Cowboy Bebop 1.01 „Asteroid Blues“: Der tödliche Deal.

„You take women too lightly, my friend.“ – „On the contrary.“

Animes (japanische Zeichentrickserien) sind ja nicht jedermanns Sache – meine schon. Ich fresse jetzt nicht gleich alles, was mir aufgetischt wird, aber manche Anime-Serien können durchaus eine ebenso hohe Qualität aufweisen wie Realfilmserien. Cowboy Bebop wird dafür oft als das Paradebeispiel herangezogen, das auch Anime-aversen Menschen Anreiz verschaffen soll, einer solchen Sendung eine Chance zu geben. Und das wäre nur rechtens – Cowboy Bebop ist eine einzigartige und großartige Serie, die man nicht bloß wegen der Machart missachten sollte.

Im „Wohnzimmer“ ihres Raumschiffs besprechen Ed und Spike, wie sie an den gesuchten Verbrecher Asimoth herankommen können, um ihre Rechnung wieder zahlen zu können.

Die Serie ist in der Zukunft angesiedelt, wie man sie sich noch vor fünfzehn Jahren vorgestellt hat – also ohne Smartphones und so weiter. Dafür reist man durch unser Sonnensystem mittels Raumschiffen und Wurmlöchern. Die Technologie wird allerdings nicht gerade romantisiert – die Protagonisten der Serie, Spike und Ed, besitzen kein schillerndes Raumschiff sondern lediglich die Bebop, ein hässliches aber funktionstüchtiges Schiff, mit dem sie ihrem Beruf nachgehen: kopfgeldjagen.

Ich schaue die Serie auf Englisch an, und das nicht nur, weil ich diese Sprache sehr schätze – normalerweise gucke ich Serien in der Originalsprache. Ich kann allerdings kein Japanisch, und die englische Sprachausgabe hat erstens den Vorteil, leichter verfügbar zu sein, und zweitens ist sie vorzüglich gelungen und meiner Ansicht nach mit atmosphärerischen Stimmen als im Original. Besonders Spikes tief-überlegte Stimme hats mir angetan, so muss ein wandelnder Philosoph und Sprücheklopfer sprechen können.

Die Gesellschaft hat sich in der Zukunft drastisch verändert, aber nicht gerade zum Positiven: Verbrechen scheint gesellschaftsfähig geworden zu sein. Um diesem Zustand Herr zu werden scheint Kopfgeld auf Verbrecher ausgesetzt zu werden, wie in diesem Fall auf Asimoth, einem Drogendieb. Das sind aber keine gewöhnlichen Drogen, die er da gestohlen hat: Red Eye nennen sie sich, sind irre viel wert und verleihen dem Benützer verstärkte Sinne, sodass Asimoth unter anderem den Kugeln einer Maschinenpistole ausweichen kann. Nicht schlecht und eine interessante Variation von Drogen, die sogar Plotrelevanz besitzt.

Spike und Ed sind die Kopfgeldjäger und ein sehr ungleiches Paar, das schon in der ersten Episode eine interessante Dynamik hat. Für die beiden ist das Kopfgeldjagen ein Beruf, auch wenn sie in letzter Zeit wenig Erfolg gehabt haben zu scheinen – die Essens- und Benzinreserven gehen gen null, und auch in dieser Folge erhalten sie nicht das erhoffte Kopfgeld von 2.500.000 Woolong (scheinbar die Währung in dieser neuen Welt.)

Schon in der ersten Folge ist mir Spike ans Herz gewachsen – was für ein fantastischer, stilvoller Charakter! Es hilft natürlich ungemein, in allerlei Disziplinen Meister seines Faches zu sein, aber Spike hebt diese auf einen höheren Level. Er ist beispielsweise äußerst geschickt im Nahkampf, den gesuchten Asimoth macht Spike jedenfalls locker fertig, solange dieser kein Red Eye nimmt. Genauso nützlich und relevant ist sein diebisches Geschick, mit Hilfe dessen er eine Pille Red Eye aus Asimoths Tasche entwendet. Wesentlich cooler hingegen ist sein Diebstahl des Hot Dogs und diverser Einkäufe von Asimoths Freundin, die Spikes gewaltigen Schmäh zum Vorschein kommen lassen. Und das ist auf eine stilvolle Weise witzig, was nicht nur ein feiner Charakterzug Spikes ist, sondern sich auch gut zum Geschichtenerzählen gut eignet.

Spikes Verkledungskünste halten sich in Grenzen – aber man kann ihm trotzdem nicht vorhalten, es ohne einen Sinn für Humor zu tun oder keinen Erfolg dabei zu haben.

Schon bewundernswert, wieviel wir von diesem Charakter in der ersten Episode kennen lernen – wenn das so weitergeht werde ich bei der letzten Episodenrezension (26 Episoden gibts) seine ganze Biographie schreiben können. Eine von Spikes prägendsten Eigenschaften ist seine Verspieltheit, nicht nur mit Worten. „Excuse me?“, fragt Asimoths Freundin, als er mit einem Hot Dog im Mund sich davonstehlen möchte. „sfsfhwnewhwyour hot dog„, antwortet ihr Spike nur halb verlegen und beginnt dann mit dem Small Talk, unter dessen Verkleidung sich ein ausgeklügeltes Kalül steckt. Ebenso verspielt ist seine Verkleidung im mexikanischen Poncho inklusive übergroßem Hut – es wäre viel einfacher, ihn hinterrücks niederzuschlagen, stattdessen begegnet ihm Spike auf offener Straße und zerstört sogar noch die wahnsinnig wertvolle Droge (was wohl beweist, dass er im Grunde rechtschaffen ist, genauso wie seine Warnung an Asimoths Freundin, dass Asimoth eine Gefahr darstellt).

Ed hingegen ist der Überlegtere der beiden und scheint fast eine Vater/Mutter-Rolle für Spike zu spielen – er kocht, er kümmert sich um ihren Auftrag,, er hält ihr Hauptquartier in Stand, er arbeitet organisiert. Trotzdem ist er nicht gerade der zimperliche Typ – Ed zögert nicht, in der Bar die Gangster ordentlich zu vermöbeln und Informationen aus ihnen herauszuquetschen. Sein ganzer linker Arm ist nicht biologischer Natur, den er dank des technologischen Fortschritts dennoch ganz normal bewegen kann.

Weitere Protagonisten gibt es zurzeit nicht. In der Auftaktepisode „Asteroid Blues“ (wenig gefühlvoll im Deutschen als „Der tödliche Deal“ bezeichnet – wer überlegt sich denn immer solche Namen?) lernen wir sonst nur den drogensüchtigen und -verkaufenden Asimoth und dessen Lebensgefährtin (?) kennen. Letztere macht sich Sorgen um Asimoths Gesundheitszustand, da Red Eye zunehmend an dessen Verstand nagt. Gut, dass die Serie nicht davor zurückschreckt, märchenhafte Auswege für Menschen mit guten Intentionen verlieren zu sehen – nachdem sie erkennt, dass die Flucht, diese und die ewige, keinen Ausweg hat, rächt sie sich zuerst am an der Misere schuldigen Asimoth und gibt sich schließlich ihrem Schicksal hin, von den Gangstern im All erschossen zu werden. „Adios, cowboy….“ sind ihre letzten Worte. Ein schönes Ende für eine schöne Nebenfigur. Asimoth hingegen wurde im Grunde nur oberflächlich dargestellt, es wird höchstens angedeutet, dass er früher einmal mehr gewesen war als ein Junkie.

Der Ton von „Asteroid Blues“ wird stark von der Musikwahl beeinflusst, die im Episodentitel sogar schon namentlich erwähnt wird – nicht umsonst werden die Folgen auch Sessions genannt. Sie verstärkt den Eindruck der Metapher des Cowboys, auf den Asimoths Freundin sich in dieser Episode unter anderem bezieht: Cowboy Bebop ist so eine Art Science-Fiction Western, in dem die Sheriffs (Spike und Ed) Jagd auf Bösewichte machen.

Bla:

– Hätt ich ein Raumschiff würd ich so eins wie Spike haben wollen (das von Ed ist ja urhässlich) – „a blast from the past“.

– „This is all mystic and all, but erm… do you have anything to eat here?

– Die Reise durchs Wurmloch ist natürlich nicht ganz gratis – 7,500 Woolong.

– Sehr stilvoll auch die Szene, als Spike aufwacht, nachdem er von Asimoth attackiert wurde und Ed erst glauben lässt, er habe sich absichtlich auf den Asphalt für ein Mittagsschläfchen hingelegt. „I had a sweet dream.“

– Über Spike erfahren wir, dass er schon einmal von einer Frau getötet worden wäre. Huh? Aber klingt schonmal sehr interessant.

„See you, space cowboy…“ Ich habe vor, die gesamte Serie zu rezensieren.

– Ausbeute der Bebop: nichts.

Fazit: 8,5 von 10 Punkten.

Wenn man je einem Anime eine Chance geben will und Artistik schätzt, dann sollte es wohl Cowboy Bebop sein – und dabei ist die Folge „Asteroid Blues“ / „Der tödliche Deal“ sogar so action-orientiert, dass auch Menschen, die mehr auf Unterhaltungswert legen, sich angesprochen fühlen können.

Asteroid Blues” ist HIER (auf Englisch) online abrufbar.

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