The Walking Dead 2.06 „Secrets“: Beichten.

„We don’t shoot sick people.“

Wäre die zweite Staffel von The Walking Dead ein Haus wäre es kein besonders sicheres – wenn man weiß, welche Stützpfeiler man eindrücken muss, bricht es zusammen. So geht es mir derzeit mit dieser Serie – wenn ich wollte, könnte ich dutzende Sachen finden, die ich kritisieren könnte (und ein paar dieser Pfeiler werde ich auch erwähnen). Dass die Serie mich dennoch nach wie vor in ihrem Bann zieht spricht allerdings eine deutliche Sprache.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Rick (Andrew Lincoln) findet die Abtreibungspillen(?) in Loris Zelt. Ein Paradebeispiel für ihre Heuchelei: Normalerweise ist sie es, die sich beklagt, dass er ihr nichts erzählt.

Die Natur des friedlichen Landlebens sorgt dafür, dass sich in jeder Episode mehr als 3 Handlungsstränge verfolgt werden, in diesem Falle: Glenns Beziehung mit Maggie, Shanes Schießtrainingsschule, (wieder mal) die Suche nach Sophia, Dales Konfrontationen sowie die längst überfällige Aussprache zwischen Lori und Rick – „Secrets„/ „Beichten“ ist in dieser Verfolgung von Handlungssträngen endlich wieder plotrelevant, zumindest teilweise.

Ich bin gespaltener Meinung, was die Eröffnungssequenz der Episode angeht – besser als die von „Chupacabra“ ist sie allerdings allemal. Mir gefällt der Twist, dass die Farmbewohner heimlich die Zombies füttern, was die Episode sehr schön mit „Chupacabra“ verbindet. Auch der Dialog zwischen Carl und seiner Mutter hat Potential: Carl sagt, dass Lori derzeit eine Hausfrau sei und seine Mutter vielleicht von Walkern gefressen wurde. Beide Dinge, die er da von sich gibt, sind interessant – auch mir stinkt es, dass Carol und Lori großteils Hausfrauen spielen müssen (kochen, Wäsche waschen, etc.), während die Männer jagen gehen, schießen lernen und so weiter. Andrea ist die einzige, die sich durch die Apokalypse in eine Kämpferin verwandelt hat. Andererseits spricht Carl damit an, dass Loris Gram und fehlende Lebensfreude sich auch auf ihn abfärbt – komischerweise wird auf diese Unterredung gar nicht mehr Bezug genommen, obwohl sie Lori sichtlich irritiert. Wenigstens thematisch passt die Anfangsszene von „Beichten“ gut zur folgenden Episode.

Glenn steht im Zentrum dieser Folge und verbindet recht geschickt gleich mehrere Handlungsstränge. Seine eigene handelt davon, wie schwer er sich tut, Geheimnisse für sich zu behalten. Ihn als „comic relief“ zu verwenden ist eine Sache, ihn ins Lächerliche zu ziehen eine andere. The Walking Dead schafft es nicht, Unterhaltungen so zu konstruieren, dass Glenn seine Informationen glaubenswürdig rausrückt – stattdessen muss er wie ein Trottel grinsend durch die Gegend spazieren und seine Geheimnisse bei der ersten Gelegenheit ausplaudern. Wirklich ernüchternd.

Die Geheimnisse in Frage sind: Zombies befinden sich in der Scheune, und Lori ist schwanger. Dass Glenn diese Informationen überhaupt weitergibt ist allerdings der richtige Schritt für die Serie. Überhaupt leistet die Episode eine gute Arbeit darin, existierende Handlungsstränge abzuschließen und interessant weiterzuführen. Das zurecht betitelte „Secrets“ wird zudem von diesem Motiv schön zusammengezogen – jeder Handlungsstrang hat was mit Geheimnissen zu tun.

Beide Geheimnisse gibt Glenn an Dale weiter, und dieser verschwendet keine Zeit damit, die jeweils richtigen Personen zu konfrontieren. Hershel lässt sich dabei nicht aus der Ruhe bringen und erzählt uns von seiner Philosophie. Die Farmbewohner glauben, dass der Virus nur ein solcher ist und geheilt werden kann,, dass die Walker gar nicht tot sondern heilbar sind. Die ganze Greene-Familie glaubt das, egal was noch am Vortag am Brunnen passiert ist. Mir gefällt dieser zugegebenermaßen leicht naive Twist, vor allem, nachdem Maggie nun langsam selbst daran zu zweifeln beginnt: In der Apotheke werden sie und Glenn von einem Walker attackiert, der sie um ein Haar infiziert und den Glenn heldenmütig mit einem Regal zermatscht. Maggie hat durchaus das Potential, sich der Gruppe Überlebender anzuschließen, sobald sie von Hershel endgültig verjagt werden.

 Auch das zweite Geheimnis, die Schwangerschaft, wird angesprochen. Sowohl Dale als auch Glenn treten auf sie zu und raten ihr nur das Beste. Glenn soll ihr dennoch die Abtreibungspillen holen, und sobald sie sie hat schluckt sie dramatisch gleich mehrere und beschließt dann ebenso dramatisch spontan, sie wieder hochzuwürgen. Man korrigiere mich, aber: Abtreibungspillen? Soweit ich weiß funktioniert die Pille danach nur am Tag darauf, und für was gibts Abtreibungskliniken, wenn man einfach nur ein paar Tabletten schlucken müsste? Soweit ich das sehe schummelt man da ein wenig mit der Wahrheit in dieser Episode – für mich enttäuschend und ein Zeichen für schlampige Schreibarbeit.

Nach mehrmaligem Drängen darauf (von Dale und Glenn) bespricht sie es zum Ende der Episode hin endlich mit Rick. Ihre Aussprache war längst überfällig und für mich der Höhepunkt von „Beichten„. Die Diskussion ist lang, emotional und spricht ein paar wichtige Punkte in ihrer Beziehung an – nur schade, dass sie an der selben Problematik krankt wie damals, als sie darüber redeten, ob Carl vielleicht nicht glücklicher sei, wenn er von dieser Welt ziehen würde: Das ist purer Nihilismus, den Lori da vertritt! Werfen wir doch nur mal einen Blick auf Carl – seit seiner Erholung haben wir ihn eigentlich nur lächeln gesehen, in dieser Folge lernt er motiviert den Umgang mit einer Waffe – und auch wenn das nicht gerade eine typische unschuldige Kindheit ist sollte es Lori doch die Augen öffnen, was es bedeutet, glücklich sein zu können.

Mehr und mehr bekomme ich das Gefühl, dass Lori in den Dialogen meist einfach dagegen argumentieren möchte/ muss. Das führt dann oft nicht nur zu meiner Frage, was für eine Rabenmutter ihren Sohn einfach sterben ließe, weil sie keine Chance auf ein glückliches Leben sieht, sondern gelegentlich auch zu schlichtweg unsinnigen und sich widersprechenden Dialogen. Es ging in dieser Episode auch um die Frage, ob Carl überhaupt das Schießen mit einer Waffe beigebracht werden darf – und Lori ist natürlich, erraten, dagegen. Zuerst wirft sie ihrem Mann vor: „Don’t make me be the only reasonable one here.“ und möchte Rick zwingen, ihr beizustimmen. Kurz darauf räumt sie hingegen ein, als er ihr widerspricht: „Everything you’re saying makes perfect sense.“, und es sei halt nur so ein Gefühl von ihr. Wenn die Drehbuchautoren selbst nicht argumentieren können, warum ihre Figuren dagegen sind, hat die Serie ein Problem.

Is there something else you need to tell me?„, fragt schließlich Rick. Und Lori verrät ihm endlich ihre Affäre mit Shane. Ich bin froh, dass sie da endlich klaren Tisch schafft, aus diesem Geheimnis war die Luft draußen. Dass Rick es nun weiß (er behauptet zwar, es schon gewusst zu haben, aber wie gefestigt dieses „Wissen“ war ist äußerst fraglich) gibt der Beziehung zwischen Shane und Rick einen weiteren Knicks, denn auch wenn er die Motive von Lori verstehen kann: Für Shanes Behauptung, dass er Rick für tot gehalten habe, gibt es keinen Beweis, obwohl es tatsächlich stimmt – Rick wird glauben, dass Shane womöglich darüber gelogen hat.

Shane hat sein eigenes Abenteuer diese Woche: Er lehrt verschiedensten Charakteren (Carl, Andrea, diverse Farmbewohner wie Jim) das Schießen. Weil sich Andrea beim Schießen auf eine Tafel so gut schlägt gibt Shane ihr Privatunterricht… das klang jetzt mit Absicht so zweideutig. Nicht lange dauert es, bis bei den zwein ihre sexuelle Energie explodiert und sie es im Honda treiben.

Davor aber begeben sie sich auf ein generisches Zombieabenteuer in der Vorstadt. Das ist zwar recht spannend, die Geschichte bringt es aber mal wieder kein Stück weiter. Ich mochte allerdings, wie Shanes Prinzip „einfach den Schalter im Kopf umlegen“ bei Andrea angewandt wurde, als sie dann plötzlich auf die Walker schießen konnte. Die Paarung Shane-Andrea passt gut, und dieser Überraschungssex kam mir passend für die beiden vor – mehr ist zwischen den beiden allerdings nicht.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

In einem Vorort kommt es zum Moment der Entscheidung: Shane (Jon Berenthal) schaut Andrea (Laurie Holden) zu, wie sie ihre Angst überwindet und „den Schalter umlegt“.

Dale beweist da wirklich einen übernatürlichen Instinkt, dass er erkennt, dass zwischen den beiden was gelaufen sein muss. Nicht so ganz verstehen kann ich aber, warum er das nicht gutheißt – was ist Dale denn da für ein Spießer? Auch die Beziehung zwischen Glenn und Maggie wollte er aus eher altmodischen Gründen nicht gutheißen. Und auch wenn Glenn als allzu kindisch dargestellt wird: Andrea braucht seinen Rat sicher nicht, wen sie vögeln darf oder nicht.

Aber Dale ist auch bekümmert über Shanes geistigen Zustand, nachdem er ihn in der ersten Staffel eindeutig auf Rick hat mit der Waffe zielen sehen. Shane kontert beinhart und gibt uns zu verstehen, dass er tatsächlich gefährlich sein werden kann: Rick ist sein bester Kumpel, und so etwas würde er nie tun. Aber wenn Dale recht hat, dass er beinah auf seinen besten Freund geschossen habe, wie würde er dann jemand behandeln, der dumme Anschuldigungen macht? In „Chepacabra“ hatte ich noch Verständnis für Shanes etwas andere Sicht der Dinge, hier aber bewegt er sich wieder in reines Bösewicht-Terrain – gerade Dale ist doch sonst so ein friedliebender Charakter. Es ist wohl eh viel interessanter, wenn es nicht nur tote Widersacher gibt, sondern auch welche, die auch selber denken können. Und ich mag, dass Andrea da zwischen diesen beiden Figuren steht, obwohl ich es für unwahrscheinlich halte, dass die Dale-Shane-Konfrontation öffentlich ausgetragen wird. Im Härtefall wird es allerdings interessant, für welche Seite sie sich entscheiden würde.

Mir stellt die Serie immer noch zu viele Dummheiten an – Charaktere setzen sich unnötigen Gefahren aus (Maggie), sie haben irrationale Einstellungen (Lori) oder verhalten sich unglaubwürdig (Glenn). Ich wünsche mir, dass die Serie ihre Figuren ernster nimmt und in ernstere Situationen wirft, die sie zwingen zu handeln. Und irgendwann, irgendwann müssen sie endlich Sophia finden.

Bla:

– Die dämliche Wendung der Vorfolge, als Andrea versehentlich auf Daryl geschossen hat,  wird zum Glück mit ein paar Sätzen sofort abgeschlossen – Daryl vergibt ihr und damit hat sichs.

– „You’re smart, you’re brave, you’re a leader…“ Süß, dass sie sich jetzt doch in Glenn verliebt, auch wenn das alles ein wenig schnell von statten geht. Auch wenn ich ihr nicht abnehme, dass Glenn ein Anführer sein könne. Es stimmt allerdings, dass die Gruppe Glenn nicht genug Anerkennung bietet.

– Man muss sich schon wundern, wie gedankenlos Glenn und Maggie eigentlich Sex in der Apotheke gehabt hatten, wenn da, so wie in dieser Folge, einfach so ein Walker auftauchen hätte können.

– Stand bei der Suche nach Sophia: nichts. Diesem Handlungsstrang werde ich langsam aber sicher wirklich überdrüssig. Ich kann wirklich kaum glauben, wie viel Zeit darauf verschwendet wird. An Dramatik und Dynamik ist jedenfalls nichts übrig geblieben. Wehe, wenn die Resolution nicht spektakulär ist!

Fazit: 7,5 von 10 Punkten.

Secrets„/ „Beichten“ führt die Handlungsstränge, die in der Vorepisode aufgebaut wurden, zufriedenstellend weiter- oder sogar zu Ende spinnen. The Walking Dead frustriert allerdings weiterhin mit weniger glaubwürdigen oder intelligenten Charakterentscheidungen – grade Glenn und Lori machen in dieser Hinsicht Probleme. Das Liebesdreieck zwischen Lori-Rick-Shane wird dafür endlich in die nächste Phase gebracht.

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Ein Gedanke zu “The Walking Dead 2.06 „Secrets“: Beichten.

  1. Unlogik bei den Abtreibungspillen?????

    Kleiner Tipp: Bis zu einer gewissen Woche reichen sehr wohl diese Pillen aus und dazu muss man nur zur Kreislaufüberwachung in die Klinik.
    Also geht es auch ohne…

    Also bitte erstmal richtig recherchieren bevor etwas als unlogisch erklärt wird.

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