The Newsroom 1.04 „I’ll Try to Fix You“: Cocktailduschen.

„I’m on a mission to civilize.“

The Newsroom arbeitet stets auf zwei Ebenen – einerseits ist man das medienkritische, belehrende, ach-so-unpolitische Drama, andererseits aber auch eine Komödie über die eigenwilligen Figuren im Redaktionsraum. „I’ll Try to Fix You“ kombiniert diese zwei Seiten zwar geschickt, doch durch stärkeren Fokus auf den humoristischen Aspekt als wie gewohnt bricht die Episode ein wenig die bislang gut gelungene Balance und tut sich damit keinen Gefallen.

Quelle: hbo.com

Bei der Neujahrsfeier wird heftig geflirtet, doch auch im Verlauf der Episode bleibt die Nicht-Beziehung zwischen Jim (John Gallagher, Jr.) und Maggie (Alison Pill) im Fokus.

Das Jahr 2010 endet mit einer Silvesterfeier: Während Jim mit Maggie flirtet und dann aber von Don mit Maggies Freundin Lisa verkuppelt wird, versucht auch Will widerwillig sein Glück. Das hat er aber nicht, flirtet er doch unwissentlich mit Nina Howard, einer Klatschpresse-Redakteurin. Sein Versuch, ihr ein wenig Moral einzutrichtern, wird für ihm zu einem Schuss ins Knie: Bald darauf findet er sich prominent auf den Titelseiten der amerikanischen „Bunte“n.

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Dabei ist es ja fast schon selbstironisch, dass die Serie so stur an ihren Sets festhält, dass selbst die Neujahrsfeier im Redaktionsraum stattfindet. Trotzdem funktioniert das, nicht nur weil es für die Geschichte von Bedeutung ist, sondern weil der Arbeitsplatz in ganz anderem Licht erstrahlt, wenn alle Figuren in sündteuren Anzügen/ Kleidern auftreten und das Set dekoriert ist. Eine gewisse Ästhetik ist da nicht zu leugnen, insbesondre Maggies feuerrotes Kleid ist ein Hingucker.

Figurenkonstellation.

Mittlerweile sind im Redaktionsraum schon eindeutig zwei Camps ausmachbar, und ich finde es ein wenig schade, dass es zwischen diesen eigentlich nicht besonders viel Austausch gibt. Zum einen gibts da Maggie-Jim-Don-Neal, deren Geschichten mehr Sitcom-Style annehmen als mir lieb ist, vor allem in „I’ll Try to Fix You„. Neal zum Beispiel ist in dieser Episode mehr denn je nichts weiter als der comic relief, der lediglich für ein paar Witze herhalten muss. Dieser hat zwar ein paar gute Momente – zum Beispiel, dass das halbe Redaktionsteam nur für seinen Vortrag am Samstagmorgen in die Arbeit bestellt wird, auch wenns unrealistisch und fast schon zu praktisch für den Verlauf der Episode ist – aber auf dem Witz wurde schließlich zu lange herumgeritten. Außerdem: Hätte man nicht etwas glaubwürdigeres als Bigfoot nehmen können? Schließlich sind alle Figuren der Show (inklusive Neal) hochintelligent, und so erscheint Wills Versprechen am Ende der Episode sehr hohl, der Story eine Chance zu geben.

Auch das Liebesdreieck lässt die Charaktere wirken, als ob sie noch im College wären – was verspricht sich Maggie eigentlich davon, im Meeting allen Kollegen zu erzählen, dass Jim sie angelogen hat? Das lässt sie so kindisch erscheinen.  Auch die Verkuppelung von Jim mit Maggies Zimmerkollegin Lisa ist ein schon so bekanntes Szenario, dass man davon gar nicht mehr überrascht sein kann. Die Romantik habe ich in den drei ersten Episoden noch gepriesen, aber diese Geschichte ist ein wenig flach. Die Dialoge sind selbstredend immer noch vortrefflich, insbesondre Jims Reaktion auf Maggies Kommentare in der Redaktionssitzung ist gute Unterhaltung. Nur dass Maggie überhaupt so wütend darüber ist, dass Jim gelogen hat, ist ein wenig übertrieben.

Die andere Figurenfraktion der Serie ist Will-MacKenzie-Sloane-Charlie. Mittlerweile ist mir aufgefallen, wofür Sloane überhaupt in der Serie ist: Damit Will jemanden hat, mit dem er im Alltag normal interagieren kann, ohne zynisch böse zu sein (MacKenzie) oder seinen Boss vor sich zu haben (Charlie). Wer sonst hätte ihn auf der Party ermutigen können, die „offensichtlich allein zur Party gekommenen“ Frau im goldenen Kleid anzsprechen? Ansonsten ist Sloane wieder quasi non-existent, dabei wäre sie doch solch eine gute Brücke zwischen den zwei Gruppen – jung genug, um mit Maggie und Co. Freunde zu sein, und beruflich mehr mit MacKenzie und Will involviert.

Wills Dates.

I’ll Try to Fix You“ handelt aber primär von Will und seiner Mission, seine Dates zu zivilisieren – wie schon in der Vorwoche etabliert ist Will sehr arrogant, was seine Ansicht diesbezüglich aussieht („We are the media elite“). Und so dauert es auch nicht lange, bis er die erste Frau anfeindet (Nina Howard), oder die zweite (die mit der Waffe in seinem Appartment), oder die dritte (im Restaurant). Aufgepeppt wird das durch das wiederkehrende Anschütten mit Getränken, was selbst die Redaktion ausprobiert. Da hat mich überrascht, dass Will nicht stinkstinksauer ist.

Mir gefällt, wie The Newsroom hier Privatleben mit Arbeit verbindet, etwas, was in dieser Folge bei Maggie, Jim und Don gänzlich gefehlt hat. Denn schon bald findet Will diese Geschichten in der Boulevardpresse wieder, nur stark verändert. Geschickt fügt Aaron Sorkin seine Kritik hier ein: Die betrunkene Nina erzählt Will auf der Silvesterparty, dass sie gerade an einem „Takedown“-Aufsatz arbeite, an einem Artikel, der einfach nur eine gewisse Person niedermachen soll. Und wie wir erfahren kann das aus den verschiedensten Gründen passieren – manchmal einfach nur, weil es eine Person öffentlichen Interesses ist, so wie der Celebrity aus Jersey Shore aus Ninas eigentlicher Story. Aus persönlichen, aber schließlich auch politischen Gründen entscheidet sie sich allerdinngs für einen Artikel über Will McAvoy.

Quelle: wegotthiscovered.com

Will (Jeff Daniels) begegnet der Klatsch-Reporterin Nina (Hope Davis) mit wenig Respekt für ihren Beruf. Kurz darauf findet er sich auf dem Titelblatt ihres Magazins wieder.

Hier findet die Brücke zu den Geschehnissen der Vorfolge statt. Auch wenn Charlie hier vielleicht zu sehr Sherlock spielt, denn die Info von den 4000$ für den Anzug hätte Nina wer weiß wo ausgraben können: Die Enthüllung, dass Nina wohl im Auftrag von Leona Lansing Wills Ruf zerstören möchte, war clever eingebaut und gab MacKenzie wieder mal die Chance, wütend auf Will zu sein. Wichtiger aber ist, dass Will erfährt, dass Charlie ihn angelogen hat, was die Chefetage von Wills neue Richtung seiner Show hält. Und da wird es spannend. Riskiert Will seinen heiß geliebten Job, um Integrität zu zeigen, um seiner Redaktion den Rücken zu stärken? Als Reese ihn zum Schluss auffordert, die von anderen TV-Sendern aufgegriffene Vermutung als Wahrheit zu verkaufen, hätte ich darauf gewettet, dass er einen Rückzieher macht. Aber ich hätte es besser wissen müssen, und das ist mir im Nachhinein erst klar geworden: Seine diversen missglückten Dates sollen zeigen, dass Will McAvoy seine Hand für seine Überzeugung an ein informiertes Amerika ins Feuer legt, und selbst wenn er mehrfach dafür gescholten wird: Er bleibt seiner Linie treu. Und so riskiert er seinen Job. Klar macht es sich The Newsroom wieder da ein wenig einfach, da wir nun rückblickend wissen, dass Gabrielle Giffords nicht verstorben ist, aber für diesen starken Moment der Episode ist es das sicher wert.

Giffords und Obama.

Überhaupt Giffords, das hat die Serie wieder sehr gewitzt eingebaut, uns zur rechten Zeit das Datum einzublenden. Die chronologische Bearbeitung der wichtigsten Fälle der letzten Jahre lässt einen selbst raten, welche Themen wohl als nächstes aufgegriffen werden. Glücklicherweise ist das Attentat auf Giffords ein Thema, das nicht ganz so US-zentriert ist wie die Tea Party-Bewegung von „The 112th Congress„, und so gestaltet sich dieser diesmals so gar nicht im Zentrum stehende Aspekt der Episode als ziemlich zugänglich. Über die ganze Szene spielt Coldplays „Fix You“, ein himmlisch schönes Lied. Es passt gut und lässt die Berichterstattung über den Anschlag wirklich episch rüberkommen, aber bei diesem Song ist das auch keine große Leistung. Trotzdem stört das Lied ein wenig: Vielleicht weil man parallel Musik und Dialog hört, oder vielleicht, weil man sich zu sehr von ihm manipuliert fühlt. (Vielleicht spielt es auch eine Rolle, dass das Lied schon recht alt und bekannt und insbesondre von mir auch schon rund 200 mal gehört worden ist.) Bislang hat mich The Newsroom noch mit keiner Wahl von nicht-orchestralem Musikstück vom Hocker reißen können.

Das andere Thema von „News Night“, der Show in der Show, ist das „what we missed“-Segment von 2010. Auch hier wieder eine geschickt integrierte Kritik, dass gewisse Themen nicht genug von Nachrichten gebracht wurden. Unglücklicherweise reihen sich diese in eine ähnliche pro-demokratische Sichtweise wie die Berichterstattung über die Tea Party. Mehr und mehr kommt mir vor, dass Will McAvoys Show eigentlich gar nicht immer so darum bemüht ist, wirklich die Nachrichten des Tages selbst zu bringen, sondern gewisse Lügengeschichten der Politik aufzudecken: „Why are they lying to you? I don’t know.“ sagt Will McAvoy, und für mich hören sich solche Zitate schon nach Quotenfang an. Auch wenn es berechtigt sein mag, aber zumindest leicht manipulativ ist das allemal. Und die Frage ist: Finden wir das okay, sich von einer Nachrichtensendung manipuliert zu fühlen?

Bla:

– Und was lernen wir aus der Folge? Wenn wir uns über das niedere Niveau einer Person auslassen, ist es wohl nicht die taktisch klügste Entscheidung, dies ausgerechnet ihr gegenüber zu tun. Will hingegen wählt den moralisch richtigen Weg.

– „Shoot, Don’s here.“ Das sind aber normalerweise nicht die Worte, die man denkt, wenn man seinen Boyfriend auf einer Party entdeckt. Don, oder neuerdings auch in seiner neuen Variante, FunDon.

– „Girlfriend is a strong word…“ sagt Neal verklemmt, aber anstatt einer peinlich höflichen Begrüßung fallen sich er und das (offensichtlich ebenso indische) Mädchen direkt in die Lippen.

– „Careful, when Jim says ’no‘ he sometimes means ‚I’m sleeping with your roommate.'“

– Dieses Aufdecken von Lügen in der amerikanischen Politik hätte man parallel stellen können mit Jims Lüge, aber hat das nicht wirklich gemacht. Andererseits ist Jims Ausrede, nichts mit Lisa zu haben, nun auch wirklich nicht von so großer Bedeutung.

– Ist das Anschütten mit Getränken generell eine Gesprächsstrategie von Frauen? Die Episode hat das ja regelrecht zum Ritual gemacht.

– Abschließend bleibt natürlich nur noch eines zu sagen: „Bigfoot is real.“

Fazit: 7,5 von 10 Punkten.

I’ll Try to Fix You“ beinhaltet interessante Kommentare über diverse Aspekte der Medienindustrie, legt aber noch mehr Augenmerk auf das Privatleben der Figuren. Das allerdings nicht ganz erfolgreich: Bei Maggie-Jim-Don wirkt das ein wenig zu unreif und inkonsequent in die Folge integriert, Wills Geschichte hat da mehr Kohärenz.

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Ein Gedanke zu “The Newsroom 1.04 „I’ll Try to Fix You“: Cocktailduschen.

  1. Pingback: The Newsroom: Staffel 1 | Blamayers TV Kritiken

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