Touch 1.10 „Mosaik“: Dodekaeder.

„Kann ich Ihnen etwas anbieten? Wasser, Kaffee?“ – „Antworten.“

Nach zwei langen Wochen Pause kehrte Touch gestern abend nun endlich auf die TV-Schirme zurück. Schade um die Pause, so kann die deutsche Fassung leider nicht zeitgleich das zwei-episodige Staffelfinale erreichen – das ist dafür wahrscheinlich nächste Woche dran. Und man darf staunen: Touch kann endlich tempomäßig anziehen.

Quelle: offizielle Touch Facebook-Seite

Martin (Kiefer Sutherland), Jake (David Mazouz) und Abigale (Catherine Dent) schließen unerwartet einen Friedenspakt.

Mosaik„, (Originaltitel: „Tesselations„) hat drei Handlungsstränge: Fokus dieser Episode ist Martins Begegnung mit drei auf die schiefe Bahn geratenen Hafenarbeitern, während Clea Nachforschungen über Sheris seltsame Experimente mit Jake anstellt, und daneben gibt es noch eine unbedeutende Nebengeschichte in Israel. „Mosaik“ macht das gut, was Touch ohnehin schon immer recht akzeptabel hinkriegt, scheitert aber wie die meisten Episoden dieser Serie an seiner Ideenlosigkeit.

Folge verpasst? “Mosaik” ist bis 11.6.2012 HIER kostenlos und legal auf der ProSieben-Homepage verfügbar.

Ab hier gibts wie immer volle Spoiler.

Rein visuell bin ich diesmal positiv überrascht worden. Das sehr aufwendige, weil authentische und weitläufige Hafenset fand ich erstklassig. Auch die Eröffnungssequenz (die während Jakes Monologs) fand ich bemerkenswert, da konnte man wirklich beeindruckende Frachtlagerbilder sehen. Ich wünschte allerdings, dass solche Muster auch in die Episode selbst integriert wären – ich sag es mittlerweile bei fast jeder Episode, aber es ist auch immer relevant: Eine Serie, die sich um Zahlen und Muster dreht, muss diese auch visuell ansprechend präsentieren können. Der Dodekaeder (das zwölfseitige Prisma) ist da schon ein Schritt in die richtige Richtung, insbesondre die Glasversion von Abigale, die Clea entdeckt. Oder das wiederkehrende Motif der Orangen (zu Beginn auf einem der Fotos, in einem Container, in dem Geschäft in Israel), das aufmerksamen Zusehern ein besseres Gefühl des Zusammenhangs der Handlung gibt.

Mein persönlicher Favorit ist allerdings das Foto, das Joes Ehefrau von Martin und Jake schießt. Das ist ein wirklich gelungener Schuss, und es ist so eine liebe Geste, dass sie ihm am Ende das Bild überreicht. Dadurch bekommen Martin und Jake auch ein Andenken für ihre Mithilfe. Schade, dass wir das sonst nie zu Gesicht bekommen – so ein ständiger visueller Fingerzeig zu früheren Episoden würde helfen, die Illusion der Holistik festigen.

Grummelnd habe ich mich jetzt endgültig damit abgefunden, dass Touch eine reine „Abenteuer der Woche“-Sendung ist, deren fortgeführte Handlung einfach im Hintergrund steht. „Mosaik“ ist die drittletzte Episode der ersten Staffel und bietet zwar einen ordentlichen Fortschritt in der Gesamthandlung, lässt damit aber endgültig durchblicken, dass diese schlichtweg nicht sonderlich ausgereift ist. Das sieht man beispielsweise an der Offensichtlichkeit, dass Abigale (Jakes Tante und Martins Schwägerin) die mysteriöse Person war, die Sheris Experimente an Jake übersieht. Es ist zwar löblich und positiv überraschend, dieses Mysterium nicht ewig ungelöst zu lassen sondern Clea sie noch in der selben Episode finden zu lassen, gleichzeitig bedeutete das aber, dass es so gut wie keine anderen Verdächtigen gab. Touch hat nur eine so kleine Riege an relevanten Figuren, dass der Verdacht nur auf Abigale oder Tellers Freund (der Juwelier im Büro) hätte fallen können.

Und dabei geht die Serie selbst mit diesen wenigen Beziehungen nur teilweise geschickt um. Mittlerweile sind Martin und Clea ein eingespieltes Duo, was die Obhut auf Jake, Nachforschungen in Tellers Büro und die Rettung des Universums betrifft. Die Serie weiß allerdings so gar nicht, wie sie mit ihren Bösewichten umgehen soll. Sheri ist vielmehr eine Karrikatur als ein ernstzunehmender Charakter, all ihre Handlungen und Aussagenscheinen nur darauf auszuzielen, den Protagonisten zu schaden. Bei Abigale wollte die Serie ein klein wenig ambivalenter sein, aber wie oben beschrieben klappt das rein strukturell einfach nicht so gut.

Außerdem ärgert mich die Szene zu Beginn, als Jack und Abigale einen Friedenspakt schließen. Das komm völlig aus der Luft gegriffen – das letzte mal, als wir sie gesehen haben, hat sie noch mit allen Mitteln versucht, Martin das Sorgerecht streitig zu machen. Der entsprechende Build-up fehlte.

Die Serie tut aber gut daran, an einem weiteren Nebencharakter festzuhalten: Avram, der doch überraschend gespräche beste Freund und Mitwisser von Arthur Teller. Der antwortet Clea bereitwillig auf ihre Fragen nach dem wie und dem warum – was es unter anderem mit der Göttlichkeit der 36 Auserwählten auf sich hat und was Teller damit zu tun hat. Dieser hatte nach diesen mit Hilfe von Experimenten gesucht, ging damit aber zu weit. Nun wendet Sheri die gleichen Versuche an Jake an. Manisch fügt er Muster zusammen und leidet merklich darunter – sein Hyperventilieren alarmiert schließlich Clea.

Quelle: offizielle Touch Facebook-Seite

„Cousin Avrim“ (Bohdi Elfman) bietet Clea und uns bereitwillig seine Kenntnisse an. Selten sieht man eine Serie so offenkundig ihre Geheimnisse ausplaudern. Spitze!

Gut, kommen wir zur Handlung der heutigen Episode: Martin folgt den Zahlen, die Jake ihm zeigt, und wird so ungewollt Teil einer Verbrecherbande. Das ist ganz interessant, wie er in diesen Strudel reingerät, und wenn man ein Auge zudrückt glaubt man ihm den Schwindel als „Mike“, auch wenn seine Antworten auf die vielen Fragen seiner Passagiere mehr als dürftig und hochverdächtig sind. Auch gefällt mir, wie Joe und seine zwei Kumpels zuerst als Verbrecherbande dastehen, sich später aber als ziemlich harmlose Opfer ihrer Situation herausstellen.

Am andern Ende der Welt (naher Osten, Israel) langweilt uns inzwischen die „Liebesgeschichte“ zwischen den zwei Jugendlichen. Deren Geschichte kam ziemlich halbherzig herüber, und oft nahm ich den Figuren einfach nicht ab, was sie da daherplauderten. Die Liebesgeschichte berührte mich kein bisschen, weil die Liebe der beiden nicht echt wirkte sondern mehr wie halt ein jugendliches miteinander ausgehen. Zum klischeehaften Liebesgeständnis im Gefängnis verliere ich besser keine weiteren Worte. Überhaupt, was war so gefährlich daran, ihren Bruder im Gefängnis zu besuchen? Und der Ring… Irgendwie passt das alles einfach nicht zusammen, wirkt in Erklärungsnot zusammengeklatscht.

Wenigstens lohnt sich die Geschichte – die Zusammenführung mit der Haupthandlung ist sehr gelungen. Touch spielt hier geschickt um die Aufmerksamkeit der Zuseher – es wäre nicht so schwer gewesen, herauszufinden, dass der vom in Gefängnis sitzenden Bruder „Michael“ der selbe ist wie der von Martin ersetzte „Mike“. Für mich allerdings kam es überraschend, und die Drohung, dass „sonst Menschen sterben“ würden, wenn der Teen in Israel nicht handelt, stellte sich auf unorthodoxe Weise als wahr heraus.

Mir gefällt auch, wie durch den Fund der asylsuchenden Palästinenser im Container alle Figuren auf verschiedene Art und Weise profitieren. Martin windet sich aus seiner illegalen Aktivität, die eingeschlossenen Menschen werden gerettet, für Joe erpresst Martin seinen Job zurück, in der Öffentlichkeit wird Joe zum Helden, das Paar in Israel findet Vertrauen ineinander und das Universum läuft nun wieder in geordneten Bahnen.

Astacorps Experimente an Jake geben der Serie endlich ein wenig Dynamik und sogar einen Cliffhänger. Für das zweiteilige Finale ist das nun auch wirklich höchste Eisenbahn! Es ist wohltuend, dass neben dem Abenteuer der Woche (der Ausflug zur Verladestation im Hafen) so viel Zeit für relevante Informationen aufgeopfert wurde. Endlich wissen wir, was Teller ungefähr geforscht hat. Ich bin sehr gespannt auf das große Finale, und habe ehrlich gesagt große Erwartungen. Obwohl die Serie eher lauwarm ist habe ich dennoch das Gefühl, dass man hier ein episches Ende für die erste Staffel bauen kann. Insbesondre hoffe ich auf ein gigantisches Netz an Verbundenheit vieler Gesichter aus dieser Staffel – der Feuerwehrmann, das nach New York ziehende arabische Mädchen und die zwei Mädchen aus Japan beispielsweise wünsch ich mir für „Gyre“ herbei.

Bla:

– Clea bricht in Sheris Büro ein und will den Laptop durchsuchen – die typische Wird-sie-entdeckt-oder-nicht-Szene also. Woher hat Clea gewusst, dass Sheri zurückkommen würde? Und warum zum Teufel wühlt sie in den Büroklammern?

– Boah, das Spiel mit den Tablets ist ja genial! Die Szene ist zwar unglaubwürdig (jedes Kind kapiert sofort wie alles geht?), die Idee ist aber wirklich verdammt gut. Man, das würde sicher Spaß machen!

– Jake… lächelt! Als er Clea Zugang zum Laptop verschafft!

– Die Stimme des Unbekannten in Sheris PC ist eindeutig männlich.

– „Ihr Sohn versucht ein Ungleichgewicht in der Welt zu korrigeren… um das göttliche Potential zu verwirklichen.“ Komisch, Martin glaubt zwar einerseits in die Macht der Zahlen, will aber nichts von Avrams Worten von göttlicher Auserwähltheit hören. Gut, er fügt zwar hinzu, dass es nur eine Theorie sei, aber das ist wahrscheinlich alles, was uns Touch diesbezüglich geben wird.

– „Wäre es nach mir gegangen wären Sie länger suspendiert worden.“ Jaja, so macht man sich Freunde.

– Man, die zwei Turteltauben küssen sich aber ganz schön offensichtlich im Geschäft, dafür, dass es geheim bleiben soll. Und der Ringverkäufer war nun auch nicht besonders diskret, unter anderem im Stimmvolumen. Fahrlässig geschrieben, muss ich sagen.

– Was in The Walking Dead die verschollene Sophia ist, ist in Touch der Sorgerechtsstreit: Ein Nebenstrang, der sich die ganze Staffel hin zieht und immer angeschnitten wird, ohne wirklich Ergebnisse zu liefern. Diesmal wirds kaum noch erwähnt.

– Laut Wikipedia heißt das Mädchen, mit dem Teller einst experimentiert hat, Amilia und nicht Emilia. Komisch. Es heißt somit wohl auch „Amilia-Sequenz“.

– Dodekaeder ist ein zwölfseitiges Objekt. Touchs erste Staffel hat genau 12 Folgen.

– – Die dieswöchige Zahl: 2545 – weil sie sich von 9808 geändert hat. Insgesamt ergibt das nun für die Emilia-Sequenz: 318 5296 3287 9522 9756 1188 1604 55124 2545.

Fazit: 7,0 von 10 Punkten.

Mosaik„/ „Tesselations“ ist ein Mix aus einer interessanten und einer sehr öden Geschichte. Die leider ziemlich vernachlässigten Nebenfiguren bekommen endlich interessante Dinge zu tun, auch wenn sich die Bösewichte der Serie (Abigale, Sheri) eher lächerlich benehmen. Visuell kann die Episode mit mehreren kleinen Gimmicks aufwarten, große Muster bleiben der Kerngeschichte allerdings leider fremd.

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