Breaking Bad 5.07 „Say my Name“: In Frieden sterben.

„Shut the fuck up and let me die in peace.“

Say my Name“ in einem Wort: Heisenberg.

Quelle: offizielle AMC Breaking Bad Homepage

Die Hierarchie ist klar: Heisenberg positioniert sich weit vor Jesse (Aaron Paul) und Mike. Doch bei der absolut brillianten und überzeugenden Heisenberg-Rede sei es ihm erlaubt.

Jeder gewinnt, und mit „jeder“ meint Walt genau sich selbst: Walt überzeugt die Konkurrenz, für ihn als Verteilungsnetzwerk zu arbeiten, „vergisst“ allerdings beim Deal, auch Jesse aussteigen zu lassen. Mike hingegen ist zwar raus aus dem Geschäft und hat die Kohle im Sack, doch dann kommt ihm die Polizei auf die Schliche…

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Die Episode beginnt mit einem der wohl faszinierendsten Eingangssequenzen überhaupt: mit der Verhandlung mit der Konkurrenz. Besonders gelungen ist die Kameraperspektive aus dem Heck von Mikes Wagen – keine Frage, die drei sehen da schon verdammt cool aus. Dabei beweist die Szene nicht nur Stil und Klasse, sondern ist obendrein noch verdammt witzig: Ich muss beispielsweise jedesmal laut auflachen, wenn ich bei solch einem Treffen (und davon gabs ja schon mehrere bislang in Breaking Bad) die Statisten in möglichst lässigen Posen vor ihren Autos posieren sehen. Und auch Mike und Jesse stellen sich dementsprechend vor Mikes Auto auf. Alles an dieser Szene hat einfach Stil, und auch cinematographisch macht sie vor allem mit dem starken Farbenkontrost zwischen Umgebung, Blue Meth und schwarzen Kleidungen einiges her.

Und wer hätte gedacht, dass Walt tatsächlich den Kerl (Declan sein Name) für sich gewinnen könne? Zuerst sah es ja danach aus, als würde er scheitern, doch dann kam die epische Heisenberg-Rede. Es ist schon faszinierend, Walt so überzeugt von sich selber reden zu hören, sein eigenes Produkt zu lobhudeln, sich selbst als größten Meth-Koch Amerikas zu bezeichnen, und seine Taten als Heisenberg („I’m the one who got Fring“) vor Declan darzulegen. „Now say my name.“„Heisenberg.“ – „You’re goddamn right.“ Einfach nur wow. Wie kann es sich bloß so gut anfühlen, einem eiskalten Verbrecher so die Daumen zu drücken wie in dieser Szene?

Der Deal sieht vor, dass Jesse doch nicht aussteigt. Sagt Heisenberg.

Was der Deal nicht festlegt: Jesse wollte doch auch aussteigen, und Walt erwähnte das nicht einmal – was sollte Jesse in dieser Situation schon sagen, etwa den großen Heisenberg vor Declan berichtigen? Zuerst einmal sei gesagt: Ich bin wahnsinnig froh, in welche Richtung Breaking Bad da steuert, nämlich dass sie Jesse nicht einfach aussteigen lassen (so wie Mike, ähem). Jesse hatte in dieser ersten Hälfte der fünften Staffel im Grunde nicht allzu viel wichtiges zu tun, und es wäre wirklich schade, wenn er nicht eine absolute Schlüsselrolle im großen Finale spielen würde. Zu viele Handlungsbögen sind da noch offen, – vor allem Walts Morde an Jesses Freunden, von denen er noch nichts weiß – als dass Jesse schon aus dem Geschäft storytechnisch ausscheiden könne.

Heisenbergs Plan, entgegen seiner Wünsche Jesse einfach so weiter noch im Geschäft zu lassen, ist nicht nur raffiniert sondern schlichtweg diabolisch. Hier sehen wir wieder die kontrollierende Seite von Walt, die glaubt, andere Menschen und Situationen unter Kontrolle zu haben,  und eben nicht nur Sky und Mike sondern auch Jesse – und nimmt ihm die Entscheidung ab, ob er aus dem Geschäft aussteigen soll. Mit „Being the BEST at something is a very rare thing“ legt Walt nicht nur erneut seine eigene Motivation dar, sondern möchte sie auch Jesse naheliegen. Ich habe das Gefühl, dass Jesse diesbezüglich beeinflussbarer ist als die nur noch zickige Sky, auch wenn Walt in „Say my Name“ noch nicht erfolgreich ist. Und dabei kämpft Walter hier wirklich mit harten Mitteln und fragt Jesse, was er denn sonst im Leben machen könne, außer vielleicht Videospiele und saufen gehen. Newsflash, Walt: Jesse hat eine funktionierende Beziehung zu seiner Freundin. Doch als Jesse sich weigert ruft er ihm noch hinterher: „No, you’re not done, you’re not leaving!“ Eine bewusste Parallele zum Ende dieser Episode, die nichts gutes für Jesses Zukunft bedeuten kann…

Inzwischen muss Walt entweder alleine kochen, oder einen neuen Partner finden – und da wendet er sich ausgerechnet an Todd. Naja, viele Freunde hat er ja nicht im Drogengeschäft. Ich bin mir nicht so recht sicher, was uns die Kochszene mit Todd vermitteln soll – dass es Walt weitaus weniger Spaß macht? Dass Todd Jesse ersetzen wird? Die Montage war jedenfalls leider wenig inspiriert und kam sehr verfahrensmäßig rüber, so als ob jede Breaking Bad-Episode mindestens eine beinhalten müsse und ihnen diesmal nichts anderes einfiel. Todd wird uns jedenfalls nicht als Sympathieträger präsentiert, mit seinem Notizbüchlein und seinem konstanten „Yes, sir“ und „Yes, Mr. White“ wirkt er recht mechanisch (ha, ob uns das die Montage mitteilen möchte?) und übermotiviert.

Der Deal sieht vor, dass Mike aussteigt. Für immer, sagt Heisenberg.

Die zweite Hälfte der Episode ist auf jeden Fall Mike gewidmet – dessen Anwalt wird auf frischer Tat bei der Deponierung von gigantischen Mengen von Mikes Geld erwischt, und Walt kann ihn gerade noch rechtzeitig warnen, dass die DEA für ihn kommt. Es ist selten, wirklich Angst in Mikes Gesicht zu sehen, denn er sieht ein: Wenn sie das Geld haben ist alles vorbei. Und wie er auch später zu Walt sagt: Früher war alles so einfach gewesen, mit Gus Frings perfekter Operation, bis Walt sich hat überschätzen müssen und nach den Sternen griff. Und nun kollabiert alles für Mike. „All on this is on you! You and your pride and your ego.“

Letzter Ausweg ist Flucht, und Mike ist für diesen Fall natürlich bestens vorbereitet: Fluchtwagen, falscher Pass, Geld und Waffe stehen bereit. Ausgerechnet Walt selbst bringt ihm all dies vorbei, und so kommt es zu einer letzten Verabschiedung der beiden. Und hier erfahren wir, was für ein Mensch Walter wirklich ist, wenn ihm einmal nicht gerade das Glück hold ist und er stattdessen sein Temparament verliert – als Mike sich weigert, sich für all das was Walter „für ihn getan hat“ zu bedanken und ihm auch nicht die 9 Namen der ehemaligen Gus-Komplizen verrät, beschließt Walt einfach, Mike zu erschießen. Einfach so, ohne große Provokation, vor allem ohne Motiv, so wie er es vielleicht bei Jane oder Gale oder Gus hatte. Sondern weil er durch Mikes Art provoziert wurde, als er mit der Wahrheit über die Konsequenzen seiner Handlungen in Staffel 4 konfrontiert wurde. Und das ist jetzt die endgültige Grenze, die er überschritten hat, weil er nun einen Mord nicht einmal mehr rechtfertigen kann. Zudem noch vielleicht ein paar Tage, nachdem er Jesse noch versprochen hatte, dass niemand mehr durch ihr Drogengeschäft sterben würde. Und dann drückt er so leichtfertig ab, nur weil ihm Mikes Verhalten missfällt.

Quelle: offizielle AMC Breaking Bad Homepage

Ein stilles und nachdenkliches Ende für den verblutenden Mike (Jonathan Banks), den Heisenberg (Bryan Cranston) da teilen muss. Bis Mike dann einfach wegknickt.

Er bereut es ja anschließend, nachdem Mike noch ein paar Meter fahren konnte, in den Busch flüchten und nach kurzer Zeit von Walter gefunden wird. Die Szene ist verdammt clever in Szene gesetzt, sodass nie zu erraten ist, wie es weitergeht – erst fährt Mike an einem Felsen an, dann flüchtet er aus dem Wagen und Walt schleicht ihm äußerst ungeschickt nach, was nicht nur wegen seiner ungelenken Körperhaltung eine gewisse Komik hat, sondern auch sehr dramatisch ist – für Mike wäre es kein Problem, Walter aufzulauern. Doch dann sehen wir Mike neben einem Busch kauern, eine Waffe in der Hand und nur noch mit dem Wunsch, in Frieden sterben zu wollen. In absolut malerischer Landschaft. Es ist ein trauriger, leiser, nachdenklicher Tod, erst der zweite eines Hauptbesetzungsmitgliedes von Breaking Bad, den die Serie faszinierend und bildschön einfängt. Es war auch dramaturgisch der richtige Zeitpunkt, sich endlich mal von einem Maincast-Mitglied zu verabschieden – immerhin sind die Einsätze so hoch wie nie, und Mikes Geschichte war zu Ende erzählt.

Bemerkenswert ist sicherlich, dass Mike selber auch noch eine Waffe bei sich führt, sich allerdings dazu entscheidet, nach allem was Walt ihm angetan hat, seine letzten Momente die Natur genießen zu wollen, anstatt Walt zu töten oder verletzen. Ich kann mir vorstellen, dass Mike sieht, dass es nur Probleme für Jesse, Saul und Co. bringen würde, wenn Walts Leiche neben der seinen gefunden würde, inklusive allerlei Hinweise auf ihre Komplizen (wie zum Beispiel Walts Handy).

Es ist Heisenbergs erster großer Fehler, weil ihm tragischerweise kurz darauf einfällt, dass Lydia ja auch die 9 Namen kennt und er Mike nicht umbringen hätte müssen (wobei „müssen“ wirklich übertrieben ist). Nun gilt es erstmal für Heisenberg, die Spuren seiner Tat zu beseitigen. Glücklicherweise kann er Mikes Tod für Jesse und Co. ganz leicht wegerklären, indem er ihnen sagt, dass er nach Mexiko geflüchtet sei und erstmal eine ganze Weile untertauchen und nicht erreichbar sein wird. Die Leiche und den Wagen zu beseitigen dürfte hingegen schwieriger werden, aber auch nicht ganz unmöglich.

Bla

– Hätte das jemand erraten, dass die Konkurrenz einfach Mikes Rolle übernehmen würde? Ich persönlich hätte getippt, dass Walter anbieten würde, dass er von nun an für sie kochen würde.

– Skylers Rolle in dieser Episode: Einfach wieder bitchy sein. Schade!

– Wieder ein loses Ende weniger: Walt entfernt das Abhörgerät in Hanks Büro. Mir gefällt, wie offensichtlich Walt diesmal den Tränenausbruch inszeniert hat, auch wenn seine Frustration mit Sky natürlich echt ist.

– Die Brunnenszene war schon wie ein kleiner vorheriger Abschied von Mike. Witzig war, von wievielen Waffen er sich trennen musste, und dann hatte er nochmal zwei in Reserve (eine im Sack im Fluchtwagen, eine an sich selbst).

– Ha, Gomez Gesicht, als er Mikes Anwalt auf frischer Tat erwischt, herrlich!

– Mikes letzter Rat an Jesse: Er solle auf sich acht geben. Hm, ich hätte mir da fast mehr erwartet, vielleicht was expliziteres, das Walt da so verdächtigend beobachtet.

– „You and your pride and your ego.“ Ich weiß nicht warum, aber Jonathan Banks‘ Betonung dieser Worte hat mich wirklich mitgerissen. Vielleicht weil es so ungewohnt ist, ihn einmal ohne Pistole in der Hand wütend auf Walt zu sehen. Wobei mir einfällt, wie oft Mike schon eine Pistole auf Walt gerichtet und nie abgedrückt hat, vielleicht sein großer Fehler, und selbst zum Schluss tut er es nicht.

– Als abschließende Worte natürlich: RIP Mike Ehrmantraut.

Fazit: 9,0 von 10 Punkten.

Say my Name“ besticht durch zweierlei brilliante Momente: Zum einen die Selbstbeweihräucherung Heisenbergs, als er erfolgreich den Deal mit Declan abschließen kann, und zum anderen das traurige Ende Mikes. Exzellent verbindet die Serie ihre Handlungsentwicklungen mit weiterer Charakterarbeit, und nach wie vor gibts denkwürdige Zitate am laufenden Band.

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Ein Gedanke zu “Breaking Bad 5.07 „Say my Name“: In Frieden sterben.

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