The Walking Dead 1.05 „Wildfire“: Fieber.

„We don’t kill the Living.“

Langsamer Zieleinlauf für die nur sechs Folgen umfassende erste Staffel von The Walking Dead: In der vorletzten Episode, „Wildfire„, im deutschen „Tag 194„, nimmt sich die Gruppe Zeit, um ihre Gefallenen zu betrauern und sich neu zu orientieren – wo wollen sie hin, jetzt wo ihr Camp nicht mehr vor Walkern sicher ist? Die optimale Gelegenheit, um mal wieder einen Streit zwischen Shane und Rick ausbrechen zu lassen.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Andrea (Laurie Holden) bereut es, nicht mehr Zeit mit ihrer kleinen Schwester Amy (Ema Bell) verbracht zu haben – darum zögert sie es bis zum Schluss raus, sie endgültig zu verlieren.

Dabei haben sie ja eigentlich bislang eh kaum Zeit gehabt zu streiten – Rick war die halbe Zeit der Staffel ja in Atlanta verbracht – und trotzdem fühlt es sich so an, als wären die zwei schon ewig dabei. Die beiden spielen nunmal Good Cop Bad Cop und sind die selbsternannten de facto Anführer der Gruppe. Und das macht weniger Spaß als es sollte.

Amy, Ed und noch ein paar weitere Campbewohner waren in der Vorfolge Vatos umgekommen, und nun bei Tagesanbruch sind die Überlebenden, mittlerweile nur noch Charaktere die wir schon kennen gelernt haben, gezwungen, sich um die Leichen zu kümmern – womöglich kommen sie sonst noch wieder zum Leben. Daryl ist der Pragmatiker: Mit der Spitzhacke durchbohrt er den Kopf jeden Leichnams – die einzige Möglichkeit, sicherzustellen, dass ein Toter nicht zum Walker wird.

Das müssen die Überlebenden nicht nur bei jenen Walkern machen, die sie attackiert haben, sondern auch bei ihren ehemaligen Freunden, die in der Nacht ihr Leben verloren haben. Zum Beispiel Ed, und seine Frau Carol möchte es selber machen. Im Gegensatz zu Morgan, dem Vater aus der Pilotfolge, den Rick nach wie vor ab und an anfunkt, gelingt ihr das. Aber selbst Daryl schaudert, als er sieht wie – Mit ewig viel Bitterkeit und aufgestautem Hass schlägt sie wieder und wieder ein auf dessen leblosen Schädel. Sie verabschiedet und befreit sich von einem Monster, das sie trotzdem geliebt hat. Das hätte man dieser recht gebrechlichen Frau gar nicht zugetraut – doch sie muss stark bleiben, zumal sie ja auch eine Tochter, Sophia, hat.

Schwieriger hingegen tut sich Andrea, die die ganze Nacht an der Seite von Amys Leichnam verbracht hat und ihr unentwegt in die geschlossenen Augen schaut. Herzschlagen, als sie plötzlich wieder ganz sanft zu atmen beginnt und Andrea mit dem Ohr hauchdünn über Amys Mund schwebt. Nicht zubeißen, bitte! Ich mag, wie poetisch Menschen in The Walking Dead reanimieren, oder zumindest wie poetisch man es hier bei Amy eingefangen hat. Ihre Augen sind kristallklar, und erst langsam, langsam sickert ihr der Tötungsdrang in die Muskeln, der Zombie wird neugeboren. Und es spricht für Andrea, dass sie die Kraft besitzt, abzudrücken.

Nicht tot, aber trotzdem die Gruppe verlassen tut die hispanische Familie, deren Namen wir eigentlich auch nicht kennen. Sie beschließen, nach Birmingham zu ihren Verwandten zu fahren, auch auf die Gefahr hin, allein auf dem Weg zu sein. Ob wir die vier je wiedersehen ist mehr als fraglich – wir wissen nicht viel über die Familie, sie sind keine Kämpfer und besonders plotrelevant sind sie auch nicht. Adios.

Einen weiteren namentlichen Verlust gibt es zu beklagen – Jim wurde bei der nächtlichen Attacke gebissen. Der ist zwar nicht tot, aber wir haben schon gehört, dass durch einen Biss ein Fieber ausbricht, das den Menschen früher oder später unaufhaltsam verschlingt. Ach Jim! Ich mochte Jim: Er konnte Menschen gut einschätzen und hatte ein Talent dafür, die Dinge klar zu sehen, im Gegensatz beispielsweise zu Rick und Shane. Wir erfahren also jede Menge darüber, wie genau der Virus funktioniert: Amy zeigt uns, dass die Reanimation ein paar Stunden dauert, und an Jim sehen wir, was der Virus mit den Lebenden anstellt.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Jim (Andrew Rothenberg) muss zurückgelassen werden – das Fieber verschlingt ihn.

Good Cop Rick möchte ihren ohnehin notwendigen Aufbruch – das Camp am verlassenen Steinbruch ist offensichtlich nicht mehr sicher – gleich mit der Rettung Jims verbinden und deshalb zur CDC aufbrechen. Ich musste im Internet nachschauen, was das ist (vielleicht ist es den Amerikanern geläufiger): Centers for Disease Control. Natürlich, wenn dann wird hier nach der Erstellung eines Gegenmittels gearbeitet.

Bad Cop Shane bezieht die Gegenposition: Die Stadt, in der die CDC liegen, wurde von Zombies überlaufen, und es ist viel zu gefährlich dorthinzugehen. Die beiden streiten im Grunde die gesamte Episode über, auch über andere Dinge: unbewusst über Ricks Familie (Shane findet, dass Lori und Carl genauso zu ihm gehören wie zu Rick), bewusst hingegen über die Sinnhaftigkeit Ricks heroischer Missionen.

Ich finde, man macht es sich hier zu einfach mit der Charakterisierung, und das blöde ist: Ich kann keinen der beiden besonders leiden bei dieser Argumentation. Rick ist einfach zu gut, ja fast schon naiv, so gutmütig wie der ist – für Jim riskiert er sein Leben, und das, obwohl wirklich so gut wie keine Überlebenschance besteht. Shane hingegen ist zu selbstsüchtig – er überlegt sogar kurz, ob er nicht „versehentlich“ Rick umlegen soll. Dale erwischt ihn dabei, und das gefällt ihm gar nicht, dass die Lebenden sich nun schon gegenseitig ins Visier nehmen.

Und auch Lori ist mal wieder keine Hilfe zwischen dem Streit der beiden. Sie ist insgeheim immer noch hin- und hergerissen. Eigentlich nimmt sie damit ja die selbe Haltung an wie ich, nur drückt sie es so unfreundlich aus. Anstatt den zwein zu sagen, dass sie beide auf ihre eigene Art recht haben, kritisiert sie im Grunde beide für ihre jeweiligen Meinungen. Ja, derzeit mag ich die Nebencharaktere wie Daryl, Dale und Glenn lieber als die drei Leads – da hat The Walking Dead Aufholbedarf.

Nachdem alle Leichen hirnzermatscht, verbrannt und/oder begraben sind brechen also alle auf. Die Reise fühlt sich einfach klasse an – großes Lob an die Selektion der Karossen, die allesamt aus dem vorigen Jahrtausend stammen und die Gruppe von außen wie Hippies auf spiritueller Reise aussehen lässt. Untermalt auch von schöner tragischer Musik, obwohl das einzig tragische auf der Reise Jims sich verschlechtender Gesundheitszustand ist.

Jim wird fiebrig und geplagt von Visionen des Todes – ob diese allerdings durch den Virus hervorgerufen werden oder einfach nur Jims präkognitiven Fähigkeiten sind, die man in 1.04 Vatos angekündigt hatte, ist nicht ersichtlich. Jims Knochen fühlen sich an wie Glas, und bald muss er feststellen: „I’m done. I wanna be with my family.“ Auf Dales Rat hin überlässt die Gruppe Jim die Entscheidung, was mit ihm geschehen soll. Sie lassen ihn zurück, an einen Baum lehnend und ein letztes Mal Sonne tankend. Und dann wird er sterben. Jim sieht ihnen milde lächelnd nach – vielleicht ist es nicht das schlimmste Schicksal, seinen geliebten Menschen zu folgen, anstatt in der Hölle der Lebenden zu schmoren. Bitterschön ist die Einstellung, wie Jims Freunde noch ein letztes mal von ihren Wagen aus auf Jim zurückblicken. Selbst Daryl nickt anerkennend. Rest in Peace, Jim.

Schnitt. Plötzlich haben wir es mit einem gewissen Jenner zu tun, dem stereotypen Forscher auf der Suche nach dem Gegenmittel, der grad seine letzte gute Probe selbst vernichtet hat. The Walking Dead bricht dabei bewusst sein Stilmittel, stets Rick und seinen Freunden zu folgen – auch wenn die beiden Blickwinkel gegen Ende der Episode dann wieder vereint werden. Mir gefällt dieses Experiment nicht so sonderlich gut – es raubt der Folge ein wenig die ewige Klaustrophobie, dass da draußen nichts ist. Und plötzlich sehen wir uns mit diesem Hoffnungsschimmer konfrontiert, der ja nicht per se schlecht ist, aber dennoch stilistisch nicht ganz passt.

Quelle: offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Ein Hoffnungsschimmer – Jenner lässt die Überlebenden ins sichere CDC-Gebäude rein.

Jenner sitzt nämlich innerhalb des CDC-Gebäudes, zu dem die Überlebendengruppe gelangt. Ihr Weg zum Gebäude ist spannend – überall liegen Leichen, raben- und fliegenzerfressen, und jede von ihnen könnte heimlich gar nicht so tot sein wie sie vorgibt. Am CDC angekommen wird die Situation plötzlich kritisch und sehr schön hektisch – man bekommt kaum mehr den ganzen Dialog mit! Die Panik ist packend, als sie plötzlich hilflos vor den Toren stehen, ohne Essen und mit wenig Sprit, umzingelt von Leichen und plötzlich auch wandelnden Leichen. Bis Jenner auf eine magische Taste drückt und gleißendes Licht die Überlebenden hineinbittet. Ein toller Cliffhänger.

Bla:

– Bevor sie Jim aussetzen bleiben sie stehen, weil der Kühler eines Wagens zickt. Später ist davon dann aber nicht mehr die Rede.

– Ich wünschte, Jim hätte noch ein paar schöne Abschiedsworte an die Gruppe gesprochen. Aufmunterung, oder einfach ein paar Sachen, die uns zeigen, dass er ihnen was bedeutet hat.

– Schöner Schnitt, als die Kamera über viele Sekunden langsam von Teller herauszoomt und die wahre Größe des Labors enthüllt – das Set ist ja riesig!

– 194 Tage nach der Aktivierung von „Wildfire“. Was das wohl zu bedeuten hat?

– Laut Wikipedia heißt die Episode „Tag 194“ auf Deutsch, im DVD-Menü wird sie hingegen mit „Wildfire“ betitelt. Oder bin ich in ein englisches Menü geraten?

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

Wildfire“ / „Tag 194“ nimmt sich Zeit für die Verabschiedung toter (Ed), lebender (Jim) und lebendiger toter Figuren (Amy). Inzwischen zerstreiten sich Shane und Rick weiter, Lori ist ganz hin- und hergerissen. In einer tollen Reisesequenz verlassen wir das Camp und brechen auf zur CDC. In einer nicht ganz so stilsicheren Sequenz erfahren wir, dass fieberhaft am Antivirus geforscht wird – mehr dazu erfahren wir wohl im Staffelfinale.

Tag 194” wird am 12.5.2012 im Hauptabendprogramm von RTL 2 zu sehen sein.

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2 Gedanken zu “The Walking Dead 1.05 „Wildfire“: Fieber.

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