Touch 1.07 „Gedankennetz“: Pokern.

„Ist es möglich, dass unsere kollektiven Gedanken zu einer Veränderung der Welt führen können? Oder ist das nur das Wunschdenken von einsamen Menschen, die hoffen, dass dadurch ihre Welt weniger zufällig erscheint?“

Ich gebe es zu: Touch war in den letzten Wochen zu meinem Sorgenkind geworden. Die Serie bewegte sich im Schneckentempo vorwärts, Folge um Folge sind wir mit Nebengeschichten vertröstet worden, und jetzt schleudert uns die Serie gleich mehrere neue Handlungsstränge entgegen. „Gedankennetz„, im Original „Noosphere Rising“, ist vielleicht nicht die beste Episode der Serie, auf jeden Fall aber die interessanteste.

Quelle: offizielle Touch Facebook-Seite

Martin (Kiefer Sutherland) vertraut auch im Pokerspiel auf die Zahlen.

Touch ist allerdings auch das neue Flash Forward: Meist gut, mit tolle Ideen, ab und zu schlichtweg brilliant und immer wieder voller verschenktes Potential. Und das gefällt mir – ich sitze vor der Flimmerkiste und fiebere mit, jauchze vor Freude über die neuesten Entwicklungen im Plot, und verdrehe gelegentlich die Augen, wenn mal wieder ein besonders herbeigekünstelter Moment geschieht.

Die Episode kam mir ewig lang vor, obwohl sie Spaß gemacht hat – das haben wir den vielen Hauptsträngen und den etlichen kleinen Referenzen zu verdanken. Das dürfte eine lange Rezension werden. Bereit? Dann lesen Sie weiter.

Der Stein wird durch eine Videokameraüberwachung ins Rollen gebracht – Martin und Clea sehen, dass Teller letzte Woche Jake etwas zugeschoben hat, und schon bald jagd Martin, mit Tellers Schlüssel und den Zahlen 1188 in der Hand, das richtige Schloss. Er gelangt zu einer Tür, die der Professor mehrmals betreten hat. Der Schlüssel passt nicht, dahinter befindet sich allerdings ein geheimer Pokerclub, der satte 1000$ Eintrittsgeld verlangt.

Inzwischen gehen immer noch die Verhandlungen um das Sorgerecht über Jake über die Bühne. Da gibt es eine neue Mitspielerin, die in Wiedergefunden nur kurz Erwähnung gefunden hatte: Abigale, Jakes Tante und Martins Schwägerin. Martin kann sie gar nicht ausstehen. Sie möchte selbst das Sorgerecht für den Jungen kriegen, angeblich, um ihn zu beschützen. Vor was? Vor… der (von mir so genannten) Firma, der mysteriösen Gruppe, die sich scheinbar für begabte Kinder wie Jake interessieren würde? Jedenfalls klemmt sie sich schonmal arg dahinter, dem Kinderheim Honig ums Maul zu schmieren: Erst kauft sie Jake ein neues Tablet, das er freudig aufnimmt (und die Leiterin des Heims fröhlich stimmt), und dann spendiert sie der Institution ein ganzes Set von ihnen. Da kann Martin finanziell nicht mithalten – schon allein deshalb, weil er die 1000$ Eintrittsgeld im Pokerclub verspielt, als er auf die falschen Zahlen setzt.

Dennoch sind seine Nachforschungen im Club erfolgreich. Durch die Dealerin kommt er auf die Spur von Logan Cottweiler, einem Mathematiker, mit dem Teller vor seinem Ableben öfters gesprochen hatte.Als Martin diesen in seinem Büro besucht schlägt das Schicksal mal wieder zu – Martin findet Logan bewusstlos am Boden liegen, doch dank eines Anrufs bei Devan, Logans Kollegen, findet Kiefer Sutherland die überlebensnotwendige Spritze.

Der lebensrettende Hinweis, wo die Spritze Insolin versteckt war, involviert die schwächere der zwei großen Nebengeschichten der Folge: Devan kann die Farm seiner Eltern erben, unter der Bedingung, dass er Zeus besteigt, dem treuesten Pferd seines verstorbenen Vaters. Das ist schon recht kitschig, aber dooferweise wird es dann auch noch viel kitschiger inszeniert – der entfremdete Sohn, der zwar nicht urplötzlich Farmer wird, trotzdem.in Windeseile ein tiefes Verständnis für Pferde, Reiten, den Nachbar und den Vater findet. Visuell sind das Pferd und die Weiten der Prärie schon ansprechend, die Geschichte ist es allerdings nicht. Außerdem hats ja im Grunde nichts mit der Hauptgeschichte zu tun: Für Devan ist es eigentlich irrelevant, ob Martin ihn anruft oder nicht, und für Martin tut es nichts zur Sache, dass sich Devan auf der Farm seines Vaters befindet.

Noch weniger gegenseitigen Impakt hat Martin allerdings mit der anderen Nebengeschichte, Natalie’s Video Blog – die beiden laufen sich zwar ganz kurz über den Weg, ändern dadurch allerdings nicht ihre Bahnen. Natalies Geschichte muss also in Isolation betrachtet werden, und ausnahmsweise habe ich das Gefühl, dass das funktioniert. Natalies Geschichte verkörpert schließlich die Idee von Touch – eine Geschichte wird durch die Handlungen der anderen verändert, geheilt, und das nicht bloß durch Zufall, sondern vor allem durch den guten Willen der Menschen. Insbesondre Natalies Idee, sich am 28. März im Cafe mit allen offenen Ohren und Herzen zu treffen und so all die Geschichten zu verweben, bringt die Botschaft, die Menschen zusammenzubringen, sogar auf eine wortwörtliche Ebene.

Auch visuell gefällt mir das Ganze. Natalie’s Video Blog beispielsweise verwendet bewusst simple Collagen und Zoomanimationen, die süß und witzig daherkommen. Auch Paolos Liebeserklärung hat Stil, und vor allem auch die roten Schals und Hüte, die die internationalen Fans zusammenschweißen, gibt Natalies Community Wiedererkennungswert.

Nur leider geht die Serie äußerst plump vor, als es darum geht, Natalies Botschaft in die Welt zu versenden. „Ich glaube an die Liebe.“ Die Bilder, die um die Welt gehen (und selbst in Tokyo an gigantische Leinwände projeziert werden), sind dank der fröhlichen Gesichter sehr schön, aber das Motto ist so unglaublich traumlos – da hätte ich der Serie mehr Poesie zugetraut, mehr Subtilität. „Und wisst ihr was? Die Liebe ist ganz und gar nicht dumm.“ Kreativität schaut anders aus. Stattdessen trimmt man die Geschichte so hin, dass Natalie Paolo kriegt – natürlich. Sehr vorhersehbar, schließlich hat sie die ganze Folge über schon davon gesprochen, wie toll Paolo doch ist, wie sehr sie sich einen Mr. Right wünsche und wie unglücklich sie vom anderen Typen stehen gelassen wurde. Man hat auch das Gefühl, dass das Ganze zu einfach gelaufen ist – und wenn wir ehrlich sind haben die Drehbuchautoren es sich da auch ein wenig einfach gemacht.

Die Geschichte platzt aber geradezu vor Ungereimtheiten. Wer zum Beispiel lädt eine Liebeserklärung auf einen USB-Stick? Warum sind die Video-Antworten von Natalies Fans in deren Landessprachen gehalten, wenn sie ohnehin Englisch können, da sie ja Natalies Blog verfolgen? Oder warum schneiden diese Fans Hintergrundbilder ihres Herkunftortes rein? Vielleicht gibts dafür auch logische Erklärungen, die ich mir grad jetzt nicht einfallen – doch schwerer wiegen die emotionalen als die logischen Faktoren.

Jetzt bin ich ganz abgeschweift: Martin hat Logan gerettet, und dieser macht ihm einen Deal: Martin hilft ihm, noch einmal beim Pokern ordentlich abzuzocken, und dafür verrät er Martin, wo Tellers Schlüssel reinpasst. Beim Pokern stehen ihre Karten gut – schließlich besitzen sie ja die Zahlen. Logans Liebesinteresse Stacey meint zwar, dass Teller die Zahlen nie geholfen hätten, doch Logan ist sich sicher: Die Zahlenkombination sei göttlicher Natur, widerlege angeblich sogar die Schrödingergleichung – große Worte. Trotzdem bedienen sie sich einem der ältesten und offensichtlichsten Pokercheats: Beim Durch-die-Haare-Fahren soll Martin gehen, sonst bleiben.

Martin ignoriert das dann allerdings im Hitze des Gefechts – er setzt alles auf 1188, obwohl er damit schonmal Bruchlandung erlitten hatte. Es ist tatsächlich recht spannend, die letzten Karten des Pokerspiels abzuwarten – toll inszeniert also. Es kommt also zum Happy End: Stacey bekommt das Geld, Logan bekommt Stacey, und Martin die Adresse des Schlüssels. Das Haus, das er betritt, ist ein unheimlicher Ort: Im Hintergrund einer Szene sehen wir beispielsweise zwei verdächtige alte Männer mit grauen Bärten – wo zum Teufel ist Martin da bloß hingeraten? Doch das Gebäude scheint keine Gefahr für ihn darzustellen. Im Zimmer 1188 findet er Tellers Büro, das genauso vollgestopft ist wie Tellers Privathaus – ein gefundenes Fressen für Material für weitere Episoden.

Quelle: offizielle Touch Facebook-Seite

Martin wirft einen Blick auf die Tafel in Tellers Büro. Augenblicklich nimmt er die Kreide in die Hand und ergänzt die von Teller begonnene Emilia-Sequenz um die neuesten Stellen. So wird er symbolisch der geistige Nachfolger von Arthur Teller.

Arthur Tellers Tod sollte an dieser Stelle auch noch eigens erwänt werden – der hat mich schon schockiert. Allein schon besetzungstechnisch war damit nicht zu rechnen – Danny Glover gehörte zum Main Cast und musste die Serie dennoch schon nach 6 Folgen verlassen. Sein Dahinscheiden öffnet jetzt allerdings enorm viele Handlungsstränge, insbesondre auch der Schlüssel mit den Zahlen 1188, der Auslöser für die Ereignisse dieser Folge. Dann wäre da auch noch Tellers Tochter, die sich derzeit noch nicht besonders hilfreich gibt, früher oder später allerdings sicher von Martin und Jake überzeugt werden kann, dass Teller kein Spinner war und die Sequenz eine größere Bedeutung hat. Außerdem gibts jetzt auch Logan, der mir als langfristiger Charakter zwar ein wenig zu lahm ist, trotzdem die nötigen Informationen bieten kann, ohne die großen Geheimnisse zu kennen, so wie Teller es tat.

Gegen Schluss der Folge überhäuften sich wieder die Ereignisse. Natalie feierte ihr Treffen mit Paolo, Martin betritt Tellers Büro und auch Clea macht eine Entdeckung: Sie hatte zu Beginn von „Gedankennetz“ angemerkt, dass mehrere Sekunden Überwachungsband fehlten – nun findet sie heraus, dass der Geist (Person im Rollstuhl mitten im Kinderheim), den auch Teller letzte Woche gesehen hatte, tatsächlich existiert. Ich finde es klasse, dass die Serie derzeit an gleich so vielen Handlungssträngen zieht und deshalb die Nebengeschichten ein wenig abseits drängt – trotzdem sollten die langsam glaubwürdiger werden.

Bla:

– Die zwei Japanerinnen sind auch wieder kurz mit dabei – sie helfen Natalie auf der Suche nach Celeste.

– Die Emilia-Sequenz lautet bislang: 31852963287952297561188. Schöne Kontinuität: Auf Tellers Tafel fehlt die 5.-letzte Stelle, die 6, weil Teller verstarb, bevor er zurück in sein Büro kam. Martin vergisst, die Ziffer hinzuzufügen – ob das noch mal zur Sprache kommen wird?

– Auch das Handy, das um die Welt reist, findet Erwähnung. Klasse!

– „Vogel. Kannst du Vogel sagen?“ Der Sarkasmusmodus des Tablets ist wohl eingeschalten.

– Schöne Geste: Logan zerreißt den Geldschein, Stacey schenkt ihm den halben wieder zurück.

– Biiiiitte liebe deutsche Synchro, gebt den Episoden bedeutsamere Namen. Jede einzelne andere Episode der Serie hätte auch „Gedankennetz“ heißen können.

Fazit: 7,5 von 10 Punkten.

Gedankennetz“ ist mal wieder ein zweischneidiges Schwert. Es ist lobenswert, wie gleich mehrere Handlungsstränge der Hauptgeschichte in Fahrt geraten – Abigale, der Geist im Rollstuhl, Tellers Büro. Und die Episode ist sehr unterhaltsam (Nataies Geschichte gefiel mir), nur leider gab es auch einige Elemente, die so gar nicht passten, allen voran die Pferdegeschichte. Touch ist auf dem richtigen Weg, jetzt wünsche ich mir aber noch, dass die Serie weniger Handlungsstränge verbockt – und nicht vergisst, ihre Geschichten sinnvoll ineinander zu verweben.

Gedankennetz” ist bis 14.5.2012 HIER kostenlos und legal auf der ProSieben-Homepage verfügbar.

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Ein Gedanke zu “Touch 1.07 „Gedankennetz“: Pokern.

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