The Walking Dead 2.04 „Cherokee Rose“: Gekommen um zu bleiben.

„Oh, you people are crazy.“

The Walking Dead ist gekommen, um zu bleiben – nicht nur die Serie selbst wird uns voraussichtlich noch längere Zeit erhalten bleiben, auch Hershels Farm wird für die nächste Zukunft eine Konstante sein. „Cherokee Rose“ gibt uns schon mal einen kleinen Fingerzeig, ob das eine gar so gute Sache sein wird.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Daryl (Norman Reedus) findet die episodentitelgebende Blume und bringt sie Carol.

Auch der Rest der Überlebenden trudelt nun auf Hershels Farm ein und schlagt vor seinem Haus ihr Lager auf. Auf dem Programm stehen: Otis‘ Begräbnis, verseuchtes Wasser, ein romantisches Date in der Apotheke, Carls Genesung sowie weiterhin die Suche nach Sophia. Die Episode wird dominiert von vielen kleinen Kurzgeschichten, die, anders als bei bislang eigentlich allen The Walking Dead-Episoden, keine A-Storyline in den Mittelpunkt rücken.

Zuallererst steht die Aufarbeitung der Geschehnisse der Vorfolge im Mittelpunkt: Otis Begräbnis. Da die Gruppe, nun bestehend aus der uns bekannten Gang Überlebender und Hershels Clique, zu (Shanes Glück) nicht über den Körper des Mannes verfügen, denn der wurde ja mit Haut und Haaren verspeist, haben sie einfach einen riesigen Steinhaufen aufgeschüttet und ihn Otis Grabmal getauft. „He died as he lived – in grace.“, heißt es im leider nicht ganz so bewegenden Begräbnis.

Shane (gekleidet in einer fast schon komischen Bauern-Arbeitskluft mit Hosenträgern) schluckt: Auch er ist aufgefordert, ein paar Worte zum Tod seines kurzweiligen Partners zu verlieren, was ihn sichtlich aus der Fassung bringt. Dennoch bringt er es fertig, seiner Lüge glaubhaft ein paar weitere Details hinzuzufügen: „He saved us both.“ Wir verachten ihn dafür umso mehr, obwohl er es für diese Lüge gar nicht einmal verdient – es ist genau das, was Otis‘ Frau Patricia hören möchte, selbst wenn es in Wirklichkeit anders ablief. Dennoch kann er durch seinen edelmütigen Einsatz endlich wieder mit Lori reden.

Die Suche nach Sophia geht immer noch weiter, und ich fürchte, das könnte sich noch eine ganze Weile hinausstrecken: Rick und Co. planen systematisch die großflächige Durchsuchung des Waldes, während Daryl lieber allein schonmal aufbricht. Er findet ein verlassenes Haus, in der auch die einzig wirklich spannende Szene der Episode stattfindet – da die Kamera immer so nah über seine Schulter sieht bekommt man nie mit, was hinter ihm vorgeht. Und auch wenn Daryl ein hartgesottener Kämpfer ist, besonders vorsichtig mit häufigem Umdrehen ist er sicherlich nicht. Schön aber auch, endlich mal wieder keinen Zombie herausspringen sehen, dennoch ist die Szene im Haus äußerst spannend.

Sophia findet er nicht, dafür aber (ich glaube) kürzlich aufgebrauchtes Essen. Hatte Sophia hier kurz Unterschlupf gefunden? Oder war jemand anders kürzlich hier? Oder waren die Überreste doch schon alt und verrottet? Wenigstens einen Fund aber machte Daryl bei seiner Soloquest: eine Cherokee Rose, die er später der besorgten Carol übergibt. Die Blume war wunderschön, sein Monolog auch: Diese Art von Rose ist eine Blume, die einst indianischen Müttern Trost spendeten, als sie beweinten, was mit ihrem Volk passiert sei.

Während Rick endlich lernt, dass ihm das Schönreden und glatte Lügen nicht viel bringt (zum Beispiel auch seine Unterredung mit Jenner, dessen geflüsterte Worte, und dass sie Sophia gut ginge), bangt Lori, dass sie schwanger ist. Sie bittet Glenn, eine „geheime“ Beschaffung zu machen, aber besonders schwierig erratbar ist das nun auch wieder nicht. Besonders originell ist diese Storyline ja nicht, die The Walking Dead da einführt: Sie ist schwanger, aber wer ist der Vater? Und wann wird sie es ihnen erzählen? Jedenfalls setzt das aber auch ein Zeitlimit, wie lang sie die Affäre mit Shane noch verheimlichen kann, da einer der beiden früher oder später bestimmt auf die Vaterschaftsfrage beharren wird. Und Vaterschafstest-durchführende Institutionen gibts schon lange nicht mehr.

Andernorts gibts endlich wieder jede Menge Zeit für den „go to town„-Experten Glenn, der in dieser Staffel bislang kriminell unausgelastet war. Der wird von der Tochter des Docs, Maggie, dazu aufgefordert, in der Stadt mit ihr neue Medizin einkaufen zu gehen. So wie ich das hier beschreibe klingt das, als ob ihr Wunsch auf Glenn als Begleitung ein Anmachversuch sei, sie wurde aber erst durch Rick auf ihn gebracht. Die beiden reiten, die Pferde diesmal deutlich weniger gallant als in früheren Episoden der Serie, zur Apotheke, an dem wieder eines dieser schönen apokalyptischen Schilder hängt: „TAKE WHAT YOU NEED AND GOD BLESS“. Das haben frühere Besucher wohl als Mindestangabe an Gütern aufgefasst, die man mitgehen lassen kann – sie ist halbleer.

Trotzdem finden beide das, was sie suchen – Maggie ihre Antibiotika und verschiedenste Medikamente, und Glenn wird in der Abteilung für feminine Hygiene fündig. Als Maggie das komisch vorkommt und er den Auftrag von Lori verheimlichen möchte greift er zum erstbesten nächsten Objekt am Boden und hält es ihr vor die Nase: Kondome.

Die Cherokee Rose“ ist die bislang eindeutig humorvollste Folge der Serie – die Kondome und vor allem Glenns anschließendes Gestammel von einer Erklärung sind wirkliche Knaller. Und es ist klasse, dass aus diesem Witz heraus dann gleich die nächste schöne Überraschung folgt: Wie aus dem Nichts fragt Maggie Glenn, ob er mit ihr Sex haben wolle. Hier und jetzt. Verschmitzt nimmt er natürlich an, nicht aber eine proaktive Haltung – im Nu steht Maggie schon halbnackt in der Apotheke, und die beiden haben Beischlaf.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Eigentlich ein süßes Paar, nicht? Glenn (Steven Yeun) und Maggie (Lauren Cohen).

Anschließend versichert sie ihm jedoch, es wäre „just a one-time thing“ gewesen – schade. Im letzten Recap überlegte ich noch, dass die zwei gut zusammenpassen würden, und ihre sexuelle Vereinigung hat scheinbar nicht lange auf sich warten lassen. Ich hätte für die beiden durchaus Langzeitpotential gesehen, nicht nur, weil, wie Maggie richtig darauf hinweist, die Auswahl nach der Apokalypse nicht die Größte ist. So war es aber zumindest ein aufregendes, wenn auch nur eine Episode andauerndes Abenteuer.

Und was macht der Rest der Charaktere so? T-Dog und Dale entdecken einen Zombie im Brunnen, der das Trinkwasser verseuchen könnte. Mich stört an dieser Nebengeschichte, dass sie so gar nicht relevant für die Zukunft unserer Charaktere ist, da es nur einer von fünf Brunnen ist. Auch charaktertechnisch tut sich eher wenig, außer, dass wir erfahren, dass Maggie lang nicht so abgebrüht ist wie die Gruppe Überlebender, wenns um Innereien geht. Gemeinsam hieven mehrere Leute Glenn am Seil hinunter, damit dieser dem Walker eine Schlinge um den Hals legen kann und sie den dann rausziehen können. Die obligatorische Flaschenzug-bricht-zusammen-Szene gibts auch, als die Rollenstelle dessen einbricht. Das wirkt zuerst spannend, kurz später aber sieht man, dass Glenn weit genug von diesem Monster von einem Zombie entfernt ist, dass keine Gefahr besteht.

Trotzdem ist diese Aktion gut in Szene gesetzt: Beim Rausziehen des Walkers verhakt er sich am Rand des Brunnen, und bei noch kräftigerem Ziehen zerreißt er stilvoll und ekelerregend in zwei Teile. Auch das ist so ein Moment, bei dem man einfach laut loslachen kann, weil die Anstrengungen unserer Protagonisten so umsonst waren, mehr noch: Sie haben die Sache mal wieder versehentlich nur schlimmer gemacht. Damit ist dieser Brunnen also bestimmt verseucht.

Es ist ja erfreulich, dass jeder in der Episode was zu tun hat bekommen (auffällig ist übrigens, dass Hershel und seine Tochter deutlich mehr Screentime bekommen als die anderen Farmbewohner) – das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass für den Plot der Serie so rein gar nichts passiert. Und nach den Verhandlungen zwischen Rick und Hershel zu urteilen könnte das noch eine ganze Weile weiter der Fall sein – er erlaubt es ihnen zu bleiben. Es ist ja schön und gut, dass man sich Zeit nehmen möchte, die Charaktere ein wenig besser zu ergründen, die gruppeninternen Zwiste gießen und wachsen zu lassen, aber man könnte das bestimmt auch quasi „on the road“ machen – so, wie The Walking Dead das in seinen ersten sieben Episoden gemacht hat. Hier hingegen fehlt die Dramatik und die Dringlichkeit, die neue Umgebung ist fast zu sicher.

Die Farm mag zwar schön sein und ein paar neue Figuren einfügen, sollte aber (und wird bestimmt) nicht Endstation für unsere Figuren sein, sondern nur als kurze Zwischenstation – sofern nicht noch etwas großes Unerwartetes auf uns zu kommt.

 Bla:

– Shanes Lösungsweg, wie man eine Waffe abdrücken kann: „turn off the switch.“ Ganz offensichtlich spricht er dabei nicht ein etwaiges Zögern bei Walkern an. Das Schalten Abschalten hat er ja auch scheinbar bei Otis gemacht, und diese Haltung zeigt uns, wie gefährlich er werden kann, wenn er sich nur bedroht fühlt. Und irgendwann wird er sich sicherlich auch von Rick bedroht fühlen…

– Da der Zombie im Brunnen bislang unentdeckt war er wohl erst neulich da reingeplumpst – ist die Farm etwa gar nicht so sicher, wie alle denken? (Hoffen wir es.)

– Falls Sophia wieder zur Autobahn zurückkommt: Die Gruppe hat Nachrichten auf die Scheiben der Wagen gesprayt. Clever.

– Das Haus, das Daryl durchsucht hat, war echt gruselig. Tolles Set!

– Daryl ist der erste, der endlich mal nach Sophia schreit. Aber nicht im Haus, wo ja noch jemand leben hätte können (und Zombies aus dem Haus vorher anzulocken wäre auch sicherer gewesen).

– Hershel möchte keine Waffen auf seinem Grundbesitz haben. Rick akzeptiert bereitwillig, Shane nur widerwillig – mal wieder ein toller, weiterer Punkt, der die Kluft zwischen den beiden erhöht.Aber Bedingung für ihr Bleiben ist nun mal, dass sie nach Hershels Regeln tanzen, ob sie das wollen oder nicht: „We’re guests, and we’re gonna respect that.“

Fazit: 7,5 von 10 Punkten.

The Walking Dead siedelt sich erstmal an der Farm an und nimmt damit erst mal die Plot-Geschwindigkeit gänzlich raus. Die zwar unterhaltsamen, aber insgesamt die Serie nicht wirklich voranbringenden Nebengeschichten geben allen Figuren etwas interessantes zu tun – insbesondre der interessante Glenn wird fleißig verwendet. Der Humor ist das heimliche Highlight von „Die Cherokee Rose„.

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