Breaking Bad 5.06 „Buyout“: Der Anfang vom Ende.

„‚I’d be selling to my competitors!“

Das ist es also, Breaking Bads Endspiel hat nun endgültig begonnen: Nachdem wir in den bisherigen fünf Folgen bestens vermittelt bekommen haben, was die Serie für Walter und Skyler in petto hat, offenbart „Buyout“ den wohl finalen Weg, den Jesse einschlagen möchte: raus aus dem Drogengeschäft, und das am besten mit einer ordentlichen Stange Geld. Es schmerzt Walter, seinen besten Freund gehen wollen zu sehen.

Quelle: Offizielle AMC Breaking Bad-Homepage

Jesse (Aaron Paul) und Mike (Jonathan Burks) sind bereit, das Geschäft aufzugeben.

Der Mord an den motorradfahrenden Jungen liegt den diversen Gruppenmitgliedern unterschiedlich schwer im Magen. Insbesondere Jesse zerbricht sich darüber den Kopf, und beschließt schließlich, aus dem Geschäft aussteigen zu wollen. Auch Mike möchte raus und seinen Ruhestand genießen, anstatt Tag und Nacht beschattet zu werden. Doch ohne Walter können sie ihr Methylamin nicht verkaufen, und der denkt nicht, sein Lebenswerk aufzugeben.

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Todd.

Die Handlungen der gesamten Episode spiegeln direkt die Reaktionen der vier beteiliten Verbrecher des Zugraubs wieder: Todd, Mike, Jesse und Heisenberg. Zuerst müssen natürlich einmal mehr alle Spuren beseitigt werden, und diesmal sind sie in Blut getränkt. In gespenstischer Musik getränkt zerlegt die Crew das Motorrad des Jungen, den Todd in „Dead Freight“ niederschoss. Wie schon oft ist die Szene unangenehm überlang, um die Frage, wo denn der Junge ist und ob er vielleicht noch am Leben ist, noch nagender wirken zu lassen. Doch natürlich, irgendwann sehen wir die leblose Kinderhand aus dem Erdhaufen ragen. Das traurige Ende eines sonst so perfekten Überfalls.

Der Kriegsrat entscheidet, dass sie Todd für sein Fehlverhalten nicht umbringen werden, in Zukunft allerdings lieber weniger mit ihm zu tun haben wollen. Ich denke, dass Todd damit weit weniger als gefährliches loses Ende abgestempelt wird als es das Ende von „Dead Freight“ vermuten ließ – denn nach nur ein paar Minuten verschwindet Todd aus dem Rest der Folge. Trotzdem verwindet ihn die Serie geschickt als Stimme für Walters wahre Gedanken über den Unfall: Er habe keine Wahl gehabt, er würde es wieder tun, es tut ihm Leid. Doch sein fehlendes Mitgefühl für den Jungen lässt ihn dann schon zumindest ein wenig (durch Jesses/ Mikes Fäuste) bestraft werden.

Mike.

Auch an Mike geht das Unglück nicht spurlos vorbei, obwohl er doch von der abgesotteneren Sorte ist – große Kudos an Jonathan Burks, der sein ohnehin schon oft so müdes Gesicht noch einmal eine Ecke beschwerlicher wirken ließ. Und es ist kein Zufall, dass wir ihn in dieser Episode auch mit seiner Enkelin/ Nichte spielen sehen – genau wie Jesse hat Mike auch schon immer ein Herz für Kinder gezeigt. Und auch wenn er während des Kriegsrats nicht öffentlich gesagt hat, dass ihm Todds Handlung moralisch missfallen hat – in den darauffolgenden Tagen fällt ihm der Alltag immer schwerer.

Doch nicht nur aus Schuldgefühlen, sondern vor allem auch durch die DEA, die mehr denn je auf seinen Spuren ist. Selbst auf dem Spielplatz spionieren ihm die Agenten hinterher, und er beschließt: Eigentlich ist er so nicht glücklich, wenn er die ganze Zeit die Polizei abhören und abschütteln, das Drogengeschäft managen, und dreckige Deals machen muss, anstatt vergnüglich und vor allem in Ruhe mit der Kleinen spielen zu können. Und so kommt es auch, dass er das Ruder selbst in die Hand nimmt und ohne Walters Einverständnis das Methylamin für 15 Millionen $ verkaufen möchte. Früher oder später wird ihm dieser Vertrauensbruch vielleicht das Genick brechen – denn Walter ist nicht gerade bekannt dafür, leicht zu vergeben.

Bemerkenswert ist sicherlich, wie unbemerkenswert diese Szenen sich abspielen – generell ein Problem dieser Episode. Breaking Bad ist bekannt dafür, wie außergewöhnlich viele Episoden in Szene gesetzt werden, sei es cinematographisch oder durch andere Stilmittel. „Buyout“ hingegen ist mit Sicherheit durchschnittlicher als die gewöhnliche Breaking Bad-Episode, von den letzten fünf Minuten einmal abgesehen. Gerade Mikes Szenen mit Saul und gegenüber dem DEA-Team Gomez und Hank sind nicht gerade berauschend. Nicht, dass diese aktiv schlecht seien, doch zumindest sind sie nichts besonderes, und nach so einer Kracher-Episode wie „Dead Freight“ sind die Erwartungen natürlich (fast unfair) hoch.

Jesse.

Endlich befindet sich Jesse mal wieder im Rampenlicht, auch wenn es schade ist, dass er es aus einem sehr ähnlichen Grund ist wie schon in einigen Staffeln davor: Kindern wurde Gewalt angetan, und Jesse möchte das verhindern. Nur, dass diesmal die Gewalt von seiner eigenen Partei ausgegangen ist, und er deshalb den Schluss zieht: Er möchte aussteigen. Dabei war es ohnehin fraglich, warum er überhaupt noch im Geschäft war – viel Geld hat er doch schon verdient (wenn auch noch nicht 5 Millionen), und eigentlich haben er und seine Mitmenschen schon genug Leid erfahren (Combo, Walt, Jane, und ohne es zu wissen auch Brock). Vielleicht weiß er auch nicht wirklich was anderes tun, vielleicht tat er es auch Walter zu liebe, doch damit ist jetzt Schluss, der Junge auf dem Motorrad war ein Strohhalm zu viel – denkt Jesse zumindest. Schließlich haben wir ja noch ganze 10 weitere Folgen.

Nicht zu vergessen ist in dieser Folge aber auch die erste Begegnung zwischen Skyler und Jesse seit ungefähr vier Staffeln. Überhaupt gefallen die ungewöhnlichen Charakterkombinationen der fünften Staffel gut, auch Hank und Mike harmonieren gut miteinander (im verfeindet sein), und ich hoffe auch noch auf ein Treffen zwischen den zwei „Söhnen“ von Walter, Jesse und Walter Junior. Das Treffen der beiden war jedenfalls köstlich und definitiv einer der unterhaltsameren Skyler-Szenen der für sie sonst so monotonen Staffel – besonders gefiel mir, wie Sky sich ihr Weinglas stets übervoll schenkte, und schon nachschenkte, wenn sie nur ein paar Schlücke genommen hatte. Fast hätte ich eigentlich erwartet, dass Skyler sich für Jesse erwärmen könne, denn dieser verhielt sich überaus brav, höflich und unterhaltend (und das auf typische Jesse-yo-bitch-Art, minus dem bitch).

Quelle: Offizielle AMC Breaking Bad-Homepage

Die mit beiden Händen das Weinglas haltendende Skyler (Anna Gunn) und Jesse unterhalten sich mehr oder weniger gezwungen beim Abendessen bei den Whites. Doch Walt (Bryan Cranston) kann die Illusion der Familienidylle nicht aufrecht erhalten.

Walter.

Stattdessen offenbarte Skyler Jesse durch ihr Verhalten, dass der Hausfrieden im Hause White äußerst schief hängt (eigentlich schon vertikal). Und so findet das Skript eine schöne Überleitung zur Erklärung, warum Walter im Geschäft bleiben möchte. Bislang habe ich das immer als Drogengeschäft bezeichnet, doch Walt hällt fest: Er ist im „empire business„. Die Exposition seiner Weltanschauung, auf die die Serie beeindruckenderweise die gesamten fünf Staffeln hingearbeitet hat, kommt glücklicherweise alles andere als dröge rüber, und beinhaltet wieder einmal ein paar richtige Klassiker an Zitaten – schade, dass nicht ein größerer Anteil der Episode von dieser Qualität war.

Walts Vergangenheit mit der „Gray Matter“-Firma wurde ja schon ein paar Staffeln lang nicht mehr angesprochen, doch stets schwang dieser gebrochene Stolz mit, als sich Walter von Jahr zu Jahr tiefer in das Drogengeschäft verwickelte. Und nun, da sein Familienleben in Trümmern liegt, ihm selbst seine Kinder vorbehalten werden, ist es das einzige, was er noch hat: Stolz. Und diesen wird er niemals verkaufen, so wie damals, nicht einmal für die Summe von 5.000.000 $.

Und diesen Stolz lässt er sich nun auch nicht von Mike brechen, der ihn an die Heizung ankettet, während dieser das Methylamin verkaufen gehen möchte. Es stellte sich ein ziemlich genialer „yeah, science!“-Moment ein, als Walt sofort die Lage sondiert und nach Auswegmöglichkeiten aus seiner misslichen Lage sucht und auf die Idee mit dem Löten kommt. Das beeindruckendste Bild war für mich die angestrengte Grimasse Heisenbergs, als er die Zähne fletschte und das Kabel abnagte, denn kurz flackerte ein flüchtiger Anflug von Wahnsinn auf Walts Gesicht – was wohl auch ein Thema der letzten zehn Folgen sein wird.

Diesbezüglich bemerkenswert ist mit Sicherheit auch sein vergnügtes Pfeifen beim Kochen, während Jesse nach wie vor vom Tod des kleinen Burschen geplagt wird. Zum vielleicht ersten mal bemerkt Jesse hier, dass mit Walter unter Umständen nicht alles in Ordnung ist. Walt hat Jesse ja schon dutzende mal manipuliert, zuletzt auch in dieser Episode, als er ihm versichert, dass er wegen dem Mord genauso kein Auge mehr zudrücken könne wie Jesse. Doch so langsam wird die Lügendecke gelüftet, auch wenn einstweilen Jesse in einer neuen, noch unspezifierten Walt’schen Idee am Ende der Episode eingefangen wird.

Bla:

– Die Bla-Überschrift klingt jetzt, als ob ich auch mit den vier Männern oben im Bunde stecken würde.

– „It’s like, ‚YO, what happened to truth in advertising?‘ “ Jesse in Höchstform.

– Ach, der gute Saul Goodman: In den letzten paar Episoden kaum vertreten, und selbst in dieser nicht allzu prominent – schade! Walter Jr. ist in „Buyout“ übrigens überhaupt nicht vertreten, aber wie schon in einem vorherigen Artikel erwähnt: Ich habe nach wie vor Hoffnungen, dass er diese Staffel eine entscheidende Rolle spielen wird.

– Interessant, wie Walter sofort alle Aufgaben von Mike an Jesse deligiert, als er hört, dass Mike aussteigen würde, doch leider bemerkt Jesse gar nicht, wie Walter hier einmal mehr beweist, dass er sich für etwas Besseres haltet als Jesse.

– Mir gefällt die Beleuchtung des White’schen Haus bei Nacht – es erinnerte frappierend an das letzte mal, als Jesse in Walts Haus kam, nämlich um Walter umzubringen.

„Shit happens, huh?“

– Nach fünf Staffeln nach wie vor ein exzellentes, sehr morbides Hilfsmittel: Die Säure, in der man Menschen auflösen kann.

– Warum für mich die Spielplatz-Szene nicht funktioniert hat: Man hat es meilenweit daherkommen sehen, dass der tote Briefkasten keiner war, und deshalb war ich wirklich enttäuscht, dass bloß ein „f*** you“ darauf zu lesen war. Da hätte man sich durchaus eine kreativere Botschaft ausdenken können.

– Das Ende hab ich nicht ganz verstanden. Es ist sicher spannend, die Episode mit „Everybody wins“ enden zu lassen, ohne Walts Plan zu erklären, aber für Mike macht das weniger Sinn. Es wird kaum ersichtlich aus Walts Worten, dass sein Vorhaben auch tatsächlich durchführbar und ungefährlich ist, sodass Mike eigentlich keinen Grund hat, seine Waffe jetzt schon herunterzunehmen und sich den Plan erklären lassen. Was ist mit Mikes „I’m done listening to you!“ geworden?

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

Buyout“ ist sicherlich wegweisend für das Ende der Serie: Jesse möchte aussteigen, Walt jedoch um jeden Preis weiterkochen. Eine gute Episode mit ein paar richtig tollen Szenen (Abendessen mit Jesse und Sky, Walters Flucht), aber auch einigen sehr unscheinbaren Momenten und ohne Spannungsmomente.

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