Touch 1.06 „Wiedergefunden“: Emilia-Sequenz.

„Mein Name ist Arthur Teller. Ich vermute, du hast mich erwartet.“

Touch bleibt in seiner sechsten Episode, „Lost and Found„, im deutschen „Wiedergefunden„, seiner Linie weiter gerecht, nicht nur im leichten aber stetigen Quotensinkflug: Der große Zusammenhang aller Dinge und die Hauptgeschichte werden uns weiterhin nur häpchenweise serviert, indes beschäftigen wir uns mit den Vergangenheitsbewältigungen der Hauptcharaktere, unterstützt von ein paar kleinen feinen Nebengeschichten – diesmal schön, aber wie schon öfters mit groben Schnitzern.

Quelle: Offizielle Touch Facebook-Seite

Martin (Kiefer Sutherland) und Clea (Gugu Mbatha-Raw) sind auf der Suche nach Cleas Mutter. Die Suche ist organisch – von Hinweis zu Hinweis hangeln sie sich vor.

Wir lernen endlich die Nebencharaktere Arthur Teller und Clea Hopkins besser kennen, die bislang in der Serie schwer vernachlässigt worden waren – immerhin gibt es ja nur vier Hauptcharaktere. Ersterer nimmt Kontakt mit Jake auf, Clea mit ihrer Mutter. Von der hatten wir schon in Schutz in der Menge gehört – sie ist schizophren und Clea seit sechs Jahren nicht mehr begegnet. Sie lebt auf der Straße, und während es damals noch falscher Alarm war haben wir es diesmal tatsächlich mit ihr zu tun. Und sie hat auch tatsächlich Relevanz in der Folge: Den Großteil der Episode suchen Martin und Clea nach ihr.

In der Tat gelingt der Bezug zu „Schutz in der Menge“ ziemlich gut – man nimmt einen offen gelassenen Handlungsstrang (Warum hatte die Frau, die damals vom Taxi angefahren wurde, das Handy von Cleas Mutter?) verwendet diesen als essentiellen Clue in Martins und Cleas Jagd nach ihrer Mutter – denn die scheint einen kleinen Burschen entführt zu haben, Alex, dessen Eltern Martin bei seinem Job zufällig begegnet – auch die TV-Übertragung dieses Falls flimmert verstreut in der Folge auf. Die gemeinsame Suche gibt den beiden mehr Zeit, eine bessere Beziehung aufzubauen: Clea erzählt Martin viel von ihrer zerrüteten Kindheit mit ihrer schwierigen Mutter – eine bewegende Geschichte und nicht lasch romantisiert. Und Clea beginnt langsam, ebenfalls an die Zahlen zu glauben – „Sie haben Recht, es gab für alles einen Grund.“

Inzwischen bereitet man sich schon wieder auf eine abschließende Beurteilung über Jake und Martins Sorgerecht vor – das Thema lutscht sich langsam aus, in beinah jeder Folge hören wir Clea ihren Vorgesetzten erklären, dass sich sein Vater um ihn kümmert und der Junge Fortschritte machen würde. Jake wird von Arthur Teller besucht, obwohl ihm das von Martin eindeutig verboten wurde.

Teller ist ein interessanter Charakter – er weiß so viel, das uns auch brennend interessieren würde. So taucht er diesmal beispielsweise mit der Emilia-Sequenz auf – eine Zahlenfolge, die eine ehemalige Patientin von Teller aufgeschrieben hatte und dieselben Ziffern beinhaltet wie alle Ziffern der ersten sechs Folgen zusammen. Man, hätte er die nicht vorher schon mal vorbeibringen können? Emilia selbst scheint verschwunden zu sein, und als Teller auf sie zu sprechen kommt nimmt Jake das rote Rennauto in die Hand. Er deutet also an, dass sie sich hinter Zimmer #6 befindet. Als Teller nachguckt ist das Zimmer leer, doch er scheint einen Geist von ihr zu sehen. Ist es das, was damals das rote Spielzeugauto hinter Tür #6 zurückschoss – Emilias Geist?

Wir haben es auf jeden Fall mit etwas Übersinnlichem zu tun – Touch bleibt aber geschickterweise vage und subtil. Man taucht nicht sofort in Sci-Fi oder komplette Fantasy ein, sondern bereitet den Zuseher langsam darauf vor. Das geschieht auch mit Tellers Schlusssequenz – in seinem Wagen nehmen die Zahlen seines Amaturenbretts plötzlich Gestalt ein. Huh? Vielleicht teilt man uns mit, dass er ein besonderes Muster gesehen hat, vielleicht ist es aber wortwörtlich die Magie der Zahlen. Und sind es diese, die ihn entweder umgebracht haben oder zumindest die Bewusstlosigkeit verlieren ließen? (Ich hoffe mal stark, dass er nicht umgekommen ist – er ist der einzige Charakter, der bereit ist, Licht ins Dunkel des Mysteriums der Zahlen und Muster zu bringen.) Oder war es vielleicht etwa die Leiterin der Institution, Sheri, von der Teller behauptet, sie sei womöglich von ihnen (der „Firma“, wie ich sie vorübergehend nenne) aufgekauft worden mit Ruhm und Geld?

Quelle: Offizielle Touch Facebook-Seite

Für Arthur Teller (Danny Glover) erwachen die Zahlen des Amaturenbretts zum Leben.

Unterstützt wird die Geschichte diesmal nicht von einhundert verschiedenen Nebengeschichten, sondern nur zwei: Die von Will Davies und die von Serena. Für Will hat man endlich wieder eine emotional sehr zufriedenstellende Gesamtgeschichte gefunden und verwendet ihn nicht bloß als Anekdote. Ich mag die kleine tragische Geschichte, die man um ihn spinnt – er möchte etwas tun, was den Menschen hilft, und rettet durch seinen Protest gegen den Abriss des Jazz-Hauses das Leben von Cleas Mutter. Und als er realisiert, dass es ihn sein Leben gekostet hat, lächelt er. Auch sehr schön und süß fand ich sein „I O U“ (I owe you, Ich schuld dir was), das sich als posthume Spermaspende herausstellt.

Nur dummerweise erlaubt sich Touch dabei mal wieder einen dieser Hämmer, in diesem Fall der Flugzueugabsturz. Ich habe kein Problem mit diesem Katastrophenereignis oder, dass Serena um ein Haar da drin gewesen wäre. Aber es ist einfach dämlich, wie Will den Absturz überlebt und anschließend einfach die Absturzstelle verlässt, um zur Arbeit zu gehen – ohne medizinische HIlfe anzusuchen? Ohne sich vielleicht bei der Polizei zu melden, dass er überlebt hat? Und das alles mal davon abgesehen, dass er so gut wie unbeschadet den Sturz überlebt.

So gut wie, denn er erleidet eine Wunde an der Seite, die ihm schließlich das Leben kostet – ohne dass er es bemerkt! Er bemerkt nicht einmal, wie er große Spur von Bluttropfen hinterlässt oder sein Hemd von Blut durchzogen wird. Natürlich passt das so alles besser zu seiner Geschichte, aber so funktioniert Geschichtenerzählen nunmal nicht – man muss die Paramter der Realität, in der man arbeitet (also das Hier und Jetzt von Touch inklusive Zahlenzusammenhang), schon respektieren. Gerade bekämpft er noch die Bauarbeiter, im nächsten Moment entdeckt einer von ihnen den Blutfleck, und zehn Sekunden später hören wir schon jemand verkünden, dass er tot ist. Das ist ein sehr ästhetischer Lauf der Dinge, aber nicht unbedingt glaubwürdig.

Die andere Nebengeschichte war weniger spannend – darin ging es um Serena, die mit ihrer Lebensgefährtin (toller Twist, den sah ich lang nicht kommen) streitet. Die voraussehbaren Szenen halten die Episode auf, und bis auf die Wahl des neuen Samenspenders (Will) sind sie auch nicht mehr relevant für die Hauptgeschichte. Die stärkste ihrer Szenen war die mit Will, die besonders im Nachhinein noch widerhallt und so typisch Touch verkörpert – eine Begegnung, eine Entscheidung verändert das Leben aller.

Vermisst habe ich auch etwas visuell ansprechendes. Ich wünschte, Touch würde dafür mehr Zeit investieren – es handelt sich schließlich um eine Serie, die bewusst mit Zahlen und Mustern arbeitet, und dafür ist mir die Serie visuell nicht ansprechend genug.

Bla:

– Keine gute Retroerklärung: Martin erwähnt, seit neun Jahren denselben Traum zu haben – im Central Park zu sitzen und seinem Sohn beim Schaukeln zuzusehen. Und all die Jahre für diese eine unwichtige Folge? Natürlich, jedes Menschenleben zählt, aber so ein lebenslanger Traum des Hauptcharakters könnte schon mehr Plotrelevanz haben.

– Für die paar Sekunden, in denen man die Absturzszene gesehen hat, hat man ja ein ganz schön aufwendiges Set verwendet – auch wenn es sowas wie andere Überlebende und/oder Leichen nicht zu sehen gab. Budgetgrenzen, natürlich, aber vielleicht hätte man auch eine andere Katastrophe stattdessen finden können. Oder mehr mit dem Flugzeugabsturz gemacht, so etwa ein Mini-Lost erzählt.

„Mein Gott, er ist tot.“ Schwachbrüstig synchronisiert, ich bin nicht begeistert.

Fazit: 7,0 von 10 Punkten.

Der Gesamteindruck von „Lost and Found“ ist positiv – durch die Verminderung auf nur zwei Nebengeschichten (plus den vermisste Jungen) wirkt die Folge straffer und dichter ineinander verwoben. Die Geschichte um Cleas Mutter lässt uns die Hauptcharaktere näher kennen lernen, während sie untereinander sich ebenfalls näher kommen. Allerdings gibts wieder Momente, an denen man sich an die Stirn fassen muss. Durch Teller kommt die Hauptgeschichte in Fahrt – hoffentlich schläft sie mit seinem Unfall/Tod nicht wieder ein.

“Wiedergefunden“ ist bis 6.5.2012 HIER kostenlos und legal auf der ProSieben-Homepage verfügbar.

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Ein Gedanke zu “Touch 1.06 „Wiedergefunden“: Emilia-Sequenz.

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