The Walking Dead 1.06 „TS-19“: Leere Welt.

„I’m all that’s left… I’m sorry.“

An der Vorgängerepisode Wildfire kritisierte ich trotz der schön-emotionalen Verabschiedungen, dass das Gefühl der Klaustrophobie, der ständigen Bedrohung verloren gegangen war. Nun, „TS-19“ macht das mehr als wett – The Walking Deadverabschiedet sich aus seiner ersten Staffel mit einem phänomenalen Finale voller Spannung und tollen Charaktermomenten.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Die Gruppe verbringt einen vergnüglichen Abend und stoßen auf ihren Retter Jenner an.

Dr. Edwin Jenner gewährt der Gruppe Überlebenden Asyl im Zentrum des CDC, des Zentrums für Pandemiebekämpfung in Atlanta. Zuerst scheint er der gütige Gastgeber zu sein, doch bald müssen die Überlebenden erfahren: In Wahrheit ist alle Hoffnung für die Menschheit verloren. Und vielleicht auch für sie.

Hurra, sie sind gerettet! Geschützt vor den Walkern im CDC Hauptgebäude feiern die Überlebenden erstmal und erstmals ausgelassen, und es ist schön endlich auch mal einen fröhlichen Moment mitzuerleben – seit dem nächtlichen Angriff im Camp, dem Amy, Ed, Jim und weitere zum Opfer gefallen waren, war die Stimmung stets bedrückt gewesen. Carl mag keinen Wein, Glenn verträgt keinen und Daryl lacht dreckig. Auch gelungen sind die Duschszenen, auch wenn wir so eine ähnliche bereits im Piloten hatten: Mit je nur einem Schnappschuss erfahren wir, wie es unseren Hauptcharakteren geht. Glenn und T-Dog sind beinah sorgenlos, Lori und Rick das glückliche Paar, Shane frustriert mit einer Flasche Wein unter der Dusche, und Amy am Boden kauernd, immer noch stark am Tod ihrer Schwester nagend.

Amy hat allerdings allen Grund zur Frustration. „It’s over, there’s nothing left.“, vertraut sie Dale an. Jenner hat eigentlich nur schlechte Nachrichten für sie auf Lager gehabt: Er ist der einzige noch lebende Forscher in dieser Station und hat keinen blassen Schimmer, was genau der Virus ist, was ihn verurscht, wie man ihn bekämpfen sollte. Alle anderen Forscher sind entweder zu ihren Familien geflohen oder haben später „aufgegeben“, sich selbst gerichtet. Auch in anderen Städten schaut es nicht gut aus: In Frankreich scheint ein Team Fortschritte erzielt zu haben, bis ihnen die fossilen Brennstoffe ausgegangen sind – kein Strom, keine Forschung. Man braucht also nicht zu befürchten, dass allzubald, falls überhaupt, ein Gegenmittel entwickelt wird und die Wiederherstellung des Planeten vollzogen wird. Nein, stattdessen ist alles verloren und es gilt, sich einen Platz in dieser Welt zu schaffen.

In der Nacht torkelt Rick auf Jenner zu und plaudert mit ihm über den alltäglichen Horror der Apokalypse. „You don’t know what it’s like out there. You may think you do but you don’t.“ Rick hält es vor seiner Familie geheim, wie sehr ihn das alles mitnimmt, wie nah es ihm geht, immer und immer wieder Menschen verlieren zu sehen. Währenddessen sucht Shane endlich das Gespräch mit Lori.

Zu Beginn der Episode dachte ich noch, meinen Glauben in das Gute im Menschen wiederhergestellt zu haben, als wir beobachteten, wie Shane versucht hat, Rick im Krankenhaus zu retten. Das war keine triviale Sache – im Flur sahen wir, wie Soldaten ohne mit der Wimper zu zucken selbst Menschen töteten, die nicht infiziert waren. Aber was soll Shane auch schon machen – Rick einfach von den Kabeln runterreißen? Ihn mitschleppen? Und der Puls schien auch nicht mehr zu schlagen. Das müsste Lori doch verstehen, oder?

Und dann bewirbt er sich für den Award zur schlechtesten Affäre des Jahres, als er Lori in der Jetztzeit sexuell attackiert. Jaja, er ist betrunken, aber das war noch nie eine Ausrede. Und es ist auch wurscht, ob er sie liebt oder nicht – das war ne echt blöde Aktion, die ihn wohl bis zum Serienende als den typischen Bösewicht in der Gruppe stigmatisieren wird. Er war es nicht immer, aber jetzt ist er es definitiv. Schade, ich hatte gehofft er wäre undurchschaubarer und es gäbe Hoffnung für ihn. Zu einem großen Rick-Shane Duell dürfte es also in der zweiten Staffel, die ja ganze 13 Episoden umfasst, auf jeden Fall kommen – diesen Konflikt lässt die erste Staffel noch komplett offen.

Am nächsten Tag fragt sich Dale: Was ist das eigentlich für ein Countdown, der da an der Wand tickt? Im Grunde war es ja vorhersehbar, dass es sich um einen Selbstzerstörungsmechanismus handeln würde, aber trotzdem brachte die Serie es glaubhaft rüber, dank Jenners fantastischem Monolog über die Forschung des CDC über chemische Waffen (unterlegt mit wahnsinnig epischer Musik). Und daraufhin folgt eine rund zwanzigminütige, durchgehend spannende Sequenz, wie die Gruppe aus dem versiegelten CDC ausbrechen möchte.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Zum wiederholten Male in dieser Episode explodiert Shane (Jon Bernthal), diesmal allerdings zurecht: Jenner (Noah Emmerich) möchte ihnen einen Zombietod ersparen.

TS-19“ zeigt dabei einen erstaunlichen Flow: Jeder Charakter (mit Ausnahme der zwei Kids) hat beispielsweise was zu tun – erstaunlich, wenn man bedenkt, wie viele Figuren sich im Herzen des CDC aufhalten. Jenner ist natürlich, als plottreibende Kraft, an vorderster Front, indem er große Reden schwingt, uns von seiner verstorbenen Frau, dem Testsubjekt 19, erzählt und schließlich der Gruppe eine Chance gibt. Die Männer sehen erst nach den verbliebenen Kraftstoffreserven und versuchen dann, mit verschiedensten Mitteln (Stuhl, Tritte, Schrotflinte) die Türen aufzukriegen. Obwohl der Timer noch eine halbe Stunde anzeigt herrscht trotzdem ein Gefühl von Dringlichkeit, was die Spannung nicht zur Ruhe kommen lässt.

Carol fleht um das Leben ihres Kindes, Jacqui hingegen hat schon abgeschlossen und beschließt zu bleiben – sie möchte nicht so wie Jim oder Amy enden. Andrea möchte ebenfalls im CDC versterben, doch Dale wendet eine List an: Er bleibt auch, wenn sie bleibt. „Don’t pull that on me„, beklagt sich Andrea, doch Dale tuts trotzdem, trägt aber auch einen guten Grund dafür vor: „You don’t get to enter somebody’s life, make them care for you and then opt out!“, stammelt er unter Tränen hervor. Er möchte die Welt da draußen nicht alleine entgegentreten, und schon in „Wildfire“ bekräftigte er, wieviel Andrea und Amy ihm bedeuten. Mich hat die Szene überzeugt, und es wurde auch Zeit, dass Andrea wieder zumindest ein bischen einen Lebenswillen wieder zeigt.

Natürlich nur knapp schaffen es die Überlebenden (dank Carols… Granate), aus dem CDC Gebäude zu fliehen. Es war auf jeden Fall ein äußerst spannendes Abenteuer, das die Gruppe hier erlebt hat. Jacqui haben sie verloren und Benzin haben sie auch keins bekommen, sogar einiges an Gepäck liegen gelassen, dafür wissen sie jetzt, was die Welt für sie bereit hält: nichts. Vereinzelt wird es überall auf der Welt Überlebende geben, doch die Überlebenden haben vorübergehend keine Ahnung, wohin es gehen könnte. Die fünf Wagen fahren ins Ungewisse, während hinter ihnen die Staffel mit einer Explosion endet.

Bla:

– Toll, wie die Eröffnungssequenz und der Vorspann immer so ein wahnsinniges Gefühl von Dramatik erzeugen.

– Schöne Kontinuität: In der Vorfolge Wildfire erzählte Teller der Kamera noch wie so nebenbei, dass er sich am morgigen Tag das Hirn rausschießen würde. Ich hielt es für seinen momentanen Frust mit seinen missglückten Experimenten, aber in Wahrheit wusste er bloß, was ohnehin passieren würde: die Explosion.

„This is our extinction event.“

– Fand es ein wenig random, wie Carol die Granate herauszog. Aber sei es wie es sei.

„There was a rash of suicides. That was a bad time…“ Die Folge ist voller toller Dialogen und spannenden Zitaten.

– Ein weiterer Cliffhänger: Was hat Jenner Rick ins Ohr geflüstert?

Fazit: 9,0 von 10 Punkten.

TS-19“ ist eine packende Stunde Fernsehen. Es ist sicherlich keine typische The Walking Dead-Episode – sie spielt sich im Grunde nicht in der Welt der Untoten ab, sondern abgeschottet von der Außenwelt und den Zombies. Sie zeigt aber auch, dass die Serie nicht von den Zombies abhängig ist, denn auch ohne sie bietet sie jede Menge Action und Spannung. Die Auszeit gibt auch den Charakteren Zeit, endlich in die Luft zu gehen – und der halbe Maincast nützt die Gelegenheit auch.

TS-19” wird am 13.5.2012 im Hauptabendprogramm von RTL 2 zu sehen sein.

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2 Gedanken zu “The Walking Dead 1.06 „TS-19“: Leere Welt.

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