The Walking Dead 2.02 „Bloodletting“: Blutsbande.

„It’s a waste of time, all this hopin‘ and prayin‘.“

In der zweiten Folge der zweiten Staffel von The Walking Dead, „Bloodletting“ (im Deutschen „Blutsbande„) geht die Suche nach Sophia weiter, und so langsam sinken die Chancen, sie noch lebend aufzufinden – ich mein, wo soll die Kleine denn zwei Tage lang hingerannt sein? Und es wäre schon ein wenig antiklimatisch, sie jetzt einfach so mitten im Wald wiederzufinden, so ganz ohne Anstrengung. Andernorts bangt Rick um das Leben seines angeschossenen Sohnes.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Krisenstimmung auf der Farm: Das Zusammentreffen von zwei Gruppen Überlebender (u.a. Jon Berenthal, Andrew Lincoln, Scott Wilson) hätte kaum ungünstiger ausfallen können: Carl (Chandler Riggs) liegt mit einer Schusswunde im Bauch im Sterben.

Der Episode gelingt es, das Gefühl der ständigen Anspannung, das auch schon in „What Lies Ahead“ herrschte, aufrecht zu erhalten. Die Überlebenden verlieren die Nerven an allen Ecken und Enden, was für kontinuierliche Spannung sorgt: T-Dog faselt wirres paranoides Zeug daher und verunsichert damit Dale, Carol bangt immer noch um ihre Tochter und Rick möchte den Helden spielen, obwohl er dazu rein körperlich nicht in der Lage ist. Und nur der, von dem man es am wenigsten erwartet, kann einen kühlen Kopf bewahren: Shane.

Mit seinem angeschossenen Burschen im Arm rennt Rick auf das Landhaus zu, von der der irrtümliche Schütze Otis stammt. Es ist natürlich ein wahnsinniges Glück, dass zufällig ein Arzt hier beheimatet ist, der sofort weiß was mit Carl zu tun. Carl könnte überleben, da die Kugel durchs Durchstoßen des Hirschs nur mit verminderter Geschwindigkeit in Carl einschlug, dabei allerdings in sechs Teile zersplitterte. Für eine OP hat er aber nicht die richtige Ausrüstung, trotzdem kann er schonmal damit beginnen, die Blutungen des Kleinen zu stillen. Verlorenes Blut muss allerdings durch das von Rick ersetzt werden.

Rick zögert natürlich nicht, doch das von ihm abgesaugte Blut lässt ihn in ein Delirium geraten, in dem seine Zurechnungsfähigkeit beeinträchtigt wird. Anstatt bei seinem Sohn zu bleiben möchte er lieber in der nahe gelegenen Stadt sein Leben riskieren, um an die nötige Operationsausrüstung zu gelangen. Shane ist der einzige, der einen kühlen Kopf bewahrt, zumindest vorerst: Er schlägt vor, dass Otis und er selbst gehen sollen. Da sammelt Shane wieder mal Sympathiepunkte, und es scheint, dass seine geplante Flucht vor der Gruppe erstmal aufgeschoben ist. Gut so, schließlich muss er Rick noch irgendwann beichten, dass er seine Frau flachgelegt hat, als Rick im Koma döste, und das Drama wollen wir uns ja nicht entgehen lassen.

Indes leidet T-Dog an einer fiesen Blutvergiftung, die durchaus tödlich sein könnte. Merkwürdigerweise hatte die Gruppe beim Plündern all der umstehenden Wagen keinerlei solcher Medikamente gefunden – entweder hatte diese nämlich Daryl vorher wegstibitzt, oder der Doc von der Farm war schonmal hier. T-Dog wird von Paranoia erfasst – plötzlich seien er und Dale bei den Wagen zurückgelassen worden, weil Dale alt ist und er der Schwarze – sorry, bis auf Redneck Dixon (Merle) hat wohl noch niemand seine Hautfarbe thematisiert außer er selbst.

Der Dialog ist intensiv, basiert aber auf falschen Fakten – T-Dogs Vorschlag, dass Dale und er doch einfach allein aufbrechen sollten, ist doch Irrsinn! Außerdem widerspricht er sich da ja selber: Warum sollten ausgerechnet die angeblich schwächsten Mitglieder der Gruppe allein aufbrechen? Für mich wirkt T-Dogs Gehabe wie ein künstlich aufgeblasenes Gefühl von Dringlichkeit. Zum Glück bleibt diese Delirium-induzierte Einstellung T-Dogs auf „Blutsbande“ beschränkt, da Daryl ihnen später offenbart, dass er heimlich Arzneien gehortet hat, falls sie seinem Bruder wieder begegnen. Daryl, der Teufelskerl! Klassischer Fall von harte Schale, weicher Kern, ohne ihn wären die Überlebenden nur halb so gut aufgestellt. Das tut auch der Serie gut, wenn sie eine aufgeweckte Figur wie Daryl hat – als Zuseher würde man sich nur ärgern, wenn die Überlebenden tollpatschig umhertorkeln würden und sich nicht an die Situation anpassen könnten.

Daryl irrte zuvor noch mit dem Rest der Gruppe weiter im Wald umher, auf der bislang vergeblichen Suche nach Sophia. Bis eine Frau auf einem Pferd „wie Zorro“ angeritten kommt – eine Gesandte von der Farm, die Lori abholt. Da verschwendet die Serie keine Sekunde: Die junge Frau gibt ihnen ruckzuck alle wichtigen Infos, um zur Farm zu gelangen, schnappt sich Lori und reitet weg. Ich muss sagen: Ich liebe den Einsatz von Pferden in The Walking Dead, denn wie auch schon im Piloten strahlt das Tier eine unheimliche Würde aus, und ist exemplarisch für die simplen Zustände, in denen die Menschen leben und sich zurechtfinden müssen.

Der Rest der Episode spielt sich auf diesem Landhaus ab, das vom Doc, dessen Tochter, Otis, seiner Frau und noch ein paar weiteren bewohnt wird. Wie auch schon der Highway ist es ein sehr ästhetisches Set, so schön anders als die bisherigen Orte, an denen die Überlebenden kamen – „This place is beautiful“. Auch wenn dieses Haus sehr abgelegen ist frage ich mich allerdings, wie die Familie so unvorsichtig sein kann, was den Schutz des Hauses betrifft – überall sind bloß Fenster, ohne mit Brettern zugenagelt zu sein.

Lori ist außer sich vor Kummer und Wut und Trauer, da ist sogar Rick ruhiger geblieben – Lori hingegen verschwendet keine Zeit, den Schützen (Otis) zu verdammen. Allerdings stellt sie auch ein paar berechtigte Fragen: Weiß der Doc denn wirklich, was er da tut? Es stellt sich heraus: Nein, eigentlich nicht. Das ist so ein typischer, aber durchaus gelungener Moment einer Dramaserie, in dem die Hauptcharaktere einfach mit den simplen Werkzeugen und Umständen arbeiten müssen, die ihnen präsentiert werden – und das ist spannend.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Wahre „bromance“: Shane tröstet Rick. Lori hätte es mindestens genauso dringend benötigt, aber bei der ist er ja (berechtigterweise) ziemlich unten durch.

Bei all dem Ärger an der Farm nimmt sich „Blutsbande“ aber auch kurz eine Auszeit, um über die Lebenssituation der Farmbewohner zu philosophieren. Der Doc erzählt Rick von all den Menschen, die sie schon verloren haben, und dass sie hier nun leben und die Plage aussitzen wollen – bis sie nunmal ein Gegenmittel entdecken. „There is no cure.„, erzählt ihm Rick schmerzverzerrt, aber der Doc lächelt nur, er glaubt nicht daran, dass es die Apokalypse ist. „Mankind’s always bounced back„, bei jeder Epidemie, die sie je überstehen hat müssen. Ich genieße es sehr, dass hier die Ereignisse bei der CDC in ein anderes Licht gerückt werden, eins das ich auch schon gesehen hatte: Die Hoffnung stirbt nie, Rick, solange wir atmen hoffen wir. (Da gabs mal so einen lateinischen Spruch, der so hieß.)

Die Episode endet mit Shanes und Otis‘ Suche nach der rettenden Medizin. Die beiden sehen sich einer Monsteraufgabe (haha) gegenüber: Dutzende Zombies laufen vor dem Medizinwagen herum. Die ganze Aktion wirkt ein wenig gekünstelt, setzt sie beispielsweise voraus, dass kein einziger Walker mitbekommt, wie sie die Tür und den Kofferraum des Polizeiautos öffnen. Kein einziger sieht, wie sie diese leuchtenden Dinger anzünden oder wie sie sie von ihrem „Versteck“ (hinter den Wagen kauern) aus wegwerfen. Trotzdem klappt ihr Trick.

Dann stellen sie sich allerdings dumm an, recht uncharakteristisch für Shane: Sie haben keinen Plan, wie sie wieder herauskommen wollen. Als sie die Tür öffnen werden sie natürlich von allen Zombies gesehen und müssen Hals über Kopf fliehen – an einen Fluchtplan haben sie leider nicht gedacht. Nur um Haaresbreite können die beiden in die Schule fliehen (toll inszeniert, wie Shane spontan entscheidet, die Türen der Schule aufzuschießen und dann das Rollgitter entdeckt). Dort sind sie vorübergehend gefangen. Gefangene der Toten, sozusagen.

Bla:

– Den obligatorischen Walker gabs auch, der versteckte sich einfach irgendwo im Urwald und fiel dann, oh Schreck lass nach, einen von der Gruppe (Andrea) an.

– Das war das erste mal, dass der Übergang von der Eröffnungsszene zu Vorspann nicht so recht funktionieren wollte, vor allem musikalisch klang das nicht gut. Schade.

– Glenn: „All I know is that his chick rode out of nowhere like Zorro on a horse and took Lori.“ Auch in dieser Episode hat Glenn herzlich wenig zu tun, für einen guten Spruch ist er zumindest gut.

– Galgenhumor, weils mir grad spontan eingefallen ist: Sie haben endlich ein Gegenmittel gegen AIDS gefunden – die Zombieapokalypse.

– Beim Cold Opening hatte ich mir gewünscht, dass wir endlich erfahren, wie die Apokalypse ausgebrochen ist… das wär mal spannend! Der Lori/Carl/Shane-Flashback hat mir jetzt nicht so viel gegeben.

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

Nicht ganz so spannend wie die Episode zuvor, aber dennoch voller dramatischer Konflikte: „Bloodletting„/ „Blutsbande“ führt uns zu einer neuen Gruppe Überlebender und deren geradezu idyllisches Landhaus. Gleich mehrere Charaktere verlieren die Fassung – so soll es sein, so unterhält es einen.

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