Touch 1.08 „Hindernisse“: Der rote Faden.

„Es gibt Zufälle, und es gibt Wahrheiten.“

ProSieben hatte genug von der quotenschwachen Ausbeute: Touch musste nun wie auch schon beim ORF von der Hauptsendezeit in die späte Nacht weichen. Trotzdem ist die Zukunft der Serie gesichert: In der Nacht läuft das Programm recht gut, und in den USA haben sich die Zuschauerzahlen soweit stabilisiert, dass eine vielepisodige zweite Staffel bereits bestellt ist.

Quelle: offizielle Touch Facebook-Seite

Jake (David Mazouz) führt seinen Vater (Kiefer Sutherland) mit Hilfe seines Fadenspiels zu den richtigen Menschen. Rote Dreiecke und Rhomben zeigen den Weg.

Bei „Hindernisse“ (im Original „Zone of Exclusion„) handelt es sich um eine komplett eigenständige Episode, die sich leider so gar nicht mit den Ereignissen der vorangegangenen Folge, „Gedankennetz“ befassen möchte. Irgendwie enttäuschend, dafür verwickelt uns die Episode in Touchs bislang komplexestes Zusammenhangsnetz.

 Nandu und Veronique sind eineiige Zwillinge, die bei der Geburt getrennt werden mussten – die Eltern hatten zu wenig Geld, um beide Kinder aufziehen zu können, und so entschieden sie sich schweren Herzens, ihr Kind zu verkaufen. Hier liegt auch wohl die einzige Lücke der ansonst sehr dichten und ausgeklügelten Episode: Anstatt die Eltern dabei zu verteufeln wird die Schuld auf Dr. Knox geschoben, der diesen illegalen Deal damals in die Wege leitete.

Veronique wuchs in Paris auf, während Nandu bei ihren Eltern in New York groß wurde. Die beiden wissen nichts voneinander – bis zu jenem schicksalshaften Moment, in dem Jake und Martin Veronique mit ihrer von ihr totgeglaubten Mutter zusammenführen. Das stellt Touch recht elegant mit einer Videoleinwand mit Direktverbindung Paris – New York in einem Museum an. Toll auch, dass die Serie gleichzeitig einen tollen Moment von Jake präsentiert – dieser nähert sich Veronique an der Videoleinwand und legt dann sogar seine Hand an die ihre. Wirklich ausgefuchst, wie Touch mit der Berührungsangst Jacobs umgeht und sie mit diesem kleinen Schritt bekämpft. Der Fortschritt kommt grade recht, war doch Martin unter Druck geraten, dass sein Sohn sich entwickelt, um seinem Vater nicht das Sorgerecht zu entziehen – denn ja, diese Storyline geht nach wie vor weiter und hat immer noch kein Ende in Sicht.

Im Grunde handelt es sich bei „Hindernisse“ um eine Märchengeschichte: Die verlorenen Zwillingsschwestern finden sich wieder, während der böse Dr. Knox verhaftet wird. Ich schätze es, dass die Geschichte eine Parallele zu Martins Dilemma mit dem Fürsorgerecht für Jake handelt. „Niemand hat das Recht, ein Kind von den Eltern zu trennen, die es lieben! Niemand!“ Und eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Knox und Sheri, der Leiterin des Kinderheims, ist nicht abzustreiten.

Unterstützt wird diese Hauptgeschichte mit Martin und den Zwillingen von einem großzügigen Ensemble an Charakteren – wohl auch der Grund, warum es diesmal so gar nicht um die weitere Erforschung der Zahlenmystik geht. Die B-Geschichte der Episode handelt von zwei Menschen an der internationalen Raumstation ISS, Allegra und Gio. Gios Raumanzug ist beschädigt, und Allegra kann ihn nicht per Funk verständigen. Stattdessen muss sie ihr Dilemma mit Hilfe der Funkstation eines Taxifunkers lösen – was nur möglich ist, weil Martin ihm zu Beginn des Tages eine heruntergefallene Batterie zurückgab.

Die Episode schafft es, die zu Beginn der Serie etablierten Regeln einzuhalten: Martin und Jacob sind in der Tat die Verursacher aller Ereignisse. Jacob läuft unter anderem auch kurz auf die Straße, um das Taxi von Nandus Vater zu zwingen, anzuhalten und Dr. Knox einsteigen zu lassen. Einmal stiehlt Jake das Handy von Nandus Mutter, um sie in das Museum zu locken. Und an wieder anderer Stelle läuft er Martin davon, um ihn zu Nandu selber zu führen. Das ganze geschieht abwechslungsreich genug, um den Zuseher das gar nicht bewusst merken zu lassen – wenn bloß alle Nebengeschichten Touchs so geschmeidig zusammenzuziehen. Andererseits ist „Hindernisse“ so vollgestopft mit diesem Knäuel an Nebencharakteren, dass keine Zeit mehr für Serienmystik blieb.

Der Taxifunker ist ganz nett, besonders gut gefiel mir aber die Interaktion zwischen Gio und dessen Freundin auf der Erde – der Dialog wirkte trotz seiner großen Menge an Exposition natürlich und hatte ein paar sehr schöne Zeilen. Auch die Verbindung der Raumfahrerin Allegra und den Kindern war unerwartet – schade eigentlich, dass Martin und Clea nie davon erfahren haben.

Die dieswöchige Geschichte ist sogar so komplex, dass man anscheinend mehrere Szenen im Schnittraum lassen hat müssen – anders kann ich es mir nicht erklären, dass einige Szenen nur mit sehr viel Mühe Sinn ergeben. In der ersten Szene hinterlässt ein Mann einen Brief für Veronique, in dem er herzzerbrochen mit ihr Schluss macht. Als nächstes sehen wir ihn erst in einer der Abschlussszenen wieder – scheinbar ist er wieder mit Veronique zusammen und hat sie in die USA begleitet. Veronique deutet zwar an, dass sich „alles ändern“ würde, wenn ihre Mutter noch am Leben wäre, mehr erfahren wir aber nicht. Oder die Schlussfolgerung des Taxifahrers, der trotz nur sehr kryptischen Dialogen seiner Passagiere herausfiltern konnte, dass er der Arzt war, der damals ihr zweites Kind verkaufen ließ.

Bei der Charakterisierung ist „Hindernisse“ allerdings schlampig – es ist leicht, all die Charaktere in schwarz und weiß zu unterteilen. Sheri beispielsweise lügt so offensichtlich, dass sich die Balken biegen. Ein wenig mehr Ambiguität hätte ich mir da schon gewünscht, abersie macht mit ihrer Mimik gar keinen Hehl daraus, dass sie Clea anlügt. Auch Dr. Knox gibt sich Mühe, möglichst viel Aufmerksamkeit auf seine illegalen Aktivitäten zu ziehen, indem er so unsympathisch wie möglich ist. Fad irgendwie, dass wir da so plump erzählt bekommen, wie diese Menschen sind.

Quelle: offizielle Touch Facebook-Seite

Jake berüht das Leben der in Paris verweilenden Veronique, die erfährt, dass sie eine Zwillingsschwester hat und ihre Familie noch lebt. Und die Geschichte gerät ins Rollen.

Dafür gelingt der visuelle Faktor der Episode (auch wenn ich wünschte, dass er nicht schon wieder rot gewesen wäre – das war schon beim roten Drachen so). Jakes Fadenspiel ist interessant, besonders gut gefällt mir die Anspielung auf den roten Faden zu Beginn der Episode, als Jake die Fadenrolle entspinnt. Dann war da auch noch der feuerrote Mantel Veroniques, der gleich Aufmerksamkeit auf sich zog. Einzig auf das All hätte man ruhig näher eingehen können. Anstatt nur davon zu sprechen wie wunderschön die Erde von oben aussehe, hätte man uns das doch einfach zeigen sollen! Da verschenkt die Serie viel Ästhetik-Potential.

Für die Hauptgeschichte ist wenig wichtiges passiert, Clea hat allerdings ihren Posten als Jakes Betreuerin verloren. Das kann nichts Gutes verheißen. Interessanter allerdings finde ich ihre Entdeckung, dass Aster Corps, die Firma von Jakes Tante und Martins Schwagerin, der Sponsor der Videoleinwand war. Zufall ist das ja keiner, aber: Handelt es sich dabei nur um einen beliebigen Zusammenhang, den der Regisseur nur um den Zusammenhang selber Willen einfügte, oder bedeutet das etwa, dass der Verantwortliche für die Installation der Leinwand (womöglich die Tante) Jake helfen wollte, die Dinge richtig zu stellen, zu heilen? Ich jedenfalls werde Touch weiter verfolgen, um dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Bla:

„Jake! Jaaake! Du darfst nicht immer weglaufen, das ist gefährlich. … Jaaake! Jake!“

– Man, der Mutter ist es ja ziemlich Schnuppe, dass da ein Junge grad ihr Handy aus ihrer Tasche gestohlen hat. Ich würd da einen riesen Wirbel machen.

– Fehler: Clea fängt am Telefon plötzlich an, Englisch mit der Französin zu sprechen.

– Und wieder eine äußerst nichtaussagende Betitelung der deutschen Fassung der Episode. Oder fehlt mir bloß die Weitsicht, zu verstehen, worauf sich „Hindernisse“ beziehen könnte? Andererseits kann ich so spontan auch mit dem englischen Titel („Zone of Exclusion„) nicht viel anfangen.

– Bin ich der einzige, der in Jakes Muster die Dreiecke missachtet und nur den Rhombus in der Mitte wahrgenommen habe?

– „Willst du, dass ich weitermache?“, fragt Martin seinen Sohn. Schöne Doppeldeutigkeit – er meint dabei nicht nur das Spiel mit dem Faden, sondern die Suche nach Zusammenhängen im Generellen.

– Die kleinen Gesten der Serie gefallen mir gut. Diesmal: Der Glückspenny.

– Die heutige Zahl: 1604. Mehr Aufmerksamkeit wurde allerdings auf das Dreiecksmuster gelegt, die 1604 kam nur als Nummer des Taxis und Seitenlänge eines Dreiecks vor.

Fazit: 6,5 von 10 Punkten.

Die achte Episode von Touch erzählt eine beeindruckend dicht verwobene Geschichte, die auch logisch aufgebaut ist und tolle Charaktere präsentiert. Die Serie muss aber aufpassen, nicht allzu viele Standalone-Episoden wie diese abzuliefern: Sie ist zwar gut, bringt die Geschichte um die Zahlen so gut wie gar nicht weiter, insbesondre deshalb enttäuschend, weil die Vorgängerfolge genug Cliffhänger gehabt hätte, die man aufgreifen hätte können. Dennoch ist „Hindernisse“ gute Unterhaltung.

Hindernisse” ist bis 14.5.2012 HIER kostenlos und legal auf der ProSieben-Homepage verfügbar.

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2 Gedanken zu “Touch 1.08 „Hindernisse“: Der rote Faden.

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