The Walking Dead 2.13 „Beside the Dying Fire“: Die Mahd.

„This isn’t a democracy anymore.“

Das hochexplosive Staffelfinale von The Walking Deads Staffel 2, betitelt als „Beside the Dying Fire„/ „Die Mahd„, ist alles, was man sich von dieser Serie nur wünschen kann – und das habe ich jetzt schon lange nicht mehr über sie sagen können. In beinah jeder Episode der zweiten Staffel gab es mindestens einen Handlungsstrang, der eher weniger überzeugen konnte, oder man baute Inkonsistenzen en Masse ein. Doch wer von den zwei vorangegangen Folgen noch nicht überzeugt werden konnte, dass The Walking Dead seine Formschwäche abschütteln kann, dem wird zweifelsohne die weitgehende Abwesenheit von Fehltritten am Staffelfinale auffallen.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Mit den Autos versuchen die Überlebenden vergeblich, die Zombies wegzulocken.

Durch die Schüsse auf der Wiese angelockt stürmt eine gigantische Masse an Walkern auf die Farm zu. Carl und Rick, die soeben Shane umgebracht haben (2mal!), sind mitten unter ihnen und können sich nur noch in Hershels Scheune retten. Auch den anderen Überlebenden wird die Gefahr bewusst und bereiten sich für eine epische Schlacht um den Besitz der Farm vor.

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler für die Episode.

Wir erfahren im Intro, wie es dazu kommt, dass urplötzlich so eine gigantische Anzahl an Walkern gemeinsam die Farm stürmt – sie kommen aus einer Großstadt (Atlanta?) und sind einem Helikopter blindlings gefolgt. (Wobei ich mich frage, warum einige Zombies gerade einen Kadaver verzehren und sich für einen Helikopter davon ablenken lassen. Aber bei den anderen Walkern ist es verständlich.) Der Zaun ist ein wahnsinnig schönes Bild und zeigt, wie die Zombies die Grenzen der Menschen mit purer Kraft und Anzahl sprengen, ohne genug Intelligenz zu verfügen, einfach darüberzuklettern. Es erklärt auch, warum so viele Walker gleichzeitig Carls Schuss gehört haben und warum sie die Walker nicht während der Suche nach Sophia gefunden hatten. Da war ich vielleicht bei meinem Artikel zu „2.12 Die besseren Engel unserer Natur“ ein bischen voreilig. Es heißt aber auch, dass sie so oder so gekommen wären, unabhängig von dem Lärm von Shanes letzten Momenten.

Die Schlacht.

Die Serie baut die Sichtverhältnisse bei Nacht geschickt mit ein. Rick und Carl versuchen beispielsweise geduckt zur Scheune zu schleichen, werden zwar von ein paar Walkern entdeckt aber nicht sofort von allen. Dort flüchten die beiden die Leiter hoch und zünden die Scheune mit Hilfe von Benzin an, um ihre nächsten Verfolger zu verbrennen. Es ist einfach klasse, wie die Farm die gesamte lange Sequenz im Hintergrund brennt, und vor allem wie konsistent sie das tut – das muss wahnsinnig schwierig zu filmen gewesen sein! Visuell ist das die entscheidende Einstellung der Folge, wie sie weiterbrennt und schließlich in sich einstürzt, ein Mahnmal für die zerbröckelnde Illusion, dass es irgendwo einen sicheren Hafen gäbe, wo sie sich je schützen können werden. Diesen wird es ja nie geben, wie wir in der vorherigen Episode und die Überlebenden in dieser Woche lernen. Sie sind alle infiziert…

Generell ist der Kampf um die Farm einfach fantastisch. Mehrere Teams (Daryl, T-Dog und Andrea, Maggie und Glenn) fahren mit ihren Wagen umher und erschießen Zombies – vielleicht ein wenig zu treffsicher. Ein paar Verluste muss die Gruppe einstecken, es handelt sich allerdings nur um die so gut wie gesichtslosen Leute von der Farm, Patricia und Jim – denen heule ich keine Träne nach. Schließlich müssen die Überlebenden aber einsehen, dass sie einfach nicht genug Feuerkraft und Munition haben, um dieser Armee von Walkern Herr zu werden – sie müssen die Farm aufgeben. Vor allem natürlich für die Greene-Familie schwierig, aber Ricks und Co. können sie zu Sinnen bringen. (Glenn tut das, indem er „Ich liebe dich“ endlich zurücksagt. Schmaaalz.)

Lori bemerkt nun endlich, dass Carl ihr einmal mehr weggelaufen ist. (Wenn der gefährliche Randall mit einer Waffe herumläuft würde ich meinen Sohn nicht eine Sekunde unbeabsichtigt lassen!) Als sie ihn nicht findet kann Carol sie aber zum Glück dazu überreden, dass der Junge seine Mutter braucht, falls sie ihn lebend finden. Loris Sorgen können wir leider gar nicht nachvollziehen, weil wir zu jeder Zeit wissen, dass er bei Rick sicher ist. Es wäre sonst ja auch übertrieben viel Zombiefutter gewesen, das da in den letzten drei Episoden von Season 2 den Maincast verlassen hätte.

Die Flucht.

Andrea geht T-Dog bei einem Handgemänge verloren, dafür rettet er Beth und Lori. Andrea wird ihrer Rolle als einzig starke Frau gerecht (wobei Maggie zugegebenermaßen auch was hermacht), weil sie sich die Tasche voller Waffen schnappt, die Flucht per pedes sucht und bis in den Tag hinein überlebt. Als ihr langsam Munition und Kraft ausgehen wird sie allerdings von einer mysteriösen, in eine Kapuze gehüllte Gestalt im Wald gerettet. Große Style-Kudos für The Walking Dead, was das für eine Figur ist: Mit einem Samurai-Schwert schneidet sie den Zombie einfach nieder. Mindestens genauso badass sind ihre zwei Kumpanen: zwei domestizierte Walker, die dieser Mensch an Ketten an der Leine hängt, ohne Arme und Beißwillen. Was zum Teufel?? Auf jeden Fall ein einzigartiger Charakter, den wir so noch nicht in dieser Form in The Walking Dead gesehen haben, ein richtiger Krieger, der Daryl in Sachen Coolness ganz locker den Rang abläuft. Wie diese Person wohl Andrea mitten im Wald gefunden hat? Auf jeden Fall großes Storypotential für die nächste Staffel, die hoffentlich andere Tone einschlagen wird als diese Season auf der Farm.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Rick (Andrew Lincoln) und Carl entkommen via Dach des RV aus der Scheune.

Die diversen Kleingruppen der restlichen Gruppe trennen sich und finden unabhängig voneinander wieder zum Highway zurück – dort, wo die Serie vor 13 Episoden sich für Sophia in den Farm-Handlungsbogen gestürzt hat. Bei manchen Gruppen ist ihr Weg recht interessant interessant – Daryl und Carol cruisen ganz gechillt durch ein Zombiecamp auf ihrem Motorrad durch, Carl, Rick und Hershel warten auf dem Highway auf ihre Freunde – bei anderen aber so gar nicht. Maggie und Glenn habe ich schon angesprochen, aber auch T-Dog ist einfach unmöglich. Wieso würde er einfach sagen: „They’re lost, they’re gone!“? Möchte er einfach mit diesen zwei Frauen selbst davondüsen, vielleicht in den Süden an den Strand? So einfach hab ich noch nie jemanden seine Freunde aufgeben sehen. Zum Glück ist das für mich die einzig unplausible bzw. dümmliche Szene der Folge.

Die Überlebenden haben nicht nur Freunde verloren, sondern leider auch ihre Wertgegenstände – nicht Schmuck sondern Waffen, Vorräte, Kleidung, Benzin, zum Überleben wichtiger Schnickschnack. Genaugenommen sind wir hier wieder fast an der selben Stelle wie am Ende der ersten Staffel, nur mit ein paar neuen statt ein paar alten Gesichtern. Diesmal entscheidet man sich aber dafür, und das begrüße ich durchaus, einen Cliffhänger einzubauen, anstatt komplett open-ended zu sein wie das Ende von „1.06 TS-19„. Die Überlebenden fahren weiter, bis einem Wagen der Sprit ausgeht und sie erstmal eine Nacht irgendwo im Nirgendwo verbringen. Ricks neue Devise: Zusammenhalten um jeden Preis. Zeit, die Situation mal zu besprechen.

Die neue Hierarchie.

Ich habe es auf jeden Fall unterschätzt, wie sehr Shanes Tod an Rick nagt. Im Nachhinein realisiere ich, dass die Tatsache, dass Ricks Mord an Shane in „Better Angels“ nicht gezwungen sondern eine Wahl war, eine sehr große Rolle spielt. Hier äußert er erst, wie sehr es ihn peint, seinen besten Freund umgebracht zu haben. „I could have stopped… but I didn’t. I wanted him dead… I killed him.“ Rick hat sich in den letzten paar Episoden damit eindeutig zum komplexesten Charakter der Serie entwickelt – endlich! Die Serie hat sich eine interessante Führungsfigur verdient, und die ist Rick nun auf jeden Fall geworden, was er in den Schlussminuten in diversen Konversationen mit der Gruppe unter Beweis stellt.

Rick gesteht Carl und Lori, dass er Shane umgebracht hat. Ich musste fast lachen, als ich Lori verstört hab dreinblicken sehen. SIE war es doch, die ihm eingeredet hat, dass er sich um Shane kümmern solle, und hatte dabei ganz eindeutig an eine, uhm, permanente Lösung des Problems gedacht. Sie war es, die Shane mit ihrem Gespräch zu seinem verrückten Plot angestiftet hat. Sie ist es doch, die sonst immer hinter ihrem Mann steht, no matter what. Oder ist sie einfach böse, dass Carl den Zombie-Shane erlegt hat? Das ist erstens vergleichsmäßig wenig Ballast im Vergleich zum Geständnis, Shane umgebracht zu haben, und zweitens muss sie halt langsam begreifen, dass ihr Sohn wesentlich schneller aufwachsen muss als es vor der Apokalypse der Fall gewesen ist. Außerdem ist sie ja selbst schuld,dass Carl weggerannt war.

Rick gesteht der Gruppe, dass sie alle infiziert sind und dass er es die ganze Zeit über gewusst hatte. Das hören die gar nicht gern – klar, die Nachricht ist äußerst unangenehm (ein paar ihrer Konsequenzen finden sich im „Better Angels„-Artikel aufgelistet), aber mehr stört sie die Tatsache, dass es Rick ihnen nicht gesagt hat. Glenn argumentiert, dass er es der Gruppe sofort(?) gesagt habe, als er die Zombies in der Scheune entdeckt hatte, und dass Rick nicht das Recht habe, solch wichtige Informationen vor ihnen geheim zu halten.

Es geht wieder um die Frage, was es heißt, die Gruppe anzuführen. Nun, da Shane tot ist nur noch ein Alpha-Tier übrig ist, besitzt Rick die einzige Entscheidungsgewalt. Manche, z.B. Hershel und Daryl, unterstützen ihn in den Dingen die er sagt, die Richtungen die er vorgibt, aber anderen bekommt es weniger. Insbesondre aber sein Schlussmonolog spricht nicht nur von erfolgreich geleisteter Charakterarbeit der Show, sondern führt die Sendung auf ein neues, spannendes Territorium. Auf die Anschuldigung, die Gruppe nicht sicher halten zu können, entgegnet er ihnen: „I killed my best friend for your sake, god doddamnit!“ Er wascht seine Hände in Unschuld, und versichert seinen Freunden, dass sie seine Gruppe ruhig verlassen könnten, dass sie ruhig auf sich selbst gestellt weiterleben können. „But if you’re staying, this isn’t a democracy anymore.“ Wirklich starkes Material und ein grandioser Cliffhänger für die nächste Staffel.

Das gesamte Bild.

Die Mahd“ ist eine monumentale Episode für die Serie. Nach sehr langer, wahrscheinlich sogar zu langer Zeit verlassen wir die Farm, die die ganze Staffel über ein äußerst sicheres Plätzchen dargestellt hat. Ich werde in einer Gesamt-Staffel-Review noch einmal genau auf diesen Handlungsbogen eingehen, hier möchte ich aber nur kurz anmerken, dass es wichtig war, die Figuren endlich von dort wegzulocken. Die vermeintliche Sicherheit hat die Figuren zu etlichen Dummheiten verleiten lassen, die Charaktere wurden fahrlässig und teilweise auch gelangweilt. Das letzte Bild der Staffel zeigt ein Gefängnis, welches ein wichtiger Handlungsort für Season 3 zu werden scheint. Falls das der Fall ist sollte man allerdings sichergehen, dass die Figuren nicht nur in einem „Abenteuer-der-Woche“-Stil ihre Zeit vertreiben, sondern sich eine durchgehende Haupthandlung wie ein roter Faden erkenntlich zeigen.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Die menschliche Zivilisation geht in Flammen auf, Walker laben sich an den Überresten. „Beside the Dying Fire“ besticht durch starke Metaphernsprache und fantastische Bilder.

Nun, da sich Rick so verändert hat und bereit ist, die harten Entscheidungen zu treffen, habe ich das Gefühl, dass die Serie auch ohne Shane prima auskommen wird. Die Rolle des ewigen Skeptikers kann natürlich locker auch von Lori übernommen werden – die ist ja sowieso bei allem gern einfach dagegen.

Ich finde, es war genau die rechte Zeit, das Rätsel um Jenners Worte an Rick zu lösen. Auch sonst fanden viele Handlungsstränge hier ihren Abschluss (die Farm, Ricks fehlende Kaltschnäuzigkeit) und andere ihren Neuanfang (Wer ist die Frau mit dem Schwert und den zwei gefangenen Walkern? Was ist das Gefängnis für ein Ort?). Die Folge bietet also einerseits befriedigende Antworten sowie interessante neue Fragen – immer ein Zeichen einer guten Episode. Und das ist „Beside the Dying Fire“ allemal.

Bla:

– Wahnsinn, wieviele Zombie-Statisten sie für die Invasionsszenen verwendet haben, vor allem als sie zu Beginn den Zaun einrennen. Sah darum auch spektakulär aus.

– Klasse waren die vielen Blutspritzer auf den Windschutzscheiben, vor allem beim blauen Pick-Up, das von Zombies ja gerade so belagert wurde. Spitze Bilder!

– “ Christ promised the resurrection of the dead. I just thought he had something a little different in mind.“

– Neeein, Dales RV ist verbrannt. Damit ist seine letzte Spur aus der Serie verwischt…

– Apropos verwischen, auch auf dem Highway verlieren sich die Spuren der Menschen, die ihr Leben lassen mussten. Die Nachricht, die sie auf der Windschutzscheibe für Sophia zurückgelassen hatten, war vom Regen halb davongewaschen worden, und sieht nun so aus wie die stilisierte Schrift eines Horror-Films (wo Buchstaben am unteren Ende in Blut oder so verrinnen). Voller Melancholie – so eine Fülle von großartigen Bildern ist man von der Serie gar nicht gewohnt. Bravo.

– Wieso versucht Carol eigentlich, Daryl gegen Rick aufzustacheln? Ich verstehe nicht, wo sie mit ihrem „We’re not safe with him“ und „Why do you need him?“ herkommt. Daryl mag zwar ein Überlebenskünstler sein, aber ein Rudelsführer ist er nicht. Und sie selbst hat bislang nada gemacht, um die Sicherheit der Gruppe zu gewährleisten.

– Hätten sie nicht einfach immer für den Fall aller Fälle schauen sollen, ob alle Autos genug Benzin haben? Seufz.

Fazit: 9,5 von 10 Punkten.

Die Schlacht um die Farm ist lang, spannend, riesengroß inszeniert und bildschön in Szene gesetzt. Die Gruppe muss die Farm aufgeben, was endlich einen Szenenwechsel bedeutet. Rick hat Zeit, über seinen Mord an Shane nachzudenken und offenbart der Gruppe, dass sie alle infiziert sind. Die neue Hierarche in der Gruppe, die Rick als alleinige Entscheidungsinstanz sieht, ist gleichermaßen interessant und spannend – Ricks charakterliche Transformation findet somit vorübergehend einen sehr zufriedenstellenden Abschluss. „Beside the Dying Fire„/ „Die Mahd“ ist ein mehr als würdiger Abschluss für die zweite Staffel von The Walking Dead.

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