Breaking Bad 5.03 „Hazard Pay“: Vamonos Pest.

„Marie, shut up, shut up, shut up, SHUT UP, SHUT UP!“

Heisenberg (Bryan Cranston) und Pinkman (Aaron Paul) kochen wieder Meth wie in den guten alten Zeiten, ab sofort jedoch in entpestizierten Einfamilienhäusern.

Aufgrund des Zeitverzugs des Episodenrecaps gibts diesmal ausnahmsweise nur eine verkürzte Rekapitulation der wichtigsten Elemente von „Hazard Pay„, eine wiedermal exzellente Folge, die beweist: Breaking Bad ist ein Großmeister von Subtilität.

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Bla:

– „The deal is the deal. Everyone gets their hazard pay.“ Zu den zahlreichen Handlangern, die ich schon im Artikel zu „5.01 Live Free or Die“ erwähnte, kommen in dieser Folge nochmal ein paar weitere dazu: die Mitarbeiter von der Desinfektionsfirma, Mikes Männer (die abbezahlt werden möchten) sowie ein Gastauftritt der endlich wieder auftauchenden Freunde von Jesse Badger und Skinny Pete.

– Mir gefällt die Richtung, in die die Geschichte mit der neuen Meth-Herstellungsmethodik hinsteuert. Die ständig wechselnde Lokalität bietet jede Menge Potential für Storylines und tolle Cinematographie – letztere wird hier gleich sofort in Szene gesetzt. Jesse und Heisenberg chillen am Abend auf dem Sofa des Hauses ganz gemütlich und haben ein absolut fantastisches Ambiente, um über Jesse Beziehungen zu sprechen. Und in diesem Dialog, da steckt so viel drin – einfach unglaublich. Zum Beispiel: „Secrets create barriers between people.“ Oh Walter. Er redet, als ob alles besser geworden wäre, seit er Skylar die Wahrheit gesagt hat, ohne zu realisieren, dass diese mittlerweile kaum mehr damit leben kann.

– Mike ist nach Gus‘ Tod wirklich zu einem der Hauptspieler geworden, wie auch schon in „Madrigal“ nimmt er in der dritten Folge von Season 5 eine kommandierende Position ein. Er ist der Profi im Geschäft und weiß, was er den Mitarbeitern von „Vamonos Pest Control“ anzuschaffen hat, um eine profitable Zusammenarbeit zu garantieren. Und im Eingangsteaser stellt er sicher, dass die ehemaligen Mitarbeiter von Gus weiterhin ihren Mund geschlossen halten, auch wenn das ganz schön viel Geld kosten wird.

– Goldigster Moment der Episode: Bei Mikes Briefing der „Vamonos Pest“-Leute bezeichnet er Heisenberg und Pinkman als „big guys„. Beide glühen vor Stolz, vor allem Heisenberg: Er ist dieser Mann, der endlich den Respekt bekommt, den er verdient. Einfach großartig.

– Mike schüchtert nicht nur die neuen Mitarbeiter ein, sondern macht auch Saul ein bischen Angst. Der hängt in dieser Sache immer noch ordentlich finanziell drin, allerdings nicht mehr ganz so fröhlich-enthusiastisch wie früher – Mike macht ihm Angst, und Heisenberg sowieso. Auf Sauls Bedenken gegenüber Mikes Rolle in ihrem neuen Unternehmen entgegnet Heisenberg einmal mehr selbstsicher: „Come on, grow a pair. He handles the business, and I handle him.“

– Überhaupt, das Breaking Bad-Dreamteam: Heisenberg, Jesse, Saul und Mike sitzen im Auto und gehen gemeinsam auf Location-Scouting.

– Jesse kann es sich natürlich nicht nehmen lassen, sich einen Wrap von der Presse zu schnappen.

– Eine weiterer Moment, der beweist, dass Breaking Bad nicht seinen Sinn für Humor verloren hat: Eine von Sauls vorgeschlagenen Laborplätzen ist „Laser Base“, welche Saul Walt schon in Staffel 3 nachdrücklich kaufen lassen wollte. Das funktionierte auch als erstklassiger roter Hering: Ich kann wohl nicht der einzige sein, der sich sofort gedacht hat: Die werden sie nehmen, ganz sicher. Das haben sie auch schon mit dem Autowaschsalon gemacht. Doch denkste.

– Cooking like in the good old days! Das Labor-Set war auf Dauer doch sehr dröge geworden, und wie gesagt, die neuen Szenerien werden da ordentlich Abwechslung bringen. Dadurch herrscht nun auch wieder dieses schöne Do-it-yourself-Gefühl beim Herstellen des Meth.

– Walters Selbstverliebtheit kennt scheinbar keine Grenzen, denn er hat beschlossen, wieder komplett bei Skylar einzuziehen. Ohne sie zu fragen, ohne ihren Konsent. „It’s time“ gibt er als Grund an, und selbst auf Skylars geäußerte Bedenken hin, die wohl mehr als eindeutig ihre Abneigung gegen diese Idee zeigen, sendet Walt keinerlei Zeichen, dass er ihr zuhören oder sich um ihre Meinung kümmern würde: „Do you really think that’s a good idea?“ „Yes.“

– Auch wenn uns kein definitiver Grund für Skys hysterischen Anfall gegeben wird, Walts Einzug ins Haus und die Dinge, die er in Skys Gegenwart sagt und tut, scheinen den Topf zum Überlaufen gebracht zu haben. Mir gefällt die Meta-Referenz, dass Marie endlich mal den Schnabel halten solle, und sie es trotz mehrerer Wiederholungen von „Shut up!“ immer noch nicht aushält, Sky einfach ein wenig Raum zu geben. Um ehrlich zu sein ist Marie auch einfach eher eine nervige, wenn auch notwendige Figur in der Serie, und es hatte fast schon eine erfüllende Wirkung, dass sie jemand mal zum Schweigen brachte. Andererseits hat sie in Staffel 4 auch schon genug gelitten (unter Hanks herabwürdigenden Kommentaren).

– Fantastisch dann, wie Breaking Bad Walts Reaktion auf den Nervenzusammenbruch seiner Frau darstellt: Anstatt die Schuld bei sich selbst zu suchen glaubt er, es ginge um Ted und dessen „Unfall“ bzw. um die Affäre. Immer wieder beeindruckend, wie toll die Serie die Figuren durch ihre Handlungen charakterisieren kann. Sky fühlt sich (zurecht) überhaupt nicht mehr von ihrem Ehemann verstanden. Während sie in Staffel 4 noch erpircht selbst in Walts Welt Fuß fassen wollte, ist ihr seit dem Bombenattentat auf Gus bewusst, was für eine Art von Verbrecher Walt in Wirklichkeit ist. Zwar finde ich es schade, Sky nicht mehr enthusiastisch Geld waschen zu sehen, aber auch dieser neue Handlungsbogen ist spannend – wird sie sich eines Tages vielleicht gegen Walter stellen?

Quelle: Offizielle AMC Breaking Bad Homepage

Mike (Jonathan Banks) und Heisenberg streiten sich schon nach dem ersten Job ums Geld. Jesse gibt sich streitschlichtend, doch langfristig werden die beiden Männer wohl noch aneinandergeraten – und wir wissen ja, zu welchen Mitteln Heisenberg greifen kann.

– Auch eine interessante Szene: Als Sky aufwacht hört sie Schüsse. Mein erster Gedanke war, dass Junior wohl PC spielen würde, aber stattdessen verbringen die zwei Walts ein bischen Family-Quality-Time vor dem Fernseher. Für jemanden, der sich nicht so sehr mit TV-Kritiken beschäftigt, mag Scarface (welches im Fernseher lief) eine tolle Referenz zu Walts Transformation in genau diesen gewesen sein, aber ich fand den Vergleich eigentlich fast zu offensichtlich – ich habe ihn sicher im Netz schon fünf mal gelesen, nicht zuletzt vom Serienschöpfer (Gilligan) selbst. Da hat die Serie schon mehr Fingerspitzengefühl bewiesen. Walts Kommentare über den Film hingegen sind wieder Volltreffer.

– Walt begegnet Brock, aber scheinbar nicht zum ersten mal – der Junge verhält sich eigenartig, und Walt läuft auf jeden Fall Gefahr, dass Jesse herausfinden könnte, dass Walt Brock das Gift verabreicht hatte. Und Walts Blick, einfach einmal mehr gewaltig gespielt von Bryan Cranston, sagt eindeutig: Du hättest nicht überleben dürfen.

– Cliffhanger der Episode: Walt sinniert gemeinsam mit Jesse über den Tod von Victor, der in „4.01 Box Cutter“ in den Händen von Gus sein Ende gefunden hatte. Und das erschreckende ist, dass wir Walt nun tatsächlich das selbe tun sehen können. Es ist zwar wahrscheinlich nicht als Drohung an Jesse gedacht, sondern vielmehr eine Warnung, dass Jesse Mike im Zaum halten solle, und man sieht förmlich in diesem die Zahnräder rattern. So hatte er sich das nicht vorgestellt.

– Ab der nächsten Folge gibts wieder Volltextrecaps.

Fazit: 9,0 von 10 Punkten.

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2 Gedanken zu “Breaking Bad 5.03 „Hazard Pay“: Vamonos Pest.

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