier sicher noch viel Spielraum nach oben herrscht – doch Jim den Wachmann die Pistole einstecken deuten zu lassen etwa ist ein subtiler Spannungsschub, der genauso gut in eine sinnlose Schießerei enden hätte können. Die Handlung wird weniger gehetzt vorangetrieben, und ich hoffe, dass diese Entschleunigung beibehalten wird.

Zur Action ist zu sagen, dass es durchaus wieder sehr unterhaltsame Momente und Entwicklungen gab, auch wenn die Episode (bis vielleicht auf das Ende von Joeys Handlungsbogen) ziemlich voraussehbar war. Jim Teil der Gang werden zu lassen war beispielsweise ein interessanter Zug, und auch seine Covergeschichte, die er Latimer auftischt, ist witzig zu beobachten – man sieht förmlich die Zahnrädchen in Reeses Hirn rattern. Auch Finchs Auftreten inmitten des letzten Überfalls war interessant, auch für die längerfristige Geschichte: Es war das erste mal, dass er an einem Tatort gefunden wurde, und ich habe das Gefühl – es wird nicht das letzte mal sein! Und früher oder später wird da Carter ein Licht aufgehen…

Quelle: fanpop.com

Finch (Michael Emerson) verliert Funkkontakt zu Reese und muss höchstpersönlich zum Tatort, um ihn vor Latimers Falle zu warnen.

Carters und Jims Katz-und-Maus-Spielchen geht weiter, und es ist in der derzeitig ausschließlich telefonischen Kommunikation verdammt unterhaltsam. Wichtigste langfristige Entwicklung jedoch: Latimers Auftraggeber, von dem wir weder Aussehen, Name noch Motive kennen. Alles, was wir wissen, ist, dass er eine Akte mit dem Titel „Elias, M.“ stehlen ließ, die Tatortfotos eines Mordes beinhaltete. Mehr nicht, außer: Ich werde die Serie weiterverfolgen.

Bla:

– Der korrupte Polizist taucht in dieser Episode gar nicht auf. Scheint, als wären Carter, Jim und Reese doch die einzigen drei wahren Hauptfiguren.

– Atmosphärisch ist diese Episode diejenige, die bislang das niedrigste Überwachungs-Paranoia-Gefühl auslösen konnte. Grund: Jim war diesmal Teil des Verbrecherteams und deshalb über alles informiert, ohne zusätzlich noch auf große Überwachungstricks zurückgreifen zu müssen. Gut, andererseits hat er Joey Tag und Nacht beschattet.

– Ich habe das Gefühl, dass sich die Serie durchaus von ihrer extrem seriellen Natur wettbewegen und zu einem größeren Machtkampf mit dem mysteriösen Auftraggeber umschwenken könnte. Davon wird wahrscheinlich auch abhängen, wie sehr ich sie weiter beschreiben werde, derzeit aber bin ich doch recht motiviert – vor allem dank dieses wirklich exzellenten Flashbacks.

– „Am Ende sind wir alle allein, und niemand kommt um dich zu retten.“

– „Sag mir, ich solle warten – das wäre wirklich mutig.“ Erstmals tu ich mich nicht schwer, gute Zitate rauszusuchen. Es ist kein Zufall, dass alle mit der Jim/Joey-Parallele zusammenhängen.

– Idee für ein Person of Interest-Trinkspiel: Jedes mal trinken, wenn sich Reese oder Finch in irgendwas einhacken, sei es Datenbanken, Internetseiten, Bankverbindungen, Handys oder GPS-Tracking.

– Reese sieht Joey mit einer Frau bloß reden, Finch und er schließen sofort daraus: Bankräuber und untreu. So eine offensichtlich falsche Fährte gabs schon lang nicht mehr, es war doch sonnenklar, dass er mit dieser Frau nichts am Laufen hat (sonst hätten sie sich ja geküsst, das tun sie in diesen Momenten im Fernsehen immer).

– Cleverer Plotpunkt: Als Carter auf dem Überwachungsband sowhl Reese als auch das Militärfunkgerät am Körper der Räuber sieht, denkt sie gleich, Reese müsse wegen seiner Militärausbildung mit ihnen im Bunde stehen. Ironischerweise schließt er sich kurz darauf der Bande an.

– Die Macher von Person of Interest scheinen gleich das ganze Best-Of-Album von Massive Attack gekauft zu haben, diesmal prominent plaziert: Live With Me. Und es passt absolut hervorragend – Joeys Einladung an seine Freundin, und Jims Feigheit, Jessica nicht in Person zu bitten, mit ihm zu leben.

Fazit: 8,5 von 10 Punkten.

Mission Creep„/ „Im Auftrag der Unehre“ ist ein gutes Stück überlegter als seine zwei Vorgängerepisoden, aber so ganz will man den Verbrecherleben-Verschleiß nicht aufgeben. Jims Flashbackszene war großartig und hat uns endlich einen besseren Einblick in ihn und seine Motivation gegeben. Spannend abzuwarten, ob Person of Interest diese stilistischen Entscheidungen beibehalten wird.

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2 Gedanken zu “Person of Interest 1.03 „Mission Creep“: Im Auftrag der Unehre.

  1. Person of Interest ist doch ein schöner Versuch, Crime, Hightech und Intelligenz zusammen zu bringen aber etwas anders als bei CSI. Fand die 23 Folgen der ersten Staffel gut und freu mich auf die zweite Staffel, die in vier Wochen beginnt. Die Idee mit dem Trinkspiel werde ich vielleicht mal aufnehmen. Schade, dass so eine Serie nur bei RTL Crime zu sehen ist!

    • Ab Oktober (oder November) läuft die Serie auch auf dem regulären RTL, aber wenn ich schon den werbefreien Kanal habe dann nütz ich das Angebot gerne.
      Schade finde ich eigentlich, dass man für die erste Staffel soo lang warten musste, während eben in den USA schon Staffel 2 beginnt.

      Crime und Hightech ist in hohem Maße vorhanden, Intelligenz bislang einigermaßen (aber nicht annähernd Sherlock-Maße), ein bisschen mehr Herz wünsch ich mir derzeit noch.

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