Touch 1.09 „Sphärenklänge“: Einer von 36.

„Aus Zahlen wird Musik.“

So langsam, aber sicher beginne ich zu zweifeln, ob Touch überhaupt einen ausgeklügelten Handlungsbogen besitzt – nach der nun mittlerweile neunten Episode wissen wir immer noch kaum mehr über die Zahlenmystik als wie nach dem Piloten, und gewisse Subplots schlängeln sich ewig dahin (der Sorgerechtsstreit). Immerhin: „Sphärenklänge“ erläutert uns, was es bedeutet, wie Jake ein Auserwählter zu sein.

Quelle: Offizielle Touch Facebook-Seite

Martin (Kiefer Sutherland) nimmt sich diesmal Elliots (Malachi Smith) tragischer Geschichte an. Jake (David Mazouz) kann dabei an seinen Social Skills arbeiten, indem er Elliots Bruder mit Hilfe eines Tablets Computers das Kommunizieren beibringt.

Während Hindernisse sich so gar nicht mit Arthur Tellers Vermächtnis (Schlüssel! Büro!) beschäftigen wollte und ich auch dementsprechend leicht enttäuscht davon war, gibt sich „Music of the Spheres„, so der Originaltitel, Mühe, dieses Versäumnis nachzuholen. Wir kriegen endlich jemand zu fassen, der uns mehr über Tellers Forschungen und Zahlen erzählen kann – leider geschieht das ein wenig unspektakulär: Touch steckt voller ungenützter Potentiale.

Martin beschließt, mit Jake einen Ausflug zu machen – wir alle wissen ja, wie das immer endet, und so auch hier: Jake führt Martin schnurrstracks ins nächste Abenteuer. Ein Lob aber an Machart – wir müssen Martin nicht ständig nach seinem Sohn rufen hören, neuerdings folgt er immer brav, weil er weiß, dass Jake nicht wegläuft, sondern zu etwas hinläuft. Auch gefällt mir, dass die erste Verbindung gar nie explizit erwähnt wird und wir Zuseher das zusammenpuzzlen dürfen: Hätte Jake die Musikladenbesitzerin nicht angerannt hätte sie rechtzeitig ihr Geld mitnehmen können, der afro-amerikanische Bursch hätte zur rechten Zeit gewartet, sie erfolgreich überfallen und alles Folgende wäre ganz anders abgelaufen.

Elliot heißt der junge Mann, dessen Pistole sich Jake da mitnimmt und den Jake und Martin kurz darauf treffen. Good Guy Martin bietet natürlich sofort seine Hilfe an, aber man darf nicht vergessen: Er tut es ja auch um seines Sohnes Willen, der leiden würde, wenn Martin keine kosmische Kurskorrektur vornimmt. Elliot ist grad mal 12 Jahre jung und muss schon für sich selbst und seinen gehandikapten Bruder sorgen, der wie Jake nicht sprechen kann. Es ist immer schön, wenn Jake Menschen begegnet, die ihn auf irgendeine Weise berühren oder ihm ähneln – hier beispielsweise hilft Jake ihm, sich mittels iPads zu verständigen. Ich wollte schon anmerken, dass dieses iPad wirklich stark beansprucht wird von der Serie und hoffentlich nicht zu sehr auf dieser Schiene bleibt. Die elegante Lösung: Jake schenkt Elliots Bruder den Tablet Computer.

Die Mutter ist verstorben, der Vater der zwei Brüder ist verschwunden – kein Erziehungsberechtigter weit und breit. Eigentlich hätte es ja klar sein müssen, dass eine Figur von der B-Geschichte mit den beiden verwandt sein müsste, schon allein die Hautfarbe war ein offensichtlicher Tipp. Es macht auch immer Spaß, so ein wenig mitzurätseln, wie die Nebengeschichten in der Hauptstoryline mit drinhängt – nur bei mir wollte der Groschen scheinbar nicht fallen. Dafür war meine Erleuchtung umso überraschender und ziemlich zufriedenstellend.

In dieser B-Geschichte gehts um das Duo Felipe und Yarah. Felipe ist Herzblutmusiker und in Yara verliebt, Yara Cafébesitzerin und kurz vorm Konkurs. Aus irgendeinem Grund war ich von Felipes Charakter fasziniert, obwohl die Geschichte nicht die überzeugendste war – aber ich hab nunmal ein Faible für Troubadure in Geschichten, und Louis Ferreiras frohe Stimmung ist einfach ansteckend. Da agierte Touch allerdings wieder so leicht dümmlich: Dem sorglosen Felipe muss beispielsweise erst gesagt werden, dass er ein Liebeslied für Yarah schreiben solle. Nein darauf wär ich nun nie gekommen! Die Konfrontation mit Yarah holte ihn und die Geschichte aber dann zum Glück auf den Boden der Realität zurück: Yarah hat wirklich andere Sorgen, als seinen Liedern zuzuhören.

Dann aber beschließt Felipe, seine Gitarre zu verkaufen. Waaaas??? Auch wenn Yara meint, dass er noch nie ein Opfer gebracht habe – die Musik ist doch sein Leben, die Gitarre ein Erbstück! Das Opfer nur um sich selber willen darzubieten ist doch eine Schnappsidee. Und soweit ich mitbekommen habe waren Yara und Felipe ja nie zusammen, oder zumindest nicht so richtig. Wie kann er bloß für eine bloß etwaige Beziehung etwas aufgeben, was für ihn wie ein dritter Arm zu sein scheint? Zum Schluss wird dann ja eh alles gut, sie verkauft das Café und er kauft sich seine Gitarre in New York bei der Musikladenbesitzerin zurück, aber für ihn ist das ja schieres Glück und war keinesfalls abzusehen – genauso, dass sie auf einmal seine sehr plötzlich vorgetragene Liebe erwidert. Natürlich, kosmisch gesehen macht es Sinn, für ihn allerdings kaum.

Zurück nach New York: Martin findet heraus, dass Elliot nicht freiwillig bewaffnete Raubüberfälle durchführt sondern von seinem Bewährungshelfer dazu genötigt wird. Das ist die klischeehaftere Seite der Episode, ähnlich wie in „1.08 Hindernisse“ wird hier eine Figur ganz klar als der skrupellose Bösewicht der Episode identifiziert, den es dann für Martin gilt aufzuhalten (was dann auch passiert). Dabei ist die Geschichte um Elliot und seinen Bruder so schon tragisch genug und definitiv einer der großen Pluspunkte dieser Folge – solche Geschichten gibts ja auch im echten Leben.

Auch für die Mythologie der Serie wird in „Sphärenklänge“ einiges getan. Clea wollte ursprünglich gemeinsam mit Martin in Tellers Büro rumschnüffeln, aber Martin wurde ja vom Universum abberufen. In den Unterlagen wird sie nicht schlau – zum Glück taucht da Tellers schrulliger bester Freund auf, der Diamantenhändler. Und der lässt eine Tonne neuer Informationen auf uns los: Unter anderem erfahren wir endlich mehr über Tellers Beziehung zu Emilia, dem überbegabten Mädchen. Aufgrund von Druck von „oben“ (da bleibt man noch vage) intensivierte er die Experimente, sodass sie bleibende Hirnschäden davontrug. Teller gab sich dafür die Schuld (zu Recht) und verließ daraufhin „die Firma“, oder wie auch immer sich diese Organisation nennen mag.

Offizielle Touch Facebook-Seite

Clea (Gugu Mbatha-Raw) trifft auf Tellers mysteriösen Freund (Bohdi Elfman).

Dieser Freund Tellers scheint eine besondere Affinität für Jake zu haben – er ist der erste Mensch außer Martin, den Jake berührt. Um es mit Martins Worten aus einer anderen Episode auszudrücken: „Das kann kein Zufall sein!“ Ein monumentaler Moment für den Jungen, genauso wie Martins Erkenntnis: „Vielleicht will er ja gar nicht reden.“ Und für mich funktionieren all diese Momente recht gut – Touch sollte dieses Momentum an Charakterentwicklung beibehalten.

Und dann gibts da noch die wichtigste Stelle der Episode, an der Serie leider ziemlich scheitert. „Gott erlaubt der Menschheit zu existieren, solange 36 Gerechte unter den Menschen weilen.“ Und Jake ist einer von ihnen.

Laut den Worten des Freundes können diese 36 Auserwählten die Leiden der gesamten Menschheit empfinden – wow, das klingt ja wie die Jesusnachfolger. Aber Touch weiß dann nicht, was es mit dieser Theorie anstellen soll. Diese Information ist wahnsinnig wichtig für den Serienmythos, hat weitreichende Implikationen für Jake und Martin – aber die Dramaturgie der Episode geht gar nicht darauf ein. Ich verstehe nicht, warum man solch großen Enthüllungen nicht dramatisch aufbauscht. Stattdessen habe ich das Gefühl, dass die Autoren selbst nicht wissen, was das jetzt genau zu bedeuten hat, und das ist für mich schon enttäuschend. Touch kann seine großen Momente nicht nützen und versucht lieber, die Episodenkonflikte zufriedenstellend zu lösen. Das mag gelingen, aber auf lange Sicht muss die Serie endlich auch Antworten liefern.

Bla:

– Bei manchen Serien kann ich mich gar nicht entscheiden, mit welchem Zitat ich den Eintrag einleiten möchte – bei Touch hingegen finde ich kaum interessante. Könnte sein, dass ich Touch als eine der wenigen Serien auf Deutsch schaue, oder (was ich eher vermute) dass die Dialoge einfach nicht allzu knackig sind.

– Tolle Kontinuität: Vor ein paar Wochen beobachtete ich, dass eine Ziffer (eine 6) auf Tellers Tafel fehlte. Jake sieht das sofort und berichtigt den Fehler.

– Die Kinderheimleiterin Sheri gibt sich indes weiterhin Mühe, unsympathisch zu sein. Aber Martin hat ja zum Glück das Aufenthaltsbestimmungsrecht.

– Felipe hat ja fast denselben Hut wie ich!

– Warum hat Elliot eigentlich einen Bewährungshelfer, wenn impliziert wird, dass er nur durch diesen auf die schiefe Bahn geraten ist?

– Ich habe das Gefühl, dass die Zahl 11 noch einmal eine Bedeutung haben wird. Die Zahl ist Teil der Emilia-Zahlenfolge, und Clea entdeckt einen Würfel mit lauter 11en. Dreimal dürfen Sie raten, wieviele Seiten dieser Würfel hat … Hey, jetzt fang auch ich schon an, Zahlen und Muster zu sehen, hurra!

– „Du willst doch Wörter benutzen, oder? Dann können wir uns unterhalten. Dann kannst du mir sagen, was du willst und was du brauchst, Jake.

– Die dieswöchige: 55124. Insgesamt ergibt das nun für die Emilia-Sequenz: 318 5296 3287 9522 9756 1188 1604 55124.

Fazit: 6,5 von 10 Punkten.

Sphärenkänge“ bestätigt den Trend der letzten Episoden, dass sich die Serie scheinbar ihrer Hauptgeschichte nicht sicher ist: Jene Handlungsentwicklung, die wir bekommen, ist entweder nur sehr vage oder kaum in Szene gesetzt. Dass Touch gute Kleingeschichten erzählen kann wissen wir bereits, auch wenn diese schon immer wieder unterhaltend sind. Wie meistens eine gute, aber nicht herausragende Folge, und ob das dauerhaft fesselnd bleibt ist fraglich.

Sphärenklänge” ist bis 28.5.2012 HIER kostenlos und legal auf der ProSieben-Homepage verfügbar.

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Ein Gedanke zu “Touch 1.09 „Sphärenklänge“: Einer von 36.

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