Person of Interest 1.02 „Ghosts“: Eine Tote wird gejagt.

„You’re going to need to trust somebody at some point.“

Person of Interests zweite Episode, „Eine Tote wird gejagt“ bzw. „Ghosts„, kann auf jeden Fall halten, was schon der Serienauftakt versprochen hat: Auch diesmal lösen Finch und Reese einen recht interessanten Fall der Woche, während im Hintergrund ein wenig Licht auf den Hintergrund der beiden Figuren geworfen wird sowie die Partnerschaft sich ganz langsam in eine Freundschaft zu verwandeln beginnt. Auch diesmal gilt: Gute Unterhaltung, aber sicher kein Meisterwerk.

Quelle: Offizielle CBS Person of Interest Homepage

Reese (Jim Caviezel) muss die totgeglaubte Theresa Whitaker (Valentina de Angelis) zuerst finden und schnappen, bevor er sie vor den Verbrechern schützen kann.

Die Maschine spuckt den Namen eines Mädchens aus, das angeblich schon seit zwei Jahren tot ist. Finch und Reese gehen der Sache nach, nur um herauszufinden: Das Mädchen ist noch am Leben, jedoch pötzlich Erbin eines Vermögens – und das bringt sie in tödliche Gefahr.

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Die Prämisse der Serie, dass das Ausspucken der Nummer automatisch Gefahr für die jeweilige Person bedeutet, wird durchaus sehr geschickt von den Drehbuchautoren genützt. Viele Krimiserien müssen es ja als Zufall abtun, dass ihre Figuren verdächtig häufig zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind (man denke nur an Mord ist ihr Hobby oder Detektiv Conan), bei Person of Interest ist das hingegen nicht nur erklärbar, sondern auch ein gutes Mittel, Finch und Reese genau in ein Bienennest von Verbrechern zu werfen.

Mit Verbrechern geizt die Serie sicher nicht. Dabei bedient man sich ordentlich der Klischee-Kiste, erzählt von Auftragskillern, Kredithaien und Grundstück-Mogulen sowie deren schmierige Handlanger. Diese bleiben (bislang) auf Grund des Fokus auf Action dünn wie Pappmaschee und sind daher leider nie wirklich eine Bedrohung für Reese, der sie stets locker-flockig vermöbeln kann und nie wirklich Dramatik entsteht. Person of Interest verwendet das im Grunde methodisch, um eben auf effektvollere Schießereien, Faustkämpfe und Stunts zu setzen. Manche dieser Szenen sind dann eher recht mäßig (beispielsweise die extrem hollywood-mäßige Jagd im Hotel, in der Reese in der absolut letzten Sekunde die Situation retten kann, weil der Auftragskiller eine Sekunde zu lang zögert, Theresa zu eliminieren), andere dafür richtig gut.

Der Teaser zum Beispiel ist wirklich sehr gelungen und ist Auftakt für einen sehr interessanten Handlungsbogen: Detective Carter wird wohl längerfristig Reese jagen, und dieser ein amüsantes Katz-und-Maus-Spiel aufziehen. Hierbei kommt der Serie Reese’s spielerische Natur zu Gute, die da schön Öl ins Feuer gießt, wenn es um Carters Ehrgeiz geht, Reese zu schnappen. Auch die Szene am Ende spielt diesbezüglich eine Rolle, als Reese Carter ihr sagt, er wolle sie treffen, dann aber stattdessen einfach nur Theresa von der Polizei finden lässt. Hier vergeudet man allerdings aufgrund der rapiden Machart viel Potential: Es wäre deutlich überraschender gewesen, wenn wir die Polizei ernsthaft für diese Begegnung präperieren gesehen hätten, anstatt nur ein paar äußerst auffällige Polizisten in Zivil zu positionieren. Doch weil die Serie so schnell voranschritt fanden wir fast sofort heraus, dass Reese nicht kommen würde, anstatt uns minutenlang in die Irre führen zu können.

Quelle: Offizielle CBS Person of Interest Homepage

Scheint nicht nur im Piloten eine wichtige Rolle zu spielen:  Carter (Taraji P. Henson).

Exemplarisch für Person of Interest ist wohl die Szene, in der Reese mit einem riesigen Truck den Bösewicht-der-Woche rammt. Das erinnerte frappierend an einen der Stunts von Alarm für Cobra 11 – und ich glaube, einer der wenigen zu sein, die das durchaus als Kompliment meinen. Stunttechnisch ist diese Serie nämlich insofern interessant, als dass ich bei größeren und unrealistischeren Crashszenen, so wie hier auch bei Person of Interest, laut auflachen muss, einfach um die kreative Idee der Drehbuchautoren zu würdigen. Auch ist mir diese Einschüchterungsmethode lieber als würde Reese einen auf Jack Bauer machen und den Verbrecher einfach foltern – da lieber was gehörig in die Luft jagen.

Die Actionszenen stehen aber, und das ist sicher einer der Hauptgründe für die positive Bewertung dieser Episode, den Charaktermomenten nicht im Wege – auch wenn diese jetzt nicht gerade weltbewegend sind. Diesmal gehts um Finchs Vergangenheit, die uns vermittelt: 2007 war er noch nicht gehbehindert, und sein Kumpel und Co-Arbeiter noch nicht tot. Interessant: Insgesamt wissen 2007 nur 8 Menschen, dass es die „Maschine“ gibt, und wir kennen nur zwei davon. Wenn schon so eine genau Zahl genannt wird wissen die Drehbuchautoren bestimmt, wer die anderen 6 sind, und mich beschleicht das Gefühl – die meisten werden wir im Verlauf der Serie noch kennen lernen, und einen von ihnen vielleicht sogar als Bösewicht.

Doch insgesamt bin ich wieder ein wenig von der rapid fortschreitenden Handlung enttäuscht. Schwächster Teil der Episode: Reeses Besuch im Knast. Mal abgesehen davon, dass Reese nur durch puren Zufall den richtigen Auftragskiller gefunden hat: Er verrät ihm bereitwillig, was er getan hat und was Reese wissen muss, und das ganz ohne Druckmittel. Wirklich schwachbrüstig.

Ein weiteres Beispiel verschenkten Potentials: Eigentlich ist es tragisch, dass der Onkel von dem Handlanger zuerst gefoltert, anschließend hingerichtet wird – und er durch Reeses Worte so wachgerüttelt war, dass er seine Nichte stolz verteidigte, obwohl er seinem Mörder gar nichts hätte erzählen können. Doch anstatt darüber lang nachzudenken springt die Episode direkt zur Polizei-Untersuchung des Tatorts, und die Szene ist nur noch insofern wichtig, als dass sie die Polizei auf den Fall aufmerksam werden lässt. Wenigstens endet „Eine Tote wird gejagt“ mit einem humanen Moment, als die doch noch lebende Theresa ihre Tante wiedersieht – wenn doch alle Charakterinteraktionen so ernst genommen würden…

Bla:

– Nach wie vor habe ich ständig das Gefühl, dass auch Reese und Finch überwacht werden würden, dank der vielen Überwachungskamera-Einblendungen. Dieses Stilmittel ist wirklich effektiv, Hut ab!

– Täusch ich mich oder ist der den Nathan spielende Schauspieler genauso wie Emmerson ein alter Lost-Hase?

– Es ist so ungewohnt, Michael Emmerson bei physischer Betätigung zu sehen (in der Vergangenheit am Laufband) – ich fürchte, ich werde seine Rolle als Ben in Lost nie so ganz aus dem Schädel kriegen.

– Ob Finch schwul ist? Weil der Tod seines Freundes hat ihn anscheinend schwerstens mitgenommen, sodass er auch noch 2011 rötliche Augen bekommt, wenn er davon erzählt. Und seine Mitarbeiter spekulieren auch darüber.

– Mir gefielen die Büro-Szenen mit Finch und Reese. Ich finde es eine sehr unterhaltsame Idee, dass Finch seit 15 Jahren inkognito in seiner eigenen Firma arbeitet.

– Bei Serien wie dieser ist es wieder einmal äußerst schade, sie nicht gleich nach US-Premiere zu sehen. Es fühlt sich immer großartig an, wenn die Jahreszahlen mit einer Geschichte zusammenstimmen.

Fazit: 7,0 von 10 Punkten.

Wem Person of Interests Pilot gefallen hat, der wird auch „Ghosts„/ „Eine Tote wird gejagt“ mögen: Der dieswöchige Fall ist ein wenig durchdachter und bietet ein paar tolle Actionszenen, allerdings auch ein paar laschere Momente, denen eine bedachtere Handlungsgeschwindigkeit äußerst gut getan hätten. Die Episode bleibt weitgehend frei von tollen Charaktermomenten.

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