The Walking Dead 2.10 „18 Miles Out“: Ausgesetzt.

„You can’t be the good guy and expect to live.“ – „I’m not the good guy.“

18 Miles Out„/ „Ausgesetzt“ ist eine eigenwillige Episode von The Walking Dead und bricht ein wenig das etablierte Format der Serie – was durchaus wünschenswert ist. Erstmals wird nicht versucht, jeder Figur zwanghaft in einer Episode etwas zu tun zu geben, sondern fokussiert stattdessen auf ein paar wenige Charaktere. Während man auf der Farm (mal wieder) darüber sinniert, ob es sich lohnt zu leben, haben Rick und Shane auf einem Roadtrip endlich mal Zeit, miteinander zu plaudern.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Rick (Andrew Lincoln) und Shane (Jon Berenthal) nützen die Zweisamkeit abseits der Farm, um ihrer sich angestauten Feindseligkeit endlich Luft zu machen.

Man muss es wirklich so sagen: Die Geschichte um Beths Selbstmordgedanken ist mehr Füller als wirklich Inhalt. Zentrum von „18 Miles Out“ ist die Konfrontation zwischen Rick und Shane – der Konflikt, auf den die Serie schon von Episode 1an hingearbeitet hat. Die Episode ist spannend, aber nicht weltbewegend.

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler.

Eine Woche sind seit der Schießerei im Saloon vergangen. Randall hat überlebt, aber die Überlebenden wollen ihn nicht bei sich aufnehmen. Rick und Shane fahren gemeinsam zur Schule der Stadt, um ihn dort auszusetzen. All das, was schon die ganze Serie über zwischen ihnen gestanden ist, kommt endlich zur Sprache, vor allem natürlich dessen Affäre mit Lori.

Rick triffts mit seinem Monolog sehr gut und lässt Shane wie einen Schuljungen auf den Boden blicken. „This is my wife, my son, and my unborn child!“. Besonders gut finde ich, dass er ihm erzählt, dass er es ziemlich schnell selbst rausgefunden hatte und Shane am liebsten sein Kiefer gebrochen hätte und dass er es als Stärke und nicht Schwäche ansehe, dass er gegen diesen instinktiven Hass angekämpft hat. Rick reiht sich damit in die elitäre The Walking Dead-Gruppe von Menschen an, die nicht auf den Kopf gefallen sind (wie zum Beispiel Shane oder natürlich Lori). Shane findet reuvolle Worte, unter anderem auch, dass er Lori vor der Katastrophe nie so angesehen hätte. Die Folge begnügt sich aber nicht mit diesem Austausch sondern behandelt die nun in die Öffentlichkeit gekommene Kluft zwischen den beiden organisch – später haben sie weit weniger friedlichere Austäusche.

Rick gehört nun endlich auch zu den Charakteren, die mich interessieren. Rick behauptet unter anderem, dass er dasselbe getan hätte wie Shane, wenn er an seiner Stelle mit Otis vor den Walkern hätte fliehen müssen. Vor ein paar Episoden hätte ich ihm das nie abgekauft und Shane als den Bösen abgestempelt sehen. Letzteres ist zwar geblieben, aber Ricks Bereitschaft, zu tun was getan werden muss, um seine Liebsten zu schützen, scheint sich grundlegend geändert zu haben. Er gibt es selbst zu: Er ist jetzt nicht mehr bloß der Gutmensch, aber auch eindeutig nicht so willig wie Shane, Schandtaten dafür zu begehen. Hier bleibt die Serie also angenehm amvilaent in Ricks Veränderung in Staffel 2. Geblieben ist ihm allerdings seine Angewohnheit, seine eigenen moralischen Vorstellungen anderen Menschen auf die Nase zu binden. Er sieht sich absolut als Anführer seiner Gruppe, und das nicht nur, was die Entscheidungen anbelangt, wohin sie ziehen sollen.

Diese Eigenschaft Ricks wird zum großen Streitpunkt zwischen Rick und Shane an der Schule. Als Randall um sein Leben fleht erwähnt er, dass er Maggie von der Schule her kennt, und somit wohl auch weiß, wo Hershels Landgut sich befindet. Wenn er also seine Freunde wieder findet könnte die Farm einer Schlacht ausgesetzt werden. Während Rick nicht weiß, wie sie darauf reagieren sollen, und einen Tag Nachdenken an der Farm vorschlägt (als ob die Serie genau das bräuche!), greift Shane kurzentschlossen zur Waffe und richtet sie auf Randall. Als er Shane davon abhält, den Jungen zu erschießen, wirft Shane Rick an den Kopf, dass er zu schwach sei, die nötigen Entscheidungen zu treffen und dass er deshalb Lori und Carl nicht vor der Welt schützen könne.

Das sieht Rick als neuerliche Bestätigung Shanes Gefühle für die beiden und dass Shane der Überzeugung ist, er wäre der Richtigere der beiden für Lori. Es kommt zur handfesten Schlägerei mit jeder Menge recht witziger Momente, inklusive der typischen „ISCH“-Geräusche bei jedem Schlag oder wie Shane wütend ein Motorrad auf den am Boden liegenden Rick wirft. Überhaupt war die physische Konfrontation der beiden längst überfällig, und ich muss sagen – das ist wirklich ein sehr zufriedenstellender Zweikampf.

Bis Shane versucht, Rick mit einer geworfenen Axt zu ermorden und stattdessen eine Meute Zombies freisetzt. Natürlich könnte man fragen, warum die nicht schon früher herausgekrochen kamen – Fenster halten sie ja nicht auf, und die zwei Streithähne hatten genug Lärm gemacht, um sie längst auf den Plan zu rufen – aber spannend ist es auf jeden Fall. Hübsch gemacht war die Reflektion von Shanes blutendem Gesicht in den Überresten des Fensters sowie die erste sich streckende Hand der Zombies im Inneren.

Während Rick sich geschickt unter einem erschossenen Walker versteckt und sich so nur um ein paar wenige Wiedersacher verteidigen muss, wird Shane auf offenem Feld erwischt und muss vor einer ganzen Meute fliehen. Da Rick die Schlüssel fürs Auto hat kann er nicht direkt zu diesem sprinten und Rick einfach im Stich lassen, stattdessen verbarrikadiert er sich in einem Bus und drückt die Tür mit seinem Körper zu, wähend rund ein Dutzend Zombies versuchen diese zu öffnen. Kurz sieht es so aus, dass Shane sie einzeln abzustechen versucht – man wäre das nervenaufreibend und gefährlich gewesen, wenn Rick ihn einfach zurückgelassen hätte.

Er überlegt das auch kurz und will zuerst einfach mit Randall flüchten. Doch dann rennt er an den zwei von ihnen vorher sorgfältig nur mit Messern getöteten Wachmännern vorbei und schaut sich diese noch einmal eindringlich ein. Das könnten Shane und er sein. Und so waren sie früher, ein Team. Und er rettet Shane, indem er gemeinsam mit Randall die Walker mit dem Auto ablenkt und Shane so in dieses klettern lässt. Aber die Tatsache, dass Rick wirklich mit dem Gedanken gespielt hat, Shane umzubringen, nachdem dieser ihn offensichtlich mit der Axt das Leben nehmen wollte (wenn auch aus einem Impuls), spricht dafür, dass sich die beiden nie mehr wieder verstehen werden. Das impliziert auch Shanes Blick auf der Rückfahrt, der alles andere als versöhnlich wirkt.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Shane verbarrikadiert sich im Bus: „Sorry, you’ll have to wait for the next bus.“

Randall wird also zur Farm zurückgebracht und sich wahrscheinlich der Gruppe anschließen. Ich mag Randall – ich glaube, dass ein junger, optimistischer, übermotivierter Junge der Serie gut tun wird. Endlich kann die Serie eine Figur finden, die glaubwürdig eine dumme Entscheidung tätigen kann. Er scheint nicht besonders selbstständig zu sein, im Gegensatz zu Ricks Gruppe, die eigentlich mittlerweile genug Überlebenserfahrung gesammelt haben dürften, dass ihnen nicht mehr so fahrlässige Aktionen wie die Brunnen-Rettungsaktion passieren sollten. Oder Shanes kleiner Unfall in dieser Episode, der aber zugegebenermaßen im Affekt passiert ist.

Soviel zur Haupthandlung. Unterstützt wird die durch die B-Storyline von Beths Suizidversuch. Wer ist eigentlich Beth? Das ist die bislang sehr im Hintergrund gehaltene zweite Tochter von Hershel, die nun urplötzlich zur Sprechrolle geworden ist. Das Thema, ob die Welt nach der Apokalypse überhaupt noch lebenswert ist, hatten wir schon ein paar mal, auch wenn es diesmal ein wenig überzeugender rüberkommt als Loris Zweifel, ob Carl nicht etwa sterben sollte. (Je länger ich über dieses Sentiment von Lori nachdenke um so schwachbrüstiger wird es. Carl war bislang immer voller Freude, außer natürlich nach Sophias Tod. Und diese Mutter wusste nicht, ob ihr eigener Sohn das Recht haben solle zu leben! Mein Gott.)

Dieser Nebengeschichte mangelt es an Relevanz für das Gesamtschicksal der Gruppe und passt irgendwie überhaupt nicht zur Haupthandlung. Von Beth wissen wir so gut wie nichts, an ihr ist nichts besonders, sodass ich mich noch nicht so ganz davon bewegen lassen konnte, ob sie stirbt oder nicht. Überhaupt wäre es wahrscheinlich interessanter gewesen, wenn Andreas Plan nicht aufgegangen wäre und sie sich tatsächlich das Leben genommen hätte – was durchaus wieder die Dynamik auf Hershels Farm verändert hatte. So allerdings bleibt es weitgehend konsequenzfrei. Dass Andrea nicht mehr in das Haus darf ist jetzt nicht gerade ein Schocker.

Was mich an dieser Storyline ein wenig anstößt ist der Sexismus, den The Walking Dead betreibt. Ich bin kein Feminist, aber die Serie behandelt Frauen so, als ob sie einfach nur an den Herd gehören. Gerade mit Lori blamiert sich die Serie da einmal mehr: Sie wirft Andrea vor, nicht genug für die Gruppe zu tun, weil die A-Team-Missionen (in die Stadt gehen und jemanden retten oder sowas in der Art) nur von Männern gemacht werden sollen. Lori ist der Ansicht, dass die Frauen durch ihre Haushaltsarbeit Stabilität in den Alltag bringen und dass Andrea einfach bloß selbstsüchtig ist, da sie sich mit so läppischen Dingen wie die Sicherheit der Gruppe kümmert. Huh??

Mit jeder weiteren Folge verachte ich diese Figur mehr. Um ihre eigene Beteiligung am Gesamtwohl der Gruppe zu verdeutlichen stützt sie sich auf die Taten ihres Mannes sowie, unfreiwillig komischerweise, auf die zwei von ihr erlegten Walker, die sie bei ihrem Autounfall erlegt hatte. Ist das nicht das ultimative Argument für ihr eigenes Versagen, dass sie bei einem durch ihre Dummheit selbst verschuldeten Autounfall zwar zwei Walker erlegt hat, dafür aber das Auto zu Schrott gefahren hat? Andrea hingegen ist ein viel interessanterer Teil der Gruppe, die mit großem persönlichen Verlust hat klar kommen müssen und weiß, wie sie sich um ihr eigenes Wohl kümmern muss.

Lori allerdings ist ein selbstsüchtiges Miststück, was sie auch gegen Ende der Episode unter Beweis stellt. Durch Andreas unkonventionelle aber gefährliche Entscheidung, Beth einen Selbstmordversuch zu gewähren, kann Beth einsehen, dass ihr Wille, sich umzubringen, nicht stark genug dafür ist, dass sie also am Leben bleiben will. Es ist ja verständlich, dass Maggie sie dafür zur Schnecke macht, aber Loris verachtender Ich-habs-besser-gewusst-Blick, den sie Andrea zuwirft, ist schlichtweg ungerechtfertigt – ein paar Sekunden danach gesteht sie Maggie, dass Andrea wahrscheinlich das Richtige getan habe. Aber aus purem Trotz heraus gibt sie Andrea zu verstehen, dass falsch lag, obwohl sie persönlich nicht so denkt. Pah!

Ist es Absicht, dass Lori ein so verhasster Charakter sein soll? Oder schafft man es einfach nicht, ihre Dialoge und Motive glaubwürdig zu konstruieren? Sie ist schließlich Ricks Ehefrau und nicht gerade das ideale Ziel, um eine Figur zu entwickeln, der man wünscht, aus der Serie auszuscheiden. Falls sie stirbt wird es wohl kaum dramatisch für die Zuseher sein, sondern vielmehr fast ein Anlass zur Freude – nicht aus purer Schadenfreude, sondern weil ihre Dialoge schlecht sind, ihre Einstellungen unglaubwürdig und ihre Hanlungsstränge eher uninteressant sind. Doch da sie schwanger ist und wir vielleicht noch das Baby sehen werden fürchte ich, dass Lori uns noch lange, lange begleiten wird…

Bla:

– Ich ärgere mich einfach immer wieder, wenn die Figuren sinnfreie Sachen machen, weil die Serie das für die Handlung braucht. Als Rick und Shane auf der Kreuzung anhalten, um in Ruhe zu plaudern, öffnen sie anschließend den Koferraum, um den Zusehern zu zeigen: Randall ist drin. Rick schaut (wieder nur für den Zuseher), ob die Fesseln nicht auf mysteriöse Weise runtergekommen sind, und dann schließen sie den Koferraum wieder. Ohne einen Grund gehabt zu haben, in den Koferraum zu schauen.

– Ich schätze nicht besonders den laxen Umgang, den die Hauptcharaktere mit den Zombies pflegen. Als Rick sein Blut an den Zaun schmiert zieht er den Finger in allerletzter Sekunde weg, einfach unnötig! Selbiges gilt für Shane

– Macht der deutsche Titel der Episode überhaupt Sinn? Randall wird ja schließlich nicht ausgesetzt, sie wollten es nur tun.

– Köstlich, wie Rick und der eben aus der Schule herausgetretene Zombie sich wie zufällig ansehen, einen Moment brauchen und der Walker Rick dann verfolgt. Diese kleinen Details machen die Zombiehatz abwechslungsreich.

– Diese Scheiterhaufen mit kohlschwarzen Leichen kriegen mich immer wieder. An einer Schule. Vielleicht Kinder. Überhaupt endlich wieder mal ein tolles Set.

– „The right choice is the one that keeps us alive!“

– „We should both do it. I wanna go… in the bed. Tonight.“ Starke Szene, toll musikalisch untermalt. Apropos Musik, das Lied am Schluss war einfach der Wahnsinn!

– Der Zombie im Feld ist ein schönes Bild für die Desolation der Welt. Unlogischerweise ist er jedes mal auf der Wiese rechts vom Auto, sodass Shane ihn sowohl beim Hin- als auch beim Rückfahren sieht.

– Randall beherrscht ja unglaubliche Ninja-Tricks. Mit gefesselten Händen kann er sich am Boden liegend vor einem Walker wehren!

Fazit: 8 von 10 Punkten.

Ricks und Shanes großes Duell ist spannend inszeniert und ein zufriedenstellender Lohn dieses schon lang gespannten Handlungsbogens – doch das letzte Wort scheint dabei noch nicht gesprochen zu sein. Auf der Farm hingegen wird in einer komplett unabhängigen Nebenhandlung ein eher generisches Problem (Beths Suizidversuch) gelöst, unglücklicherweise mit großer Beteilung Loris.

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6 Gedanken zu “The Walking Dead 2.10 „18 Miles Out“: Ausgesetzt.

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